Snow Birds © Jana Mänz
08. Oktober 2013 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Rügen – Eine Winterreise

Schon lange habe ich davon geträumt, einmal in meinem Leben einen einsamen Winter an der Ostsee zu verbringen. Ich stellte mir das sehr romantisch vor: Das Leben in einem alleinstehenden, reetgedeckten Häuschen direkt hinter den Dünen. Ein wärmendes Feuer knistert im Kamin und außer dem Heulen des eisigen Winterwindes und dem tosenden Brechen der Meereswellen ist kein Geräusch zu hören.

Letztes Jahr ließ ich meinen Traum Realität werden, als ich auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft auf Rügen fündig wurde. Neben dem Kamin, der rauen Wintersee und einer ruhigen Wohnung war sogar der heißbegehrte Internetanschluss zum Arbeiten vorhanden. Und so packte ich meine Fotoausrüstung, meinen Laptop und eine Menge dicker Winterkleidung und zog für zwei Monate auf die Insel Rügen.

Frost © Jana Mänz

Aus heutiger Sicht erfüllte sich nicht nur ein Traum, sondern alles war sogar noch viel besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Schon Anfang Dezember machte der Winter seinem Namen alle Ehre und überzog die Insel mit einer wunderschönen, weißen Schneedecke. Der Bodden gefror und die Insel verfiel in einen Winterschlaf, der nur durch die Rufe der dort überwinternden Vögel unterbrochen wurde.

Und ich war mittendrin. Allein mit meiner Kamera bin ich stundenlang durch knietiefen Schnee gewandert, um die Eindrücke festzuhalten. Natur- und Landschaftsfotografie, vor allem im Winter, ist meine große Leidenschaft. Ich liebe den bleiernen Winterhimmel, das Türkis-Grau des Meeres und die tiefstehende Wintersonne, die mit ihren schräg einfallenden Sonnenstrahlen ein ganz besonderes Licht zaubert.

Hooded Crows © Jana Mänz

Bei meinen Aufnahmen habe ich versucht, nicht die typischen touristischen Ziele der Insel ins Visier zu nehmen, sondern mich abseits davon zu halten. Ich hatte für die fotografische Winterreise kein Konzept, sondern habe mich treiben lassen und die Natur so angenommen, wie ich sie vorfand.

Meine großen Vorbilder sind die Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich oder William Turner. In der damaligen Zeit waren die zentralen Themen die Liebe und die Sehnsucht, verbunden mit Gefühlen und Individualität. Aber auch Unheimliches, Mysteriöses und Märchenhaftes wurde thematisiert. Ich hätte gerne in dieser Epoche gelebt und gearbeitet, bin aber heute glücklich darüber, dass ich mit Hilfe meiner Kamera Fotografien aus meiner Gefühlswelt erschaffen kann.

Dabei benutze ich ausschließlich mein 50mm-Objektiv und bearbeite die RAWs anschließend in Lightroom und Photoshop. Die Technik ist dabei Mittel zum Zweck, meine Ideen bildlich darzustellen. Viel wichtiger sind das Licht vor Ort und der Moment, den ich festhalten möchte.

Sonnenuntergang © Jana Mänz

Im Laufe der Wochen stellte sich heraus, dass die Vogelwelt auf Rügen ein ganz zentrales Element meiner Arbeit geworden war. Vögel stehen für mich für Freiheit, Leichtigkeit und gleichzeitig für Kontinuität und Ordnung.

Ich denke dabei an Zugvögel, zum Beispiel die Wildgänse, die im Herbst in einer Formation über uns hinweg fliegen und dann bei späterer Übernachtung wild durcheinander gewürfelt schlafen. Ich denke an die kreischenden Mauersegler im Sommer, die ihre Behausungen in gleichmäßiger Form und Anordnung bauen und gleichzeitig die Akrobaten der Lüfte sind, die wild in verschiedenen Höhen ihre Bahnen ziehen.

Freiheit, Kontinuität und Ordnung gepaart mit Leichtigkeit und Dynamik sind für mich kein Widerspruch, sondern ergänzen sich. Wenn man dies gezielt fotografisch umsetzt und dabei mit Unschärfen spielt, wird aus einem klassischen Vogelbild etwas Mystisches, Übersinnliches, das zum Träumen anregt.

Moewen © Jana Mänz

Rügen im Winter ist einmalig. Die Strände sind menschenleer und die Strandkörbe lagern in ihrem Winterquartier. Die Straßen in den Kurorten, die im Sommer laut und hektisch sind, sind verwaist. Die Türen und Fenster der Restaurants sind verschlossen. Es ist nur noch das Rauschen des Meeres zu hören, das Rufen der Wildgänse, die auf dem Bodden überwintern.

An den Adventswochenenden treffen sich die Rügener auf kleinen Adventsmärkten zu einem Glühwein. Die Kinder rösten im Feuer selbstgemachtes Stockbrot, während eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen wird. Alles ist sehr beschaulich und ruhig.

Buchen © Jana Mänz

Ein ganz besonderes Highlight sind die leuchtenden Sanddornbüsche, deren Früchte gold-orange in der Wintersonne leuchten – vor allem im Kontrast zum weißen Schnee und dem grün-blauen Wintermeer. In der Umgebung von Kap Arkona leuchtet die ganze Steilküste und wirkt so wie ein verzauberter Ort.

Wenige Kilometer weiter südlich befinden sich die Buchenwälder des Nationalparks Jasmund. Im Winter wie magisch anmutend, wenn die kahlen, fast weiß-silbrig glänzenden Buchenstämme im Winterlicht erstrahlen und die rot-braunen Buchenblätter auf dem Boden einen starken Gegensatz dazu bilden.

unendlich © Jana Mänz

Überall auf der Insel finden sich im Winter solche kleinen, magischen Orte, die zum Fotografieren einladen. Und nicht nur das – Rügen ist eine Insel, auf der ich wunderbar Kraft tanken und mich inspirieren lassen konnte. Die ganze Rügenreise könnt Ihr in meinem gleichnamigen eBook 50mm Rügen – Eine fotografische Winterreise nachlesen bzw. weitere Fotos anschauen.

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE9212030000 1039084593
BIC: BYLADEM1001

Amazon
kwerfeldein @ Spreadshirt


15 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Liebe Jana. Das sind wunderschöne Bilder. Auch wenn ich einige davon schon kenne, begeistern sie mich jedesmal wieder aufs neue. Besonders das Bild mit den Möwen halte ich für sehr gelungen.

  2. Eine beneidenswerte Zeit, schön, dass Sie sich freischaufeln konnten. Die Bilder sind auch ansprechend, aber ich hätte ehrlich gesagt etwas mehr erwartet. Z.B. die schönen Bilder 2 (Winterlandschaft) und 4 (Möwen, wenn auch etwas gar überarbeitet) wären dies durchaus wert. Naja, vielleicht haben Sie hier auch nicht alle gezeigt.

  3. Eine sehr schön geschriebene Geschichte, ja es regt mich zum träumen an, mehr noch es weckt Sehnsucht in mir. Die Foto bewirken etwas in mir, ich höre fast die Vögel und spüre zugleich die Stille.
    Sofort dachte ich mir, das will ich auch.

    Gruß
    Robert

  4. Ohne die Bilder intensiv angesehen zu haben, was ich noch nachhole (!), genügte bereits die Überschrift und diese Textpassage: „einmal in meinem Leben einen einsamen Winter an der Ostsee zu verbringen“, um das virtuelle Portemonai zu zücken und das eBook „50mm Rügen – Eine fotografische Winterreise“ gleich mit zu ordern…

    Ja Ostsee. Das ist es. Aber deutsche Ostsee grundsätzlich nur in der „toten“ Jahreszeit. Anlässlich einer Fährfahrt von Rostock nach Skandinavien hatten wir uns vor Jahren drei Tage Ostsee gegönnt. Um zugegeben aber nicht bis Rügen gekommen zu sein. Vermutlich wäre ich im Sommer von Rügen aber auch enttäuscht gewesen, wenn ich an die unerträglichen Menschenmassen in Ahrenshoop zurückdenke. Auch wenn Ahrenshoop nicht Rügen ist. Bin gleich durchgefahren… Insofern hat „Rügen – Eine Winterreise“ meinen Nerv getroffen. MENSCHENLEER!

    Ostsee bedeutet für mich Südschweden, wo es auch im Sommer nicht so ätzend voll wird. Und ALLES kurtaxenfrei ist! Schon ab Herbst hat man alles für sich. Dieser tolle Beitrag hat aber neben der eBook-Order bewirkt, den durch Hausumbau lange „vergrabenen“ Scanner sofort zu reaktivieren, um endlich die Dias aus einem der letzten analogen Winter 1994-1997 zu digitalisieren. Nie mehr hatte ich an der Ostsee nur drei phantastische Farben: schwarz, weiß und winter-bleiblaugrau…

    DANKE für dieses kwerfeldein-Highlight!

    Ralf

  5. Liebe Jana,
    ein wunderschöner Einblick ins winterliche Rügen. Vor einigen Jahren hatte ich mal ein Jobangebot auf der Insel, habe mich dann aber mit Blick auf den Winter und auf die doch sehr abgelegene Lage dagegen entschieden. Für zwei Monate lässt sich die Insel sicher im Winter genießen, aber um dort dauerhaft zu leben sind die Winter vielleicht doch ein wenig trüb, zumal es ja nicht immer Schnee gibt.
    Deine Bilder zeigen die mystische Seite des Inselwinters, und ich kann mir gut vorstellen, dass das Fotografieren bei diesen Bedingungen so seine Tücken hat. Umso mehr bezaubern die Ergebnisse, mein Favorit ist dabei die Allee, weil ich sowieso ein Faible für Alleen habe.
    LG, Susanne

  6. Einfach nur wunderschön! Darf erfahren welche Unterkunft das war? Wenn alles gut geht, darf ich diesen Winter ein paar Tage auf Rügen verbringen! ;)
    LG aus München
    SonÄek

  7. Hallo Jana,

    ich hatte erst nur das Vorschaubild und den einleitenden Text gesehen und irgendwie dachte ich sofort, dass Du die Fotografin/Autorin sein könntest (die Textur im Bild hat dich verraten).

    Sehr schöne Bilder und ein wirklich passender Text. Das Gefühl im Winter auf Rügen bzw. an der Ostsee zu sein kann ich gut nachvollziehen. Leider hatte ich vor zwei Jahren im Februar nur eine Woche Resturlaub um dort in der Nähe von Dranske zu fotografieren. Aber Licht und vor allem die Stimmung sind dort im Winter einfach nur traumhaft.

    Am besten gefallen mir die etwas “blassen” Bilder; besonders die mit den Vögeln.

    Viele Grüße, Thomas