06. Januar 2012 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Die Fotografie in der Karikatur

Im 19. Jahrhundert wurde die Fotografie erfunden und bald arbeiteten erste Fotografen in Ateliers und gelangten zu einer gewissen Berühmtheit. Zur gleichen Zeit elebte die Karikatur ihre Blütezeit. Dass dabei auch die Fotografen Ziel des Spottbildes wurden, blieb nicht aus.

Der wohl bekannteste französische Karikaturist ist der 1808 geborene Honoré Daumier. Anlässlich der ersten Luftbildaufnahmen der Welt karikierte er Félix Nadar. Unter der Karikatur schrieb er “Nadar hebt die Fotografie auf die Höhe der Kunst”. Die Frage, ob Fotografie Kunst sein kann, wurde in dieser Zeit sehr stark diskutiert. In seiner Karikatur beantwortet sie Daumier ironisch.

Man sieht Nadar in seinem Fesselballon: Die Stativkamera fest an seine Augen gepresst, schwebt er über der Stadt. Die Häuser unter ihm tragen Werbeaufschriften, die auf die vielen Fotoateliers hinweisen, die in dieser Zeit in Paris eröffneten.


“Nadar hebt die Fotografie auf die Höhe der Kunst” von Honoré Daumier (1862)

Daumier veröffentlichte in verschiedenen französischen Zeitschriften. Seine folgende Karikatur macht sich über die Kopfstützen der damaligen Fotografen lustig, die durch die langen Belichtungszeiten unabdingbar waren. Daumier überspitzt sie in seinem Bild: Der Portaitierte sitzt auf einem Stuhl mit mehreren Schraubzwingen. Unter dem Bild steht: “Die bequemste Position für ein schönes Daguerreotypie-Portrait.”


Lithografie von Honoré Daumier (1847)

Die Begeisterung für die Fotografie teilten viele, aber längst nicht alle. Einige Künstler sahen die Malerei bedroht von der so maschinellen Fotografie. In einem Holzschnitt von 1865 sieht man diese Angst bestätigt:

Der dicke Fotograf sitzt mit einem üppigen Mal und Wein in seinem mit großen Fenstern ausgestatteten Atelier. Neben ihm liegt ein Stapel mit vorgemerkten Kundenwünschen. Seinen Kopf ersetzt eine Kamera. “Die Sache ist doch so übel nicht. – Es lebe das Geschäft.” steht unter dem Bild.

Der Portraitmaler hockt im Gegensatz zu ihm in einer dunklen Kammer mit alten und kaputten Möbeln. Er sieht hager und ungepflegt aus, trägt eine Art Kittel und hat nur ein Stück Brot. Unter seinem Bild ist vermerkt: “Seit zwei Jahren keine Bestellung mehr. – Hol` der Teufel die Kunst.”


“Photographie und Portraitmalerei” von C.Tetzel und H. König (1865)

Den großen Hype um die neue Erfindung zeichnet auch Théodore Maurisset in seinem Bild “La Daguerréotypomanie”. Auf dem Bild sieht man eine große Anzahl an Menschen mit Kameras. Es wirkt fast wie ein Wallfahrtsort. Die Kameras werden von Pferdekarren, der Eisenbahn und dem Dampfschiff in die ganze Welt transportiert. Auf der rechten Bildhälfte hängen sich die Kupferstecher am Galgen auf.

Die Angst vor der Fotografie wurde geschürt, teilweise war sie jedoch durchaus berechtigt. Die meisten Maler, Kupferstecher und andere Künstler mussten sich um ihren Lebensunterhalt sorgen und griffen bald selbst zur Kamera.

Im Buch “Photographic Pleasures” von Cuthert Bede von 1855 befinden sich sogar eine ganze Reihe Karikaturen zum Thema Fotografie. Hinter dem Namen Bede steht eigentlich der englische Geistliche Edward Bradley. Seine Bilder wurden später in unzähligen Büchern abgedruckt.


Karikaturen aus “Photographic Pleasures” von Cuthbert Bede (1855)

Vesko Gösel hat in seiner Serie “New Photographic Pleasures” Gedanken zur aktuellen Lage der Fotografie verbildlicht. Das Buch dazu kann man über seine Webseite erwerben. Inspiriert haben ihn dabei, wie der Titel schon vermuten lässt, die Karikaturen von Bede.


“New Photographic Pleasures” von Vesko Gösel (2007 – 2009)

Die Karikaturen zeigen Ängste, Wünsche und Gedanken rund um die Fotografie. Was nicht polarisiert, wird selten karikiert. Die Fotografie wurde seit ihrer Entdeckung unglaublich oft Ziel von Spottbildern, in denen häufig viel Wahres steckt. Wer jetzt neugierig ist, dem empfehle ich die photobibliothek.ch. Auf dieser Seite werden noch viele weitere Karikaturen mit kurzen Erklärungen gezeigt.


• Dewitz, Bodo von: Facts – Tatsachen: Fotografien des 19. und 20. Jahrhundert aus der Sammlung Agfa Foto-Historama im Museum Ludwig Köln. Köln 2006.
• Stepan, Peter: 50 Fotografen, die man kennen sollte. München/Berlin/London 2008.
• http://photobibliothek.ch/seite003b2.html (Stand: 01.01.2012)
• http://www.veskogoesel.de/arbeiten/de_newphopl.html (Stand: 01.01.2012)
• http://bit.ly/uUoObL (Stand: 01.01.2012)

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7 Kommentare

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  1. Ein sehr interessanter Lesestoff, danke schön! Man staunt immer wieder wie leicht die Massen in eine Hysterie verfallen, und wie of oberflächlich und manipulativ die Medien damit umgehen. Freilich sind die Künstler in Panik geraten, und ja zu Recht. Ihr Monopol auf abbildende Darstellungen wurde massiv gefährdet. Es ist aber nun mal so in einer progredient entwickelnden Gesellschaft – das Leben wird durch immer mehr Facetten widerspiegelt und die Facetten selbst werden dementsprechend immer kleiner. So auch heute wird das Monopol der professionellen Fotografie durch die neueste Entwicklungen gefährdet. So auch heute hat fast jeder professioneller Fotograf Angst um seine Existenz. Zumindest um seine alte Existenz. Aber es kommt bestimmt eine neue. Ich würde an der Stelle nur positiv in die Zukunft blicken.

    VG
    VT

  2. sehr schöner Bericht,
    hat Spass gemacht zu lesen.
    inzwischen wandelt sich ja die Fotographie durch das Digitale auch wieder zu einer Karikaturmöglichkeit, was ja in der analogen Fotogrphie nicht so der Fall war.

    Gruß
    Seller

  3. das ist die Mischung die ich bei kwerfeldein mag. Einerseits Artikel zu aktuellen Themen der Fotografie
    andererseits Artikel die inhaltlich weit zurückgehen in die Geschichte der Fotografie.

  4. Blogartikel dazu: Erfinderladen Berlin » Blog Archive » Was für Typen! - originelle Geschenke, neue Produkte