29. Dezember 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Geschichte der Fotografie: Die Suche nach Farbe

Als 1839 das erste fotografische Verfahren präsentiert wurde, war die Euphorie groß. Doch schnell kam auch die Ernüchertung: Der Wiedergabe von naturgetreuen Bildern fehlte die Farbe.

Die Welt in schwarzweiß genügte nicht. Um 1850, mit dem Aufkommen der Fotos auf Papier, begann man Fotografien zu kolorieren und unscharfe Ränder mit Stift und Pinsel zu kaschieren. Die Malerei war in dieser Zeit noch von großer Bedeutung und an den Kolorierungen von Fotografien erkennt man wunderbar den Übergang von der Miniatur-Malerei zur Personenfotografie.


Koloriertes Foto um 1850, Fotograf unbekannt

Das erste Farbbild stammt von James Clerk Maxwell und zeigt ein Ordensband aus kariertem Stoff. Der Physiker wollte mit dem Bild den Prozess der additiven Farbmischung demonstrieren. Mit Licht der drei Pimärfarben rot, grün und blau ließen sich alle Farben des Regenbogens darstellen. Dass bei dieser Präsentation das erste Farbbild entstand, war für die anwesenden Wissenschaftler damals noch nebensächlich.

Das Verfahren von Maxwell war jedoch noch nicht ausgereift, zeigte die Farben nicht perfekt und war sehr blaustichig. Zudem war es sehr aufwändig, wodurch eine Weiterverwendung für die Fotografen der Zeit noch nicht möglich war.


Dieses Bild gilt als erstes Farbbild: Tartan Ribbon von James Clerk Maxwell (1861)

Das Problem der exakten Farbwiedergabe verfolgten unter vielen anderen auch Louis Ducos du Hauron und Charles Cros. Hauron veröffentlichte 1868 ein Buch mit verschiedenen Farbverfahren. Jede davon beruhte noch darauf, drei Negative mit den drei verschiedenen Farbfiltern aufzunehmen. Von ihm stammt auch eines der ältesten erhaltenen Farbbilder.


Landschaftaufnahme von Agen von Louis Ducos du Hauron (1877)

Eine tatsächlich anwendbare Methode entwickelten erst die Brüder Lumière mit ihren Autochromplatten. Mit dieser Methode war es erstmals möglich, ein Farbbild mit nur einer einzigen Aufnahme zu erschaffen. Sie beschichteten Glasplatten mit rot-, grün- und blaugefärbten Stärkemehlkörnchen, die als Lichtfilter fungierten.

1903 reichten sie ihr Patent ein. Bereits 1913 produzierte die Firma der Familie Lumière circa 6000 der Autochromplatten täglich. Die Farbbrillianz und Intensivität der Autochrome sind auch aus der heutigen Sicht noch beeindruckend.


Zwei Mädchen pflücken Blumen von Alphonse Van Bestern (Autochrom 1910)

Erst 30 Jahre später setzte sich der Dreischichtenfilm durch. Kodak und Agfa brachten durch diese Erfindung um 1936 zeitgleich die ersten Diafarbfilme auf den Markt. So war es erst fast 100 Jahre nach Erfindung der Fotografie für eine breitere Masse möglich, die Welt in Farbe festzuhalten.


Quellen und Literaturangaben:
• Baatz, Willfried: Geschichte der Fotografie. Ein Schnellkurs. Überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe. Köln 2008.
• Beurer, Monica: WAS IST WAS, Band 63: Fotografie. 2006.
• Dewitz, Bodo von: Facts – Tatsachen: Fotografien des 19. und 20. Jahrhundert aus der Sammlung Agfa Foto-Historama im Museum Ludwig Köln. Köln 2006.
• http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/1456233/ (Stand: 14.12.2011)

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13 Kommentare

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  1. Das tollste an den alten analogen Aufnahmen ist ja, dass man diese selbst nach hundert jahren noch ohne besondere Technik anschauen kann.
    Bei meinen ersten Digtalfotos von 1994 ist dies schon nur noch mit viel Aufwand möglich und einige sind für immer verloren….
    Der Wert analoger Bilder, Negative und Dias wird mal sehr sehr hoch sein

    Gruß
    G-S