23. Dezember 2021 Lesezeit: ~5 Minuten

2021 entdeckte Fotobuchschätze der Redaktion

Dass wir große Fans von Fotobüchern sind, können wir nicht verbergen. Immer wieder stellen wir tolle Bildbände vor, rezensieren sie oder machen Videos darüber. In den letzten Wochen hatten wir sogar einen Buchclub für kwerfeldein gegründet und gemeinsam die Biografie der Fotojournalistin Lynsey Addario gelesen. Deshalb darf Ende des Jahres ein Rückblick auf den Buchmarkt nicht fehlen.

Die Redaktion hat in ihre Regale geschaut und ihre wichtigsten Bildbände des Jahres herausgesucht. Das sind unsere in diesem Jahr entdeckten Fotobuchschätze:

Sebastians Entdeckung: „Rumors of war“ von Christoph Bangert

Das Buch ist wie ein Notizbuch aufgemacht, hat ein schönes, kleines und persönliches Format, wie ein Tagebuch. Es erzählt von Christophs Gedanken rund um sein ehemaliges Leben als Kriegsfotograf.

Er nimmt uns mit auf eine Reise durch sein vergangenes Leben und visualisiert die Veränderung seines Lebens und Verhältnisses zum Krieg und seiner Arbeit. Ungewöhnlich, es so zu sagen, aber es ist nicht nur eindrucksvoll, sondern auch „schön gemacht“, obwohl wir von einem Buch mit Kriegsfotografien sprechen.

 

Christophers Entdeckung: „Its flower is hard to find“ von Vincent Kohlbecher

Zu meinen tollsten Entdeckungen dieses Jahr gehört definitiv das Buch „Its flower is hard to find“ von Vincent Kohlbecher. Der Bann des Buches entwickelt sich vom ersten Bild an und es ist das ideale Beispiel für eine Serie, die mit Verrätselungen und Ahnungen spielt.

Das Buch handelt von Polen, einem Land, dessen Geschichte bewegter kaum sein kann. Alles andere bleibt erst einmal verborgen. Nur der Klappentext deutet einen märchenhaften Bezug an. Es ist ein Buch, das ich mehr als einmal lesen musste, gar nicht anders konnte, als mich intensiv mit ihm auseinander zu setzen.

Wenn es ein Buch gibt, das ich dieses Jahr empfehlen kann, dann ist es das. Eine ausführliche Rezension zum Buch findet Ihr hier.

 

Katjas Entdeckung: „Leaving and Waving“ von Deanna Dikeman

Eines der emotionalsten Fotobücher, das ich je in der Hand halten durfte. Dabei ist das Buch eher zufällig entstanden. Die Fotografin Deanne Dikeman hat nach jedem Besuch bei ihren Eltern den Abschied fotografiert. So stehen die beiden in ihren Schnappschüssen winkend in der Hofeinfahrt.

Die Bilder werden im Buch chronologisch gezeigt und man sieht die beiden langsam altern. Was eintönig klingt, ist alles andere als das. Das Buch zeigt eine unglaubliche Nähe und wird so emotional, dass ich Menschen beim Durchblättern weinen sah. Welches Buch schafft das noch?

Ich habe das Buch zudem in unserem Format „der erste Eindruck“ dem Fotografen Jean-Luc Caspers gezeigt.

 

Aileens Entdeckung: „werden“ von Kristina Feldhammer

Zu meinen liebsten Entdeckungen in diesem Jahr zählt die Künstlerin Kristina Feldhammer aus Wien. In ihren Bildern verbindet sie im weitesten Sinne Aktfotografie mit der Liebe zur Natur als Urform der Heimat mit den Mitteln experimenteller analoger Fotografie.

Kristina Feldhammers künstlerische Praxis wirkt auf mich ungemein inspirierend, obwohl oder vielleicht gerade weil sie ähnliche Themen und Bezüge – Natur, experimentelle Analogtechniken, künstlerische Medien abseits der Fotografie – bearbeitet wie ich und doch bei völlig anderen Ergebnissen landet.

Eine ausführliche Rezension des Buches haben wir erst in der letzten Woche veröffentlicht.

 

Christians Entdeckung: „An Tagen wie diesen“ von Hans-Jürgen Burkard

2021 hat der deutsche Fotograf Hans-Jürgen Burkard den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) bekommen – ein Anlass für mich, diesen renommierten Bildjournalisten ein bisschen genauer kennenzulernen. Dabei bin ich auf das Ende 2020 erschienene Buch „An Tagen wie diesen“ gestoßen, in dem sich der Zeit seines Lebens international aktive Fotograf dem eigenen Land widmet und ein umfangreiches Portrait Deutschlands fotografiert hat.

Interessant und charmant ist die Idee, die Bilder jeweils mit Textauszügen aus diversen (deutschsprachig produzierten) Popsongs zu kombinieren. Zudem kommentiert der Fotograf das jeweilige Bild immer auch noch selbst mit einem kurzen Text. So lässt sich das Buch auf mehreren Ebenen lesen: rein über die Bildwahrnehmung, ergänzt um inhaltliche Zusatzinformationen und darüber hinaus im Zusammenklang mit Musik und Liedtexten.

Die Fotos sind klar, stark, besonders, schrill, nachdenklich, schräg, anrührend, ironisch und immer unverkennbar auch „deutsch“. Ein cooles Buch, das meine kleine Fotobuchsammlung zum Thema „Deutschland“ würdig ergänzt.

 

Jetzt seid Ihr dran! Welche Fotobücher und Bildbände waren 2021 Eure Highlights? Welches Buch habt Ihr entdeckt und welches braucht unbedingt mehr Aufmerksamkeit, weil es einfach unschlagbar ist? Erzählt es uns in den Kommentaren!

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  1. Die zum Teil neu wieder aufgelegte Hong Kong – Reihe des leider 2019 verstorbenen Fotografen Michael Wolf. Er nahm themenbezogen (z.B.: Lost Laundry, Rubber Boots and Shoes, Storage etc.) Serien von Photos auf, die kaum Menschen zeigen, aber trotzdem viel über das (alltägliche) Leben der Menschen in dieser Stadt zeigen.

    • Ja! Michael Wolf war auch in meinen Augen einer der interessantesten Fotografen. Ich benutze seine fantastische Serie „Tokyo Compression“ im Sprachunterricht und lasse Lernende diese Bilder beschreiben. Interessanterweise interpretieren relativ viele dieser Leute diese Fotos als Aufnahmen von Toten, was ja nur im metaphorischen Sinn von „Ich bin totmüde“ stimmt.