05. August 2021 Lesezeit: ~5 Minuten

Den Himmel austauschen: Photoshop vs. Luminar

Bevor jetzt gleich eine Kommentarschlacht beginnt, wie blöd oder falsch die Funktion sei, den Himmel in Bildern auszutauschen: Um Sinn oder Unsinn soll es hier gar nicht gehen. Wer sich näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, hört am besten in unseren Nachrichtenpodcast rein. Dort habe ich mit Sven Doelle von Adobe darüber gesprochen, wie Bildbearbeitung die Fotografie verändert.

So, genug des Vorworts. Worum es eigentlich gehen soll: Wie weit ist die künstliche Intelligenz in der Bildbearbeitung eigentlich? Wie schlagen sich die zwei Programme Adobe Photoshop und Luminar Ai im direkten Vergleich?

Die Funktion, den Himmel auszutauschen, bietet sich dafür super an, denn es gibt dabei mehrere Problemstellen, an denen die Algorithmen sehr genau arbeiten müssen: Eine Bilderkennung, die den Himmel vom Rest des Bildes unterscheiden kann, eine automatische Freistellung von Kanten und eine Funktion, die die Lichtstimmung des Himmels an das Gesamtbild anpasst.

Photoshop habe ich für den Test ausgewählt, weil es nach wie vor der Marktführer im Bereich der Bildbearbeitung ist. Luminar hingegen, weil das Programm gezielt mit seiner künstlichen Intelligenz wirbt. Das Programm trägt „Ai“ für „Artificial Intelligence“ ja sogar im Namen.

Gestartet habe ich meinen kleinen Test mit der Aufnahme einer Kirche auf Färöer. Es scheint für mich und meinen menschlichen Verstand ein sehr einfaches Bild mit klar erkennbaren Kanten zu sein. Auch der Himmel ist relativ einheitlich und enthält nur leichte weiße Wolken. Ich ersetzte also diesen Himmel automatisch mit beiden Programmen.


Himmel austauschen mit Photoshop


Himmel austauschen mit Luminar

In beiden Programmen ist das Ergebnis auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Erst, wenn man weiter hineinzoomt, sieht man die Unterschiede genauer. In der Version von Luminar sind auf der weißen Holzfassade feine Strukturen aus dem Himmel zu erkennen, die sich mit den Einstellungen auch nicht beheben ließen.

Schwierigkeiten gab es bei beiden Programmen auch mit der Kante der Kirche zum Himmel. An dieser Stelle war bei beiden Bildern eine helle Aura zu sehen. Zum Glück kann man in beiden Programmen nachträglich noch Anpassungen vornehmen und damit die Kanten verfeinern.

Das Problem bei Photoshop war jedoch: Wenn ich die Kanten anpasste, wurden die feinen Linien im Kreuz immer schmaler. War die helle Aura nicht mehr zu sehen, fehlten die feinen Linien im Kreuz komplett. So musste ich bei dieser Einstellmöglichkeit einen Mittelweg wählen. Die Aura ist bei Photoshop noch leicht zu sehen, das Kreuz sehr schmal. Der Punkt im ersten Test geht also an Luminar.

Links Photoshop, rechts Luminar

Für das zweite Bild wollte ich eine richtige Herausforderung. Mein Foto einer Mühle hat nicht nur sehr feine Linien und Zwischenräume, sondern auch noch eine Spiegelung des Himmels im Wasser. Wie die beiden Programme damit zurechtgekommen sind, seht Ihr hier:


Himmel ersetzen mit Photoshop

Photoshop hat die feinen Zwischenräume in den Windrädern gut erkannt. Aber auch bei diesem Bild hatte das Programm wieder Schwierigkeiten mit den ganz feinen Linien der Seile links neben der Mühle. Diese sind zum Teil gar nicht mehr sichtbar.

In der Spiegelung hat das Programm zwar die Farbstimmung des Himmels ergänzt, aber die Wolken spiegeln sich nicht, wie es in der Realität der Fall wäre. Diese Funktion bietet aktuell nur Luminar an.


Himmel ersetzen mit Luminar

Ich weiß wirklich nicht, was Luminar im Wasser für ein Problem gesehen hat, aber diese hellen Flecken, die es in der Spiegelung eingefügt hat, ergeben einfach keinen Sinn. Das ist sehr schade, denn die Wolken und Sonne hat das Programm in der Spiegelung sehr realistisch ergänzt.

Zudem hatte Luminar große Schwierigkeiten mit den Räumen zwischen Mühle und Holzbalken bzw. den Windrädern, sodass es in diesem Bereich den Himmel gar nicht mehr erkannt hat. Deshalb geht beim zweiten Bild der Punkt unterm Strich an Photoshop.

Beide Programme bieten außerdem die Möglichkeit, nachträglich mit Hilfe von Masken die Fehler der KI noch manuell nachzuarbeiten. Ich könnte also in Luminar die Zwischenräume mit Himmel füllen und in Photoshop die Seile zurückholen. Aber das Ziel meines Tests war es, zu sehen, wie gut KI momentan arbeitet und ob es große Unterschiede zwischen den Programmen gibt.

Ich bin überrascht, wie gut beide Programme ein Bild analysieren und dabei einzelne Bildteile – in diesem Fall den Himmel – erkennen können. Die genauen Kanten haben beiden Programmen jedoch noch kleine Probleme gemacht. Perfekt ist die KI also noch lange nicht.

Ich bin mir aber sicher, dass die Entwicklung noch weitergeht und mit jeder Version der Programme die Funktionen etwas besser werden. Vielleicht lösen sie eines Tages wirklich die Arbeit von Bildbearbeiter*innen ab. Momentan kann man als Mensch definitiv noch viel genauer arbeiten und wird für wirklich gute Ergebnisse gebraucht.

Hinweis: Skylum hat mir das Programm Luminar für diesen Test kostenfrei zur Verfügung gestellt.

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6 Kommentare

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  1. Genau deshalb, weil ich keine Lust mehr habe, für etwas zu bezahlen und Ressourcen zu verbrauchen, was ich nicht benutze, habe ich mein Adobeabo gekündigt und bin jetzt bei Affinity gelandet. Jeder, der mit Bildern Geld verdienen muss (ich bin nur Amateur), schaufelt sich mit der Bezahlung solcher digitalen Dienste früher oder später sein eigenes Grab.

    • Hey Michael,

      bist du dir wirklich sicher, dass man sich mit einem Adobe Abo (LR + PS) wirklich sein eigenes Grab schaufelt? Denke der Abopreis ist verdammt fair dafür, genau wie die Luminar-X-Mitgliedschaft.

      Kann aber verstehen, dass die Softwares nicht in den Workflow von allen reinpassen, aber sogar die meisten Amateure nutzen diese Programme.

      • Darum geht es nicht. Ich habe PS + LR viele Jahre benutzt und behaupte, mich ganz gut auszukennen. Bloss, um den Kommentator weiter unten zuzustimmen, ich muss nicht alles benutzen, was technisch möglich ist, um einen Fortschritt zu erreichen, den eigentlich fast niemand sieht. Das hat auch was mit der eigenen Beschränkung und Bilderkultur zu tun. Seit ich nicht mehr bei FB und Instagram bin, (klar, mit der KI kann ich hier schneller Fotos hochjagen), sind meine Bilder besser geworden, finde ich. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, eine eigene vernünftige Webseite zu erstellen ohne die Krücken von Adobe etc., dann bin ich bei dem, was ich mir vorgenommen habe. Mit Affinity geht manches langsamer und umständlicher, man ist aber gezwungen, sich mit den Grundlagen mehr auseinanderzusetzen. Dinge, die man bei den Anfängen von PS ja wissen musste, Freistellen mit Kanälen und sowas, muss man natürlich bei vollendeter KI nicht mehr beherrschen. Gerade als Amateur habe ich die Freiheit, mich von diesen Zwängen der Schnelllebigkeit zu befreien. Und ja, natürlich, wozu braucht man irgendwann noch einen Fotografen oder Bildbearbeiter, wenn jedermann per Mausklick sich in seine virtuelle Welt setzen kann, die ihm vorschwebt?

  2. Bein Lesen über die Schwierigkeiten dieser Programme denke ich an das nun bereits 30 Jahre alte povray.org mit den damals unglaublichen Bildern aus Textdateien generiert/ gerendert. Gerade Spiegelungen waren sehr präzise, oder die Einflüsse von farbigen Gegenständen in die Gesamt-Farbsetzung etwa eines Raumes mit Fenstern. Ist die angesproche KI darüber wirklich hinaus, auch wenn Fotografien natürlich etwas anderes sind?

  3. …es ist wie die unendliche Geschichte, ich gebe zu, ihr gelegentlich auch zu verfallen.

    Doch bedenkt man, dass nur ungefähr 3% der Menschheit keinen Sehfehler hat und die verbleibenden 97% sich alle, vor allem die Bilderschaffenden, streiten wie die Kesselflicker um scharfe Kanten von Geräten mit KI die noch im unteren Bereich von 35% rangieren der eh schon mit Sehfehlern behafteten 97%,….. bitte?!
    Und dann noch, seit der digitalen Zeit, in Bilder zoomen zu können 2, 10, oder 100 fach und mehr, um über unsaubere Kanten zu schwadronieren, mit Leuten, die eh schon einen Sehfehler haben…. ist halt die unendliche Geschichte.

    All diese Verfechter der Bildschärfe möchte ich mal vor das derzeit bestauflösende Fernsehgerät setzen und 8 Std. schauen lassen. Die meisten brechen vor diesen 8 Std. freiwillig ab, vor Kopfschmerzen.
    Dieser Schmerz wird erzeugt durch das fehlende fokussieren der Augen, die das mehr oder weniger permanent machen, und Arbeitslosigkeit kann Schmerzen verursachen, viele kenn das aus anderen Lebensbereichen, ohne diesen Vergleich zu beschönigen.
    Wir alle nutzen doch diese Krückstöcke von technischen Hilfsmitteln gleichermassen, nur um ansatzweise die eigene Wahrnehmung vorzuführen, welche mit zunehmender KI eher ein Fake ist als die Wirklichkeit.
    Also, lassen wir das Gesamtwerk auf uns wirken, mit dem gebührenden Abstand und dem gebührendem Anstand des Abbilders*in :), der sich bei seinem tun, was dabei gedacht hat.

    Wohl denn, dass man mal darüber geredet hat ;)
    Frank

    Ps: Ich bin kein guter Schreiber, da ich an Legasthenie leide, aber doch der Meinung, der Leser versteht was ich gemeint habe.

  4. Ich kann die Ablehnung des Abo-System von Adobe verstehen – ich lehne es, aus verschiedenen Gründen, auch ab. Meine Konsequenz ist aber nicht das einstellen meiner Arbeit mit Photoshop und/oder Lightroom. Ich bin einfach bei den letzten käuflichen Versionen stehen geblieben.
    Die „Neuheiten“ bei den aktuellen Versionen sind nicht so bedeutend, das ich sie unbedingt bräuchte.
    Aber zum Beitrag zurück – was spricht dagegen beide Programme zu nutzen? Zumal Luminar AI wirklich günstig ist. Ich nutze beide Programme.