26. Januar 2021 Lesezeit: ~4 Minuten

it was snowing outside (and …)

Im Frühling 2019 reiste ich das erste Mal in die Ukraine und entwickelte eine riesige Faszination für das Land, die zeitlose Ästhetik, die alten Züge und Häuser und all die Kontraste, die man in dort Land findet. In dem einem Moment läufst Du mit einem streunenden Hunderudel durch die Straßen und im nächsten stehst Du inmitten eines bunten Blumenmarktes.

Hinzu kam, dass ich das Glück hatte, unglaublich wundervolle Menschen kennenzulernen, die mich zu sich einluden und an ihrem Leben teilhaben ließen. Es begeisterte mich, wie nah man durch die Fotografie an Menschen und Orte herantreten kann, die einem bis vor kurzem noch völlig fremd waren. Ich lernte mehr denn je, dass Fotografie eine Art Dialog sein kann. Gerade in Momenten, in denen die Sprachbarriere größer und eine normale Konversation so gut wie unmöglich war.

Gruppe von Menschen in einem kleinen Raum

Hund auf einer Straße frisst Fleisch

Meine Freund*innen, die ich fotografierte, waren mit in die Entstehung dieses Buches einbezogen. Das war mir sehr wichtig. Und ich bin ihnen so dankbar und immer noch fast etwas ungläubig, dass sie mir erlaubt haben, ihre privaten Momente so zu fotografieren und dieser anfangs fremden Person mit der kleinen analogen Kamera so viel Vertrauen entgegen gebracht haben.

Als ich von meiner ersten Reise wiederkam und die entwickelten Filme in der Hand hielt, wusste ich, dass ich auf jeden Fall in die Ukraine zurückkehren musste. Ich denke, alle Kreativen kennen diesen Moment, in dem ein Projekt einen einfach packt und man nur weiß, dass man daran auf jeden Fall weiter arbeiten muss. Man diesen Drang in sich spürt, ohne wirklich erklären zu können, warum.

Eine Person liegt auf einer Matte auf dem Boden, eine andere sieht ihr dabei zu

Person lehnt an einer Wand, an der eine Waffe hängt

Also warf ich wieder alles in meinen kleinen Rucksack und reiste noch zwei weitere Male in die Ukraine. Ich liebte es, diese Arbeit zu fotografieren: All die Orte, an die ich sonst nie gegangen wäre. All die Menschen, die ich sonst nie getroffen hätte. Jede schlaflose Nacht in irgendwelchen Nachtzügen mit der Kamera unter dem Kopfkissen und der Hand auf dem Rucksack, die vollen Filmrollen durch den dünnen Stoff berührend, den Geruch von Instantkaffee in Hotelzimmern mit gemusterten und glitzernden Tapeten und das Wissen, dass ich das alles ohne die Fotografie nicht erlebt hätte.

Ich sah dem Projekt dabei zu, wie es sich entfaltete und wuchs und immer größer und größer wurde. Ich konnte in meinen Fotos sehen, wie sich meine Wahrnehmung und Sichtweise veränderte, vom ersten Eindruck bis hin zur Vertrautheit. Wie ich von anfangs etwas unsicher und durchaus etwas fehl am Platz überging zu einer Person, die in jeder Stadt ein Lieblingscafé hatte, wusste, wo die Supermärkte sind und anfing, einen eigenen kleinen Alltag zu haben.

Nach jeder Reise druckte ich meine Bilder aus und brachte sie mit in den Unterricht von Christoph Bangert, wo ich sie mithilfe meiner Kommiliton*innen editierte und in die Form von Dummys gebracht habe. Ich habe noch nie mit einer so großen Masse Bilder gearbeitet, teils schien der komplette Raum von Fotos bedeckt. Ich war unglaublich froh über diese Hilfe und die Möglichkeit, sich so viel Feedback von so vielen anderen Fotograf*innen einzuholen.

Person liegt auf einem improvisierten Bett

Aus diesen bei meinen Reisen entstandenen Bildern entwickelte sich mein Buch „it was snowing outside (and it took her two days to notice)“. Es ist gefüllt mit alltäglichen Momenten, Freundschaft, Vertrauen, Frustration, Liebe und Begeisterung.

In dem Buch tauchen auf einigen Seiten handgeschriebene kleine Anmerkungen und Texte auf. Diese stammen aus meinen Notizbüchern, die ich auf Reisen immer mitnehme, um meine Eindrücke und alles Erlebte zu ordnen und festzuhalten. Ich suchte Ausschnitte aus ihnen heraus, um die Fotografien noch um das, was nicht fotografier- und sichtbar war, Dinge die mir erzählt wurden oder einfach nur kleine Gedankengänge, zu ergänzen.

Im Moment versuche ich, das Buch zu veröffentlichen und habe hierzu eine Kickstarter-Kampagne erstellt. Geplant ist eine Auflage von 400 Büchern.

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4 Kommentare

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  1. Eine sehr persönliche Geschichte und Fotos, ich finde allerdings nichts typisches was mich an die Ukraine erinnert, außer das Bild von den Straßenhunden, die ich der Anzahl noch in keinem Land der ehemaligen Sowjetunion wahrgenommen habe.
    Trotzdem viel Erfolg mit dem Buch.