18. November 2019 Lesezeit: ~5 Minuten

Von der Einfachheit

Vor etwa 15 Jahren las ich das Buch „Einfach managen“ von Dieter Brandes. Ein Buch, aus dem mir viele Aussagen in Erinnerung geblieben sind, das ich manchmal immer noch zur Hand nehme und durchblättere. Ein Buch mit praxisgerechten Anregungen, die ich immer wieder versuche, in meiner täglichen Arbeit umzusetzen. Es geht darum, sich zum Wesentlichen hin zu orientieren, weg von der Komplexität in einem Unternehmen, sowohl in der Führung wie auch in der Organisation.

„Einfachheit als Weg zum Wesentlichen“ steht als einer der Kernsätze auf der Webseite des Institutes für Einfachheit. Etwas einfach zu machen, bedeutet in letzter Konsequenz, dass man viel streichen muss, bis man nichts mehr weglassen kann, ohne, dass die Aussage darunter leidet beziehungsweise dass das, was ich zum Ausdruck bringen wollte, nicht mehr erkannt wird.

Bäume im Schnee

Im beruflichen Alltag verlieren wir oft das Wesentliche aus dem Blickfeld. Täglich schüttet uns ein Füllhorn mit gut gemeinten Informationen, Dingen, die wir zu erledigen haben und die wir erledigen möchten, zu. Wir sind oft „overnewsed, but underinformed“, wie es schon der US-Medienwissenschaftler Neil Postman vor über 30 Jahren formuliert hat. Zu viel Informationen haben schon oft zu einer Orientierungslosigkeit geführt. Machen wir uns selbst deutlich, was uns wichtig ist.

Im Job als Profifotograf*in ist man oft im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Erfolg und kreativen Ergebnissen; als Amateurfotograf*in im zeitlichen Dilemma zwischen Brotberuf und Ausgleich im Sinne ausgewogener Work-Life-Balance, wobei man mit der Fotografie seiner Leidenschaft nachgehen möchte. Da hilft es, sich mit der „Einfachheit“ näher zu beschäftigen. Klare und definierte Ziele helfen uns sowohl im Job wie auch im privaten Bereich, den Fokus auf das Wesentliche zu legen.

See im Winter

Es gilt, einen Weg zur Konzentration auf messbare, erreichbare und nachvollziehbare Ziele einzuschlagen, unterstützt mit konsequentem Umsetzungswillen. Bessere Übersichtlichkeit, mehr Erfolg und höhere Qualität unserer Arbeit wie auch unseres Lebens sollten der Lohn sein.

Eine für mich immer wichtige Frage, die meines Erachtens zu wenig gestellt wird – und da beziehe ich mich selbst ein – ist: Warum? Je mehr wir uns bewusst sind, warum wir tun, was wir tun, desto eher hinterfragen wir unser Tun und können gegebenenfalls auch gegensteuern, Routinen ändern, Verhaltensweisen anpassen und in letzter Konsequenz, auch wenn es manchmal weh tut, Komfortzonen verlassen.

Baum und Wolken

Sicherheit, Gewohnheit, Angepasstheit, aber auch pekuniäre Notwendigkeit, Angst oder vielleicht auch Liebe können Gründe sein, die uns als Antworten einfallen werden. Von Zeit zu Zeit ist es aber wichtig, die eigenen Aktivitäten, das eigene tägliche Tun zu hinterfragen und somit auf Aktualität und Wirksamkeit zu überprüfen.

„Nie ist zu wenig, was genügt.“ Das Zitat von Seneca muss man vielleicht mehrmals durchdenken, um die Bedeutung, die Aussage dieses kurzen Satzes gut zu verstehen. Was ist wirklich wichtig? Worauf können wir verzichten? Prof. Dr. Lothar Seiwert, der namhafte Zeitmanagementexperte schreibt in seinem Buch über Work-Life-Balance über die Wichtigkeit, dass die Beziehung zwischen den vier Lebensbereichen „Sinn/Kultur“ (da geht es um Selbstverwirklichung, Erfüllung), „Körper/Gesundheit“, „Familie/Kontakt“ und „Arbeit/Leistung“ so gestaltet wird, dass zwischen diesen eine Balance entsteht.

Junge Bäume in Eis

Sobald wir einen der drei Bereiche „überbeanspruchen“, leiden die anderen drei und viele kennen auch bereits die Konsequenzen einer einseitigen Überbeanspruchung, insbesondere, wenn der Fokus nur auf Arbeit/Leistung gelegt wird. Es ist wichtig, dass man sich mit den Anforderungen, die an einen gestellt werden, intensiv beschäftigt. Nur wenn wir diese genau kennen, können wir unser Leben pro-aktiv in die Hand nehmen, um diese vier Bereiche zu koordinieren und einen Ausgleich zu schaffen.

Es wird immer wieder Zeiten geben, in denen ein Lebensbereich stärker in Anspruch genommen wird, sei es aus privaten oder beruflichen Gründen. Jedoch sollten wir uns immer bewusst machen, dass es diese vier gibt und auch, dass man nicht alles machen muss, was man machen könnte. Sich bewussst zu entscheiden, heißt, klug zu entscheiden.

Baum auf einem Feld im Winter

Einfachheit ist auch eine Erfolgsformel im Verkauf. Wenn ich meine Kundschaft überfordere, ihr zu viele Informationen gebe, eine zu große Auswahl vorstelle, wird sie sich schwerer entscheiden können. Im Verkaufsgespräch zuhören: Was möchte die Kundschaft, was ist ihre Motivation, was bewegt sie, was treibt sie an, offene Fragen stellen, mitnotieren. Zusammenfassen, auf den Punkt bringen und dann die Lösung präsentieren. Nicht mehrere, sondern die Lösung, die gerade für sie optimal passt und sie einfach formulieren.

Wenn ich meiner Kundschaft meine Dienstleistung oder mein Produkt lange und kompliziert erklären muss, wird sie sich wahrscheinlich Zeit für eine Entscheidung lassen und den Abschluss machen andere. Unsere Welt ist komplex genug. Weniger ist manchmal viel mehr.

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6 Kommentare

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  1. Guten Morgen.
    Genau so ist es.
    Und deswegen arbeite ich mit einer Kamera ausschließlich mit Zeit und Blende. Und ein möglichst kleines Equipment. In der Fotografie ohne extremen Weitwinkel. Bei der Motivgestaltung schaue ich mir gerade einiges von Malern ab, die einen Ausschnitt suchen. Und darin mehr als genug entdecken. z.B. bei Edward Hopper. Aus Angst, im Motiv etwas zu verpassen, packt man oft alles mit rein. Und da versuche ich gerade, mich auch darin weiter zurück zu nehmen.

  2. Hallo in die Runde,

    sehr gelungene Bilder. Herzlichen Glückwunsch. Die Besinnung auf das Einfache und die Reduzierung auf ein Minimum ist hier schön verwirklicht.

    Herzliche Grüße