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28. März 2019 Lesezeit: ~7 Minuten

Photosphäre: Damian Zimmermann

Wenn man wie ich in der Nähe von Köln lebt, stößt man sehr schnell auf Damian Zimmermann. Er ist als Fotograf, Journalist und Kurator hier sehr präsent und spätestens durch die Photoszene Köln und über das Fotobuch-Quartett+ habt Ihr vielleicht auch schon von ihm gehört. Neben all diesen Dingen betreibt Damian aber auch einen eigenen Blog, der in unserer Photosphäre gelistet ist und zu dem ich ihm einige Fragen stellen durfte.

Wann hast Du den Blog gestartet?

Die Idee kam wahrscheinlich 2007, aber neben inhaltlichen Zweifeln und Angst vor der Beschäftigung mit der technischen Seite und WordPress habe ich ihn dann erst im Sommer 2009 gestartet.

Wie kam es zur Blogidee?

Ich hatte eine Fotografenseite, aber ich mache bis heute ja mehr als nur zu fotografieren und das spiegelte sich auf meiner Fotografen-Webseite nicht wider. Ich wollte eine Plattform haben, auf der ich flexibel reagieren, auf der ich meine eigenen Texte aus Zeitungen und Magazinen veröffentlichen und auch unabhängig davon auf aktuelle Ereignisse reagieren kann.

Mir war aber auch klar, dass ein Blog regelmäßige Inhalte braucht – sonst brauche ich ihn nicht zu machen. Das hat mich dann auch noch eine Weile davon abgehalten, mich damit zu beschäftigen. Als ich dann aber immer mehr Kunstkritiken speziell zur Fotografie geschrieben habe, dachte ich mir, dass es an der Zeit sei, die mal gebündelt zu sammeln. Heute, zehn Jahre später, sehe ich, dass mein Blog auch mein Archiv ist. Wenn ich irgendetwas suche, was ich mal geschrieben habe, gehe ich auf meinen Blog, gebe ein Stichwort ein und habe den Artikel meist sofort.

Du bist ja eigentlich Journalist und schreibst für verschiedene Fachzeitschriften. Ist es Dir wichtig, die Artikel noch einmal online einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen?

Ja, auch. Es ist natürlich toll, wenn meine Artikel in Zeitungen, Magazinen und Fachzeitschriften erscheinen, aber das passiert sehr unregelmäßig und niemand hat einen Überblick über alle Publikationen, in denen irgendwann mal etwas Gehaltvolles zur Fotografie steht. Das wollte ich zumindest für meine eigenen Beiträge ändern und sagen: „Schaut her, hier gibt es nahezu alles, was ich zur Fotografie veröffentlicht habe.“

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Du teaserst im Blog immer die Artikel an und verlinkst dann die PDF-Datei, wie es in der jeweiligen Zeitschrift erschienen ist. Ist das eine Kompromisslösung, die Du mit den Verlagen eingegangen bist oder dürftest Du auch die Interviews und Artikel in Textform im Blog veröffentlichen?

Ne, das ist eher eine Mischung aus Faulheit, Eitelkeit, Authentizität und Seriosität. Faulheit, weil ich damit weniger Arbeit habe. Eitelkeit, weil ich es gut finde zu sehen, wo und wie der Artikel ursprünglich erschienen ist. Das bedeutet für mich auch Authentizität und Seriosität, denn im Layout auf einem Blog sähe ja jeder Beitrag gleich aus, aber es macht einen Unterschied, ob es nur eine kleine Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger oder ein mehrseitiger Artikel irgendwo ist. Außerdem mag ich auch einfach die Gestaltung der unterschiedlichen Medien, ihre Möglichkeiten und Limitierungen.

Sind alle Verlage mit der Veröffentlichung online einverstanden?

Das sind meine Artikel, insofern können die rein rechtlich nichts dagegen haben – sie haben ja nicht das alleinige Nutzungsrecht gekauft. Wichtig ist nur, dass meine Texte erst nach erscheinen in den jeweiligen Publikationen auf meinem Blog zu finden sind – oder wenn das Magazin nicht mehr im Handel erhältlich ist.

Gerade hast Du das Design komplett verändert. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Oh, das wollte ich schon seit Jahren machen, aber es waren die gleichen Gründe, wie die, die mich damals davon abgehalten haben, überhaupt anzufangen: Angst vor der Technik und Komplikationen, die auftreten. Und das war dann ja auch so. Ich habe beispielsweise mein WordPress jahrelang nicht aktualisiert, so dass mein Blog im Oktober plötzlich wochenlang offline war. Als ich mich dann darum kümmern musste, dachte ich: Okay, dann kannst Du Dich auch um den Rest kümmern.

Allerdings macht die Umstellung viel Arbeit: Es sind fast 500 Artikel, die ich einzeln anpacken und anpassen muss. Das ist mühsam. Und warum: Ich fand, dass mein bisheriges Layout einfach überholt war, ich wollte, dass er „magaziniger“ und auch „fotografischer“ wirkt.

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Wie viel Arbeit steckst Du in Deinen Blog?

In den letzten zwei, drei Jahren weniger, weil ich auch weniger veröffentliche. Vor allem habe ich aber nahezu komplett damit aufgehört, auch Texte ausschließlich für meinen Blog zu schreiben. Das hat unheimlich viel Arbeit gemacht und irgendwann habe ich nicht mehr den Sinn darin gesehen. Das mache ich nur noch, wenn mir ein Thema sehr, sehr wichtig ist und ich es nicht woanders unterbringen kann. Und ich mehrere Stunden Zeit habe, mich darum zu kümmern. Denn ein guter Blogeintrag ist genauso zeit- und arbeitsintensiv wie ein Artikel für eine Zeitschrift.

Kennst Du die Aufrufzahlen Deines Blogs?

Wenn ich der Webstatistik meines Anbieters vertrauen kann, dann habe ich durchschnittlich zwischen 800 und 1100 Unique Visits am Tag.

Was ist Dein Dir persönlich wichtigster Artikel?

Schwer zu sagen. Ich mag meinen Artikel über die Bilderflut von 2014 immer noch sehr gern. Da habe ich nicht nur viel Recherche reingesteckt, sondern ich finde, dass ich ihn gut geschrieben habe und dass er Grundsätzliches zum aktuellen Stand der Fotografie vermittelt. Aber es gibt auch ein paar Kritiken von mir, die ich immer noch mag, wie beispielsweise die zu Wolfgang Tillmans, meinen Verriss der Jürgen-Teller-Ausstellung und die Besprechung zur Wiedereröffnung von „The Family of Man“.

Aber auch die Interviews, die ich seit einiger Zeit für die ProfiFoto führen darf, mag ich sehr gern und auch die detaillierten Artikel zur Kreativität in der Fotografie und zur Lesbarkeit von Fotografie, die ich für das FotoMagazin geschrieben habe, denn für die habe ich selbst wieder sehr viel dazu gelernt.

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Was ist Dein meistgeklickter/meistgelesener Artikel?

Da ich keine Statistik zu den einzelnen Artikeln habe, weiß ich das leider nicht. Wahrscheinlich irgendetwas, wozu ich auch viel Bildmaterial veröffentlicht habe, auf dem entweder nackte Frauen oder irgendwelche Promis drauf sind. Aber tatsächlich weiß ich es nicht.

Liest Du selbst andere Blogs und was sind Deine Favoriten?

Nein. Also zumindest nicht regelmäßig. Eher, wenn ich recherchiere und dann auf Blogs stoße.

Was macht für Dich einen guten Blog aus?

Das kann ich nicht im Detail sagen, aber egal ob Blogbeitrag oder Artikel in einer Zeitung: Für mich gilt der Pressekodex und ich finde, an den sollten sich alle Bloggenden halten.

Wie siehst Du selbst die deutsche Bloglandschaft?

Keine Ahnung, damit beschäftige ich mich nicht. Ich sehe mich auch nicht als Teil der Bloggerlandschaft, sondern als jemand, der bloggt. Ich blogge ja quasi ins Blaue hinein und bekomme fast keine Reaktionen auf meine Beiträge. Die Kommentarfunktion habe ich abgeschaltet, weil ich Hunderte Spam-Kommentare bekam, aber nur alle paar Wochen mal einen echten Kommentar.

Danke für Deine Zeit und den spannenden Einblick in Deine Arbeit!

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