Person in Hemd und Anzug mit verwischtem Gesicht
14. Januar 2019 Lesezeit: ~7 Minuten

Vorsicht, Betrug! Warum wir Anzeige erstatteten

Im September erreichte uns die E-Mail eines Aktmodells, das die Anfrage einer Fotografin verifizieren wollte, die angeblich im Auftrag von kwerfeldein Aktaufnahmen für einen Bildband erstellen sollte. Vor diesem und ähnlichen Betrugsversuchen möchten wir zu diesem Anlass warnen!

Wir haben dem Modell sehr schnell versichert, dass dieser Bildband-Auftrag von unserer Seite nicht existiert. Waren wir im allerersten Moment noch davon ausgegangen, dass es sich vielleicht um ein Missverständnis oder eine Verwechslung handeln könnte, wurde schnell immer klarer, dass es ein Betrugsversuch ist.

„Jenny Neumann“, ihres Zeichens angeblich Fotografin, hatte dem angefragten Modell bereits einen vollständig ausgearbeiteten Model-Release-Vertrag zugeschickt und eine längere Unterhaltung per WhatsApp geführt, laut denen kwerfeldein als Auftraggeber eines exklusiven Aktfoto-Bildbands auftritt und auch die (wirklich anständige) Gage des Modells übernimmt.

Nach und nach wurde auch klar, dass „Jenny Neumann“ – oder die Person, die unter diesem Namen auftritt – bereits weitere Modelle angefragt hat, die ihr teilweise schon die im Vertrag kurzfristig verlangten Bewerbungsbilder zugeschickt hatten. Zum Teil Aktaufnahmen.

Wir wissen nicht, bei wem es sich um „Jenny Neumann“ handelt. Da wir natürlich herausfinden wollten, wer mit so einer dreisten Masche auftritt, machten wir uns auf die Suche und stellten fest, dass die gesamte Identität sozusagen zusammengeklaut ist:

Eine nur so ähnlich existierende Adresse in Quedlinburg, unter der niemand mit Namen „Neumann“ zu finden ist, ein von einem anderen Fotografen gestohlenes „JN Photography“-Logo, eine nicht existierende IBAN mit einer nicht dazu passenden BIC und eine Steuernummer, die nach Leverkusen aussieht, aber nicht existiert.

Es ging also vermutlich darum, mit verlockenden Vertragsbedingungen Anfängerinnen zu ködern, damit sie freizügige Bewerbungsfotos einreichen. Im ersten Moment hatten wir Schlimmeres (was bei einem tatsächlich stattfindenden Treffen hätte geschehen können) befürchtet, aber der Trost ist nur klein.

Genaueres wissen wir bis heute leider nicht, denn die Anzeige von kwerfeldein bei der Polizei wurde eingestellt, da in diesem Fall „die Strafverfolgung [k]ein gegenwärtiges Anliegen der Allgemeinheit ist“, sondern auf dem Wege der Privatklage zu klären ist, „falls Sie sich Erfolg davon versprechen“.

Da diese Aussichten für kwerfeldein eher klein sind und wir auch gerade kein Geld in entsprechender Menge übrig haben, um es einfach trotzdem mal zu versuchen, gingen einige der angefragten Modelle zur Polizei und wir hofften, dass diese doch noch tätig werden würde, wenn ihr klar wird, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Leider berichtete uns eines der Modelle:

Die Polizei hat alles aufgenommen, konnte aber keine Anzeige erstatten, da „ja noch nichts passiert“ sei – erst, wenn mit den Bildern Schaden angerichtet wurde, könnten sie aktiv werden. Solange sind wir im Ungewissen, was damit gemacht wird. Sehr ärgerlich.

Solltest Du ebenfalls von „Jenny Neumann“ (oder einer Person, die unter anderem Namen so agiert) kontaktiert worden sein oder etwas über die Person wissen, die mit dieser Betrugsmasche unterwegs ist, setz Dich gern mit uns in Verbindung.

Im Folgenden möchten wir Euch noch Ansätze sowie Ideen an die Hand geben, um mögliche Betrugsversuche oder schwarze Schafe frühzeitig zu erkennen und bei Treffen mit Unbekannten Vorkehrungen zu treffen. Sicher ist sicher, Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Natürlich möchten wir den Modellen, die „Jenny Neumann“ im konkreten Fall nicht ausführlich überprüft haben, keinen Vorwurf machen! Wir haken auch nicht bei jeder Anfrage eine lange Liste ab, doch hat uns dieser Vorfall vorsichtiger gemacht und uns ist viel eingefallen, was man überprüfen kann.

Betrugsversuche erkennen

Anfrage für eine Fotosession erhalten, womöglich noch gut bezahlt? Toll! Jetzt aber das Bauchgefühl einschalten: Kommt Dir irgendetwas seltsam vor? Dann geh dem nach! Und selbst, wenn die Person am anderen Ende der Leitung einen seriösen ersten Eindruck macht, können ein paar Überprüfungen nicht schaden.

Falls nicht schon vorliegend, lass Dir Kontaktdaten und Informationen geben: Die Adressen von Webseite, Social-Media-Präsenzen, Portfolios und am besten auch schon einen Model-Release-Vertrag, bevor Du irgendetwas zusagst, Deinerseits Bilder oder persönliche Informationen herausgibst.

Überprüfe die Angaben: Sind die Regelungen im Vertrag sinnvoll und für beide Parteien gerecht? Am besten mit Standardverträgen und Vorlagen vergleichen, um auch ein Gefühl dafür zu bekommen, was üblich ist. Sind ausführliche Angaben zu Vertragspartner*innen wie Fotograf*in und ggf. weiteren (Make-up-Artist*in, Stylist*in etc.) vorhanden?

Besuche die Webseite, Social-Media-Kanäle und Portfolios und überprüfe, ob die Seiten überhaupt existieren und alle Angaben zusammen passen. Solltest Du beispielsweise von einem Account oder einer E-Mail-Adresse angeschrieben werden, die zwar den Namen Deines angeblichen Gegenübers enthält, auf dessen offiziellen Kanälen aber exakt(!) so nicht zu finden ist, solltest Du misstrauisch werden und an die offizielle E-Mail-Adresse oder den offiziellen Account direkt schreiben.

Überprüfe, ob die Anschrift exakt(!) so existiert. Du kannst auch weitere Angaben auf Widersprüchlichkeit prüfen, zum Beispiel ob eine Festnetz-Vorwahl oder eine Steuernummer zur Adresse passen oder eine IBAN gültig ist. All diese Angaben lassen sich bequem mit Onlinediensten checken:

  • Google Maps korrigiert in falsch eingegebenen Adressen Postleitzahlen, Straßen- und Ortsnamen.
  • Wikipedia: Telefonvorwahl bietet ausführliche Listen, welche Vorwahlen zu welchen Ortschaften gehören.
  • Wikipedia: Steuernummer listet alle Steuernummerschemata nach Bundesländern auf. Mit einer Suchanfrage à la „Steuernummer ‚230/NNNN/NNNN‘“ in der Suchmaschine Eures Vertrauens lässt sich das auf die Stadt bzw. das zuständige Finanzamt eingrenzen.
  • ELSTER: Prüfung der Steuernummer beschreibt die formale Prüfung von Steuernummern, ist aber ziemliche Rechnerei.
  • IBAN-Rechner prüft IBAN-Nummern auf formale Richtigkeit (in der IBAN selbst sowie der eingebetteten Kontonummer sind Prüfzahlen enthalten) und zeigt außerdem die zu einer IBAN gehörige BIC an.

Auch ein eindrucksvoll erscheinendes Portfolio bisheriger Arbeiten kann im Zweifelsfall von anderen Fotograf*innen gestohlen sein. Gib einige Bilder in eine Rückwärtsbildersuche ein, um herauszufinden, wo sie noch im Internet zu finden sind. Ist überall Dein Gegenüber als Urheber*in angegeben?

Viele Plattformen zeigen gemeinsame Freunde an. Diese Funktion kannst Du nutzen und, sofern vorhanden, gemeinsame Kontakte zu Deinem Gegenüber befragen. Sind die Namen bisheriger Modelle in einem Portfolio angegeben, kannst Du auch diese kurz kontaktieren.

Telefoniere mit Deinem Gegenüber. Wer seriös ist, wird Dir einen Anruf nicht verweigern, um zum Beispiel Fragen zum Vertrag zu klären oder mit Dir einfach den Ablauf einer Fotosession durchzusprechen. Telefonnummern können außerdem nicht so einfach anonym erworben werden.

Gehst Du dann zum Termin, kannst Du Dich auch weiterhin schützen: Erscheine (angekündigt natürlich!) in Begleitung. Informiere Familienmitglieder oder Freund*innen darüber, wo genau Du Dich aufhältst und vereinbare, Dich zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder zu melden. Diese Maßnahme mag etwas dramatisch anmuten, stellt aber im Notfall sicher, dass sehr schnell auffällt, falls etwas nicht stimmt.

Habt Ihr weitere Tipps und Ideen? Ergänzt unsere Liste wie immer gern in den Kommentaren.

Titelbild: © Jesús Rocha


7 Kommentare

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  1. Ich finde es unglaublich, dass die Polizei untätig bleibt und erst etwas unternimmt, wenn bereits jemand zu Schaden gekommen ist! Das ist doch eindeutig ein Betrugsversuch!

  2. Hat die Polizei wirklich die *Annahme* der Anzeige abgelehnt? Dürfen die gar nicht.

    Bei Betrug ist schon der Versuch strafbar (§ 263 (2) StGB), wenn die erhaltenen Bilder verkaufen wollten, dann könnte das als gewerbsmäßig und damit zu den „besonders schweren Fällen“ zählen. Soviel zu „noch nichts passiert“.

    @kwerfeldein: Bleibt bitte dran, ihr seid „Verletzte“ und habt damit weitgehende Rechte was die Verfolgung der Straftat angeht.

    Für das/die Modelle reicht es erstmal, den Fall bei einer anderen Polizeiwache (oder besser gleich Staatsanwaltschaft) zur Anzeige zu bringen, die Polizei *muss* in dem Fall ermitteln (dabei aber darauf hinweisen, dass das schon einmal gegenüber der Polizei zur Anzeige gebracht wurde und dass ihr, so oder so, auf eine schriftliche Bestätigung des Eingangs Eurer Anzeige besteht). Wenn die *Staatsanwaltschaft* entscheiden sollte, das Verfahren einzustellen, dann bekommt ihr das auf jeden Fall schriftlich und könnt dann immer noch entscheiden, ob es weitergehen soll.

    (Kleine Anmerkung: Das Ergebnis der polizeilichen Ermittlung könnten die Modelle auch für die privatrechtliche Klage heranziehen, ganz ohne Kostenrisiko für die Ermittlungen …)

      • OK, dann ist das etwas anderes, oben erwähnt ihr ja nur die Polizei.

        Gegen die Einstellung müsstet ihr jetzt noch (innerhalb von zwei Wochen, sollte im Bescheid stehen) Beschwerde einlegen können. Erst wenn die auch abgelehnt wird, dann wäre wohl wirklich nur noch die Privatklage möglich.

      • Hallo Daniel, danke für die Einschätzung. Wir haben oben nur die Polizei erwähnt, weil wir bei der online die Anzeige erstattet haben. Daraufhin kam dieser Brief zurück. Von einer Frist steht dort nichts drin, sondern nur, dass es für diesen Fall lediglich den Weg der Privatklage gibt. Auch wieder sehr unbefriedigend, dass nichts so richtig zusammenpasst, schon was das Verfahren an sich angeht, das möglich ist.

  3. wäre das nicht ein Fall für eine BDSG Verletzung?
    Bußgeld sieht das BDSG z. B. in den folgenden Fällen vor: unbefugte Datenerhebung von nicht allgemein zugänglichen personenbezogenen Daten,

    !!! Erschleichung einer Datenübermittlung!!! ,

    Nutzung personenbezogener Daten zu Werbezwecken trotz Widerruf des Betroffenen, Verstoß gegen die Informationspflicht bei Kenntnis unrechtmäßiger Datenerhebung.

    ich würde eine Sammelklage anstreben, so etwas ist doch jetzt möglich