Post it auf Holzgrund mit der Aufschrift "Leidenschaft zahlt keine Miete".
24. Januar 2018 Lesezeit: ~ 8 Minuten

Verlieren Fotos an Wert?

Dass wir hier in Europa überwiegend in einer Überflussgesellschaft leben, merken wir in vielen Bereichen. Lieber werfen wir 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel jährlich weg1, anstatt nur so viel zu produzieren, wie wir wirklich benötigen. Schließlich möchten wir auch im Oktober Erdbeeren essen können. Bei Fotos verhält es sich ähnlich.

Es gibt unzählige Anbieter für Gratisfotos. Habe ich eine kleine Webseite, bestücke ich diese fix mit lizenzfreien Fotos aus dem Netz. In den sozialen Medien teile ich Bilder, die mir gefallen. Ich bin Mini-Journalistin meines kleinen Universums. Aber wem gehören eigentlich die Bildrechte? Und darf ich die Bilder überhaupt einfach so verwenden?

Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wer die Urheber*innen der Fotos sind. Daher verhält es sich ähnlich wie mit den Lebensmitteln. Sie haben im Laufe der Zeit an Wert verloren. Hier ein kleines Fallbeispiel aus dem realen Alltag: Ein Magazin beauftragte mich, einen Unternehmer zu fotografieren. Dieser fragte mich, ob er die entstandenen Fotos nicht ebenfalls haben könne.

Ich informierte ihn darüber, dass das Magazin gegen eine Zweitverwertung nach der eigenen Veröffentlichung nichts einzuwenden hatte und ich ihm gern Fotos und ein Angebot zukommen ließe. Danach könne er entscheiden, ob er sie nutzen möchte. Nach Bereitstellung der Onlinegalerie zur Auswahl hörte ich dann leider einige Monate nichts von ihm, womit der Fall für mich abgeschlossen war.

Dann kam die Nachfrage, ob ich die Galerie nochmals zur Verfügung stellen könne, da sie aktuell ganz dringend Fotos benötigen würden. Ich nahm mir also wiederholt die Zeit, Daten herauszusuchen, hochzuladen, bereitzustellen und in Kommunikation zu treten. Ich bot ihm mehrere Möglichkeiten an: Die schon vorhandenen Fotos gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung zu stellen, sie zusätzlich zu bearbeiten und anzupassen oder einen neuen Fototermin, speziell für die geplanten Werbezwecke und auf den Kunden abgestimmt zu realisieren.

Trotz der Dringlichkeit ließ die Antwort einige Wochen auf sich warten; die da lautete: „Wir brauchen nun doch nur ein einziges Bild.“ Dies beantwortete ich mit: „Natürlich, kein Problem! Sobald ich das Go habe, stelle ich das Passwort zum Download bereit und schicke eine Rechnung.“

Nur noch einmal zum Verständnis: Das Unternehmen hatte mich nicht bezahlt. Mein Auftraggeber war das Magazin. Und wie jeder weiß, werden redaktionelle Jobs nicht wie Werbejobs bezahlt. „Ich brauche nur ein einziges Foto, jedoch ohne Bearbeitung. Können wir dies jetzt nutzen oder wollen Sie dafür tatsächlich etwas berechnen?“

Ich fragte mich derweil, wie dieses „tatsächlich“ gemeint war. „Tatsächlich“ verdiene ich meine Brötchen mit dem Erstellen, Bearbeiten und Bereitstellen von Fotografien. Neben all der Leidenschaft für meine Berufung gibt es Fixkosten, die bezahlt werden möchten. Und doch war ich persönlich getroffen, weil es eben nicht „nur ein Job“ für mich ist, sondern Herzblut und Kreativität in den eigenen Werken stecken. Offenbar hatte dieser Geschäftsmann weder für meine Zeit noch meine Leistung Wertschätzung.

Wie sollte ich nun damit umgehen? Künftig eine Uhr laufen lassen und Bereitstellungs- und Kommunikationskosten verlangen? Nach weiteren respektvollen Erklärungen und Erläuterungen konnte ich mir den einen forschen Satz nicht verkneifen: „Wenn Sie für Ihre Produkte nichts mehr verlangen, bin ich gern bereit, darüber nachzudenken, für meine Fotos nichts mehr zu verlangen.“ Ich hoffte, dass es fruchtete und ihm die Augen öffnete. Wahrscheinlich hätte ich bei netter Kommunikation und respektvollem Umgang sogar zugestimmt. Aber seit wann ist das eigentlich so, dass Fotos keinen Wert mehr haben?

Seit der Einführung der Kleinbildkameras, mit deren Hilfe sich alle eine eigene Kamera leisten konnte? Seit alle ein Handy haben und schnell, nebenher, in jedem Moment ein Foto machen können? Seitdem es einem die Technik ermöglicht, aus jeder Momentaufnahme mit einem simplen Schwarzweißfilter einen coolen Look zu machen? Ich weiß es nicht.

In anderen Sparten fand ebenso eine Vereinfachung statt. Dennoch gehen wir auch nicht zum Bäcker und verlangen eine Tüte Frühstücksbrötchen umsonst, weil es sie schließlich im Supermarkt als TK-Ware viel billiger gibt oder wir sie uns eigentlich ja auch selbst backen könnten.

Leider sind wir Fotoschaffenden nicht unbeteiligt an dieser Entwicklung. Einige von uns gehen Rahmenverträge ein, in denen alle Bildrechte abgetreten werden oder liefern Fotos an Bildagenturen, die sie „royalty free“ (gratis) weitergeben. Damit entwerten wir selbst unsere Fotografien.

Fazit

Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten und Nutzungsrechte als das sehen und verkaufen, was sie sind. Es macht einen Unterschied, ob ein Kunde unsere Fotos einmalig, online oder für eine weltweite gedruckte Kampagne einsetzt. Daher kann ich nur dazu raten, keine Pauschalpreise anzubieten und nach dem Verwendungszweck zu fragen. Wir müssen unsere Kund*innen und alle, die es interessiert, über Bild- und Nutzungsrechte aufklären. Das habe ich auch in diesem Fall gemacht. Einigen konnten wir uns dennoch leider nicht.

Wir können nicht voraussetzen, dass Menschen, die nichts mit der Fotobranche zu tun haben, sofort Verständnis für das Thema haben. Es gibt durchaus Fotograf*innen, die ihre eigenen AGB nicht verstehen. Wie können wir es dann von unserer Kundschaft erwarten?

Vielleicht helfen auch Beispiele aus weiteren Gewerken: Ein handwerklich hergestellter Tisch wechselt ebenfalls nicht ohne weiteres den Besitzer. Und der Schlosser, den wir beauftragen, um ein Schloss auszuwechseln, hat seinen Stundenlohn plus Anfahrtspauschale, die wir nicht in Frage stellen. Gute Anhaltspunkte zu Nutzungsrechten und Bildhonoraren für angehende Fotograf*innen bietet die MFM-Liste.

In Zeiten der Analogfotografie waren viele Kostenpunkte einfacher. Die Negative blieben in der Regel bei ihren Urheber*innen – also den Fotograf*innen. Wollte man einen Abzug, wandte man sich erneut dorthin. Zeitspesen und Laborkosten waren klar geregelt und wurden selbstverständlich bezahlt. Aber wir sollten nicht vergessen, dass digitale Daten eben nicht nur aus Nullen und Einsen bestehen.

Es stecken Arbeitszeit, Vor- und Nachbereitung, Fleiß, Kreativität, Bildaufbau, Liebe, Leidenschaft und oftmals jahrelange Hingabe und Erfahrung darin. Diese „Daten“ werden zudem meist im Raw-Format fotografiert und müssen ebenfalls ihren „Laborvorgang“ noch durchlaufen. Auch das gehört zum kreativen Prozess und muss berechnet werden.

Doch auch unabhängig von der Fotobranche wünsche ich mir einen respektvollen Umgang untereinander und eine Wertschätzung der Leistung von Geschäftspartner*innen. Denn viele Selbstständige können diese kleinen, zeitfressenden Aufgaben nicht an Mitarbeitende abgeben. Jede E-Mail, jeder Anruf und jedes bearbeitete Bild kosten wertvolle Minuten oder gar Stunden.

Beim Stammtisch der Freiberuflichen Frauen Hamburg, den ich vor mittlerweile fünf Jahren gegründet habe, diskutieren wir über Themen wie diese. Selbstständige kennen wahrscheinlich die Frage aus dem Freundeskreis: „Kannst Du nicht mal eben …?“ oder „Sag mal, ich habe gehört, Du machst doch so gern …“. Selbstverständlich machen wir unseren Beruf gern, sonst wären wir nicht selbstständig!

Leider vergessen Bekannte (und manchmal auch wir selbst), dass wir damit unser Geld verdienen. Wem erweist man also einen Freundschaftsdienst und welchen? Wem gewährt man vielleicht Rabatt und ab wann zieht man Grenzen? Bei aller Kreativität müssen wir eben manchmal auch unternehmerisch denken, eventuell „nein“ sagen und uns selbst ins Gedächtnis rufen: „Leidenschaft zahlt keine Miete!“

1 Quelle: Bundeszentrum für Ernährung

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29 Kommentare

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  1. Es ist bei Fotograf/inn/en wie bei den Pilot/inn/en und Stewards/-essen. Vor 25 Jahren verdiente die Frau eines Bekannten, eine Lufthansa-Stewardess, 8.000 DM im Monat. Heute verdient ein/e Steward*ess bei Easyjet, Ryan Air, Vueling, Flybe etc. sogar absolut gesehen weniger, erst Recht viel weniger, wenn man die Kaufkraft damals und heute vergleicht. Manche Pilot/inn/en verdienen gar nichts mehr und müssen Danke sagen, weil sie die Ausbildung bezahlt bekommen.

    Wer Geld verdienen will, muss eben Abmahnanwalt/-wältin werden, nicht Fotograf/in.

    Schon immer waren 90% der Fotos totaler Mist und keinen Pfennig wert. Man denke zurück an unvergessliche Diavorführungen in analoger Zeit. Nur weil es jetzt in digitalen Zeiten hundertmal mehr Fotos gibt, ist die Anzahl guter Fotos nicht gewachsen. Jetzt sind eben 99,99% aller Fotos Schrott.

    Instagram-Filter, In-camera Art Filter, Lightroom Presets etc., das alles macht ja kein besseres Foto, sondern ist erst recht Ausdruck der allgemeinen Verblödung und Geschmacksverirrung.

    Ich kenne einige wenige Fotograf/inn/en und mehr noch ein paar Videofilmer/innen, die ziemlich gutes Geld bekommen für ihre Arbeit, aber die kommen auch mit einem Arsenal an gigantischem Equipment an. Ob die Geld verdienen? Ich bin da nicht sicher.

    • Hallo Basic Instinct,

      die von Dir erwähnte Vergütung von Flugbegleiter*innen ist natürlich genauso problematisch. Als Kunde kann ich nicht einerseits für 29€ nach Mallorca fliegen wollen, und trotzdem erwarten, dass das Personal vernünftig ausgebildet und bezahlt wird. Da sind wir wieder bei dem bekannten Slogan “Geiz ist geil”…
      Eben nicht. Wir als Kunden bestimmen selbst, ob wir diese Anbieter unterstützen.
      Ob wir bei einem großen Versand bestellen, der garantiert bis morgen liefert, oder ob wir den Einzelhandel unterstützen.
      “Zeit ist Geld” kann man auf unterschiedliche Weise auslegen. Und vielleicht bedeutet es auch, bewusster Entscheidungen zu treffen und alles etwas zu entschleunigen. Dann müsste man dieses Gefühl und Verlangen nach Entschleunigung auch nicht auf seinen zweiwöchigen Malle-Urlaub quetschen… ;)

  2. Blogartikel dazu: Mein Gastartikel im kwerfeldein - Magazin "Leidenschaft zahlt keine Miete"

  3. Danke, Andrea, für diesen Artikel! Spricht mir aus der Seele. Ich liebe den Titel. Manchmal kostet unsere Leidenschaft ganz schön viel Nerven. Und wirft die Frage icht nur nach fachlicher sondern auch nach menschlicher Wertschätzung auf.
    Zwar habe ich wenig mit Gechäftskunden zu tun, aber auch oder gerade im Verkehr mit Privatkunden sind die Erfahrungen ähnlich. “Wir möchten Dich als unsere Fotografin für xxx buchen. Wann können wir uns treffen?” Am Termin des Vorgesprächs sitze ich alleine im Cafe. Einen Tag später maile ich und frage nett ! nach. “Wir haben uns in der Zwischezeit für einen anderen Fotografen entschieden.” Leider mehr als einmal passiert. Manchmal verspüre ich den Wunsch nach einem Stundenlohn für Aufwand im Vorfeld, wie Du auch schreibst.
    Alles Gute und liebe Grüße aus Hamburg nach hamburg, Kathrin

    • Hallo Kathrin,
      vielen Dank für Dein Feedback. Ich freue mich sehr, Dich damit erreicht zu haben!
      Was für eine ärgerliche Geschichte, dass Du versetzt wurdest. Gerade wenn das schon öfter vorgekommen ist…
      Ich habe lange überlegt, ob ich die Geschichte oben veröffentlichen soll. Ob sie eventuell Kunden abschrecken würde, oder mich verärgerter wirken lässt, als ich bin. Denn eigentlich bin ich ein sehr optimistischer Mensch.
      Aber ich habe auch ganz viel daraus gelernt. Letzten Endes hat die Erfahrung mich zum Nachdenken angeregt.
      Und vielleicht kannst Du aus Deinen Erfahrungen auch etwas lernen. Wieviel Zeit bist Du bereit für Vorgespräche aufzuwenden? Kannst Du Fragen auch telefonisch oder per Skype klären, so dass Dir bei einem geplatzten Termin wenigstens die Fahrtzeit erspart bleibt, und Du Dich einer anderen Aufgabe widmen kannst? Oder, oder…
      Vielleicht sollten wir uns mal austauschen!
      Lieben Gruß zurück!
      Andrea

  4. Interessanter Artikel und irgendwie das “gefühlte” Gegenteil von dem, was ich versuche zu erreichen. Im Sinne von: Ich sehe Bilder als Teil der Kultur und als solche bemühe ich mich, eigene Beiträge stets mindestens als CC-BY-SA Lizenz laufen zu sehen. Ob Bild, Video oder Text spielt dann keine Rolle.

    Das steht natürlich im Konflikt mit denjenigen, die damit Geld verdienen. Eventuell muss jedoch auch ein Unterschied darin gesehen werden, dass jemand eine Arbeit die mit CC-BY-SA lizenziert wurde, immer noch als etwas mit Wert anerkennt und honoriert.

    Jedenfalls bin ich von diesem Kurs nicht abzubringen, kulturelle und wissensförderliche Güter frei anzubieten. Das könnte tiefe, sozialphilosophische Fragen aufwerfen.

    Liebe Grüße
    Kevin.

    • Hallo Kevin,
      danke für Deinen Input.
      Na klar, wenn es Dir möglich ist Deiner Kreativität gänzlich freien Lauf zu lassen, ohne dabei eine Vergütung verlangen zu müssen oder wollen – herzlichen Glückwunsch!
      Es steht ja Jedem frei, ob er sein “kulturelles Gut” zur freien Verfügung stellt, oder gegen eine Spende oder ein Honorar anbietet.
      Darf ich fragen, ob Du haupt- oder nebenberuflich fotografierst?
      Viele Grüße
      Andrea

      • Hallo, weder noch. Ich hatte vergessen zu erwähnen, das ich Student im Studiengang “Kultur und Technik” bin.

        Bei mir hat es sich eher zu einer Philosophie entwickelt, nach der Lektüre einiger Websites die sich mit der Thematik OpenAccess (Wissenschaftlicher Bereich), Creative Commons und Free Culture beschäftigten. Irgendwann kam der Gedanke: “Stimmt, wäre besser -für- alle, auch wenn das die Gefahr birgt, das die eigene Arbeit “ausgebeutet” werden “könnte”.”

        Ich glaub, dazu wäre ein Beitrag auch ganz gut. Schauen, wann mich die Kreativität und insbesondere Zeit dazu packt. Gerade heiße Klausurphase auf der Uni.

      • Hallo Kevin,
        interessanter Gedankengang. Aber das setzt dann vielleicht ein Grundeinkommen voraus…
        Beziehungsweise (ohne): Kann man unter Druck überhaupt kreativ sein?
        Ich wünsche Dir und den Kommilitonen viel Spaß beim Philosophieren!
        Viele Grüße Andrea

  5. Fotografie, mit Fotos Geld verdienen, geht doch nur, wenn ich Geld verdienen will.
    Den Kunden kann man doch nicht vorwerfen, Bilder gratis haben zu wollen.
    Ich finde, es ist ganz einfach.
    Kunde will einen Fotografen, Kunde will Bilder.
    Kann er alles erhalten, nur zu meinen Bedingungen. Wenn er das nicht will, gibt es keine Fotos.
    Verkaufe ich keine Fotos, so mach ich keinen Umsatz. Mache ich keinen Umsatz, muss der Laden geschlossen werden, und ich mach etwas anderes. Mal ehrlich, der Kunde ist nicht dafür da unseren Lebenstraum zu erfüllen.

    • Hallo J.A.,
      verantwortlich für seinen Lebenstraum ist jeder Mensch selbst.
      Da gebe ich Dir absolut recht.
      Ich hoffe, dass ich in meinem Text rüber bringen konnte, dass es mir um die Wertschätzung für die Kreativität und auch die Zeit von Solopreneuren geht!
      Außerdem habe ich “uns” (Fotografen) an die eignene Nase gefasst, da (und auch da sind wir konform) die “Schuld” nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den Fotografen suchen sollte. Es wird sehr wenig über das Thema Nutzungsrechte gesprochen oder diskutiert. Und daher finde ich es wichtig, es mal wieder in den Fokus zu rücken.
      Also frohes Schaffen!
      Viele Grüße
      Andrea

  6. Ich sag es mal so:
    Die Anzahl von Fotos hat sich in unglaublichem Mass exponentiell erhöht. Amateure liefern , dank immer einfacher Handhabung immer mehr vermeintlich guter Bilder. Digitalisierung bedeutet eben häufig Masse und nicht klasse. Durch diese allseits vorhandene Verfügbarkeit geht bei vielen das Bewusstsein für Qhalität verloren. Man nimmt sich nicht die Zeit und die Mühe, sich mit einem Thema auseinander zu setzen. In der Musik klicken wir gestreamte Tracks weg. Früher hat man sehnlich das Erscheinungsdatum der LP abgewartet. Wenn diese erstmal ungewöhnlichen Sound hatte, nahm man sich Zeit zum reinfinden.
    Natürlich gubt es Gegenbewegungen, aber due Mehrheit ist schnelllebig aufgestellt.
    Wir leben in einer reinen Marktwirtschaft. Wer da als Fotograf bestehen will, muss schon besonders herausstechen und wird schneller kopiert, sls er sich entwickeln kann.
    Es wird daher weniger professionelle Fotografen geben, die davon leben können.
    Diese Realität muss einem bewusst sein in Ihrer vollen Härte. Nischen und Qualität sind da die verbliebenen Möglichkeiten.
    Fragen Sie mal nach den Einkünften von Grafikern, die früher Briefköpfe und Visitenkarten gestaltet haben…
    o tempora o mores

    • Hallo Jan,
      vielen Dank für Dein Feedback.
      Du hast recht – das Thema kann man endlos weiter spinnen…
      Musik überall und zu jeder Zeit zur Verfügung zu haben, hat Einiges verändert. Ein befreundeter Musiker hat mir mal erklärt, dass er das Streamen trotzdem positiv betrachtet, weil er für jedes Abspielen seine Tantieme bekommt. Außerdem haben junge Musiker offensichtlich bessere Chancen sich zu vermarkten, weil sie das Label überspringen…
      Aber das ersetzt natürlich trotzdem das nach Farben oder Genre eingerichtete CD- Regal oder das romantische Kratzen der LP nicht.
      Trotzdem glaube ich, dass bei vielen Menschen nach dem ersten Anflug von “Hauptsache schnell und günstig” wieder ein Bewusstsein für Qualität entstanden ist. Sei es bei Nahrungsmitteln oder auch Kleidung. (Dazu habe ich neulich einen großartigen Film “The True Cost” gesehen – sehr empfehlenswert.)
      Natürlich ist es noch ein langer Weg, für manche ein noch längerer, für andere vielleicht auch ein unerreichbarer. Aber ich bin guter Dinge!
      In diesem Sinne…
      Viele Grüße
      Andrea

    • Hallo Tim,
      diese Leistung habe ich freiwillig angeboten. Ich bin mir sicher, dass ich Dich und viele andere mit einer Veröffentlichung in meinem “Dunstkreis” nicht erreicht hätte. Und mir geht es ja in diesem Fall um die und Diskussion. Mit Gedanken anregen, (angehende, junge Kollegen) aufklären und gemeinsam können wir etwas verändern!
      Viele Grüße
      Andrea

  7. Es ist Schade, dass die Wertschätzung sinkt. Ich habe mich entschlossen die Fotografie nicht beruflich zu machen. Seitdem der Druck weg ist, kann ich entspannt meine Leidenschaft nachgehen und das tun was ich möchte.

    • Hallo Steffi,
      schön zu hören, dass Du eine Entscheidung getroffen hast, die Dich glücklich macht, und den Druck raus genommen hat.
      Hauptsache man macht gerne, was man macht, egal was es ist!
      Lieben Gruß an Dich!
      Andrea

  8. Das besondere für das Foto geht schon verloren, die Leidenschaft für das Genre nicht.
    In der Masse was besonderes zu sein und das herauszustellen ist die Herausforderung und sein Können zu zeigen; schon allein die Stimmung einzufangen kann nicht jeder….Vielleicht ist es auch die Überfütterung mit visuellen Eindrücken, die einen überfordern und die Tatsache, dass über Bilder einfach hinweggehuscht werden, weil so viele da sind…Wisch und weg, klick und weg.
    Es sind ja jeden Tag Millionen Bilder die erstellt werden….Und vor der Masse nicht zu kapitulieren ist Wünschenswert….

  9. “Und doch war ich persönlich getroffen, weil es eben nicht „nur ein Job“ für mich ist, sondern Herzblut und Kreativität in den eigenen Werken stecken.”

    Dann mach es zu Spaß und aus Hobby und verwerte es nicht im kapitalistischen Sinne. Auf zwei Geburtstagen lässt sich nicht tanzen. (außer man ist verdammt gut) ;)

    Und selbstverständlich drückt es dir Preise beim Bäcker, wenn ich dasselbe beim Supermarkt deutlich billiger bekomme.

    • Hallo Steffi,
      ich darf mich glücklich schätzen, dass ich meine Berufung gefunden habe. Ich liebe meinen Job. Und gerade deshalb lässt es mich eben nicht kalt. So ist das wahrscheinlich in allen kreativen Berufen, beziehungsweise wenn man sich wirklich mit der Arbeit identifiziert.
      Und ja, Du hast recht, überall im Einzelhandel (so auch beim Bäcker) werden die Preise gedrückt. Die Frage ist ja, was wir daraus machen? Entscheiden wir uns als Kunden für den Bäcker oder den Supermarkt?
      Viele Grüße
      Andrea

  10. An der Entwicklung der Entwertung “Bild” sind aber auch wir Hobbyfotografen nicht ganz unschuld. Viele von uns nehmen an Fotowettbewerben teil, bei denen dem ausführenden Unternehmen eine weitere Nutzung für Werbezwecke gestattet ist. Oder sie überlassen Tageszeitungen ihre Werke und freuen sich über den Abdruck. Auch ich habe bei Fotowettbewerben mit zweifelhaften Teilnahmebedingungen schon teilgenommen. Jetzt schau ich genauer hin.

    • Hallo Steffi,
      das stimmt. Auch das ist ein Entwicklungsprozess. Natürlich ist es in Ordnung am Anfang die ein oder andere Arbeit für eine gute Referenz zu machen. Und wenn alle Beteiligten davon etwas haben, sind freie Arbeiten eine bereichernde und für die Kreativität wichtige Sache.
      Aber man sollte natürlich aufpassen, ab wann es Ausbeute wird, und wie genau die Vertragsdetails aussehen.
      Neulich habe ich einen Vertrag abgelehnt, in dem ich alle Rechte abtreten sollte. Natürlich habe ich dadurch auch gutes Geld abgelehnt. Aber ich möchte meine Fotos zumindest selbst präsentieren dürfen, und nicht danach fragen müssen.
      Wir müssen uns eben selbst die Frage stellen: Was kann man guten Gewissens mit sich selbst vereinbaren? Und in diesem Fall konnte ich es nicht.
      Und klasse, dass Du jetzt genauer hin schaust. Weiter so! Wir selbst bestimmen unseren Wert!
      Viele Grüße Andrea

  11. Oh, wie ich diese Diskussion kenne.
    Mitlerwele habe ich erkannt, dass ich die Billiganbeiter nicht mehr als eine Bedrohung ansehen darf. Und was wesentlich wichtiger ist, ich selber habe an meinem Gefühl für meinen Wert und dem Wert meiner Arbeit gearbeitet, also mein Mindset verändert, wie es so schön heißt.

    Ich finde das Beispiel mit dem Bäcker gut, wenn ich wirklich gutes Backwerk haben will, gehe ich nicht zum Discounter.

    Ich habe ein Studo für Portraitfotografie und ich arbeite nur in schwarz-weiß und versuche meine persönlich Handschrift zu verfeinern. Wenn Kunden das wollen, dann sagen ich Ihnen zu welchem Preis sie es bekommen. Zu einem Peis, den viele sicherlich als zu hoch ansehen ich aber nicht, meine Arbeit ist das wert.

    Was ich damit sagen will ist, ich will und werde nicht über meine Preise diskutirren, diese zu formulieren, war für mich ein längerer, schmerzlicher Prozess, bei dem ich vor allem meinen eigenen Ängsten begegnet bin. Ich liebe meine Arbeit und will sie weiterhin mit dieser Liebe und Leidenschaft ausführen können und ich muss davon leben.
    Ich bin überzeugt davon, es gibt den Kunden, der das zu schätzen weiß.

    Also, sich über den Wert der eigenen Arbeit bewust werden, diesen erhalten und weiterhin pflegen und entwickeln und alles andere einfach ausblenden. Für Schnorrer ein paar passende Antworten bereit haben und sich nicht einreden, dass Fotos an Wert verlieren, denn genau das tun sie nicht. Fotos, vor allem Portraits, gewinnen im Laufe der Jahre an Wert. Weil die abgebildeten Menschen vielleicht versterben oder einfach älter werden. Meine Arbeit messe ich an einem professionellen und emotionalen Standart und diesen lege ich selber fest.
    Ich reflektiere meine Arbeit und habe Vorbilder, doch bitte nicht all die Bildermaschinen, die inhaltsleere Fotos ausspucken, die im nächsten Moment schon wieder vergessen sind.

    • Hallo Beate,

      klasse, dass Du reflektierst und Deinen eigenen Wert bestimmst, ohne Dich davon abbringen zu lassen!
      Es gibt immer günstigere und teurere Angebote. Und das ist auch gut so. Wenn man bei sich ist und um den Wert seiner Arbeiten weiß, kann man abends zufrieden in den Spiegel schauen…

      Viele Grüße
      Andrea

  12. Liebe Andrea – als Hobbyfotograf kann ich nur versuchen, mich in den Ausdruck deiner Zeilen hinein zu versetzten. Ich geben dir in allen Punkte absolut Recht.
    In jungen Jahren (naja, das reicht weit ins Analogzeitalter zurück) war ich stolz, hin und wieder einen Auftrag zu bekommen und erst noch (schäbig) dafür bezahlt zu werden.
    Schon lange (auch noch zu Analogzeiten) bin ich dazu übergegangen, das Werk für Geld den Profis zu überlassen.
    Noch heute komme vereinzelt Fragen:
    “Du hast doch eine gute Kamera, magst du an unserem Fest vorbeikommen und ein paar Bildchen (Bildchen??) machen?” (für lau natürlich).
    Noch schlimmer: Ich bin an einem Anlass als Gast geladen, bekomme eine Dödelcam in die Hand gedrückt mit dem Hinweis: “mach doch ein paar Fotos, du kannst das ja…”
    Liebe Profis – nehmt genügend Geld für eure guten Bilder, ihr müsst davon leben!
    Liebe Hobbyfotografen: Macht keine 18-stündigen Hochzeitsreportagen für Ruhm, Ehre und ein Trinkgeld! Ihr betrügt im schlimmsten Fall das Brautpaar mit drittklassigen Fotos und nehmt einem Profi einen Auftrag weg!

    Für alles ist Geld da: Tolle Location, auserwählte Häppchen, Band, 5-Gang-Menu, auserlesenen Wein, chice Klamotten – ach ja, einen Fotografen brauchen wir ja auch noch….

    Sehr nett von dir dass du jeden einzelnen Beitrag kommentiert hast. Das zeugt von Wertschätzung… und Wertschätzung kommt vor Wertschöpfung. Das war schon vor 100 Jahren und wird sich nicht ändern.

    Herzliche Grüsse
    Robert

    • Lieber Robert,

      vielen Dank für die schönen Worte; besonders die Abschließenden.

      Ich denke auch, dass die Schwelle der Hobbyfotografie zur (Semi-)Professionellen eine Schwierige ist. Genauso ist es mit angehenden Fotografen (in und nach der Ausbildung). Ab wann darf man vernünftige Preise verlangen; sich nicht mehr zu “tollen Referenzen” überreden lassen?
      Ich finde es völlig in Ordnung sich auszuprobieren. Das muss man ja auch, um besser zu werden! Dennoch darf man sich nicht ausnutzen lassen. Sobald Fotografie nicht mehr “nur Spaß und Hobby” ist, sondern Verantwortung dazu kommt, muss man aufpassen. Gerade bei etwas so Wichtigem (und nicht Wiederholbarem) wie einer Hochzeit. Vielleicht ist auch hier, wie Du schon sagst, die Kommunikation entscheidend, damit keine Seite enttäuscht ist.

      P.S. Wirklich gute Freunde wollen wahrscheinlich auch, dass Du mit ihnen feierst, anstatt zu arbeiten. ;)

      Dir jedenfalls viel Spaß beim Fotografieren! Und ich finde es klasse, dass Du so verantwortungsvoll damit umgehst!

      Viele Grüße
      Andrea