Nahsicht auf ein Möbelstück mit Decken, Pfalnzenblättern und Schriftzug.
25. Januar 2018

Magdolna – In Erinnerung an meine Großmutter

Als mich im November letzten Jahres meine Mama mit den Worten „Du musst aufstehen, Deine Oma ist gestorben“ weckte, konnte ich es nicht wirklich begreifen. Selbst nach über acht Stunden Fahrt Richtung Ungarn fühlte sich alles so unwirklich an. Mein Kopf war so blockiert, dass ich es einfach nicht realisieren konnte.

Erst als wir uns am nächsten Morgen zum Haus meiner Oma aufmachten und ich den Sessel sah, auf dem sie immer gesessen hatte, machte es Klick. Ich realisierte nun, dass es keine gemeinsamen Gespräche über Gott und die Welt mehr geben würde, keine Festmahle mit riesigen Töpfen gefüllt mit Gulasch, Nudeln und anderen Leckereien. Kein Fernsehgeräusch mehr aus dem Hintergrund und auch keine mahnenden Worte über den Konsum von Zigaretten.

All das begriff ich erst, als ich in diesem leeren Haus stand. Ein Geruch, gemischt aus Insulin und frisch eingekochter Pfirsichmarmelade, stieg mir in die Nase. Alles war genau so, wie sie es hat liegen lassen. Genau so, als wäre die Zeit stehen geblieben.

So ruhig war es hier schon seit Jahren nicht mehr. Die nächsten Tage besuchte ich immer wieder das Haus für ein paar Stunden, um zu fotografieren. Es waren wunderbare Stunden der Ruhe, schon fast eine Art Meditation. Tränen flossen keine, viel mehr unterhielt ich mich in Gedanken mit meiner Oma. Ich stellte Fragen, quatschte über alte Erinnerungen und erzählte ihr von meinen Zukunftsplänen. Mir war klar, dass ich nie eine Antwort bekommen werde, aber im tiefsten Inneren weiß ich, dass sie mir zugehört hat!

Blick auf ein Fenster, vor dem blühende Rosen zu sehen sind und fransige, weiße Vorhänge.

Blick in eine Küchenecke mit Obst, Küchenutensilien und Verpackungsmaterial.

Blick auf Fliesenboden, auf dem Reste eines Tomatenstrauches liegen.

Nahsicht auf ein Möbelstück mit Decken, Pflanzenblättern und Schriftzug.

Aufsicht auf Herd mit Töpfen voller Essen.

Blick auf gefliesten Boden, der von der Sonne beschienen ist mit Schattenwurf. Darauf liegen kreuz und quer zwei Paar Sandalenschuhe.

Aufsicht auf einen Tisch mit vielen Utensilien.

Innenraumaufnahme mit Fenster, vor dem weiße und rote Vorhänge hängen, davor ein Sofa.Ansicht eines ovalen Wandspiegels, in dem sich Stoffe und ein Tulpenbild spiegeln.

Übersicht über einen Tisch in einer sonnenbefleckten Ecke, auf dem Krimskrams liegt.

Das Fotografieren in ihrem Haus half mir, den Verlust zu verarbeiten, weshalb ich es nur befürworten kann, sich mit dem Tod eines geliebten Menschen auseinanderzusetzten, statt ihn zu verdrängen und bloß nicht über das Geschehene nachzudenken. Für mich hat dieses Projekt einen besonders hohen emotionalen Wert und daran möchte ich auch in meinen nächsten Projekten anknüpfen. Die Bilder wurden mit einer Fuji x100s aufgenommen. Manchmal fotografiere ich auch analog.

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4 Kommentare

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  1. Schön! Durch die Photos entsteht bei mir ein Bild von der Oma – und erinnert z.T. an meine, die nun aber schon fast 25 Jahre tot ist. Und ich kenne auch das intensivere Beschäftigen mit einem gestorbenen Menschen. Das ist gut, wenn man sich dafür Zeit nimmt bzw. diese hat.