10. Oktober 2015 Lesezeit: ~6 Minuten

Eine Frage, viele Antworten – Teil 4

Ein „Kreatief“ kann man sich als Berufsfotograf eigentlich nicht leisten. Was macht man, wenn es doch einmal schwer fällt, die Kamera in die Hand zu nehmen? Diese Frage haben wir dieses Mal verschiedenen Fotografen gestellt und den Eindruck gewonnen: Am liebsten gehen Fotografen auf Reisen.

 

Ein Hochzeitsportrait vor einem Kiosk

Hanna Witte, Hochzeitsfotografin

Natürlich gibt es schon einmal Tage, an denen ist es leichter und andere, an denen fällt es einem etwas schwerer, aber generell habe ich nach ein paar Minuten des Fotografierens das „Kreatief“ überwunden. Oft braucht es jedoch tatsächlich erst einmal einen Anfang. Nach der Session wähle ich fast nie die Bilder der ersten paar Minuten aus, da es nie die besten sind. Ich arbeite sehr intuitiv und das braucht machmal etwas Zeit, um sich in die Situation hineinzufühlen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass irgendwann immer der Punkt kommt, ab dem es dann ganz von selbst läuft.

 

Eine Frau mit wehendem Haar

Pascal Triponez, People- und Fashionfotograf

Ein richtiges „Kreatief“ musste ich zum Glück bisher noch nicht erleben. Was aber vorkommen kann, ist, dass man ab einem bestimmten Punkt nicht weiter kommt. Die Kamera für eine längere Zeit wegzulegen, ist für mich keine Lösung. Lieber versuche ich mich an einem ähnlichen, aber einfacheren Projekt, um wieder das gute Gefühl in die eigenen Fähigkeiten zu bekommen. Kreative Tiefs finden immer im Kopf statt. Also abschalten, sich kurz davon lösen und dann wieder mit frischer Tat ran an die Sache. Aber schlussendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht. Ein Universalrezept gibt es dafür nicht. Falls doch, bitte ich um eine E-Mail.

 

Ein Hochzeitspaar mit Brautkranz

Stefanie Fiegl, Baby- und Hochzeitsfotografin

Bei einem „Kreatief“ besuche ich gern einen Workshop, um dazuzulernen, neue Inspiration finden und um Kollegen kennenzulernen, sich auszutauschen. Oder ich plane ein „Styled Shoot“, bei dem ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Das gibt mir viel Motivation. Zudem nicht zu vergessen: Zeit mit der Familie zu verbringen, ist wie Batterien aufladen.

 

Eine lächelnde Frau

Michael Omori Kirchner, Portrait- und Businessfotograf

Wenn ein Auftrag ruft, kann man es sich natürlich nicht leisten, „keinen Bock“ zu haben. Das verbietet schon mein Selbstverständnis als Dienstleister. Und schließlich lebe ich ja auch davon, dass meine Kunden mir ihr Geld bringen. Dafür können sie auch eine erstklassige Leistung und vor allem einen motivierten Fotografen erwarten.

Bei meinen freien Projekten kommt es durchaus vor, dass ich mir eine kreative Auszeit nehme. Aber hier habe ich auch keinen Druck und muss keine bestimmte Leistung zu einem festgelegten Termin abliefern. Wenn ich neue Inspirationen brauche, schaue ich mir einen guten Bildband an oder stöbere durch Portfolios anderer Fotografen. Oft entstehen daraus dann neue Ideen für eigene Themen, die ich gern umsetzen möchte.

 

Eine Frau in schwarzem Kleid in der Wüste

Martin Neuhof, Portraitfotograf

Manchmal fotografiert man Tage und Wochen nur für Kunden. Dabei kann es wirklich zu einem „Kreatief“ kommen. Das klingt jetzt vielleicht abgedroschen, aber mein Gegenmittel für diese Tiefs sind meine freien Projekte. Ich kann mich entfalten, wie ich möchte oder ich fahre spontan mit einer Person an ein schönes Fleckchen und nehme ein paar spontane, wenig geplante Bilder auf. Damit verliere ich nie den Spaß am Fotografieren und es weht irgendwie neuen Wind in mein Kreativhirn.

 

Ein Hochzeitspaar küsst sich durch eine Autoscheibe hindurch.

Alex Ginis, Hochzeitsfotograf

Mein Rezept ist denkbar einfach: Ich verreise auf der Suche nach neuer Inspiration, wenn ich die Zeit dazu habe. Aber auch zwischen den Aufträgen versuche ich, mal für ein bis zwei Tage abzuschalten. Das ist ebenso wichtig wie den Körper im gesunden Zustand zu halten, deswegen mache ich viel Sport – Mountainbiken, Skifahren, Wandern. Also Sportarten bei denen man gleichzeitig etwas Neues entdecken kann. Es hilft auch manchmal der Verzicht auf die Kamera im Urlaub oder am Wochenende – ein für manche Fotografen undenkbar radikaler Schritt – aber es hilft wirklich, um die Lust am Fotografieren schnell wiederzufinden!

 

Ein Hochzeitspaar im Meer

Carmen und Ingo, Hochzeitsfotografen

Die Kamera ist eigentlich immer eine Motivation, denn wenn Du diesen Beruf als Hauptberuf ausübst, ist das eigentliche Fotografieren leider nur ein sehr kleiner Teil davon. Wir freuen uns eigentlich immer zu fotografieren und machen das auch viel privat als Hobby. Da wir zu zweit arbeiten und uns auch gegenseitig motivieren, passiert es aber selten, dass wir in ein Tief fallen.

Man darf auch Müdigkeit und die Tatsache, dass man sich auch mal Freizeit nehmen muss, nicht mit einem Tief verwechseln. Wichtig ist, dass man auch lebt und nicht nur arbeitet. Wir reisen durch ganz Europa für Hochzeiten und hängen sehr oft auch Tage vorn und hinten an die Reisen an, die wir dann nutzen, um an schönen Orten zu sein.

 

Eine Frau liegt in einem Gebüsch

Tanja Wesel, Hochzeits- und Portraitfotografin

Bislang ist es mir noch nie schwergefallen, die Kamera in die Hand zu nehmen, da ich das Gefühl habe, dass sie eine dritte Hand für mich ist. Ein „Kreatief“ hatten wir wohl alle schon einmal. Wobei es mir hier nicht an Ideen fehlt, oftmals passiert ein Tief einfach so. Sie sind dann einfach da. Das kann man schwer beschreiben.

Mein Heilmittel dageben ist immer: Einfach doch die Kamera in die Hand nehmen und ab in die Natur! Einfach ohne Mensch die Schönheiten der Natur festhalten. Ein paar Bilder machen, ohne nachzudenken. Und spätestens beim dritten Baum oder der zehnten Pflanze fehlt mir ein Gesicht und ich merke: So tief war das Tief nicht und die Fotografie ist das, was ich liebe.

 

Jeder muss für sich eine Möglichkeit finden, nicht die Motivation zu verlieren. Wir wünschen Euch stets viel Freude an der Fotografie, ob als Berufs- oder Hobbyfotograf. Wer mit der Fotografie Geld verdient und uns auch eine Fragen beantworten möchte, kann mir gern schreiben.

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2 Kommentare

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  1. hallo, zusammen…
    ich bin selbst professioneller lichbildner, nunmehr seit einigen jahren im (un-)ruhestand. als photographie noch die butter aufm brot war, ging es handwerklich zu: je nach auftragslage wurde das passende werkzeug gewählt.
    nun gehts bei mir umgekehrt; jetzt muß nichts mehr, es kann.
    heut nehm ich aus der vitrine einen meiner digitalbodies und je nach laune und bauchgefühl eines meiner heavy metal objektive (ich hab nur einen einzigen plastikbecher…) und geh aus dem haus, wohin der wind mich trägt.
    ich photographiere grundsätzlich auf APS und in schwarzweiß.
    ein paar bridge-cams dienen mir darüberhinaus als immerdabei-notizbücher.
    dem grunde nach gibt das gewählte werkzeug die motivlage vor; ich versuche einfach, aus der selbstgewählten beschränkung auf jeweils ein objektiv zu bildern zu gelangen, die typisch sind für die arbeit unter diesen bedingungen.
    mit freundlichen grüßen,
    werner aus der hochsteiermark

  2. Wenn ich ein Kreativ-Tief habe, packe ich auch einfach meine Plünden und gehe raus. Stelle mich aber neuen Herausforderungen, was meiner Meinung nach sehr wichtig ist, denn genau dann erwacht die Kreativität meistens erneut.

    Manchmal muss man aber auch komplett raus, am besten verreisen – dass ist im Endeffekt die beste Lösung, wenn es wirklich mal nicht weiter geht.