Brennende Schuhe mit Pärchen am See
24. März 2015 Lesezeit: ~10 Minuten

Fotografie – warum?

Ich bin ein Technik-Freak. Und ein Qualitätsjunkie. Ich liebe überragende Bildqualität. Ich bin begeistert darüber, was mit heutigen Kameras und Objektiven möglich ist und welch technisch hochqualitative Fotografien damit machbar sind.

Allerdings hat sich im letzten Jahr meine Sicht auf die Fotografie stark verändert. Daran hatten meine Überlegungen zum Ausstieg aus der beruflichen Fotografie sicherlich auch einen Anteil.

Früher habe ich oft nur den technischen Aspekt der Fotografie gesehen: Kamera, Auflösung, Schärfe, Brennweite, Bokeh, Komposition, Beschnitt, Bildbearbeitung. Und auch heute noch sind mir diese Dinge nicht unwichtig.

Aber machen sie eine gutes Foto aus? Ein Foto, das ich gern zeigen oder das ich mir an die Wand im Wohnzimmer hängen möchte? Oder anders gefragt: Ist ein Foto, das ich mir immer wieder anschauen und in dem ich mich verlieren kann, hauptsächlich aus technischen Gründen gut? Ich denke: Nein.

Obdachloser am Strand

Im letzten Jahr habe ich mir sehr oft diese eine Frage gestellt: Warum fotografiere ich? Mir war es schon immer wichtig, einen Sinn oder eine Relevanz in dem zu finden, was ich tue.

Gleichzeitig nehme ich wahr, dass die Anzahl an selbsternannten Fotografen und die Masse an Fotos (vor allem im Internet) immer weiter zunimmt. Darunter ist viel Schund, Irrelevantes, Überflüssiges. Allein der Sexismus in manchen Fotografien wäre einen eigenen Grundsatzartikel wert. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Eine Diskussion über „gute“ Fotografie scheitert meistens daran, dass viele Fotografen auf der „Technik-Ebene“ hängen bleiben und dass über die tiefer liegende Motivation, den Grund für das eigene Fotografieren zu selten oder gar nicht gesprochen wird. Ich bin mir auch unsicher, ob sich viele überhaupt darüber Gedanken machen.

Dabei ist das der eigentlich wichtige Punkt beim Fotografieren: Zeig mir Deine Fotos – und ich sage Dir, wer Du bist. Es gibt sicherlich fast so viele Gründe zu fotografieren, wie es Menschen gibt. Aber diese persönliche Ebene wahrzunehmen, erfordert ein gedankliches Öffnen meinerseits für die inneren Motivationen der anderen. Deren Gründe müssen mir nicht immer gefallen. Aber zumindest kann ich dadurch auch herausfinden, was mir selbst wichtig ist und warum.

Dieb mit Kerze im Dunkeln

Mittlerweile hatte ich bereits zwei Mal die Chance, für Jugendliche einen Workshop zum Thema Fotografie zu gestalten. Dieses und letztes Jahr im Januar durfte ich Jugendlichen zeigen und erklären, was kreative Fotografie ist und wie sie zustande kommt.

Bei meinem Workshop bin ich in das Thema Fotografie jedes Mal mit der gleichen These eingestiegen: „Die Fotografie ist eine Ausdrucksform der menschlichen Seele.“

Dies ist zugegebenermaßen eine steile und provokante Aussage. Zunächst einmal ist es in unserer eher materialistisch geprägten Welt umstritten, ob es so etwas wie eine Seele überhaupt gibt. Und trotzdem möchte ich mit diesem Begriff all das in ein Wort packen, was über Körper und Vernunft eines Menschen hinaus geht. Manch eine oder einer würde dazu vielleicht auch „Herz“ oder „Gefühlswelt“ oder „Unterbewusstsein“ eines Menschen sagen.

Indisches Pärchen am Strand mit Wellen

Was mich am meisten an den ganzen Stock-Fotografien und den bis zum Exzess bearbeiteten Fotos im Internet stört, ist die Tatsache, dass sie keine Seele zu haben scheinen oder keine zeigen. Sie kopieren Erfolgsrezepte, sie suggerieren sozial konstruierte Schönheit, sie zeigen eine scheinbar perfekte Welt, die es so nicht gibt. Die Fotografie wird dort auf den technischen Aspekt, die hinein gesteckte Arbeit oder den „perfekten Moment“ reduziert.

Diese Reduktion ärgert mich, denn sie ist eine Lüge. Sie blendet den Betrachter und lenkt ihn davon ab, dass diesen Fotos oftmals (nicht immer) etwas Entscheidendes fehlt: Eine Geschichte, eine Emotion, Authentizität oder die Möglichkeit, als Mensch bei dem Gezeigten anzuknüpfen. Gute Fotos lassen sich auch mit einem Smartphone, mit wenig Nachbearbeitung und ohne „Perfektion“ machen.

Ich behaupte: Jedes gute Foto hat eine Seele. Und in jedem guten Foto steckt ein Stückchen Seele des Fotografen. Eine Geschichte, ein Gedanke, eine Emotion. Etwas, das ich erkennen und mit dem ich mich emotional oder gedanklich verbinden kann. Selbst, wenn ich es nicht immer sprachlich benennen kann. Und genau das macht das Ganze so schwierig.

Frau mit Steinen auf Bahngleisen

Vermutlich werden mir jetzt manche Landschafts- und Portraitfotografen nicht zustimmen. Aber ich möchte an diesem Punkt nicht falsch verstanden werden: Die „Seele“ eines Fotos kann für jeden etwas anderes sein. Sie ist eng damit verknüpft, aus welcher Motivation heraus ich fotografiere.

Ich würde von mir selbst behaupten, dass ich mittlerweile erkennen kann, ob ein Foto hauptsächlich für den Ruhm im Internet aufgenommen wurde oder nicht. Und vielleicht lohnt es sich beim nächsten „Bilder durchschauen“ auf manchen Fotoplattformen, einmal die Fotos unter diesem Gesichtspunkt anzuschauen. Was ist meine Motivation zu fotografieren? Und: Will ich das Gleiche wie alle anderen?

Ich möchte das Ganze anhand von zwei Fotos erklären, in denen sich für mich genau dies widerspiegelt. Ich habe bewusst keine Aufnahmen von großen und berühmten Fotografen ausgewählt, damit deutlich wird: Das kann jeder, wenn er sich dafür öffnet – denn es ist eine Sache der Einstellung zur Fotografie.

Das erste Foto ist eine Landschaftsaufnahme von mir. Ich habe sie im Oktober 2013 in Österreich am Tag nach einer Hochzeitsreportage in einem Hotel auf 2.300 Metern Höhe gemacht. Technisch ist die Aufnahme nicht das Gelbe vom Ei. Eine Komposition ist nicht erkennbar, die Bearbeitung ist ziemlich flach und von der Einstrahlung der Sonne auf das Objektiv ist ein Lensflare mit auf das Foto gekommen.

Bergsee in Österreich mit Alpen

Nichtsdestotrotz schaue ich mir diese Aufnahme gern an. Warum? Weil ich noch genau weiß, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe, als ich das Foto gemacht habe. Es war ein sonniger Herbstmorgen und ich war auf der Suche nach etwas Entspannung und Ruhe. Als ich vom Hotel über einen kleinen Hügel ging, entdeckte ich diese Landschaft.

Leichte Wolken kletterten sanft über die Bergspitzen, es war etwas windig und der See wurde durch den Wind leicht aufgewühlt. Aber in diesem Moment fällt mir vor allem auf, dass etwas in dieser Landschaft stört. Sie ist nicht perfekt und schön, sondern unterbrochen von menschlichen Eingriffen. Der Stausee ist künstlich angelegt, Ski-Lifte führen durch die kantigen Berghänge und eine Wetterstation zerschneidet die malerische Atmosphäre.

Trotzdem kommt der menschliche Eingriff hier noch nicht gegen die Majestät der schönen Bergwelt an. Es ist (für mich) ein Widerspruch in diesem Bild, der mich daran erinnert, wie sehr ich die Natur liebe und wie oft ich menschliche Eingriffe als störend empfinde – während ich gleichzeitig sehr oft von ihnen profitiere. Dieses Paradoxon lässt sich nicht einfach auflösen.

Diese Interpretation ist nicht jedem Betrachter sofort beim Anschauen des Fotos zugänglich. Man müsste meine Gedanken kennen, um den „Wert“ dieser Aufnahme für mich zu erkennen. Aber vielleicht reicht es ja zunächst, wenn ich anfange, mehr Fragen an meine eigenen Fotos und die der anderen zu stellen. Was steckt dahinter? Was hat sich der Fotograf oder die Fotografin bei dieser Aufnahme gedacht? Welche Geschichte steckt in dem Bild? Welche Aussage? Welche Emotion?

Ich möchte noch ein zweites Foto zeigen. Ein Freund von mir hat es letzten Sommer fotografiert.

Mann mit Holzstapel in See am Waldrand

Für mich spiegelt sich in dieser Aufnahme vieles wieder, was ein gutes Foto ausmacht. Das Motiv strahlt eine natürliche Wildheit und gleichzeitig Ruhe aus. Es erzählt eine Geschichte, wenn man die Frage nach dem Woher (kommt der Mann?), Wohin (geht er?) und Warum (steht er mit Holz im Wasser?) stellt. Das Foto transportiert eine Emotion.

Obwohl es inszeniert ist, wirkt es authentisch – es gibt etwas „Echtes“ wieder, was wirklich so passiert sein könnte. Und schlussendlich wohnt der Aufnahme durch den technischen Rahmen (Komposition und Bildbearbeitung) eine gewisse Ästhetik inne, die aus meiner Sicht passend zum Inhalt gewählt wurde.

Auch an dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen: Das Foto muss nicht jeder und jedem gefallen. Und trotzdem hat es für manche Menschen „eine Seele“ und spricht. Es transportiert eine Bedeutung, die über das pure Gezeigte hinaus geht.

Warum fotografiere ich also? Ich fotografiere, weil ich auf dieser Welt einige Bilder mit meiner Sicht, einem Stück meiner Seele und meiner Gefühlswelt hinterlassen möchte, an die auch Menschen aus zukünftigen Generationen anknüpfen können. Seien es wertvolle Erinnerungen, kunstvolle Inszenierungen oder einfach interessante Geschichten. Ein Wunsch wäre, dass es vielleicht irgendwann mal ein Foto gibt, das einem anderen Menschen Hoffnung oder Trost spendet. Aber das ist kein Ziel, auf das ich hinarbeiten kann.

Meine eigene Hoffnung ist, dass ein paar meiner Fotos in 100 Jahren immer noch für jemanden interessant, berührend, wichtig oder anstößig sind. Und wenn es nur eine einzige Person ist, deren Vorfahre ich war.

Großmutter auf Couch im Wohnzimmer

Gleichzeitig steht damit für mich auch fest, dass ich nicht fotografiere, um damit möglichst viel Geld, Ruhm oder Anerkennung zu verdienen. Niemand wird in 100 Jahren sagen: Das hat der aber damals toll in Photoshop bearbeitet.

Ich möchte mit diesen Gedanken dazu ermutigen, sich die Frage nach dem Warum der Fotografie öfter selbst zu stellen. Und darauf eine Antwort zu finden, die sich nicht mit dem Technischen begnügt, sondern darüber hinaus geht.

Ich glaube, unsere Welt braucht mehr Fotografien, die Menschen anknüpfen lassen und miteinander verbinden. Die das Schöne hochhalten, aber auch das Schwere nicht verschweigen. Und die vom Inhalt bestimmt sind und weniger von der Frage nach dem Wie. Ich möchte fotografisch etwas auf dieser Welt hinterlassen, das nicht nur für mein Ego eine Bedeutung hat und in diesem Sinne „relevant“ wird. Und vielleicht möchtest Du das auch.

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63 Kommentare

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Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Was ist ein gutes Photo ? Ein technisch perfektes Photo ohne Emotionen ist ein schlechtes Photo. Ein Photo das Emotionen übermittelt aber technische Mängel hat ist ein gutes Photo. Das perfekte Photo ? Ein Photo das Emotionen übermittelt und technisch gut ist. Fazit : Emotionen und Gefühle sind wichtiger als Photoshop-Perfektion.

  2. Wenn ich solche Artikel lese, weiss ich wieder, wieso ich regelmässig bei Kwerfeldein vorbeischaue.
    Ich finde deine Gedanken sehr spannend, Manuel. Und stimme dir bei vielem, was du schreibst zu. Was du als Seele beschreibst, nenne ich das Gewisse etwas, das ein Bild für mich haben muss. Gute Fotos regen zum Nachdenken, zum Träumen an oder Wecken Neugier. Wenn einem Fotografen eines davon gelingt, ist dies eine grosse Leistung. Mit deinen Bildern tust du das meiner Meinung nach, vor allem mit dem Titelbild. Ich wüsste zu gern, wieso diese Schuhe im Vordergrund brennen.

  3. Ehrlich gesagt, traue ich Fotografie nicht wirklich. Vor allem nicht jener, wo man sichtlich mit Photoshop gepfuscht hat. Und auch jener nicht, wo man nicht sieht, dass da jemand mit Filter und Retusche drüber gehuscht ist. Die meisten Menschen wählen extreme Bearbeitung, weil sie die Bilder nur noch aus dem Internet oder Zeitschriften kennen: Makellos, knallig.

    Ich habe eine Ausbildung in Richtung Grafik gemacht und erkenne bearbeitete Fotos leider viel zu schnell. Seit ich das alles gelernt habe, nehme ich die Welt ganz anders wahr.

    ich finde es benötigt keine besonderen Kenntnisse, um ein gutes Foto zu machen. Sicherlich ist ein interessantes Foto bei einem blutigen Anfänger seltener als bei jemandem, der das schon Jahre lang macht. Aber Bilder werden auch langweilig, wenn man sofort erkennt, wer sie gemacht hat – wir reden hier schließlich nicht von Malerei sondern von Fotografie!

    ich mag es, wenn ein Foto direkt aus dem Kasten kommt und keiner Bearbeitung bedarf, weil es vielleicht nicht perfekt ist, jedoch eine Geschichte erzählt und damit auch andere Ansprechen kann.

    • Ein Foto, das direkt aus der Kamera stammt und unbearbeitet die „Wirklichkeit“ abbildet?
      Das gelingt sicher bei einer Überwachungskamera, hat aber mit Fotografie nichts zu tun.
      Ein Foto ist nicht nur Dokumentation dessen, was vor der Kamera passiert.
      Die Frage ist doch welche Stimmung der Situation, welche Emotionen möchte der Fotograf
      dem Betrachter weitergeben, die von der Kamera gerade eben nicht wiedergegeben werden
      kann. Hier ist dann eine Bildbearbeitung, gezielt eingesetzt, zwingend notwendig.

  4. Das man die Frage „Was ein gutes Foto ist“ auch subjektiv beantworten kann ist klar.
    Das ist auch ein Grund für die Massen an Fotos die man im Internet findet.
    Jeder kann fotografieren und jeder kann die Fotos teilen.
    Viele Menschen übertragen ihre subjektive affinität zu Fotos dann auf folgenden Gedanken:
    „Mensch wenn mir das Foto gefällt dann bestimmt auch allen anderen“.

    Die Überlegung, die ich in dem Artikel finde kann ich nicht nachvollziehen.
    Wenn man rational sein Foto wie folgt bewertet:

    „Technisch ist die Aufnahme nicht das Gelbe vom Ei. Eine Komposition ist nicht erkennbar, die Bearbeitung ist ziemlich flach und von der Einstrahlung der Sonne auf das Objektiv ist ein Lensflare mit auf das Foto gekommen.“

    Warum will man es denn anderen Menschen zeigen?

    Die Antwort:
    „schaue ich mir diese Aufnahme gern an. Warum? Weil ich noch genau weiß, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe, als ich das Foto gemacht habe.“

    Das kann der Betrachter aber nicht!
    Damit wird vom Prinzip genau das gemacht, was vorher im Artikel angeprangert wurde.

    Auch das ein Thema wie „Sexismus in der Fotografie“ angerissen wird und dann in keiner Weise auszuführen wird verstehe ich nicht.
    Entweder man macht konkrete Beispiele, oder man läßt so eine aussage weg.

    Spannende Einstiegsfrage, aber der Lösungsansatz sagt mir nicht so ganz zu.
    Beste Grüße

    • Das Thema „Sexismus in der Fotografie“ in solch einem grundsätzlichen Artikel auszuführen, würde den Rahmen völlig sprengen. Dazu gibt es aber bald auf kwerfeldein mehr – u.a. auch von anderen Redakteuren.

      • Hi Manuel,
        danke dass du auf meinen Kommentar geantwortet hast.

        Genau das meinte ich, wenn es bald einen ganzen Artikel dazu gibt, dann braucht man dem Thema doch nicht vorzugreifen.
        Das lenkt doch nur vom eigendlichen Thema des Artikels ab.
        Ausser es gibt einen konkreten Verweis/Link auf den Artikel, dann macht das für den Leser vielleicht Sinn, weil er gleich den anderen Artikel lesen kann.

        Beste Grüße

      • Ich habe dem Thema bewusst vorgegriffen, denn das spielt genau in diese grundsätzliche Thematik rein. Es gibt hunderte von sexistischen Fotografen, die ihren (Halb-)Pornomist oder ihre patriarchal-männerdomnierten Frauenfotos ins Internet hauen und dafür dann noch viele Likes und Klicks kriegen. Deren Fotos sind Vergewaltigungen der menschlichen Seele (teilweise vor der Kamera, teilweise vor dem Bildschirm) und sind einzig und allein für den Internetruhm oder das eigene Ego erschaffen worden. Das sieht man den Fotos oft (aber nicht immer) an. Da ging es nie darum, eine ernsthafte Geschichte zu erzählen, sondern mit klischeebehafteten sexuell anmutenden Fotos Follower zu gewinnen. Und da die Frage nach dem Warum, dem Sinn, der Relevanz zu stellen ist für mich über-nötig.

    • Diesem Kommentar möchte ich beipflichten.

      Persönliche Bezüge sind irrelevant, solange sie für den Betrachter nicht nachvollziehbar sind. Es geht nicht darum was was der Fotograf erlebt hat, sonst um das was der Betrachter erkennen oder fühlen kann!

      • Bei beiden Aufnahmen kann ein Betrachter etwas erkennen und fühlen – wenn er genau hinschaut und sich darauf einlässt, was da passiert oder zu sehen ist. Es gibt auf jeden Fall Anknüpfungspunkte – die fehlen bei vielen Fotografien, die heutzutage so rausgehauen werden, völlig. Es sind in manchen Internetportalen Massen von seelen-, emotions- und berührungslosen fotografischen Werken zu sehen, die sich alleine durch Technik und Bildbearbeitung, nicht aber durch ihre Bildsprache definieren.

  5. Fotografie warum?
    Ein wirklich toller Artikel Manuel!
    Ich kann mir die Frage gut beantworten, als Naturfotograf bin ich sehr viel unterwegs um schöne Motive zu finden.
    Man muss sich oft mit verschiedenen Tieren, Insekten,Spinnen und Pflanzen beschäftigen, deren Verhaltensweisen kennen lernen und ihre „Uhr“ kennen.
    Oft findet man dabei interessante Sachen heraus die eben über die Fotografie hinaus gehen.
    Man versucht dann all das im Foto festzuhalten um es zu präsentieren, nichts ist schöner als dann zu hören/lesen „Tolles Foto, hätte nie gedacht das sich diese Tiere so verhalten“.
    Die liebe zur Natur und zur Fotografie sind für mich essentielle Dinge, beides miteinander zu kombinieren ist für mich der wahr gewordene Traum.

    • Danke!
      Es ist schön, wenn du für dich einen Bereich gefunden hast, der Sinn macht. Fotografien zeigen oft eine Perspektive, die jemand der nicht fotografiert, gar nicht bemerken würde. Darum ist es wichtig, dass in vielen Bereichen fotografiert wird. Deine fotografische Motivation ist dir auf jeden Fall abspürbar.

  6. Fotografie – warum?

    Wahrscheinlich gibt es (fast) keinen Fotografen (männlich wie weiblich), der sich diese Frage nicht schon mal gestellt hat!

    Und wahrscheinlich ist es auch gut, sein Tun (manchmal) zu hinterfragen…

    Aber sehr befremdlich finde ich folgende Aussage des Verfassers: Zitat nachfolgend

    Zumal der Absatz aus meiner Sicht auch nichts mit der ursprünglichen Frage zu tun hat. Wie der Verfasser auch schon selbst feststellt, gibt es durchaus Fotos, die technisch usw… „nicht das gelbe vom Ei“ sind, aber aus „seiner Sicht“ durchaus zeigenswert sind.

    Da würde mich doch durchaus mal interessieren, wie er zu der Ansicht gelangt, dass bei den im Internet gezeigten Fotos viel Schund, Irrelevantes, Überflüssiges dabei ist.

    Insofern denke ich, jeder sog. „selbsternannte“ Fotograf muss sich die Frage „Fotografie – warum?“ selbst beantworten.

    Viele Grüße
    Peter

    • Gleichzeitig nehme ich wahr, dass die Anzahl an selbsternannten Fotografen und die Masse an Fotos (vor allem im Internet) immer weiter zunimmt. Darunter ist viel Schund, Irrelevantes, Überflüssiges. Allein der Sexismus in manchen Fotografien wäre einen eigenen Grundsatzartikel wert. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

    • Denke ich anders: Ich glaube, viele fotografieren nur, um zu fotografieren – egal warum. Weil sie es können, weil sie technisch herumspielen wollen, weil ihnen Photoshop leicht fällt. Wie schon beschrieben, sieht man bei vielen Motiven nicht die Motivation dahinter oder sie geht in eine Richtung, in der es nur um den Internetruhm des Fotografen geht – aber gar nicht um das Gezeigte. Ich bin bei dir, dass sich jeder das beantworten muss. Aber ich behaupte, es stellen sich viele die Frage gar nicht, weil es ihnen egal ist.

      • Vielen Dank für deine Gedanken!
        Ich denke, es ist überhaupt eine schwierige Diskussion; selbst innerhalb der verschiedenen Genres (Portrait, Akt, Landschaft) lässt es sich vortrefflich über das „warum“ diskutieren!
        Es geht ja nicht um die Fragestellung, was ist ein gutes oder schlechtes Foto!

        Viele Grüße
        Peter

  7. Sehr schöner Artikel, danke!
    Die bereits im Kommentar angesprochene Subjektivität möchte ich jedoch auch betonen. Ein Satz ist mir aufgefallen, den ich so nicht stehen lassen kann:

    „Diese Reduktion ärgert mich, denn sie ist eine Lüge.“

    Auch wenn der Vorkommentator von etwas anderer Subjektivität gesprochen hat, hier findet sie sich dennoch wieder. Denn was genau ist eine Lüge? Die meisten sagen, etwas dass der Wahrheit nicht entspricht, die Realität verfälscht. Aber ist es so? Du schreibst hier über die Seele (der Menschen, der Fotos) und diese ist bei jedem Menschen anders. Ebenso die Sichtweise der Dinge und auch die Realität bzw. Wahrheit. Auch wenn man diese Begriffe objektiv definiert sehen möchte, jeder Mensch hat für sich seine eigene Empfindung der Realität – zeige 100 Menschen einen roten Klecks, jeder wird einen roten Klecks sehen, aber wie dieser genau in der Empfindung des Menschen aussieht, wie das rot für ihn aussieht, wie die Form des Kleckses wahrgenommen wird und wie sie auf ihn wirkt. Genau so ist es mit Fotos und ihrer Bearbeitung, nur der Fotograf selbst sieht es so, wie er es gesehen hat. Und wenn diese Projektion dessen nun so aussieht, wie er sie uns präsentiert, kann man das nicht als Lüge bezeichnen. Es ist seine Ausdrucksweise und wir empfinden, jeder anders. Zum großteil überschneiden sich die Empfindungen der meisten Menschen, aber ab einem gewissen Punkt kommt unweigerlich die Subjektivität ins Spiel, sei es die Seele, Gefühle, Erfahrung, Wiedererkennung, etc.
    Mir ist klar, wie du das mit der „Lüge“ gemeint hast, aber die Aussage passt nunmal nicht zum restlichen Text. In meinen Augen wäre eine echte (objektive) Lüge z.B. Retusche, wobei tatsächliche inhaltliche Aussagen verändert werden (z.B. den Text eine Plakates bei einer Demo ändern, sodass der nicht mehr der Intention des Plakatträgers entspricht), Aussagen die für jeden Menschen, ungeachtet dessen Individualität, die gleiche Bedeutung (nicht emotional, sondern rational) haben. Selbst hier ist es schwierig, denn der als Beispiel genannte Text eines Plakates kann verschieden interpretiert werden und sprachfremde Menschen mögen ihn gar ganz anders verstehen und wenn man noch weiter geht, Menschen (oder wegen mir auch Außerirdische) die keine Textsprache kennen würden das gleiche Bild sehen, gleich was dort geschrieben steht.

    Außerdem sollte vielleicht auch unterschieden werden zwischen „Bearbeitung“ (im Sinne von Manipulationen im Bild, Entfernung von Inhalten oder Hinzufügen, etc.) und „Entwicklung“, also Anpassen von Belichtung, Farben,etc. an das (vom Fotograf) tatsächlich Gesehene (und zwangsläufig auch Empfundene). Bezogen auf deine Landschaftsaufnahme z.B. wäre es keine Bearbeitung die Lensflares zu entfernen, denn die waren nicht wirklich da und sind nur ein Produkt der Technik. Es sei denn, du wolltest zeigen, wie du das Bild durch den Sucher gesehen hast, anstatt des Bildes was sich dir als Mensch dargeboten hat. Aber hier kommt nun wieder die Subjektivität ins Spiel… Und im übrigen fängt die Bearbeitung bzw. Verfremdung der sog. Realität schon bei der Wahl des Blickwinkels und Ausschnittes an, den man später den Betrachtern präsentiert. Die Realität wird sozusagen beschnitten und der Betrachter sieht nur das, was du ihm zeigen willst, nicht die ganze Szene. Hierdurch kann man sehr wohl die Empfindungen der anderen manipulieren, was meistens auch gewollt ist, aber objektiv Betrachtet wäre es dann dennoch eine „Lüge“.

    Dieses Thema ist sehr schwierig und man könnte ewig darüber diskutieren. Ebenso wie der angesprochene „Sexismus in der Fotografie“, dem sehr viele einflussnehmende Elemente zugrunde liegen (wobei man auch hier schlussendlich bei Subjektivität landen wird).

    • Das bestreite ich.
      Wen dem so wäre, was wird dann an Universitäten und Fachhochschulen unterrichtet?

      Es gibt schon das Auge des Betrachters, ja sicher und es gibt Geschmacklosigkeiten. Wer das entscheidet?
      Mein Auge!
      Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Fotografie und mein Auge betrachtet darum anders, als das Auge meiner 18jährigen Praktikantin, die mit ihre iPhone experimentiert und zufällig nette Bildchen entstehen lässt.
      Mein geübtes Auge kann dennoch erkennen, ob da Potential ist oder nicht.

      Es muss wieder öfters Diskussionen über Qualität geben und zwar nicht im technischen Sinne sondern im inhaltlichen Sinne.
      Hat ein Foto verschiedene Ebenen und ist es in der Lage ohne Worte zu funktionieren, bewegt es etwas in dem Betrachter, usw.

  8. Lieber Manuel,

    ich danke Dir sehr für diesen Artikel! Weil er mich in meinem Herzen der Fotografie trifft und das in Gänze. Weil das genau mein „Anspruch“ an mich und meine Fotografie ist – meine Seele in meinen Fotos zu zeigen, das, was mich in dem Moment der Aufnahme berührt und es auch noch bei späterem Ansehen tut.

    Ich schaue mir jeden Tag so viele Fotos an, die wenigsten treffen mich wirklich in der Tiefe. Das heißt ja nicht, ob ein Foto „gut“ oder „schlecht“ ist. Meine Fotos sind sicherlich nicht technisch perfekt, aber mein Fokus liegt eben woanders: ich öffne durch meine Bilder ein Fenster in meine Seele. So, wie ich die Welt sehe.

    Beste Grüsse,

    Heike

  9. Ein spannendes Thema und gut geschriebener Artikel! Den Aspekt der Seele kann ich teilen. Für mich sind Bilder dann gut, wenn sie eine Sehnsucht in mir rühren; wenn sie beim ersten Betrachten „neu“ sind (nichts ist langweiliger als immer wieder gleiche Kompositionen und Themen); wenn ich sie immer wieder anschauen möchte, weil sie etwas Positives in mir auslösen. Gute Bilder dürfen absolut unperfekt sein! :) Und was für den einen gut ist, muss für den anderen nicht gut sein. Jedes Bild ist eine Einladung in eine Gedanken- und Gefühlswelt, in der man sich als Betrachter bewegen kann.

    • Gute Gedanken, Ruth. Für mich müssen gute Fotos nicht zwingend etwas Positives auslösen – gerade im fotojournalistischen Kontext ist eher das Gegenteil der Fall. Aber wie Du schon sagst: „Und was für den einen gut ist, muss für den anderen nicht gut sein.“ Das unterschreibe ich gerne.

    • Mhm, gibt es wirklich eine Wahlmöglichkeit?
      Gibt es keine allgemein verbindlichen Kriterien zu dem Thema Qualität eines Fotos?
      Ist das alles wirklich beliebig und „GeschmacksSache“?
      Dann hätten ja alle Recht! Und alle Bilder dürften gemacht und müssten gezeigt werden.

  10. Danke für Ihre Reflexionen. – Das Warum, die Bildgeschichte, die Motivation. Solche Überlegungen machen mMn den Unterschied vom Kleinbildzüchter zum Künstler.

  11. Zitat: „Was mich am meisten an den ganzen Stock-Fotografien und den bis zum Exzess bearbeiteten Fotos im Internet stört, ist die Tatsache, dass sie keine Seele zu haben scheinen oder keine zeigen.“

    Für mein Empfinden gilt das auch für gestellte Hochglanzbilder, von denen du hier einige zeigst. Viele Bilder haben hinter einer schönen Fassede wenig oder nichts zu bieten und sind zudem beliebig austauschbar. Klar, schöne Fassaden sieht man sich gerne an, aber man sieht sich auch schnell daran satt. Daher finde ich besonders jene Bilder ansprechend, die wirklich etwas zeigen, einen „echten“ Moment.
    Die ältere Dame z.B. sitzt ja nicht den ganzen Tag auf dem Sofa und starrt ins Leere. Eine kleine Dokumentation z.B. über ihren Alltag (ggf. unter bestimmten Gesichtspunkten) könnte jedoch sehr interessant sein, inhaltlich wie fotografisch.
    Das wäre für mich eine mögliche Antwort auf die Frage „Fotografie – warum?“.

  12. Warum Fotografie, oder warum fotografiere ich, ist sicherlich eine Frage,die sich Fotografen nicht am Anfang ihrer Tätigkeit stellen und es ist auch nicht die Frage die ich mir stelle wenn ich beruflich fotografiere.

    Fotografiere ich z.B. beruflich, dann stellt sich die Frage nicht, denn ich arbeite für einen klaren (Bild)Auftrag.

    Aber für meine freien Arbeiten stellt sich diese Frage durchaus. Am Anfang war es oft der Prozess der mich bereichert hat. Natürlich sollte dabei ein ordentliches Bild rauskommen. Schaue ich mir heute viele meiner freien Arbeiten an, so können mich diese durchaus handwerklich überzeugen, mehr aber auch nicht mehr. Übrig aus dieser Zeit bleiben ein paar wenige Bilder, nämlich diejenigen, die nicht nur fotografiert wurden, sondern die ein Teil meines Lebens ausmachten.

    Warum also Fotografie – das muss jeder für sich selber entdecken. Für mich sind es mittlerweile nur noch Aufnahmen die mich und mein Leben direkt betreffen, Momente in denen ich assoziiert bin mit der (Um)Welt in der Ich mich bewege. Dann entstehen Aufnahmen, die etwas über mich sagen, mit denen ich Teil meines Lebens beschreibe oder Menschen die in meinem Leben vorkommen. Das sind dann auch die Bilder die auch nach Jahren noch einen Wert haben, weil der Bezug zum Leben da ist.

    Natürlich muss nicht alles was man treibt einen tiefen Sinn ergeben und fotografische Fingerübungen/Spielereien sollte man sich auch erlauben.

  13. Toller Beitrag! ich denke da selbst oft drüber nach was für mich das Foto ausmacht. Was für mich ein „gutes“ Foto ist. Ich bin im Moment viel auf Flickr unterwegs und schaue mir echt super viele Bilder an und es sind auch tatsächlich zu 90% diese Bilder mit „echter“ Seele (wie du sie hier beschreibst) die mein Auge gefangen nehmen.

    Daher 100% Übereinstimmung :)

    Übrigens…Einer meiner Lieblingsstellen deines Posts ist: „Niemand wird in 100 Jahren sagen: Das hat der aber damals toll in Photoshop bearbeitet.“

      • Das wäre toll!
        Ich handele mir immer großen Ärger bis hin zum Rausschmiss aus eine Gruppe ein, wenn ich unter dieser Überschrift Anmerkungen versuche zu machen.
        Mir drängt sich sehr oft der Verdacht auf, das manche Hobbyisten Fotografie sehen als eine Bild, in dem es um Arsch und Titten geht und nicht mehr.
        Ich merke schon, ich kann den Ton nicht finden, um den es mir geht…

  14. Fotografie – warum?
    Solche Fragen sind ein Segen, denn sie regen an, weg vom Tun, hin zum Denken und das ist manchmal sehr hilfreich.

    Für den Rückblick und für die Weiterentwicklung.
    Wir befinden uns täglich in einem Hamsterrad und versuchen unseren Tag so gut wie möglich zu erledigen und ihn mit guten Ergebnissen abzuschließen.
    Dies geschieht bei vielen die eine Kamera in die Hand nehmen ebenfalls.
    Vielleicht ist es manchmal auch notwendig stehen zu bleiben, und über die Frage „Warum machst du das eigentlich?“ nachzudenken.

    Die Antworten können so unterschiedlich wie die Welt sein und letztendlich können sie bei ehrlicher Beantwortung dazu beitragen wieder etwas zufriedener mit seinen Ergebnissen zu sein, die Ansprüche runter zu schrauben, kreativer zu werden, einzukaufen oder einfach weiter zu machen.

    In diesem Sinne, danke für die Frage, ich werde sie mitnehmen – als Geschenk.
    Ich werde drüber nachdenken, versuchen sie beantworten…

  15. Hallo :)

    Sehr interessante Gedanken ..stimme Dir in den meisten Sachen zu aber eins verstehe ich nicht :

    „Gleichzeitig nehme ich wahr, dass die Anzahl an selbsternannten Fotografen und die Masse an Fotos (vor allem im Internet) immer weiter zunimmt. Darunter ist viel Schund, Irrelevantes, Überflüssiges“

    Ok aber weiter schreibst du : Das erste Foto ist eine Landschaftsaufnahme von mir. Ich habe sie im Oktober 2013 in Österreich am Tag nach einer Hochzeitsreportage in einem Hotel auf 2.300 Metern Höhe gemacht….. Weil ich noch genau weiß, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe..

    Und das ist das Problem… ? Schund ? was ist Schund ? Irrelevantes ? Vielleicht hat sich ja die selbe Person auch bei dem betrchten seinse Bildes gedacht „Weil ich noch genau weiß, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe..“ Ich hoffe Du verstehst was ich meine ..mit der deutschen Sprache wird es besser aber ich kann noch nicht so wie ich will ;)
    Danke für deine Gedanken

    Grüsse :)

  16. Guter Artikel! Spricht mir aus der Seele. Jedes Mal, bevor man die Kamera reflexartig in die Hand nimmt, sollte man sich ein paar Fragen stellen. Warum, Wieso, weshalb? Es ist ja nicht verkehrt, den Urlaubsschnappschuss mit zu nehmen und ihn ins Netz zu stellen, auch nicht, die Familienfotos als Chronologie von Ereignissen zu sammeln, das Teilen war ja schon bei den gefürchteten Dia-Abenden ein wichtiger Zweck des Knipsens, seht, hier war ich! Fange ich aber an, mit der Kamera z.B. die Landschaft zu befragen, was sagst du Landschaft mir als Mensch, dann trete ich in einen Dialog ein. Das führt zu einer ganz anderen Auseinandersetzung und Wahrnehmung.

    Die Wahl des Ausdrucksmittels hängt eng mit der Idee im philosophischen Sinn zusammen, die ich im Kopf habe. Wenn dafür digitale Bearbeitung notwendig ist, dann entscheide ich mich dafür. Die Kamerahersteller suggerieren uns mit ihren zahllosen eingebauten Algorithmen das scheinbar perfekte Bild auf Knopfdruck, das kann nicht funktionieren. Dem zu Grunde liegt so eine Art Farbe-Tiefenschärfe-Dynamik-Matrix, die unserem westlichen Verständnis von „Bild, naturgetreu“ entsprechen soll. Schaut euch all die tollen Fotos der großen Fotografen oder Fotografinnen an, schaut euch die Bilder der Maler wie z. B. Gerhard Richter oder Nolde oder Van Gogh an….“der Maler malt sich selbst“ kann auf die Fotografie genauso übertragen werden. Dann haben die Bilder eine Seele und berühren uns.

  17. Ich finde das sind schlicht und einfach die zwei untrennbaren Grundaspekte des Fotografierens: Einerseits die technische Seite – Schärfe, Bildaufbau, Bit-, ISO-, Blendenzahlen und eben alles das, was messbar ist – und andererseits das Kreative – was nicht messbar ist. Kann man doch beides prima miteinander verbinden. Nur Können auf einer der beiden Seiten zu haben reicht nicht. Einerseits Technik-Nerd sein, andererseits „Kunst“ machen wollen. Ganz einfach :D So habe ich mir das jedenfalls immer vorgestellt.

  18. Mhmmm…. Nette Gedanken, aber schon böses Schubladendenken:
    Was ist eigentlich so schlimm an Photoshop und warum kommt dann auch gleich noch Hochglanz und am besten noch Seelenlos dazu?
    Ich weiß, was Du meinst, aber mir ist das zu stereotyp: vielleicht gibt es auch Im künstlerischen Bereich Bilder, die mich gerade durch ihre Bildbearbeitung ansprechen…. Und warum sollte ein Bild, dass ich toll finde nicht vielleicht auch technisch perfekt sein? Nur mal so in den Raum gefragt….

    • Weil Bildbearbeitung und Technik alleine völlig ersetzbar, austauschbar, reproduzierbar und vor allem seelenlos sind. Es sind nur Dinge, die nichts aussagen. Hilfsmittel, die für sich genommen die Fotografie nicht ausmachen. Und wenn du ein Foto wegen der Bearbeitung „schön“ findest, sagt das auch mehr dich und deine Motivation aus als über das Foto.

      • Ich bin kein Fan von großer Bildbearbeitung, aber ich muss Dir widersprechen: als Stulmittel eingesetzt kann damit ein Inhalt transportiert werden und eine Intention in Szene gesetzt werden … Ich denke, das ist genauso ein Werkzeug wie eine Kamera.

        Zu Deiner Aussage „das sagt etwas über Dich aus“: ich hoffe Du verwendest “ Dich“ als „man“ und meinst nicht mich: anderenfalls fände ich das ganz schön kränkend….

      • Emotionen, subjektive Sichtweisen, viel oder wenig Technik sind keine notwendigen Bedingungen für gute Amateurfotos.

        Der Amateur (ich beziehe mich jetzt ausschließlich auf Fotoamateure, die hier wahrscheinlich auch den Großteil der Leserschaft ausmachen) ist an keinen Auftrag gebunden, er könnte prinzipiell mit der Fotografie Themen umsetzen, die ihn tatsächlich interessieren. Aber die meisten Amateure haben keine Themen, größenteils imitieren sie die Bilder, die ihnen die Werbung, der Film oder Fotokünstler vorgeben.

        Anfangs völlig legitim, erst durch Nachahmung und Übung erlernt man den Umgang mit der Materie. Da die Fototechnik und die formalästhetische Bildgestaltung nicht wirklich kompliziert sind, befindet man sich im Normalfall relativ schnell ziemlich weit oben auf der handwerklichen Lernkurve. Und danach erfolgt in den meisten Fällen der Absturz.

        Da den meisten Amateuren leider die Ideen fehlen. Weil sie sich erst das Werkzeug gekauft haben, aber nicht wissen, was sie thematisch eigentlich damit anfangen sollen. Müßte die Reihenfolge nicht andersrum sein? Suche ich mir nicht erst ein Thema, welches mich wirklich interessiert und überlege mir dann, ob vielleicht die Fotografie das angemessene Werkzeug für die Beschäftigung mit diesem Thema ist?
        Und erst wenn man diese Frage mit ja beantwortet hat, muß man entscheiden, ob man viel oder wenig Technik/Bildbearbeitung einsetzt.

        So sollte man zum Beispiel tunlichst vermeiden, New Topographics im Stil von Shore mit dem Handy zu knipsen. Hier ist hochauflösende Technik und eine saubere Bildausarbeitung in den meisten Fällen ein Muß, um gute Resultate erzielen zu können.
        Im Gegensatz dazu wäre ein Handy oder eine einfache Kompaktkamera ein völlig ausreichendes Werkzeug zur Dokumentation der Familie.
        Und auch hier wieder: „Seele“ und „Emotionen“ sind keine notwendigen Bedingungen in der Stadtlandschafts- oder dokumentarischen Familienfotografie.

        Die notwendige Reihenfolge, um gute -und ich meine nicht schön gestaltete! -Fotos machen zu können ist also:
        1. Thema (Was beschäftigt mich wirklich?)
        2. Medium (Ist die Fotografie tatsächlich das geeignete Medium zur Umsetzung meiner Ideen?)
        3. Technik (Anpassung der Hardware und der Bildsprache)

        Leider überspringen die meisten Amateure Punkt 1 und 2. Sie beschäftigen sich ausschließlich mit Technik oder Bildgestaltung. Da die eigenen Ideen fehlen, werden stets Vorbilder aus den Medien zitiert und der ganze Technikkram den Vorgaben aus der Konsum- und Medienwelt angepasst.
        Wieso meinen z.B. alle Hobbyfotografen im Moment, daß sie nur mit extrem teuren, schweren hochgeöffneten Festbrennweiten gute Fotos schießen können? Um sich dann stundenlang in den einschlägigen Foren über marginale Bokehunterschiede auf ihren Testbildern auszulassen, hihihi.

  19. Ich sehe das ähnlich und habe kürzlich festgestellt, dass ich mit meinen Fotos nicht mehr so ganz zufrieden bin. Immerhin nehme ich an nationalen und internationalen Meisterschaften teil und habe auch das ein oder andere gewonnen. ABER meistens beherrschte die Technik das Bild. Ich will zukünftig auch mehr Geschichten erzählen mit meinen Fotos. Das geht aber nicht von heute auf morgen, ich denke es ist ein Prozess – eine Wandlung.
    Allerdings muss ich einigen Kommentarverfassern widersprechen! Was spricht gegen Photoshop? Warum ist ein bearbeitetes Foto kein „echtes“ Foto? Wenn ich so etwas lese, erhebt sich immer der Verdacht, dass solche Worte von Menschen stammen, die von Photoshop und Bildbearbeitung absolut keinen Schimmer haben. Ein gutes Foto sollte eine Geschichte erzählen (muss nicht), darf aber trotzdem scharf sein und über einen Bildausschnitt verfügen, von dem man keinen Augenkrebs bekommt – und ja, es darf auch bearbeitet sein. Wenn man´s kann!

    • Photoshop is just a Tool
      Ich habe den Eindruck, dass genau das oft vergessen wird.
      Ein Foto entsteht erst im Kopf, dann in der Kamera. Das kann Sekundenbruchteile vor dem Drücken des Auslösers passieren.
      Mit Photoshop sollte dann nur der Entwicklungsprozess stattfinden, das, was früher im Labor gemacht wurde .
      Auch dei Kamera ist nur der Hammer mit dem der Nagel in die wand geschlagen wird.

  20. Ohne Technik kein Foto. Die Technik ist aber kein Selbstzweck sondern ein Mittel. Ob ein Foto gut oder schlecht ist – eine schwierige Kategorisierung – entscheidet am Ende der Betrachter und da ist doch maßgeblich, ob es Emotionen, Fragen, Neugier hervorruft oder nicht. Die Motivation und der Anspruch des Fotografen bleiben bei vielen Fotos im Dunkeln. Ich empfinde es teilweise als Mangel, wenn Fotografen meinen ihre Bilder müssten für sich sprechen und endlose Fotokataloge ins Web stellen. Da sind dann viele technisch gelungene Aufnahmen zu sehen, die aber keine Reibungsfläche bieten. Mich hat dein Artikel sehr überzeugt.

  21. … „Dabei ist das der eigentlich wichtige Punkt beim Fotografieren: Zeig mir Deine Fotos – und ich sage Dir, wer Du bist.“ …

    Genau das mache ich oft. Ich versuche erst mal etwas zum fotgrafischen Werk eines Autors zu finden um diesen und somit seine Aussagen einordnen zu können. Leider sind diesbezüglich alle verlinkten Internetseiten wenig aussagekräftig, weil es an Bildern fehlt.

  22. Wenn Fotografie eine Form der Kunst ist, ist ein Foto dann gut, wenn es für eine breite Mehrheit von Interesse ist und dadurch nicht nur einen ideellen sondern auch einen materiellen Wert erlangt (vgl. Malerei). Fototechnische Perfektion ist hierfür nicht zwingend notwendig (z.B. beim Fotojournalismus).
    Ein Foto kann aber auch nur für den Einzelnen oder für eine kleine Gruppe gut sein, wenn damit Erinnerungen und/oder Gefühle verbunden sind. Ich besitze ein Foto meines Urgroßvaters. Er posiert darauf als Soldat im 1. Weltkrieg (das einzige Foto von ihm). Es ist etwas unscharf, für mich ist es aber von großem Wert.
    vG, Henry

    • „Wenn Fotografie eine Form der Kunst ist, ist ein Foto dann gut, wenn es für eine breite Mehrheit von Interesse ist und dadurch nicht nur einen ideellen sondern auch einen materiellen Wert erlangt (vgl. Malerei). “

      Das ist in diesem Thread jetzt aber die allersteilste These!

      Ein Gemälde wird also erst durch den Marktwert zur Kunst?

      Und Fotos erst, wenn sie möglichst vielen Menschen gefallen?

      Demzufolge ist http://www.annegeddes.com also eine überragende Fotokünstlerin (hust).

      • Du willst provozieren , oder?
        Anne Geddes hat sicher nicht geahnt, dass ihr Stil zum Mainstream-Geschmack werden würde, als sie damit anfing. Und schlimm ist das, was sie ausgelöst hat. Also was die produzieren, die sie nachahmen. Glibberigen Zuckerguss nämlich. Der ist abscheulich und wird gerne mit wirklichen Gefühlen verwechselt.

  23. Hallo Manuel,

    Du schreibst: „Die Fotografie ist eine Ausdrucksform der menschlichen Seele.“ Hundertprozentig ist dem so. Neulich sah ich eine Doku über Hollywood und einer der zu Wort kommenden Profis (leider weiß ich nicht mehr wer) sprach im Zusammenhang mit Film von „kultureller Kraft“. Das ist etwa dasselbe, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.

    Du schreibst weiter: „Die Fotografie ist eine Ausdrucksform der menschlichen Seele.“ Dies ist zugegebenermaßen eine steile und provokante Aussage. Zunächst einmal ist es in unserer eher materialistisch geprägten Welt umstritten, ob es so etwas wie eine Seele überhaupt gibt.

    Ich bin Materialist, so wie es im Sinne der Philosophie gilt, nicht im Sinne des heutigen Mainstreams. Und wie ist das nun mit der Seele, wo kommt sie her? Die Seele ist unser Bewusstsein mit allem drum und dran, dem Wissen, den Gefühlen, Haltungen, unsere Prägungen infolge all unserer Lebenserfahrungen.
    Kommt unsere „Seele“ auf diese Weise von dort (außen) , so kann man sie auch außen zeigen – beispielsweise durch gute Fotos, welche „kulturelle Kraft“ haben, weil sie das Gemeinsame unserer „Seelen“ einfangen, das, was die Lebenserfahrung aller oder vieler Betrachter ausmacht und daher die Gefühle aller oder vieler berührt oder berühren kann, was eben kulturelle Kraft hat.
    Uwe

  24. Hallo Manuel,
    Du schreibst „Man müsste meine Gedanken kennen, um den „Wert“ dieser Aufnahme für mich zu erkennen“ und ich denke, dass da ein elementares Problem der Verbindung von Internet und persönlicher Fotografie vorliegt. Den Hintergrund zum Bild darzulegen und zu hoffen, dass im schnelllebigen Klick-und-Scroll-Verhalten der User Selbiges auf Anerkennung trifft, erscheint mir eher als Wunsch. Zumindest für Anhänger „perfekter“ Bilder.
    Ich mag Deine Geschichte zum Bild „landschaft-emotion“ und im Nachhinein hätte ich gerne mehr Zeit zwischen Lesen und Betrachten verbracht, um Deine Aspekte im Bild deutlicher zu suchen und wiederzufinden.

    Schön, dass ich hierauf gestoßen bin.
    Viele Grüße aus Kassel

  25. Irgendwie werde ich mit dem Artikel nicht warm.

    – Entweder er versucht etwas langatmig die Botschaft rüberzubringen „Ohne Inhalt ist alle Technik nichts wert.“
    – Oder er schafft es nicht, verschiedene Arten der „Fotografie“ zu unterscheiden: Schnappschüsse, komponierte Foto-„Kunst“, Reportage, wie auch immer man es dann nennt.

    So wirkt der Artikel leider, als würde er zum Einen alle „Schnappschüsse“ und gleichzeitig alle Technikvernarrten verdammen und zum Anderen nur „Gefühle“ des Autoren zum eigenen Foto erlauben – was jemand anders bei seinem eigenen Foto fühlt, ist irrelevant (siehe Diskussion um das Bergsee-Foto).

    Das wirkt (wirkt! nicht unbedingt ist…) etwas arrogant?

  26. Eine interessante Fragestellung, der sich Manuel hier gewidmet hat.
    Die Beantwortung gelingt, meiner Meinung nach, nur in Ansätzen, da er seine eigene Motivation absolut setzt.
    Sicher gibt es diejenigen, die für „Likes“ fotographieren. Daneben gibt es noch die Selbstinzenierer, die Urlaubsknipser etcetc. pp.
    Die Motivation zum Fotographieren kann sehr unterschiedlich sein und prinzipiell haben alle ihre Berechtigung, auch wenn wir darüber lächeln oder spötteln.

    Manuel reduziert sich wohl auf den Bereich der „Fotokunst“. Ob man mit Photoshop Kunst produzieren kann halte ich für eine unerhebliche Frage. Dass die Kunst durch eine Aussage des Fotographen (bzw. des Fotos) entsteht, die beim Rezipienten ankommt ist eigentlich banal. Oft ist man als Fotograph überrascht, was ein Betrachter aus dem Bild herausliest. Das geht einem Literaten und einem Maler ähnlich. Allen gemein ist, dass sie eine Aussage haben, das eine Kommunikation stattfindet bei dem das Kunstwerk das Medium ist.

    • Fotograf oder Photograph – oder ist Deine Kombination Absicht?
      Und ist die die eignen Meinung immer „Absolut“, weil sonst wäre sie doch nicht die eignen Meinung!
      was Kunst ist oder nicht – entschieden das nicht immer die „Anderen“ oder der Markt?

  27. Gerade in Zeiten von Pinterest, Instagram und Co. ist es meiner Meinung nach schwer sich mit einem richtig guten Foto zu positionieren bzw. sich von den Millionen anderen Fotos abzuheben.

    Ich beneide gute Fotografen, die es schaffen einen Moment so mit einer Kamera aufzunehmen, dass man dann minutenlang nicht von dem Foto wegschauen kann, da es einen so mitzieht!

  28. Ein Foto kann viele Facetten haben: Erinnerungen, Emotionen, Geschichte, die dahinter stecken… Man sollte – egal zu welchem Zweck man ein Foto macht – nie fotografieren ohne Spaß daran zu haben. Denn nur so wird ein Foto gelingen! Auf diese Weise gelingt ein Foto mit Geschichte, mit Emotionen, mit Erinnerungen.
    Das ist meine Meinung dazu.

  29. Es macht mich sowas von zufrieden, so ein Fragestellung und Ansicht zu lesen, hatte ich doch befürchtet, sie wäre für immer verloren aufgrund der Millionen Bilder die jeden Tag entstehen und bei Facebook gepostet werden. Ich stelle auch gerne die Frage ach dem Inhalt eines Fotos. Ich selber arbeite als Potraitfotografin, doch auch da ist diese Frage berechtigt.
    Danke !

  30. Vor Jahren hat mich eine kleine Filmscene im FS sehr betroffen: Es geht um einen Wettbewerb
    Vorspielen Geige einer 13/14-jährige mit ihrem engagierten Vater. Sie erreicht keinen den ersten Platzierungen, der Vater interveniert bei den Juroren, verweist auf die aufgewandten Mühen,
    den hohen Perfektionsgrad, Eine Jurorin wendet sich an die ‚kleine‘ Geigerin nahezu ent-
    schuldigend mit den Worten: ‚Ich habe nicht verstanden, was Du sagen wolltest!‘