Sebastian Baumer mit seinem Equipment
07. August 2014 Lesezeit: ~7 Minuten

Sebastians Equipment für Makro, Natur und Menschen

So sehr mir die Technik hinter Fotos egal ist (ich denke bei Foto-Technik unwillkürlich erstens an den uralten Fotografenwitz mit dem Koch und den Töpfen und zweitens an gruselige Foren, in denen alte Männer Testbildreihen miteinander vergleichen), so sehr ist mir paradoxerweise im Laufe der Zeit meine eigene Kamera ans Herz gewachsen.

Ich fotografiere seit knapp drei Jahren mit einer Canon EOS 60D*, an die ich zusätzlich den Batteriegriff BG-E7* geschraubt habe und ich bediene ihre Funktionen inzwischen ziemlich instinktiv.

Als mich bei einem Ausflug eine Freundin kürzlich fragte, wie man denn das Fokusfeld bei der Kamera ändert, war ich nur mit einigen Mühen in der Lage, es ihr auf der abstrakten Ebene „Drücke Knopf A, dann drehe an Rad B“ zu beschreiben, aber als sie mir die Kamera wieder in die Hand gab, konnte ich die notwendigen Griffe fließend und ohne einen Gedanken daran zu verschwenden ausführen.

Ein Nahportrait

Ich glaube, in der kleinen Anekdote steckt der eigentliche Punkt, der die Beschäftigung mit Technik interessant macht: Die Technik ist ein Werkzeug, um zum Bild zu kommen, aber sie sollte gut bedienbar sein und zum Fotografen passen.

Je länger man nun mit dem bestimmten Werkzeug arbeitet und je besser die Bedienbarkeit ist, desto intuitiver kann man damit umgehen und desto mehr wird es im Sinne von McLuhan eine Erweiterung des eigenen Körpers und verschwindet bei der Arbeit fast vollständig aus den Gedanken. Es ist also vor allem wichtig, das Equipment zu finden, das gut zur eigenen Arbeitsweise und zum eigenen Stil passt.

Ein Mensch mit Blatt vor dem Gesicht

Die EOS 60D passt aus verschiedenen Gründen zu mir: Sie ist schwerer und größer als die Vertreter der dreistelligen Serie, mit denen ich vorher für lange Zeit unterwegs war und die mir inzwischen, wenn ich sie mal wieder in die Hand bekomme, ein bisschen wie Spielzeug oder zumindest Einsteigerkameras vorkommen.

Gerade mit dem zusätzlichen Batteriegriff liegt die EOS 60D sehr wuchtig und stabil in der Hand, das Auslösegeräusch ist satt, die technischen Spezifikationen reichen mir für alle Anwendungsfälle und sie hat einen kleinen Extra-Monitor mit den wichtigsten Anzeigen oben auf dem Body, so dass ich den Hauptscreen in vielen Fällen nur nutzen muss, um die gemachten Bilder gegenzuchecken. Ich kann mit der Kamera also relativ „analog“ und unkompliziert arbeiten.

Preis und Leistung der Kamera sind für meine semi-ich-fotografiere-halt-gern-so-rum-professionellen Bedürfnisse perfekt, das Handling liegt mir sehr und mit dem zusätzlichen Akku im Griff und einer großen Speicherkarte muss ich mir im Grunde nie Sorgen machen, dass ich durch irgendwelche Umstände (Speicher voll, Akku leer) eine Fototour abbrechen muss. Auch an die technischen Grenzen der Kamera stoße ich nur sehr selten.

Ein bunter Schmetterling

Mein Immerdrauf-Objektiv ist, und das ist wohl eher ungewöhnlich, das Canon EF-S 60 mm f/2.8 Macro*, das sich neben seiner Makro-Funktion auch als normales Festbrennweitenobjektiv mit einer für meine Zwecke relativ gut geeigneten Brennweite nutzen lässt.

Ich wechsle relativ ungern von diesem Objektiv weg und nutze es auch oft, wenn ich Portraits, Straßenfotos oder andere Motive ablichte, denn auch dort macht es einen mehr als nur soliden Job.

In seiner Hauptfunktion als Makro- gefällt mir an dem Objektiv vor allem die Tatsache, dass ich damit ohne Blitz aus der Hand fotografieren kann. Ich will auch körperlich nah ran an meine Subjekte, an die kleinen Dinge, die Pflanzen, die Tiere, die Blätter, den Boden, ich will es fühlen, anfassen, genau betrachten und dann ein Bild machen. Ich krieche gern durch Büsche, verrenke mich und lege mich hin, um das ideale Bild zu kriegen. Mit mehr Brennweite, etwa mit der bei anderen Makrofotografen viel beliebteren Alternative des Canon EF 100 mm f/2.8*, wäre meine Art zu fotografieren sehr viel schwieriger bis unmöglich durchzuführen, denn dann müsste ich viel öfter mit dem Stativ arbeiten, während mir das 60 mm f/2.8 in vielen Fällen die Wahl lässt.

Vertrocknete Pflanzen

Im Grunde sind die Canon 60D mit Batteriegriff, eine große Speicherkarte und das 60 mm f/2.8 mit einer ausklappbaren Gegenlichtblende schon das vollständige Equipment, das ich für etwa drei Viertel all meiner Bilder einsetze. Dieses eher minimalistische Set-Up reicht absolut aus, um mich selbst für einige Tage im Wald auszusetzen und mit einer Tonne von abstrakten Pflanzen- und Kleintierbildern und vielleicht ein paar surrealen Selbstportraits zurück zu kommen.

Einige andere Bilder mache ich außerdem mit meinem Allround-Objektiv Tamron AF 28-75 mm f/2.8* (das eine exzellente und preiswerte Alternative zu allen gängigen Kit-Objektiven darstellt), manchmal auch noch Portraits und Menschenbilder mit dem Canon EF 85 mm f/1.8* und dem Canon EF 50 mm f/1.8 II* (die beiden Objektive nutze ich vor allem wegen der Möglichkeit, mit noch weiter geöffneter Blende im Portraitbereich zu arbeiten).

Die Wurzel eines toten Baumes

Der Rest meines Equipments ist für mich eher experimentelles Zeug, man mag es auch Spielkram nennen: Ich fotografiere ab und zu gern mit einem gekauften* und einem selbstgebauten Lomo-Objektiv (das im Grunde nur ein Body-Deckel ist, in den ich ein größeres Loch gebohrt, es anschließend mit Alu-Folio und Tesa wieder verschlossen und diese schließlich mit einer kleinen Nadel angepikst habe), spiele ab und an gern mit einem Lensbaby und mache auch mal Bilder mit einer alten Polaroid-Kamera, die ich bei eBay erworben habe.

Und, ja: Ich besitze natürlich auch ein stabiles Stativ und einen Blitz, sogar einen Fernauslöser und einen zugehörigen Durchlichtschirm mit Fuß für kleinere Heimstudio-Projekte. Aber diese Dinge kommen doch eher selten zum Einsatz, natürliches Licht und die Natur als Arbeitsumgebung liegen mir deutlich mehr und machen mich vor allem glücklicher, als Modelle in einem Studio vor einfarbigen Hintergründen abzublitzen.

Kleine Pflanzen auf einer Parkbank

Ich bin alles in allem rundum zufrieden mit meinem eher minimalistischen Equipment. Und wenn ich mich von Zeit zu Zeit dabei ertappe, mit einer EOS 5D (auch, wenn ich weiß, dass sich dieses Upgrade in meinen Bildern nicht wirklich sichtbar niederschlagen würde) oder dem Canon MP-E 65 mm f/2.8* (was wohl die interessanter Anschaffung für mich wäre, auch wenn das Objektiv ganz und gar nicht vielseitig ist) zu liebäugeln, dann denke ich wieder an den Koch, die Töpfe und daran, dass es nicht darum geht, welche Technik man verwendet, sondern darum, was man daraus macht.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.

Ähnliche Artikel


11 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Guten Morgen,

    vielen Dank für den Artikel, habe ja nun schon länger nichts mehr kommentiert, aber dieser Beitrag gefällt mir doch sehr gut, natürlich auch im Bezug auf die Fotos.

    Ich hab allerdings mal eine Frage, die um Himmelswillen nicht als Angriff gedeutet werden soll, mich interessiert es wirklich.

    In euren Equipmentbeiträgen sind doch alle sehr minimalistisch unterwegs, ist das denn bei dem Großteil unter euch auch so oder ist das irgendwie „in“? Gibt es auch Leute die sagen „Ja, scheisse, ich kauf mir halt jede neue Vollformatkamera und ich nehme auch immer 10 Objektive mit, weil ich auf alles vorbereitet sein will“? Oder ist das einfach der Unterschied zwischen einem Künstler und einem Fotografen? Ach was will ich eigentlich? :-)

    Schöne Grüße aus dem verregneten Stuttgart
    marv

    • @marv: Danke für den Kommentar. Die Frage ist interessant. Ich kann nicht für die anderen sprechen, aber wenn man journalistisch photographiert (das habe ich vor einigen Jahren oft gemacht, z.B. Berichterstattung für Lokalpresse von verschiedenen Events), dann nehme zumindest ich viel mehr verschiedene Objektive für verschiedene Gelegenheiten und Blickwinkel mit. Wenn ich dagegen eher künstlerische Fotos machen will und/oder einen speziellen Ansatz verfolge (wie z.B. auch Martin mit der Straßenphotografie oder die Anderen in ihrem Gebiet), dann weiß ich ziemlich genau, was ich will und brauche, da reicht mir der Minimalismus. Minimalismus kann ja auch sehr inspirierend sein, also wenn man eben nicht eine Million Optionen hat, sondern sich in einem engen Rahmen austoben muss und da die Grenzen immer wieder neu finden.

      • Hi Sebastian,

        danke für die Antwort. Ich zwinge mich im Moment sozusagen selbst zum Minimalismus und nehme oft nur 1 Objektiv mit und versuche damit einfach alles zu lösen. Das ist aber irgendwie keine innere Überzeugung von mir. Mich zwingt da eher der Geldbeutel, denn ich kann mir nicht alle Nase lang eine neue Linse kaufen :-)

    • Hallo marv,
      ich denke, es gibt leidenschaftliche Sammler, spezialisierte Künstler und alles dazwischen.;-)

      Ich für meinen Teil habe anfangs auch Objektive gekauft – Tele, Ultraweitwinkel, 40er Makro – und nutze eigentlich nur das 18-105 und das kleine Makro. Ein bezahlbares längeres Makro, 90 oder 105mm, soll noch dazu kommen und das wars dann vermutlich für lange Zeit.

      Ich glaube, viele Anfänger wollen erst mal „alles“ fotografieren und haben das Gefühl, sich dafür auch mit viele speziellen Objektiven eindecken zu müssen.
      Bei einigen bleibt das auch so, aber andere spezialisieren sich dann doch und brauchen für ihre Interessen nur wenige Objektive oder nur eines.

      Ich selbst merke allerdings schon, dass ich öfter gerade dann in größerer Entfernung interessante Motive sehe (Tiere), wenn ich das Tele nicht dabei habe.

      Vielleicht ist es besser, hier über „minimalistische“ und auch günstigere Ausrüstung zu lesen, während man an anderer Stelle das Gefühl bekommt, immer die nächste Ausgabe, den nächsten Wunsch im Auge behalten zu müssen und dass „billig Kaufen zweimal kaufen“ bedeutet, man also am besten gleich im oberen Preissegment schaut.

      Der Witz mit dem Koch hinkt aber ein bisschen.
      Fragt man den Koch nach seinen Messern, wird er wahrscheinlich nicht die stumpfen von der Oma geerbten verwenden, sondern langlebige Messer, die sich gut schärfen lassen und die Schärfe lange halten. Damit schneidet er dann auch nach Übung viel schneller und viel kunstvoller als der Laie mit Omas geerbten Messern.

      Also einen Mindeststandard braucht man schon, um seine Wunschbilder machen zu können; hier z.B. irgendetwas für Markofotografie, sei es nun die Nahlinse, die Zwischenringe oder das echte Makroobjektiv.

      LG
      Frederica

  2. Ja, ein guter Artikel mit einem dicken ABER :)
    Es ist alles so, wie Du schreibst, das beste Equipment ist das, mit dem man „blind“ zurecht kommt – natürlich nur, was die Bedienung angeht, fürs Motiv sollte man lieber nicht blind sein….

    Das aber:
    Teil 1: ich wundere mich, dass Du schreibst das Du mit Deiner Kamera nach drei Jahren(!) gerade mal „ziemlich“ intuitiv zurecht kommst. Das spricht eigentlich nicht für diese Kamera :)
    Nicht falsch verstehen, ich hab selbst Canon und finde die Kameras recht ergonomisch – wobei ich nicht genau weiss, ob das nun Design oder Gewöhnung ist, ist ja auch egal.
    Teil 2: doch, ich bekenne: neben der Liebe zur Fotografie machen mich Werkzeuge einfach an. Ob das nun der Unterschied zwischen Black&Decker und Makita Akkuschraubern ist oder zwischen der LowCost Kamera und dem schönen, soliden Stück Technik. Es macht einfach spass mit tollen Werkzeugen unterwegs zu sein und ich steh dazu mir auch mal was zu kaufen, was nicht nötig wäre, einfach weil ich es toll finde….im Rahmen der Möglichkeiten.

    Zu Deiner Ausrüstung habe ich ganz ähnliche Erfahrungen: ich nutze an der EOS fast ausschliesslich das 10-22 für Street, Landschaft und generell Reise und das 40er für Portraits.

    Noch extremer ist das mit meiner neuen: an der Fuji x-pro nutze ich, zu meiner eigenen Überraschung zu 95% dad 35er, das 18er bleibt fast immer in der Tasche und den Plan ein altes 50er per Adapter als leichtes Tele zu nutzen, ist auf Eis gelegt.

    Man könnte sagen das die Kamera mich durch ihre extrem „analoge“ Haptik positiv beschränkt hat…..

    • Das „ziemlich“ ist wahlweise vornehmes Understatement oder überflüssiges Füllwort :). Ich find die Kameras aus der Reihe sehr intuitiv, gerade das Daumenrad auf der Rückseite und der kleine Monitor oben machen imho bei der Nutzung einen enormen Unterschied zu denen aus der dreistelligen Serie.

  3. Tolle Bilder, gute Objektive ;-)
    Insbesondere die Portraits gefallen mir gut, auch, weil sie in den Augen „knack scharf“ sind.
    Hattest Du hier einen Blitz mitbenutzt (würde ich ja eigentlich in den Augen sehen müssen)?

  4. … gruselige Foren, in denen alte Männer Testbildreihen miteinander vergleichen
    Arroganter geht’s wohl kaum!
    Du würdest Dich wundern wieviel junges Volk da dabei ist.