14. Mai 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Essay: Fotografie geht nicht allein

Eine Selbstoffenbarung: „Ich bin abhängig. Ich kann nicht ohne. Allein kann ich gar nichts.“ Ein Aussage, wie sie meines Erachtens fast jeder Fotograf unterschreiben könnte. Warum das so ist, möchte ich Euch im folgenden Artikel erklären.

Egal, was fotografiert wird: Immer finden sich im Bild Elemente, die nicht dem Geiste des Fotografen entsprungen sind. Eine Ausnahme wären lediglich Selbstportraits ohne erkennbaren Hintergrund. Ansonsten sind es Landschaften, Portraits, Stillleben und viele andere Dinge, die nur noch vom Fotografen eingefangen werden müssen.

Das schöne Landschaftsfoto würde es ohne eine von der Natur (und anderen Menschen) erschaffene Landschaft nicht geben. Ein Straßenfoto ist immer eine Kooperation, auch wenn sie ungewollt ist. Das Portrait ist die deutlichste Form der Kooperation, die Abhängigkeit zwischen Fotograf und Motiv ist hier besonders ausgeprägt.

Konradshofen © Normen Gadiel

Guckt Euch an dieser Stellte doch einfach mal Eure besten Fotos an und fragt Euch, ob Ihr vollkommen allein dafür verantwortlich gewesen seid oder ob Ihr von irgendetwas profitiert habt.

Ein Bauwerk hat in der Regel jemand anderes errichtet. Auf das Antlitz einer portraitierten Person hat der Fotograf auch keinen absoluten Einfluss. Obgleich er Mimik und Gestik mittels Anweisungen vorgeben kann, ist er dennoch auf die Bereitschaft der Person, dies umzusetzen, angewiesen. Und so könnte man noch viele andere Dinge aufzählen, die ein Fotograf als vorhandene Basis nutzt, um daraus eine Fotografie entstehen zu lassen.

© Normen Gadiel

Im Ganzen betrachtet, steht der Fotograf also immer in einer Abhängigkeit zum Motiv. Er kann sich nur durch seine Fähigkeiten, es durch Komposition, Belichtung, Fokus und so weiter in Szene zu setzen, auszeichnen.

Somit macht es eigentlich wenig Sinn, ein Foto zu signieren, da es nicht das alleinige Werk ist. Hypothetisch betrachtet: Man würde das Abfotografieren eines Kunstwerkes auch nicht durch ein Wasserzeichen als eigenes Werk kenntlich machen. Falls doch, hat die Wahrnehmung des eigenen Schaffens ihren Tiefpunkt erreicht.

Wie schwierig diese Trennung sein kann, zeigt sich bei Fotos der Menschenplastiken des Künstlers Ron Mueck. Hier kann das Foto einer Skulptur auch schon einmal als ein fotografisches Portrait durchgehen.

Das ist natürlich etwas überspitzt betrachtet und es wäre schade darum, wenn keiner mehr seine Fotos signieren würde, da man gar nicht mehr wüsste, von wem die Arbeit stammt. Ich bin jedenfalls immer dankbar für einen leisen Hinweis auf den Urheber.

Mittlerweile ist es auch üblich, die Namen von Modellen, Visagisten, Stylisten und weiteren Beteiligten mit zu veröffentlichen, allerdings geschieht dies meist nur in den Communities und auf den Webseiten der Fotografen. Museen und Verlagshäuser hat diese Verfahrensweise meines Wissens noch nicht erreicht.

© Normen Gadiel

Fotografie als Kunstform möchte ich durch meine Gedankengänge aber nicht in Frage stellen, wobei es viele bekannte Künstler wie etwa Jeff Wall oder Gregory Crewdson gibt, die bei ihren Arbeiten auf andere Personen angewiesen waren. Auch Andreas Gursky nutzt für die Nachbearbeitung seiner Bilder die Hilfe eines Bildbearbeiters.

Manchmal ist Fotografie halt wie ein Film, nur dass es dabei keinen Abspann mit den beteiligten Personen gibt.

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26 Kommentare

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  1. Interessante Gedankengänge. Aber wir Fotografen bilden halt ab und können auch eigene Welten erschaffen, das dies nicht zu 100% nur durch uns geschieht müsste eigentlich selbstverständlich sein. Trotzdem gibt der Fotograf den jeweiligen Bildern, die entscheidende Richtung.

  2. „[…] allerdings geschieht dies meist nur in den Communities und auf den Webseiten der Fotografen […]“
    *hüstel* das ist im Fashion-Bereich bei jedem renommierten Magazin der Fall, wenn eine Strecke gedruckt wird.
    Den Rest unterschreib ich ;)

  3. hmm…
    In gewisser Weise stimme ich Dir schon zu, dass man immer auch von anderen Dingen und/oder, ja nach Art des Fotografierens, von anderen Menschen profitiert bzw. abhängig ist.

    Ich kann natürlich auch den Baum umarmen, den ich eben fotografiert hab, und ihm danken, dass es ihn gibt. Aber so weit zu gehen, die Benutzung von Bildbearbeitung, als Hilfe oder Kooperation zu sehen, find‘ ich dann doch zu weit her geholt. Schließlich ist das nur ein dummes Stück Software, die erst mal von mir bedient werden muss.

    • Hallo Holger, keine Angst niemand soll jetzt die Bäume umarmen. Solang Du die Software bedienst, ist ja auch alles gut, wenn Du aber die Fotos machst und die Bearbeitung jemand anderen machen lässt, weil dieser mehr Fähigkeiten besitzt als Du und anschließend die fertigen Bilder wie selbstverständlich mit ©Holger versetzt dann dürftest Du doch eigentlich nur die Rohdatei veröffentlichen, weil du nicht das Urheberrecht auf die Bearbeitung trägst oder?

      VG Normen

      • Das ist zu simpel:
        Wenn ich zu einem Bildbearbeiter gehe, weil ich selbst PS oder LR nicht bedienen kann, oder weil der das besser kann und ich ihm sage, so und so stelle ich mir das vor, hier den Ausschnitt, da etwas heller, da etwas dunkler und insgesamt bitte mehr Kontrast, dann steht am Ende natürlich mein Name darunter, weil es immer noch meine Idee ist, mein Werk.
        Wenn ich aber mit jemandem zusammenarbeite, vielleicht sogar über einen längeren Zeitraum, der eigene Idee mithinein bringt, auf die ich selbst nicht gekommen bin, die meine Idee unterstützen oder verbessern, der evtl. sogar dazu beiträgt einen bestimmten kohärenten Stil in meinen Arbeiten zu prägen, dann hätte es der Bearbeiter auf jeden Fall verdient ebenfalls erwähnt zu werden (s. dazu mein Beispiel zu Druckgrafiken im längeren Kommentar.

        Der geistige Urheber an der Idee und somit dem eigentlichen Werk bin aber immer noch ich. Es gibt auch kein wirkliches Urheberrecht auf eine Bildbearbeitung (es sei denn, es wird etwas gänzlich Neues aus dem eigentlichen Werk, aber das wäre etwas völlig anderes) genausowenig wie eine bestimmte Bildbearbeitung automatisch aus einem Foto gleich ein schützenswertes Kunstwerk macht.

  4. Das ist mir zu gewollt um die Ecke und nur in eine Richtung gedacht. Die konventionelle Fotografie ist ihrem Wesen nach eine Technik, die Vorhandenes abbildet. Insofern ist die „Erkenntnis“, dass ein Fotograf nicht autark aus sich selbst herausschöpft, wie etwa ein abstrakter Maler das tun kann, keine Erkenntnis, sondern eine Selbstverständlichkeit. Dennoch macht der Kopf hinter der Kamera, dessen Idee und dessen handwerkliches Können, dessen Erkennen eines Motivs, eines Ausschnitts, letztlich den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Bild , also gebührt ihm auch die Anerkennung des Bild“schöpfers“.

    Dass viele Bilder erst durch die Mitwirkung auch anderer fleißiger Hände entstehen, ist ebenfalls nicht neu. So manche Fotografieikone würde uns heute vielleicht gar nicht so sehr beeindrucken, wenn er nicht auch einen kundigen Dunkelkammer“hexer“ an seiner Seite gehabt hätte, der das eigentliche Bild, evtl. auch nach den Vorstellungen des Fotografen, ausgestaltet.

    Das ist aber kein alleiniges Phänomen der Fotografie. Gleiches gilt in der übrigen bildenden Kunst mehr oder weniger stark. Bei Druckgrafiken etwa wird meist auch nur der Künstler genannt, nicht sein Drucker. Dabei ist das Drucken eine Kunst für sich, nicht selten ist der Drucker in viele höherem Maß am Endergebnis beteiligt, als man ahnt. In Frankreich und im angloamerikanischen Raum ist das viel besser anerkannt, als in Deutschland. „Masterprinter“ ist z.B. in den USA oder in Kanada ein angesehener Studiengang, in Deutschland gibt es gar nichts Vergleichbares.

    Auch Malerei funktionierte lange nicht „alleine“ sondern bildete Vorhandenes ab, bzw. interpretierte es. Oder man denke nur an Videokunst.

    „Mittlerweile ist es auch üblich, die Namen von Modellen, Visagisten, Stylisten und weiteren Beteiligten mit zu veröffentlichen, allerdings geschieht dies meist nur in den Communities und auf den Webseiten der Fotografen. Museen und Verlagshäuser hat diese Verfahrensweise meines Wissens noch nicht erreicht.“

    In der Modefotografie stimmt das so nicht. Ansonsten wäre auch die Frage, insbesondere bei Museen, wen interessiert das? Es geht insbesondere dort um die künstlerische Idee und nicht um das „Making Of“.
    Wir wissen auch nicht, wer die Mona Lisa war oder der Mann mit dem goldenen Helm.

    Da Du noch Jeff Wall ansprichst: Gearde hier zeigt sich, dass es der Künstler ist, dem vor allem die Namensnennung gebührt. Seine „Street-Fotografien“ sind bis ins letzte durchinszeniert, aber wen interessiert es, wer die Personen auf den Bildern sind? Nur weil Wall sie inszeniert, sind sie ja überhaupt „besonders“. Das gilt für die ganze Szene: Nur weil Wall sie so fotografiert, weil er die Location ausgesucht hat, weil das Lichts und so hat setzen lassen, ist das ganze doch zum Kunstwerk geglückt. Dass da noch ein paar Techniker, Beleuchter etc. mit am Werk waren, müsste klar sein.

    Ein ellenlanger Abspann unter jedem Kunstwerk in Museen unter jedem Foto wäre doch sehr ermüdend und würde inhaltlich nichts hinzufügen (wobei es hier in Hinsicht auf die oben erwähnten Drucker z.B. eine Tendenz gibt, diese inzwischen doch irgendwie zu erwähnen, zumindest in Katalogen oder Begeleittexten).
    Triebe man Deine Gedanken auf die Spitze, müsste bei jedem Foto auch immer der Filmhersteller genant werden, bzw der Kamerahersteller, weil ohne dessen Produkt das Bild auch nicht entstanden wäre etc.

    Letztlich ist ein Foto aber immer ein Ergebnis von Entscheidungen, die in letzter Konsequenz der Fotograf trifft auch wenn auf dem Weg dahin noch andere beteiligt sind.

    Etwas weiter gedacht, kann man aber fragen, inwieweit Künstler überhaupt wirklich authentisch aus sich heraus schöpfen oder wie sehr unsere Bilderwelten eigentlich geprägt sind, von unserem spezifischen kulturellen Erbe, von bewusst oder unbewusst abgespeicherten Bildern und Einflüssen. Und da würde ich dann zustimmen, wenn du sagst „Wir sind nicht allein!“

    • Hallo Martin,

      ich danke Dir für deine Ausführungen. Meine Meinung stimmt mit vielen von Dir aufgezählten Dingen überein. Schlussendlich ist es nicht mein Ziel gewesen für eine Namensnennung aller Beteiligten zu plädieren, sondern vielmehr einfach sich bewusst zu machen, dass man eben nicht allein ist. Auch wenn es für manche Leute ganz logisch erscheint, ist es für mich doch manchmal ganz gut etwas demütig an die eigene Arbeit zu gehen.

      VG Normen

      • Okay, jetzt verstehe ich Deinen Text etwas anders. Aber ich habe vielleicht auch ein bisschen eine klarere Aussage vermisst, worauf Du mit dem Essay konkret hinaus willst.

        Meiner Erfahrung nach, ist zumindest den Profis und auch den ernsthaften Künstlern sehr wohl der Wert der Mitwirkung anderer an ihren Arbeiten bewusst, selbst wenn sie nach außen eine andere Attitüde pflegen.

        Von Zeit zu Zeit ist ein demütiges Innehalten sicher ein guter Zug, aber ohne eine ordentliche Portion Hybris wäre so mach großartige Kunst sicher nie entstanden. Ob Fotografie oder andere Kunst: Einen gesunden Glauben (oder auch mal übersteigerten ) an die persönliche Großartigkeit und an eine gewisse Wichtigkeit, dessen was man tut, braucht der Künstler schon, um sich und seine Arbeiten auch zu präsentieren (ob das immer berechtigt ist, ist eine Frage). Zu viel Demut, Zurückhaltung und Selbstzweifel, tun weder Kunst noch Künstler gut ;-) Aber das ist schon wieder ein ganz anderes Thema : )

  5. Es gibt fotografische Teilgebiete in denen eine komplett alleinige Urheberschaft möglich ist.

    Dazu zähle ich Stillleben und Abstrakte Fotografie.
    Bei einer Abstraktion werden häufig Experimente durchgeführt, und man macht sich teilweise nur noch die physikalischen Gesetze der Optik zunutze.
    Beim Stillleben kann man auf Requisiten zurückgreifen die man selbst nicht geschaffen hat – muss man aber nicht. Es gibt Stilllebenfotografen, die komplett Urheber ihres Werkes sind.

    Ansonsten müsste meiner Meinung nach ein Maler ebensowenig alleiniger Urheber sein, da die Farben im Kunstfachhandel gekauft sind und/oder aus der Natur stammen. Zusätzlich ist durch die Physik und die Biologie das Aussehen und die Wahrnehmung der Farbe gegeben.
    Diese wiederrum haben als Grundlage das Elektromagnetische Spektrum und alle möglichen kleinen Teilchen, Elemente, Ladungen, Verbindungen.

    Urheber = Chaos oder Gott?

    Ich weiß nicht. Meiner Meinung nach kann man als Urheber für alle Bereiche gelten auf die man Kontrolle ausübt. Sei es die Koordination des Models, sei es das Arrangement im Stilleben, oder sei es die Konzeption ebensolcher Aufnahmen. Nur mit Model, nur mit Blumen, nur mit Zutaten entstehen keine Bilder, da ist ein Fotograf und ein Schaffer notwendig der diese Bausteine in die richtige Position bringt und zusammensetzt.

    Und wenn der Fotograf beim Bildbearbeiter oder CGI Operator als Supervisor tätig ist, ist das ja fast so ähnlich wie ein Handwerker der eine CNC Fräse oder einen Hochofen bedient. Ich persönlich habe an meinen Fingern weder Fräswerkzeuge, noch kann ich meine Energie auf Temperaturen jenseits von 42°C bündeln. Deswegen sind Helfer notwendig, die das gewünschte einfach besser können als ich es selbst jemals könnte.

    Aber ich muss dir auch Recht geben: Das Verständnis von Urheberschaft ist bei Fotografie und Film grundverschieden, und es würde vielen Fotografen gut tun mal von ihrem Berg herunterzukommen und die anderen anzuerkennen.

    • große künstler wie jeff koons, erwin wurm, andy warhol und auch ron mueck usw. lassen in ihren ateliers horden von menschen ihre kunstwerke erschaffen. gerade jeff koons ist nur noch manager und wenig selbstschaffender künstler. und interessiert es wen im museum? pocht der angestellte auf namentliche erwähnung? verlieren diese kunstwerke an wert? nö.

      ich verstehe dieses „essay“ nicht.

      • Ich verstehe diesen Kommentar nicht. Ein einfaches Nachforschen im Internet zeigt das gerade Koons einige Rechtstreite in denen es um das Urheberrecht ging verloren hat.

      • die verlor er aber, weil er kunstwerke anderer in seine kunstwerke integrierte. gegen seine angestellten hat er meines erachtens noch keinen urheberrechtsstreit verloren. lasse mich da aber auch gerne eines besseren belehren.

        hat also mit dem punkt „andere für sich arbeiten lassen“ und trotzdem der urheber sein nicht viel zu tun…

      • mir geht es da genauso. nicht erst seit der fotografie wird bezug auf andere kunstwerke oder ideen genommen. gerade das macht viele kunstwerke überhaupt erst für betrachter zugänglich. ohne ikonographie und dem vergleich zu anderen werken mit der gleichen thematik, würde vielen werken etwas fehlen. ich finde das thema interessant, aber bei weitem nicht sinnvoll ausgeschöpft. du schreibst nur von ästhetischen merkmalen, die man anderen zu verdanken hat. aber gerade die inhaltlichen merkmale sind viel interessanter. sonst könntest du auch anfangen, zu erläutern, warum wir einen krug als krug interpretieren und wie die entstehungsgeschichte gemeiner krugformen ist, und wem wir die form zu verdanken haben. (ganz zu schweigen von naturgegebenen merkmalen)

        und zu den mitarbeitern: nur der kurze verweis auf meister wie rubens und co. in der malerei werden oft werke mit künstlern betitelt, die nur die leiter der „werkstatt“ waren. soviel dazu.

  6. Wie war das eigentlich zu den seligen Dunkelkammerzeiten, zB bei Ansel Adams, liess der nicht wie viele andere, Speuialisten in der Dunkelkammer arbeiten? Und wurde nicht herausgestellt, wenn der Fotograf seine Tage im Dunkel verbrachte? Den Künstlern hat nie jemand etwas abgesprochen.

  7. Anregende Gedanken – danke!

    Natürlich arbeitet der Fotograf mit realen Dingen. Doch den richtigen Moment, den Blickwinkel, die Einstellungen, die eingefangene Geschichte usw. sind mein persönlicher Mehrwert (oder sollten es sein, ich bin nicht immer ganz zufrieden). Am Schluss zählt das (Gesamt-)Bild und nicht das Motiv (alleine).

    Aber natürlich: Wenn das Motiv es verdient erwähnt zu werden, warum nicht? Das zeigt ja auch den Respekt vor ihm. Demut und Respekt vor dem Motiv, ein paar der wichtigeren Eigenschaften des Fotografen überhaupt für mich.

  8. „Manchmal ist Fotografie halt wie ein Film, nur dass es dabei keinen Abspann mit den beteiligten Personen gibt. “

    Braucht es diesen Abspann denn überhaupt? Man muss doch nicht alles bis ins kleinste Detail aufstückeln. Sonst müsste man doch gleich noch einen Antrag zur Bildbetrachtung stellen. Die Gedanken um das wie, was ,wann, wo und mit wem stammen vom Fotografen selbst, alles andere hingegen ist dann eher eine Art von gelenktem Zufall. Man kann niemanden anweisen beim lächeln die Mundwinkel um ein paar Millimeter zu heben oder zu senken. Darauf hat man absolut keinen Einfluss. Aber genausogut könnte man sagen, man sei abhängig vom atmen. Es liegt in der Natur der Sache. Ich finde es bleibt jedem selbst überlassen ob er seine Fotos signiert und/oder die beteiligten Personen mit aufzählt. Wenn man es komplett übertreiben möchte, müsste man sogar noch alle anderen Fotografen mit auflisten, die denen einen dazu inspiriert haben, sein Werk zu schaffen.

    Aber wiedermal ein sehr interessanter Artikel, der zum nachdenken anregt :)

  9. Auch ein Maler hat nur Farbe, selbst wenn die Farbmischung selbst angerührt ist. Selbst wenn man die Farbe selbst herstellt braucht man nach wie vor einen in der Natur vorkommenden Stoff um diese Herzustellen… oder die Atemluft. ;)

    Die Abängigkeiten die du beschreibst entspringen dem, dass der Mensch ein soziales Wesen ist…

    Und so manches entspring aus der Hand von anderen Menschen, aber das heißt nicht, dass sie dies gekonnt in eine fotographische Szene setzen können, denn sonst wäre Fotographie als Profession nicht denkbar.

    Ich finde gut, dass du dich mit solchen Dingen beschäftigst, halte diese überspitzte und sehr verkürzte Darstellungsform unangemessen.

    Gruß
    Philipp

  10. Das geht noch weiter, weil wenn du ein Selbstporträt von dir machst, dann ist es wie du es entschiedest, das Ergebnis dessen wie du Erzogen wurdest, die Umwelteinflüsse um dich usw. – Und wenn man jetzt noch bedenkt das wir eigentlich kaum Entscheidungen wirklich selbst treffen, sondern unser Gehirn uns das Glaubhaft machen, dann stellst du fest das du eigentlich so gut wie keinen Einfluss darauf hast was du tust.

    Aber das sind Dinge die sind nichts neues, so ist das Leben.

  11. Ein sehr interessanter Artikel. So ausführlich habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Gut, beim Porträt ist man sehr auf das Model angewiesen. Nicht umsonst arbeitet man mit gewissen Personen immer wieder gern zusammen. So würdigt man auch die Arbeit eines Models, bzw. die Person an sich.

    „Manchmal ist Fotografie halt wie ein Film, nur dass es dabei keinen Abspann mit den beteiligten Personen gibt. “ – Wenn man im Kino arbeitet, entdeckt man eigentlich viele Parallelen zur Fotografie. Der Name meiner Homepage verdeutlicht diese Verbindung auch sehr deutlich. Ein sehr, sehr schönes Zitat. Unbedingt merken!

  12. Erinnert irgendwie an die Debatten, die man nach der öffentlichen Verbreitung der Fotografie im späten 19. Jahrhundert geführt hat. Damals stellte man den Fotografen an sich ja auch infrage, weil es ja die Maschine wäre, die das Foto mache.

    Will sagen: dieser Einwurf ist schon etwas altbacken.

  13. Ich verstehe den Essay als Aufruf sich einmal bewußt zu werden, auf wessen „Schultern“ man eigentlich steht. Das heißt, seinen eigenen „originell-persönlichen“ Anteil an dem Produkt Foto einmal gegen den ungeheuer großen, unpersönlichen Teil der Fremdleistung oder Vorleistung zu stellen. Ob das kulturelle oder künstlerische Fundament aus der Betrachtung von kulturhistorischen Vorleistungen verschiedenster Art aus einigen tausend Jahren staunenswerter ist als die technische Basis, auf der wir hier alle wie selbstverständlich stehen, weiß ich nicht.
    Mir läuft gelegentlich ein Schauer über den Rücken, wenn ich es für einen Moment nicht für selbstverständlich halte, dass man eine hochpräzise mechanische Kamera mit digitalisierender Bildaufnahme besitzt, die Bilder an einem Computer betrachten und fast beliebig bearbeiten kann, um sie dann am Ende über das Internet sekundenschnell in eine ( potentielle) Weltöffentlichkeit zu bringen und sie dann mit Menschen aus aller Welt besprechen zu können. Wir benutzen das alles, als wäre es nie anders gewesen, aber mir persönlich ist schon die Funktionsweise des Radios, bzw der Funkübertragung ein Rätsel. Technisches Wissen über die Abläufe könnte man sich ja zumindest bruchstückhaft erarbeiten, aber „verstehen“ oder „geistg durchdringen“ ist noch etwas anderes.
    Das ist natürlich eine Einladung zu entgegnen: „Wenn Du armes Bürschchen das alles nicht so richtig verstehst, dann ist es natürlich bedauerlich – ich habe da nicht solche Probleme“ Das würde ich aber für Ignoranz auf allerhöchstem Niveau halten, denn wie man hört, wissen auch die EDV-Entwickler in der Regel nicht, was sie da alles an Programmteilen und Hilfsprogrammen zusammenschrauben und warum es am Ende ( meistens ) funktioniert. Was passiert denn da, wenn man in Photoshop neue „Ebenen anlegt“ und den „Kontrast verändert“. Ich bin wie ein Äffchen abgerichtet, mit dem Plastikteil unter meiner Hand scheinbare Knöpfchen anzuklicken und scheinbare Regler zu bewegen, ich sehe die Konsequenzen auf einer Glasplatte und denke: “ toll, das habe ICH jetzt gemacht… wie dumm.
    Es ist ja klar, dass es nicht anders geht, wir müssen mit diesen Werkzeugen umgehen, auch wenn wir nicht wirklich begreifen, was wir gerade tun. aber gelegentlich könnte man mal darüber staunen…finde ich.
    Das Motto 1 lautet: „Erkenne die Lage ! – Rechne mit deinen Defiziten und nicht mit Deinen Parolen.“ ( Gottfried Benn )
    ( Motto2 lautet : Nimm Motto 1 nicht zu ernst)

    Grüße
    Andreas V.

  14. Blogartikel dazu: Essay: Fotografie geht nicht allein | meckyrockt