05. Februar 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Rezension: Die Nacht – Junge polnische Fotografen

Gleich fünf verschiedene Cover hat die Sonderausgabe „Young Polish Photographers“ von dienacht. Warum sich der Herausgeber nicht für eins entscheiden konnte, liegt wahrscheinlich am großen Facettenreichtum der jungen polnischen Fotografie.

Für die Ausgabe wählte Calin Kruse 14 Arbeiten der polnischen nationalen Filmschule in Lodz. Ziel war es, die verschiedenen Stile und Ästhetiken zu zeigen und einen Überblick über die aktuelle polnische Fotoszene zu geben.

memory images von Gosia Fraszek

Im Magazin findet man tatsächlich 14 sehr abwechslungsreiche Bilderserien. Zu jeder gibt der jeweilige Fotograf eine kurze Beschreibung, die, ebenso wie die Fotos, sehr unterschiedlich sind. Von kurzen, klaren und prägnanten Darstellungen bis hin zu verträumten, blumigen Worten über die eigenen Arbeiten ist alles dabei. Jeder Text ist dreisprachig aufgeführt auf Deutsch, Englisch und Polnisch.

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Bildern, was fast schon ein wenig stört, denn viele der Serien kommen nicht mit ein paar Worten aus, sondern wirken erst durch genauere Kenntnise der Hintergründe richtig. Ich möchte schnell mehr über einige Fotoserien erfahren, weshalb die Links zu den Homepages der Künstler unter jedem Text absolut sinnvoll sind.

the day before von Anna Orlowska

Persönlich besonders interessant fand ich die Serie „The day before“ von Anna Orlowska. Sie zeigt Bilder vor großen Lebensereignissen und man kann die Gedanken über die baldigen Veränderungen fühlen. Aber auch die Portraits der Arbeiter des Elektrizitätswerkgebäudes in Bytom von Agnieszka Wrzesniak und die emotionalen Diptycha von Gosia Fraszek lassen mich nicht unberührt.

Einzig die Körperlandschaften von Agnieszka Skrzypczak und die Topographien von Ewa Ciechanowska wirken im Heft mit den Maßen 15 x 18 cm nicht so richtig. Diese Arbeiten brauchen viel Platz und große Wände. Man hat dies wohl schon selbst bei Erstellung der Ausgabe bemerkt und sie über zwei Seiten gedruckt. Der Buchknick durch die Bilder macht für mich jedoch mehr kaputt, als dass die größere Darstellung hilft.

map of the body von Agnieszka Skrzypczak

Abgesehen von dieser kleinen Kritik kann und möchte ich „Young Polish Photographers“ empfehlen, denn es gibt wirklich einen hervorragenden Überblick über die polnische Fotografie. Viele der vorgestellten Künstler werden sicher noch öfter zu sehen sein, nicht zuletzt, da einige von ihnen mittlerweile bereits internationale Preise gewonnen haben.

Zu kaufen gibt es das Magazin für nur 10 € im „dienacht“-Shop. Es handelt sich um eine limitierte Auflage von 500 Stück. Die Cover werden per Zufallsprinzip verschickt.

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9 Kommentare

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  1. Facettenreich und sehenswert! Ein Blick über die Grenze lohnt sich immer, im Besonderen wenn es sich um Arbeiten von Studenten oder Absolventen der Hochschule PWSFTViT (Państwowa Wyższa Szkoła Filmowa, Telewizyjna i Teatralna im. Leona Schillera w Łodzi) handelt, welche traditionell vor allem auch als eine der besten Filmhochschulen, hier besonders im Bezug auf die Cinematographie, gilt. Das Potential der Fotoklassen muss sich dahinter nicht verstecken.

  2. „…kommen nicht mit ein paar Worten aus, sondern wirken erst durch genauere Kenntnise der Hintergründe richtig“ – muss man viel sagen, um ein Foto zu lesen? – Was mich betrifft: Ich bin am liebsten alleine mit dem Bild auf Du, ohne grosse Worte. Oder dann gleich eine richtige Fotoreportage, wo die Aussage in der Abfolge deutlich wird.

  3. Naja, also mich persönlich überzeugen die Bilder die hier zu sehen sind jetzt nicht wirklich, jedenfalls nicht für 10 Euro. Aber ich habe schon wirklich tolle Bilder von polnischen Fotografen gesehen evtl. ist das hier nur nicht die glücklichste Auswahl.
    Gruß
    Oli