10. Dezember 2012 Lesezeit: ~2 Minuten

Das erste Foto

Als ich vor ein paar Tagen ein Buch aus dem Regal holte, fiel mir ein Foto entgegen, das dort als Lesezeichen platziert war. Es zeigt den Rhein mit schiefem Horizont und einer Möwe im Zentrum.

Das Bild muss fünf Jahre alt sein. Es ist eines meiner ersten Fotos überhaupt, das ich mit dem Bewusstsein machte, Fotografie erlernen zu wollen. Mein Konzept: Möwen und Tauben mit altem Brot anlocken, um sie dann nach Möglichkeit scharf abzubilden.

Ich lieh mir dafür eine alte analoge Nikon von einem Bekannten. Er erklärte mir vorher noch die Blende, den ISO-Wert, die Belichtungszeit und schickte mich los. Dann stand ich da am Rhein und hatte alles wieder vergessen. Ich machte ein paar Aufnahmen, schmiss immer wieder Brot in die Luft und drückte auf den Auslöser. – Den hatte ich zum Glück nach kurzer Suche von allein wieder gefunden.

Voller Vorfreude lief ich nach dem 36. Klick zum nahegelegenen Schlecker, konnte drei Tage lang kaum schlafen, bis ich die Bilder abholen konnte und mein Ergebnis endlich in den Händen hielt.

Es war ernüchternd. Einige Bilder waren gar nicht erst entwickelt worden, da sie unter- oder überbelichtet waren. Auf der Hälfte der Fotos konnte man nichts erkennen, sie waren unscharf oder ich hatte es geschafft, meinen Ärmel irgendwie mit auf’s Bild zu bringen. Auf den wenigen, bei denen die Helligkeit passte, war kein Vogel zu sehen, weil ich nicht schnell genug war.

Von den 36 Bildern gab es genau zwei, auf denen man eine Möwe erkannte. Dies ist das eine. Wohin ich das andere in meinem Frust gesteckt habe, weiß ich leider nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass ich mich herausgefordert fühlte. Ich wollte diese Kamera verstehen und damit die Bilder umsetzen, die mir vorschwebten. Heute bin ich froh über meinen Sturkopf.

Ich werde das – zugegeben – schon etwas zerkratzte und schmutzige Bild in ein Kästchen legen und mir immer ansehen, sobald wieder etwas nicht klappt und mich frustriert. Gerade freue ich mich über diesen wertvollen Fund unglaublich. Hätte ich damals geahnt, wie sehr ich dieses Foto später einmal zu schätzen weiß.

Könnt Ihr Euch noch an Euer erstes Foto erinnern? Zeigt und erzählt!

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21 Kommentare

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  1. jupp..finde ich echt super =). Ich habe leider keine Ahnung, ob in irgendeiner weise meine ersten Bilder noch existieren. Selbst wenn, würde ich sie wahrscheinlich garnicht wieder erkennen. Ich werde mal meine Eltern fragen, die heben sowas ja immer auf :D – Jetzt bin ich selber auf meine Anfänge neugierig geworden :D

  2. Mein erstes Foto? Ich kann mich nicht einmal an meine erste Kamera erinnern. War es nicht eine Agfa Pocket Ritsch-Ratsch-Klick? Man weiss es nicht. Ist ja immerhin fast 40 Jahre her. Die Zeit rennt…..

  3. Mein erstes – bewusst aufgenommenes – Foto habe ich vor rund 2 1/2 Jahren gemacht. Ich hatte mir gerade die EOS 1000D von Canon gekauft und hatte bis dahin viele Jahre gar nichts mit Fotografie am Hut gehabt. Davor waren es eher schlechte als rechte Schnappschüsse mit einer automatischen Allerwelts-Kamera. Nichts, worauf man wirklich stolz ist.

    Dann kam eben die EOS und ich lichtete – weil mich die Sache mit der Tiefenschärfe so sehr fasziniert – einfach mein Abendessen ab. Noch komplett mit Automatik und daher nicht wirklich eine Schönheit. Aber es treibt einen eben an…

    Hier isses: http://www.twitpic.com/1mrdpt

  4. Pass gut auf diesen kleinen, persönlichen Schatz auf, denn wie du schon vermutest wird dich dieses Stück belichtete Papier in manchen Situationen unterstützen, auf eine ganz eigene Art und Weise.

  5. Puuuh, das erste Bild?!
    Das war sicher ein Urlaubsfoto am Strand; ich weiß es nicht mehr.
    Das erste, an das ich mich wirklich erinnern kann, entstand 10 Jahre nach der Grenzöffnung in Berlin. Ich war mit ein paar Kollegen zur Funkausstellung zum ersten mal in Berlin und war absolut überwältigt vom Blick auf den Reichstag und den damals noch völlig unbebauten Potsdamer Platz. Hier könnt ihr es euch ansehen…

    Wenn man sich das heute ansieht…. gaanz anders!

    Gruß,

    Alex

  6. Wow, was für eine tolle Entdeckung. Und was für ein tolles erstes Bild!
    Da wünsche ich mir, dass meine ersten Bilder analog gewesen wäre, dann würden sie evtl auch noch existieren.
    Ich erinnere mich aber noch an mein erste Bild, für das ich ein Konzept hatte. (In einer Zeit in der ich sonst nur Blumen und Haustiere fotografiert habe.)
    Und ich mag es bis heute, auch wenn es nur durch die beste Zufalls-Katze toll geworden ist und auch wenn die Qualität schrecklich ist.
    Von 2007 mit einer Nikon Coolpix L3 aufgenommen:
    http://www.flickr.com/photos/laurazalenga/2758941935/lightbox/

  7. Ich kann mich auch nicht so recht erinnern.

    Was ich jedoch weiß ist, dass ich mit einer alten Pocket Ritsch-Ratsch und Blitzwürfel meine Oma beim Spülen ablichtete: Ich neckte sie immer mal wieder und irgendwann war es Usus geworden, dass Oma sich umdrehte und mir dann die Zunge hinausstreckte. Diesen Moment nutzte ich, neckte sie und drückte ab. :-) Dieses Bild habe ich heute noch in meinem Kindheitsalbum.
    Damals war ich etwa 12 Jahre und freute mich, als mein „Konzept“ aufgegangen war.

    Mein Onkel brachte mich mehr oder weniger zur Fotografie. Er ist leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Und immer, wenn er da war oder wir spazieren waren mit ihm, dann hatte er seine mächtige Spiegelreflexausrüstung mit zig Objektiven und Filtern und Wow dabei. Das faszinierte mich immer wieder. Besonders, wenn ich dann durch ein „Nah-Bring-Rohr“ hindurchgucken durfte.
    Das weckte dann immer die Neugierde und heute habe ich auch eine Spiegelreflex – ganz frisch.

  8. Tolle Geschichte… Überhaupt ist die ganze Thematik sehr spannend. Kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich mein erstes richtiges Foto gemacht habe. Noch komplett unvoreingenommen und auch ohne mir bewusst zus sein, dass ich das in Zukunft erlernen will. Ist jetzt schon über zwei Jahre her. Bin froh, dass alles so kam wie es kam.

  9. Mein erstes Foto? Ich würde es zu gern sehen, aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Es ist bestimmt ca. 15 Jahre her mit einer einfachen, analogen Handkamera, die ich damals zum Geburtstag von meinen Eltern geschenkt bekommen habe. Das erste bewusst gemachte Foto stammt aus der gleichen Zeit und Kamera. Meine ältere Schwester wollte mir damals klar machen, dass man Blitze nicht fotografieren kann, weil das Licht ja schneller ist als ich den Ablöser gedrückt haben könnte. Ich wollte es ihr natürlich beweisen, schaffte es aber natürlich mit der einfachen Kamera nicht, bei der man nur auf den Auslöser drücken konnte. Das Ergebnis waren lauter „Graue-Wolken-und-Regen“ Fotos. Erst Jahre später, als ich mein eigenes Geld verdienen konnte und ich mir eine digitale Kamera leisten konnte, habe ich es geschafft. Auch ohne die Fotos von damals kann ich mich noch daran erinnern :-)

  10. oh ja. an das erste bild kann ich mich noch erinnern. auf der schulreise, am see, beim wütste braten. vor 32 jahren. die situation und die kamera vor meinen augen.
    es war eine agfamatic pocket mit 110er film. die silberschwarze mit dem orangeroten knopf.
    das foto ist verschwunden wie so vieles im leben. die erinnerung bleibt

  11. Was mich angeht, so liegt das erste Foto in nicht mehr verbindlich zu klärender Vergangenheit. Vermutlich habe ich das mit einer Kodak Instsmatic gemacht, zumindest gibt es da allerlei Bilder aus Zeltlagern, als ich 8 war oder so.

    Einfacher ist es bei meinem Sohn. Der ist 4 und hat in diesem Sommer in Italien begonnen, Bilder einzusammeln. Und ich liebe diese Bilder. Direkt und kompromisslos. Und immer auf’s Detail!

    Hab da vor einigen Wochen ein (wirklich) kleines Blogpost dazu verfasst. Hier ist es, hauptsächlich die Bilder: http://stefansenf.de/?p=753

  12. Blogartikel dazu: Aktion: Mein erstes Photo « lichtbildwerkerin.com

  13. Ein schöner und ehrlicher Artikel. Gern füge ich einen Link zu einem alten – auf blogspot recycelten – Post zum Thema: Fotografie, die ersten Versuche und das erste (gelungene) Bild an. Liebe Grüße !

  14. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern, weiss nur noch dass es eine Ricoh Spiegelreflex war und ich alles moegliche ausprobiert habe. Favoriten waren zu der Zeit Motive in Koeln, muss da mal suchen gehen in den vielen Kisten:-)
    Oft sind die ersten Aufnahmen mit vielen Erinnerungen verbunden, die dann wieder aktiviert werden, wenn man diese Aufnahme betrachtet. Es ist dann teilweise wie ein Film im Zeitraffer, As Timer goes by :-)

    saludos