Entscheidungen
19. März 2012 Lesezeit: ~5 Minuten

Entscheidungen

Unter meinem letzten Artikel hier und auch schon vorher gab es neben positivem Feedback auch Kritik an meiner Landschaftsfotografie oder genauer an deren Farbigkeit und der Art, wie ich die Fotos bearbeite.

Breathe

Wenn Kritik sich häuft, ist das, wie ich finde, ein guter Anreiz, die eigene Fotografie zu hinterfragen. Darüber nachzudenken, wo man mit ihr hin möchte und ob man sich noch auf dem richtigen Weg befindet. Ist an der Kritik vielleicht doch etwas Wahres dran und was bedeutet das für die eigene Fotografie?

Zum Beispiel lese ich, die Fotos seien unrealistisch oder die Farben unnatürlich, dadurch gehe die Seele verloren oder es sei langweilig und austauschbar, weil mittlerweile jeder solche Fotos macht.

~

Warum sind die Fotos unnatürlich? Weil es solche Farben in der Natur nicht gibt? Weil die Fotos so nicht aus der Kamera kommen? Oder weil der Kritikübende so etwas noch nicht gesehen hat?

Ich will ehrlich sein. Natürlich ist die Sättigung in vielen meiner Fotos etwas stärker als in der fotografierten Szene. Mir geht es nicht in erster Linie darum, die Landschaft möglichst exakt in meinen Fotos wiederzugeben.

Ich strebe ein Ergebnis an, das auf mich eine vergleichbare Wirkung hat wie der Moment, an dem ich die Aufnahme gemacht habe. Hinzu kommt der Wunsch, dass diese Wirkung auch anderen nicht verschlossen bleibt. Es geht darum, Gefühle und Erinnerungen zu wecken.

Ich habe leider keine Kamera, die neben Helligkeits- und Farbinformationen auch Gerüche, Geräusche, die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit – eben alles, was ich wahrnehme – in einem Foto einfangen kann. Deshalb lege ich in der Nachbearbeitung etwas stärker Hand an, um der Realität, wie ich sie wahrgenommen habe, näher zu kommen und die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Am Ende ist ein Foto immer eine Interpretation des Gesehenen und es ist die Entscheidung des Fotografen, diese Interpretation der Kamera zu überlassen oder selbst einzugreifen.

~

Und was bedeutet es eigentlich, dass ein Foto seine Seele verliert? Was ist die Seele eines Fotos? Ein ziemlich abstrakter Begriff wie ich finde, den jeder vielleicht etwas anders interpretiert.

Oben schreibe ich, dass es mir darum geht, Gefühle und Erinnerungen zu wecken. Ich suche immer nach der Schönheit einer Landschaft, diese möchte ich festhalten. Weckt ein Foto in mir Erinnerungen an diese Schönheit, ermöglicht es mir für einen Moment lang, die Welt um mich herum zu vergessen, lässt es mich eintauchen und hält es mich fest – das macht für mich die Seele eines Fotos aus.

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Foto nun farbig oder schwarzweiß ist, ob es viele Details enthält oder eher minimalistisch ist, ob es wenig oder mehr bearbeitet worden ist. Es zählt nur, was das Betrachten eines Fotos in mir auslöst. Auf einen anderen Betrachter kann es natürlich ganz anders wirken.

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Zum Abschluss stellt sich noch die Frage nach der Austauschbarkeit. Man kann schon sagen, dass sehr viele Landschaftsfotografen mit intensiven Farben arbeiten. Ebenso ist die bevorzugte Zeit, um solche Fotos aufzunehmen zu Sonneauf- und -untergang. Ganz einfach, weil dann die Farben in der Natur am stärksten sein können.

Aber sind solche Fotos deshalb austauschbar? Die Unterschiede liegen meist im Detail, in der Art und Güte der Bearbeitung, den Feinheiten der Komposition, der Art wie eine Szene fotografiert wurde, dem Zusammenspiel von Licht, Wetter und Jahreszeiten. So viele Faktoren und Entscheidungen beinflussen ein Foto.

Am Ende sind die Fotos, die ich zeige, für mich selbst nie austauschbar. Zu viele Gedanken habe ich mir gemacht, zu viele Entscheidungen getroffen, von der Planung über die Aufnahme, die Bearbeitung bis zum Ergebnis.

Das verhindert nicht, dass sie vielleicht für jemand anderen langweilig erscheinen mögen. Geschmäcker sind verschieden.

~

Auch wenn ich für meine eigenen Fotos meist eine sehr farbige Präsentation wähle, soll das keineswegs heißen, dass andere Arten der Landschaftsfotografie schlechter sind. Ich schaue mir auch sehr gerne Schwarzweiß-Fotos an und bin fasziniert von minimalistischen Kompositionen.

Meine Entscheidung für die Landschaftsfotografie, wie ich sie betreibe, sagt einzig, dass das mir momentan am meisten Spaß macht. Dass mir dieser Stil an meinen eigenen Fotos am besten gefällt. Er weckt in mir die richtigen Gefühle und Erinnerungen.

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68 Kommentare

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  1. Also ich finde die Fotos toll! Es sind ja deine Fotos – vielleicht deine Interpretation der „geknipsten“ Szene. Für mich kommt es letztlich darauf an ob ich mir die Fotos gerne anschaue – ob das nun genau das Licht, die Farben und den Kontrast wiedergibt der dort geherrscht hat finde ich ziemlich egal!

    Wenn die Aufnahme mich selbst verweilen lässt und die Augen das Bild länger studieren, dann ist es für mich eine gelungene Aufnahme.

    Mir gefällt’s! :)

    viele Grüße
    Marc

  2. Das würde ich gelassen sehen… Erstmal ist wichtig, dass es einem selber gefällt.

    Ja, ich verfolge da immer einen absolut egoistischen Ansatz.. was DAS angeht.

    Letztlich ist das alles auch Moden unterworfen. Wir wurden die letzten Jahre mit HDRs noch und nöcher zugeworden (.. nicht die „guten“ HDRs, sondern die Sorte an der man sich dann schnell satt sieht) und ruckzuck ist jedes etwas mehr gesättigte Farbfoto auf einer mentalen Abschußliste.

    Mir gefällt es, dem nächsten ist es zu Postkarten-like…..

  3. Ich finde, ein persönlicher „Rachefeldzug“ gegen Sebastian Häberle hat keinen eigenen Artikel verdient. Man muss mit negativer Kritik genauso gut umgehen können, wie mit positiver. Und Kunst liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Vielleicht rufen Sonnenauf- oder untergangsfotos bei ihm keine Gefühle hervor, aber er findet deine Fotos technisch(?) trotzdem so gut, dass er sich ein Foto von dir wünscht, das ihn anspricht. Und eine Rechtfertigung finde ich überflüssig, weil dir und anderen (z.B. mir) ja schließlich deine Fotos gefallen und ein Foto, meiner Meinung nach, nicht jedem gefallen muss.

    • Hallo Finn, also das ist jetzt deine Interpretation. Als Rachefeldzug ist das nicht gedacht.

      Und ich beziehe das auch nicht auf Sebastian. Die Kritik, die er aufgeführt hat, höre ich auch von anderen. Und ich sehe ähnliche Kritik auch immer wieder unter den Fotos anderer Landschaftsfotografen, die einen ähnlichen Weg verfolgen wie ich.

      Wie ich oben schreibe, wenn Kritik sich häuft ist das ein guter Anreiz über die eigene Fotografie zu reflektieren und sich mit der Kritik auseinanderzusetzten. Dabei habe ich für mich Schlüsse gezogen.

      Und du hast recht, es muss nicht jedem gefallen!

      • Interessant und sicherlich auch lobenswert eine Kritik derart zu reflektieren. Ganz gleich, ob Du Dir gegenüber anderen, oder Dir selbst mit Deinem abschließenden Satz unter dem Artikel offen lässt wie Du hierzu einmal zukünftig stehst:

        Ein „richtig“ oder „falsch“ kann es ohnehin nicht geben. Dabei kann bzw. muss sogar jeder Fotograf oder Künstler stets selbst für sich entscheiden ob er dem „Mainstream“, seinem eigenen Geschmack oder beispielsweise gar einen extravaganten Stil verfolgt…

        Könnte letztlich nicht die Kritik derjenigen, denen der eine oder der andere Stil weniger gefällt, nicht auf eigener Verunsicherung beruhen?

        Wie auch immer – dass Michael hier keinerlei Rechtfertigung bedarf und statt dessen mit seinem Standpunkt zu einer allgemeinen Bereicherung beiträgt mag man auch aus einer sich ergebenen Diskusion entnehmen… ;-)

      • Ich finde den Einwand von Finn absolut berechtigt. Ich war zwar lange nicht auf Kwerfelein und konnte die ganze Kritik nicht verfolgen, aber so eine Rechtfertigung (egal ob ein Rachezug oder nicht) hat nichts in einem Extra-Artikel zu suchen. Es ist etwas zu kindisch, wenn jeder eigene Meinung zum Thema mit einem Sonderartikel veröffentlichen wird.

        Inhaltlich zur Diskussion: ich persönlich finde diese Art der Bearbeitung ebenso unansehnlich und kitschig, da gehe ich mit solchen Attributen wie „ohne Seele“ absolut konkordant. Mag sein eine Kamera kann keine „Gerüche, Geräusche, die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit“ einfangen (was eigentlich auch eine waage Behauptung ist), aber zu glauben, dass man diese Eigenschaften mit bloßen Farbigkeit- und Kontrasterhöhung in einem Bild wiedergeben kann, ist meines Erachtens etwas primitiv. Aber wie gesagt – jedem das Eigene, ist eben eine Geschmackssache. Ich persönlich würde so ein Bild nicht bei mir in der Wohnung hängen wollen und zu dieser Meinung keinen Sonderartikel im öffentlichen Medium erstellen.

        VG
        VT

  4. … wozu diese ‚Entschuldigung‘ ? Lass das Volk doch jammern, dass sie nicht selber vor Ort waren, zu bequem sind, sich mitten in der Nacht aus dem Bett zu quälen und so etwas selber hinzubekommen … dann ergiesst man sich halt im pixelpeepen der eigenen Unzufriedenheit.
    Es sind Deine Bilder, es ist Deine Stimmung. Nicht die des Mobs.

    Weitermachen ;)

  5. Sich mit Kritik öffentlich auseinander zu setzen ist couragiert – auch wenn du deinen Weg dadurch nicht änderst.

    Viel wichtiger für mich ist aber dein Satz:
    „…um der Realität, wie ich sie wahrgenommen habe, näher zu kommen und die gewünschte Wirkung zu erzielen.“

    Aus Überzeugung bin ich Konstruktivist (http://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_%28Philosophie%29). Kurz gesagt: jeder konstruiert seine Wirklichkeit (quasi ein subjektives Abbild der Realität).

    Und für mich war es gerade noch einmal ein Augenöffner, wie wichtig dieser Aspekt in der Fotografie ist. Auch die Kamera macht ja (allein schon durch Tiefenschärfe, Belichtungszeit und Brennweite) kein objektives Abbild der Realität. Jede fotografische Entscheidung ist Einflussnahme, um eine Wirklichkeit zu erzeugen. Und in sofern finde ich gesättigte Farben vollkommen legitim und die Annahme „realistisch“ abbilden zu können, vermessen.

  6. Lieber Michael,

    gerade Dein oben gezeigtes Foto „Winterberg“ ist für mich ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die „Entscheidung zugunsten der Intensivierung kräftiger Farben“ goldrichtig ist… ;-)

    Die Behauptung, ein Foto würde seine Seele verlieren, kann ohnehin schon allein deswegen nicht voll und ganz zutreffend sein, weil dann korrekterweise zunächst zu hinterfragen wäre wessen Seele gemeint ist… Die des bildgebenden Systems, sprich des Bildprozessors, der bildverarbeitenden Software oder die des Fotografens eines Ortes, einer Szenerie?

    Und zuletzt über Gesckmack lässt sich bekanntlich kunstvoll streiten… ;-)

  7. „Ich finde, ein persönlicher “Rachefeldzug” gegen Sebastian Häberle hat keinen eigenen Artikel verdient. Man muss mit negativer Kritik genauso gut umgehen können, wie mit positiver. Und Kunst liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters“

    das sehe ich auch so und bin arg verwundert und halte es für einen sehr schlechten Ansatz, um offen über weitere Artikel hier zu diskutieren … wenn man seine eigene Meinung und Interpretationen nun im nächsten Artikel auseinandergenommen sieht, muss man sich nicht wundern, wenn es hier bald nur noch „Geschleime“ in den Kommentaren geben wird …was soll das?

  8. Zitat: „Ich strebe ein Ergebnis an, das auf mich eine vergleichbare Wirkung hat wie der Moment, an dem ich die Aufnahme gemacht habe.“

    Genau damit hast du es auf den Punkt gebracht und ich kann es auf jeden Fall anhand deiner Fotos nachempfinden.

    Hauptsache ist doch, dir gefallen deine Arbeiten. Die Geschmäcker & auch Stimmungen der Menschen, die Fotos betrachten, sind nunmal verschieden. Damit muss man leben :)

  9. Also ich finde, du triffst den Nagel auf den Kopf…

    In erster Linie kommt es für mich beim betrachten von Bildern nicht darauf an, wie das Bild aussieht, ob mir der Schnitt gefällt, die Perspektive usw.

    Viel wichtiger finde ich, was ein Bild mir beim Betrachten für ein Gefühl gibt, welche Geschichte es mir erzählen möchte…

  10. Hey,
    habe sowohl den ersten Artikel als auch diesen gelesen. Natürlich sind die Farben sehr intensiv, trotzdem wäre ich froh ich könnte so gute Landschaftsaufnahmen machen. Du wiederholst hier ja nur die Argumente die auch schon im letzten Text standen, das reicht ja auch eigentlich als Argumentation und ich kann sie sehr gut nachvollziehen. Es ist wohl eine Herausforderung der Fotografie mit den Möglichkeiten der digitalen Nachbearbeitung umgehen zu können. Finde aber das du einen ganz guten Weg gefunden hast. Mich würde eher mal eine Anleitung interessieren wo du versuchst „weniger aufregende“ Landschaften umzusetzen. Versuche immer in meiner Umgebung Landschafte wahrzunehmen die interessant fotografisch interpretierbar sind – mir mag dieses aber noch nicht so zu gelingen. In aufregender Umgebung passt das dann schon eher…
    Tolle Fotos, danke für die Artikel…

  11. Ohje…

    Ich mag dich darin bekräftigen die Möglichkeiten der Fotografie weiterhin so zu nutzen wie es DIR gut tut und gefällt. Die Bearbeitung von Fotos, ob analog oder digital, beinhaltet, dass der Fotograf etwas persönliches in der Fotografie einbringt. Das ist, im übrigen, historisch betrachtet, auch der Punkt an dem die Fotografie Teil der Kunst wurde. Die bloße Abbildung der Natur „so wie sie ist“ hat zwar genauso ihre Daseinsberechtigung als „Hilfskraft der Wissenschaften“, für mich persönlich ist aber zumeist wesentlich interessanter, wie das Individuum die Welt sieht. Und ich finde es wahnsinnig toll, dass du die Welt knallig bunt und intensiv siehst.

    Was du dir anhören musst, muss ich mir ständig anhören:

    Der Platz vor dem Vatikan ist selten menschenleer. Ich habe ein 360 Grad Pano gemacht und danach in mühsamer Handarbeit alle Menschen raus retuschiert. Weil ich den Platz so gern gesehen hätte. Ohne Menschen. Weil ich den Platz so in Erinnerung behalten wollte wie er architektonisch ist, ohne gelangweilte, vor sich hinlümmelnde Schulklassen zu denen ich keinen Bezug habe. Natürlich kann genau das auch interessant sein „wie gehen Menschen mit so einem Platz um?“ und das fotografisch fest zu halten. Aber ich bin kein leidenschaftlicher Streetfotograf, ich mags lieber menschenleer.
    Was musste ich mir alles anhören! Das war so nicht, das ist Veränderung der Wirklichkeit, das finde man nicht gut – bla bla bla.

    Dann bin ich auch gern jemand, der nach Städtereisen den Himmel in den Fotos bearbeitet. Ich setzte gern künstliche Wolken ein um eine dramatische, besnders ruhige, -was auch immer- für eine Stimmung zu realisieren. Da kommt IMMER „aber der Himmel war doch gar nicht so, es war an dem Tag doch grau in grau“. Ja und? Ich hätts halt gern anders gehabt und mit der Fotografie habe ich auch die Macht es anders zu machen, so wie ich es gern erinnern würde. Im übrigen fällt den meisten gar nicht auf, wenn ich den Himmel austausche. Sie finden die Bilder zumeist toll: „cooler Himmel“. Aber dann sind sie geschockt, wenn man die Wahrheit sagt. Würdest du sagen, dass die Sonnenauf- und untergänge so farbintensiv waren, dass deine Bilder ooc wären – kaum einer würde sich beschweren. Die Menschen würden es glauben. Aber warum muss man da lügen? Wo ist denn nur das Problem daran in Fotos seine eigene Realität zu erschaffen?

    Nehmen wir die ganzen Hochglanz-Portrait-Fotografien: da denkt doch auch kein Mensch daran, dass es in der Realität doch äußerst unwahrscheinlich ist, dass Mädchen mit melancholischem Blick, dramatisch einen Apfel haltend, mit aufwändiger Flechtfrisur und weißen, wehendem Kleid durch ein Feld läuft. Hast du da jemals ein Kommentar gesehen „Das war so aber bestimmt nicht“?

    Viertes Beispiel: Mein Foto „Porto di Verbania I – Drama“. Wurde Anfang des Jahres hier im Varieté gezeigt. Als ich dieses Foto letztes Jahr auf verschiedenen Plattformen veröffentlichte, waren die Reaktion so unterschiedlich wie sie sein können. Reaktion der Menschen die mit mir in Verbania waren: „wann warst du denn nachts am Hafen? Wir waren da doch nur tagsüber! Und alles war grau in grau. Das Foto ist nicht gut, so haben wir das da nicht gesehen“. Die Reaktionen von wildfremden Menschen reichten von cool bis furchtbar. Wobei cool sich auch in furchtbar ändern konnte, sobald der Betrachter den hängenden Mann am Rande des Bildes entdeckte. Auf einmal musste ich mich nicht mehr rechtfertigen, ein Foto manipuliert zu haben, sondern ein Bild aus meinem Kopf umgesetzt zu haben. Genau so wie es täglich unendlich viele Roman-Schreiber machen. Aber bei einem Foto ist die Realisierung einer Phantasie auf einmal verwerflich? Seltsame Sache. Was mir da teilweise unterstellt wurde: ob ich latente Mordphantasien hätte, ob ich psychisch irgendwie Probleme hätte, ob ich Spaß daran hätte tote Menschen darzustellen…. Und ich war völlig baff – keiner würde das heutzutage einen Krimiautoren oder einen Maler fragen. Aber bei einem Foto?

    Lieber Michael: leg dir ein dickes Fell zu. Und zeig uns und allen anderen die Welt weiterhin so, wie DU sie siehst. Das macht ein Foto unique. Ansonsten könnte ich einfach zu dem Ort reisen und das gleiche Foto schießen. Aber ich würde an dem Ort vielleicht etwas anderes sehen und empfinden. Und solange wir alle den Arsch in der Hose haben, zu zeigen was wir ganz persönlich fühlen, solange bleibt die Fotografie ein unglaublich vielfältiges, persönliches und individuelles Medium.

    • Erstaunliche Beispiele. Mich wundert es manchmal, was Menschen von Fotografie erwarten, denn immerhin ist Fotografie Kunst und in der Kusnt hat man alle Freiheiten, warum sollte man sie also nicht auch nutzen? ;)

  12. Lieber Michael, du brauchst die eigene Fotografie überhaupt nie zu hinterfragen. Wenn du meinst, dass deine Aufnahme toll und gelungen ist, dann ist sie es, aus und basta, vollkommen egal was andere davon halten. Dir muss es gefallen.
    Man kann es in der Fotografie NIE!! allen Recht machen. Aber was letztendlich zählt ist deine Art zu fotografieren , und wenn dich dies befriedigt, dann bist du absolut auf dem richtigen Weg, und basta!

  13. Ich versuch mal was zum Bild zu sagen. Geschmack… Ich hab einen völlig anderen Fotografie-Geschmack als Du. Ich mag analoge Fotografie, Menschenbilder und keine allzu große Sättigung. Ich hab mir deine Bilder bisher angeschaut und mir gedacht, dass das nicht meins ist und gerade deshalb auch keine Kritik angebracht. Aber jetzt bittest Du um Kritik.

    Begriffe wie Seele und Gefühl kommen, denk ich auf´s gleiche raus. Und die Kritik, dass die Bilder keine Seele haben bezieht sich einmal darauf das man diese HDR Effekte einfach extrem häufig sieht. Dadurch wirkt so ein Foto (auf manche) unpersönlich. Dann würde ich auch sagen, das man keine Seele oder Gefühl für Bilder entwickeln kann, die sehr künstlich aussehen, da der Betrachter ja die Wirklichkeit nicht so gesehen hat wie Du und den Bezug zu der konkreten Schönheit im Moment nicht so hat wie Du. Das ist zumindest meine Wahrnehmung.

    Was mir auch aufgefallen ist, ist dass man die Bilder die Du machst im Web einfach schlecht präsentieren kann. Die gehören an eine große Leinwand, dann würden sie mir, denk ich auch besser gefallen. Denn diese Bilder leben davon, dass man nach Details sucht und die siehst Du in Web-Größe kaum. Besonders wenn man sie nicht mal anklickt.

    Aber wie wichtig ist es Dir, dass die Bilder anderen gefallen? Willst Du dich als Fotograf persönlich entwickeln und dich von anderen absetzten? Oder willst Du einfach für Dich fotografieren, wie es Dir gefällt? Willst Du etwas bestimmtes aussagen oder nur Atmosphäre erschaffen?

    Ohne das ich es bewerten will, sind das Fragen die Du Dir vielleicht stellen solltest. Nur eins: Ich fände es gut wenn Du mal was Neues ausprobierst und es hier zeigst!

  14. Mir gefällt dein Artikel, du beschreibst sehr schön, was du mit deinen Bildern erreichen bzw auslösen willst. Jeder hat seinen eigenen Stil, die einen verfremden Bilder vollens und schaffen Manipulationen und andere verändern an ihren Bildern gar nichts. Und du möchtest, wie ich es beschreiben würde, nicht die „Realität der Kamera“ abbilden, sondern so wie du es gesehen hast. Mir gefällt dieser Stil. :)

  15. Vielleicht bin ich hier zu pragmatisch veranlagt, aber die Diskussion ist mal wieder ein Paradebeispiel für die typisch-deutsche Mentalität, alles bis auf‘s Kleinste auseinander zu kauen. Output bzw. „Added value“ gleich 0.

    Meine Sichtweise:
    – Du machst Granaten-Bilder!
    – Dem einen gefallen sie, dem anderen nicht.
    – Fotografiere und bearbeite, wie du Bock hast – alles andere lass bleiben.
    – Das „Gesabbel“ ist nur Hintergrundrauschen, was nur ablenkt aber nicht wirklich weiterbringt.

    Der Satz von Holger „Never argue for your art“ bringt’s ganz gut auf den Punkt.

    So einfach ist das, oder mit den Worten Herrn Strombergs: Bums, aus, Nikolaus :-)

    Viele Grüße,
    Dennis

    • Mit deutscher Mentalität hat das nun wirklich gar nichts zu tun. „Bums, aus, Nikolaus“ ist wohl wesentlich deutscher :) Das heißt für mich nämlich: Abwürgen einer interessanten Diskussion und das Ignorieren bzw. die Herabwertung von anderen Meinungen.

  16. Ich finde es gut und interessant, dass Michael auf die Kritik eingeht und sich dem stellt. Die häufig hier vertretene Meinung, es sei doch alles Geschmackssache und hauptsache der Fotograf findet seine Bilder schön, ist langweilig und bringt keinen wirklich weiter. Außerdem kann man die Kommentare wirklich schließen, wenn nur noch Lob erwünscht ist.

    Ich persönlich finde das Bild auch eher spannungsarm und kitschig (Postkarten-Motiv), habe aber Respekt vor dem Handwerk, das dahinter steckt.

  17. wie holger.. ich finde, solche „verteidigungen“ auch überflüssig, eben weil man sich über KUNST schwer streiten kann. denn ALLES ist kunst ;)

    und dass du die bilder so machst, wie sie DIR gefallen, is eh klar! braucht keine erwähnung.

    aber wurscht. weitermachen!

  18. Schade!

    Aber so ist das mit öffentlichen Magazinen.
    Hier ist von Rachefeldzügen die Rede, es werden die Totschlagargumente „Kunst liegt im Auge des Betrachters.“ und „Never argue for your art.“ angeführt. Es ist die Rede von Mob und Gesabbel und sogar der Herr Stromberg wird zitiert!

    Großartig! Konstruktiv! Mir scheint, ich kann kwerfeldein von meiner Linkliste streichen.

    Mit Bedauern

    Maude

  19. so, jetzt kommt der böse TOM … ;-)

    Ich finde es völlig überflüssig einen Artikel zu schreiben, um seine eigenen Arbeiten zu rechtfertigen oder gar zu erklären. Da ist schnell Fremdschämen angesagt.

    Was mich nicht wundert aber doch immer wieder erstaunt, mit welchem Nachdruck man hier ständig von „Kunst“ und „Künstlern“ redet. Leute nun bleibt mal auf dem Teppich. Es sind und bleiben Fotos gemacht von Leuten die nach Feierabend oder im Urlaub Ihrem Hobby nachgehen und gerne Fotos knipsen. Wenn Ihr Euch als Künstler bezeichnen wollt, dann verfolgt diese Passion ganztägig mit allen Konsequenzen. Und bitte, kommt jetzt nicht mit selbstgefälligen, philosophischen Eigeninterpretationen des Wortes „Kunst“.

    Zurück zum Theme: Leider ist es so, dass mittlerweile auf Grund digitaler Fotografie das Netz völlig überladen ist mit Fotos von Landschaften bei denen es sich größtenteils nicht lohnt, sie zu interpretieren. Stilistisch unterstützt von NIK-HDRI und CS5 gelangt die Landschaftsfotografie zur Zeit wieder zu neuem „Glanze“. Das hat natürlich mit Kunst „null“ zu tun, es ist ein technisches Stilmittel seine Bilder zu bearbeiten, mehr nicht.

    Wenn es denn nun aber für diese Art der technischen Spielerei und Bildbearbeitung „Fans“ gibt, mein Gott warum denn nicht. Dafür braucht man sich doch nicht zu rechtfertigen. Die gegenwärtig hier geführte Diskussion, erinnert mich an die Entwicklung in der Landschaftsmalerei des 19.Jhrdts. Da gab es zum einen die „Handwerker“ mit ihren romantischen, naturalistischen und idealisierenden Bildern vergleichbar mit den hier gezeigten Fotos und es gab eine sich davon lösende Gruppe angeführt von Malern wie William Turner dem Wegbereiter der klassischen Moderne. Auch bei Ihm, der eigentlich einer der Hauptvertreter der Romantik war, gab es ein Schlüsselerlebnis (Italienreise) die ihn zum Umdenken in seiner Bildbetrachtung sowie seiner Malweise führte.

    Ich möchte mich gern dem Kommentar von David anschließen. Auch ich würde es gut finden, wenn du etwas Neues ausprobierst und es hier zeigst. Ich freue mich darauf.

    • Du hast es genau getroffen. Ich frage mich schon die ganze Zeit was Kunst ist, oder was Künstler sind. Es kommt mir so vor, als ob das jeder ist der eine Kamera und einen Computer bedienen kann. Wenn jemand dieses Geschäft Vollzeit betreibt, um davon zu leben, sieht die Welt ganz anders aus. Ich weiss von was ich rede, da ich ein Handwerk betreibe (keine Fotografie). Das viele Vollzeitfotografen am Hungertuch nagen, ist auch den vielen Freizeitkünstlern zu verdanken. Und diese weichgespülten Bildkommentare auf all den vielen Foren und Communities sind kaum noch zu ertragen. Ich selber sehe mich in meiner Branche als Vollprofi und muss des öftern schmunzeln wenn ich arbeiten von Möchtegernprofis sehe. So ähnlich wird es bei Fotografen sein, denke ich. Ich selber fotografiere schon sehr viele Jahre, aber eben für mich.

  20. Es gibt positive und negative Kritik, beide sollte man für sich nutzen um sich und seine Fähigkeiten zu verbessern. Allerdings nicht um seinen Stil zu beeinflussen zu lassen. Diesen einen Stil hast du und der ist nicht austauschbar und für dich unverwechselbar. Ich finde die Bilder klasse, das mit den Farben ist einfach Geschmackssache, wie bei so vielem eben. Mach dein Ding !

  21. Zunächst einmal empfinde ich es als Zeichen von Größe sich mit Kritik am eigenen Schaffen (oder sogar der eigenen Person) auseinanderzusetzen. Vor allem wenn dies öffentlich passiert. Michael macht sich dadurch angreifbarer und als „Rachefeldzug“ kann ich diesen Beitrag nicht betrachten.

    Auch der Tipp: „Mach mal was Neues.“ ist doch hinfällig. Michael ist mit seinen Bildern glücklich, die Fangemeinde (einschließlich mir) scheint groß zu sein, so what?

  22. Die Frage lautet eigentlich: Spaß? Künstler? Mainstream? Beruf?

    Wenn ich in der Modeszene Fotografiere, dann hab ich einen gewissen Spielraum, aber getrieben werde ich von dem was jetzt In ist. Meist es ist es der Mainstream, das Mittelmaß das wir Täglich sehen. Bin ich Künstler, dann lebe ich meine Welt und versuche diese auch irgendwie zu verkaufen, man will ja auch von etwas leben wie auch der Berufsfotograf, der Modefotograf, der Produktfotograf, etc.
    Geht es aber um den reinen Spaß, dann bin ich niemanden Rechenschaft schuldig.

    Kritik ist gut, man kann davon viel lernen, aber wenn die Kritik nicht mich trifft, nicht meinen Stil, dann kann ich sie auch Ignorieren. Solange bis ich nun an den Punkt angelange wo die Fotos nicht mehr für mich alleine sind, denn dann wendet sich der Punkt. Das einzige Glück das man haben kann ist, das man mit seiner eigenen Einstellungen die Masse trotzdem erreicht, denn dann braucht man nichts zu ändern und wird trotzdem zu Geld kommen :)

  23. Hallo,

    wenn man nebenbei noch verschiedene Filme benutzt, darunter auch den farbintensiven (und oft auch falschfarbigen ;) ) Velvia, sieht man diese ganze Diskussion völlig entspannt. Und wie oft ist es äußerst interessant das Spektrum der menschlichen Wahrnehmung mal völlig zu verlassen (Stichwort: Infrarot) und in erster Linie das Motiv mit Bedacht und gestalterischer Phantasie zu wählen. Zu extreme Bearbeitungen, wie so manches HDR, sind oft dem Zeitgeist unterworfen, während eine gesättigte aber gut gestaltete 4×5″ Velvia-Landschaftsaufnahme im besten Abend- oder Morgenlicht auch nach Jahren noch zu begeistern weiß.

    Cheers,
    Stevie

  24. Toller Artikel. Deine Bilder sind toll, haben Persönlichkeit, etwas individuelles und auf jeden Fall mehr Seele als diese „Normalo“ Knipsereien.
    Mir gefällts sehr – meine Meinung. Mach auf jeden Fall weiter damit, du bist auf dem richtigen Weg! :-)

    Lieben Gruß,
    Patrick

  25. „Mir geht es nicht in erster Linie darum, die Landschaft möglichst exakt in meinen Fotos wiederzugeben.
    Ich strebe ein Ergebnis an, das auf mich eine vergleichbare Wirkung hat wie der Moment, an dem ich die Aufnahme gemacht habe.“

    Damit ist alles gesagt. Der Betrachter mag das bedauern. Das ist aber allein sein Problem. Er möge deshalb einfach einen Raum weitergehen zu den entsättigten Bildern und in Jubel ausbrechen.
    Henry

  26. Sparsamer bewusster Einsatz der Mittel, ist sicher ein gutes Ziel.

    Um das zu erreichen, muss man sich seiner Mittel und seines Könnes bewusst sein und vielleicht auch vieles ausprobiert haben.

    Es geht doch nicht um Jubelarien, es geht doch vielleicht um Anregungen, Meinungen und Sichtweisen. Aus dem alten Trott rauszukommen ist schwierig, auch wenn man sich dessen bewusst ist, wo Schwächen und Stärken liegen.

    Viele Grüße!

  27. Vielen Dank für die rege Diskussion und die Kommentare. Ich fand es sehr interessant die unterschiedlichen Meinungen zu lesen.

    Auf eine Sache möchte ich noch eingehen.

    Die Frage danach, warum ich nicht mal etwas anderes probiere und zeige wurde gestellt. Die Antwort liegt eigentlich schon im letzten Absatz meines Artikels, jedenfalls darauf, warum ich nichts anderes zeige ;-) Ich experimentiere natürlich auch und probiere anderes, aber wenn ich von einem Fototrip zurückkomme und mir die Fotos ansehe, dann gefallen mir meine bunten Fotos einfach besser. Und ich zeige ungern Fotos, hinter denen ich nicht zu 100% stehe. Ich übe und experimentiere aber weiter und irgendwann kommt vll. auch mal ein gutes Ergebnis dabei heraus.

  28. Über Kunst und Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Jeder kann seine Meinung dazu abgeben, aber das war`s dann auch schon. Für den Künstler/ Fotografen muss das gar nichts bedeuten, da du es nie allen recht machen wirst.

    Mach deine Fotos weiter wie bisher und du hast deine Fans und die die es nicht so mögen. Änderst du dich und deine Fotos…genau dasselbe!

    Ich habe schon Handyfotos gesehen, die mich persönlich mehr ansprechen als das „RheinII“-Foto von Gursky. Aber leider spielt das Renommee heutzutage fast eine wichtigere Rolle als das eigentliche Kunstwerk/Fotografie.

    So what…

  29. Ich komme erst jetzt dazu den heutigen Artikel und die Kommentare zu lesen.
    Die Frage lautet für wenn mache ich die Fotos; aus Spaß, verstehe ich mich als Künstler, Mainstream, oder ist das mein Job?
    Ich bin eins mit den Kommentare von DAVID und TOM die meines Erachtens wesentliches dazu geschrieben haben. Dem möchte ich nicht´s mehr hinzu fügen.

  30. wenn man diesen artikel einfach so liest, wie er da steht….zeile für zeile….dann verstehe ich ehrlich gesagt nicht, warum der ein oder andere von „rachefeldzug gegen soundso“ oder „rechtfertigung“ spricht. michael breitung hat lediglich reflektiert, was es mit der seinen bildern gegenüber geäußerten kritik auf sich haben könnte. ohne dabei irgendwen anzugreifen oder zu verurteilen. am ende ist er zu dem schluß gekommen, daß es „seine“ bilder sind und es von daher um „seine“ sicht der dinge geht – und der wichtigste punkt überhaupt: es muß sich richtig anfühlen. und solange es das tut, besteht (meiner meinung nach) kein bedarf, sich anderen bildthemen zuzuwenden. das kommt meist von ganz allein – ohne aufforderung von außen. und dann fühlt es sich auch „richtig“ an.

  31. Ich kann viele Kommentare hier auch nicht nachvollziehen. Weder diejenigen, die behaupten, man solle sich überhaupt nicht um Kritik scheren („never argue for your art“) noch diejenigen, welche die Gegenposition einnehmen. Ich denke, Kritik, sofern sie sachlich ist, anzunehmen, ist wichtig, und sich dazu zu äußern ebenso, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob dieser Beitrag hier notwendig ist oder eine Art „Rachefeldzug“ gegen bestimmte Personen oder Meinungen gewesen sein soll. Im großen und ganzen hat er wohl seine Intention erreicht, nämlich eine Diskussion darüber anzustoßen und verschiedene Ansichten zu lesen. Natürlich sind die Bilder für die einen klasse und für die anderen zu übertrieben und künstlich, das ist doch selbstverständlich. Mir sind sie auch zu farbvoll bzw. gehen mir zu sehr in den Bereich „Fantasy“, gleichwohl finde ich sie technisch und von der Bearbeitung gelungen, im Endeffekt sind sie nicht mehr und nicht weniger als: Geschmackssache.
    Zuletzt sei mir noch der Kommentar erlaubt, dass die Art der Diskussion und generell, DASS sie stattfindet, liebend gerne „typisch deutsch“, wenn das Gegenteil davon mit Begrifflichkeiten wie „Output“ und „Added Value“ bezeichnet wird.

  32. „Ich strebe ein Ergebnis an, das auf mich eine vergleichbare Wirkung hat wie der Moment, an dem ich die Aufnahme gemacht habe. Hinzu kommt der Wunsch, dass diese Wirkung auch anderen nicht verschlossen bleibt. Es geht darum, Gefühle und Erinnerungen zu wecken.“

    Mit dem Absatz triffst du den Nagel auf den Kopf. Es geht doch nicht darum, wie die Szene nun genau in Natura ausgesehen hat, sondern wie du sie wahrgenommen hast. Da spielen Gefühle und Erinnerungen dieses speziellen Augenblicks eine große Rolle. Und genau diese wills du transportieren, dem Betrachter vermitteln. Eben der Blick auf die Landschaft durch deine Augen.
    Tolle Bilder, weiter so! :)

  33. Na wenigstens ist das mal wieder ein Artikel auf kwerfeldein, bei dem es viele Kommentare und soetwas wie eine Diskussion gibt, ohne, dass es was zu gewinnen gibt :D

    „Und ich zeige ungern Fotos, hinter denen ich nicht zu 100% stehe.“
    Auch wenn ich das sehr gut verstehen kann – ausprobieren kann man das schon mal! Einfach um zu sehen, wie darauf reagiert wird. Fällt den Betrachtern der Stilbruch auf? Merkt man den Bildern an, dass du nicht zu 100% dahinter stehst? Ich glaube, das könnte auch sehr bereichernd sein :)

  34. Eine sehr interessante und vielschichtige Diskussion …

    Zitat: „Zum Abschluss stellt sich noch die Frage nach der Austauschbarkeit. Man kann schon sagen, dass sehr viele Landschaftsfotografen mit intensiven Farben arbeiten. Ebenso ist die bevorzugte Zeit, um solche Fotos aufzunehmen zu Sonneauf- und -untergang.“

    Was wäre, wenn an beidem etwas dran wäre? Wenn Michael, wie er es recht anschaulich beschrieben hat, mit seiner Art der Gestaltung (insbesondere Farbsättigung und -verschiebung) das vor Ort sinnlich Erfahrende auszudrücken weiß? Und insofern gar nicht anders kann? Und wenn andererseits aber das Ergebnis im Mainstream des schon zu oft Gesehenen verhaftet bleibt und insofern auf Postkarten- und Spindkalenderniveau zu enden droht?

    Wenn dem so wäre (nur eine Hypothese), dann wären seine Arbeiten zweifelsohne authentisch, aber nicht eigenständig m Sinne einer individuellen und unverwechselbaren Handschrift …

  35. Ach ja,

    noch was :) Schwarzweiß-Landschaftsphotographie ist auch weit von der „realen“ Situation vor Ort entfernt und doch fällt es ihr oft leichter beim „anspruchsvollem“ Publikum. Dem eigenen Stil oder auch Individualismus (Stil ist so festgelegt, so nach dem Motto, oh Gott, sie/er verwendet Velvia, sonst garnicht sein Stil ;) ) ist es meiner Meinung nach zuträglicher sich mit neuen, selbst entdeckten Landschaftsmotiven zu beschäftigen als über die Farbgebung zu diskutieren.

    LG
    Stevie

  36. Ja, eine interessante Diskussion, finde ich auch. Um so mehr wundere ich mich immer wieder über Kommentare, die selbst die kleinste und harmloseste Diskussion nicht wollen. Alles was über „Hauptsache es gefällt“ hinausgeht, scheint manche zu überfordern.

    Und wenn Holger als Redaktionsmitglied schreibt „never argue for your art“… Wozu gibt es dann die Rubrik Bildvorstellung? Einer hält ein Referat und die anderen nicken?

    Und noch an Martin Jäger („wieso sollte ich dann jeden pups erklären und rechtfertigen?“). Der Autor Michael Breitung hat sich für das Gegenteil entschieden und schreibt zum Abschluss „Ich fand es sehr interessant die unterschiedlichen Meinungen zu lesen“. Noch Fragen?

    • Hallo Christoph,
      da Holger nicht der Autor des Artikels ist, kannst du davon ausgehen, dass er einfach nur seine eigene, persönliche Meinung vertritt, wenn er hier kommentiert. In der Redaktion wird nichts abgesprochen und jeder ist frei, eine vom Autor abweichende oder auch ähnliche Meinung zu haben und die hier auch in die Diskussion einzubringen, genau wie andere Leser auch.

      • Hallo Aileen,

        gut zu wissen, dass ihr nicht alle „auf Linie“ sein müsst :)

        Ich wunderte mich nur, dass ein Mitglied der Redaktion indirekt die eigene Rubrik (Bildvorstellung) in Frage stellt. Denn das dort zwangsläufig diskutiert wird und der Bildvorstellende sich meistens auch einmischt und sein Bild erklärt oder „verteidigt“, ist ja zu erwarten.

        Ich finde die Bildvorstellung und vor allem die Diskussion über das Bild jedenfalls gut und interessant und sehe es auch nicht wie Holger, dass man über seine Arbeit nicht streiten oder diskutieren sollte. Aber das muss natürlich jeder selbst wissen.

      • Ich denke, man muss hier auch grundsätzlich zwischen den zwei Artikeln unterscheiden. Der eine ist die Bildvorstellung. Der andere ist der hier, in dem es nicht um ein einziges Foto geht, sondern um viel allgemeiner die persönliche Stilfrage. Das Foto da oben ist ja nur zur Illustration.

  37. Hey Christoph,

    mit dem Satz „never argue for your art“ möchte ich keinesfalls die Rubrik Bildvorstellung in Frage stellen. Darum geht es hier auch überhaupt nicht.

    Ich meine damit lediglich, dass man sich nicht für seine Kunst rechtfertigen sollte. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass ich Diskussionen oder Anregungen in den Kommentaren einer Bildvorstellungen nicht mag.

    Wenn ich jetzt mal von mir ausgehe, finde ich es durchaus interessant, was der/die Betrachter/in von meinen Bilder denkt, oder dazu zu sagen hat.

    Nur sollte niemand davon ausgehen, dass ich deswegen anders fotografieren, oder meine Bilder anders bearbeiten würde.

    Das kann man gerne als Arroganz abstempeln. Ist letztlich aber Selbstbewusstsein im eigentlichen Wortsinn.

    Alles wird gut :)

  38. Holger !
    <
    Nur sollte niemand davon ausgehen, dass ich deswegen anders fotografieren, oder meine Bilder anders bearbeiten würde.
    <
    Versuche es mal, es ist nämlich nicht so einfach.

    Bestes Bsp. die Browserfruits, andere Themen, fast gleicher Bildstil in der Auswahl!

    Viele Grüße

  39. hallo michael

    aus deinen ausführungen schliesse ich eine gewisse unsicherheit deiner arbeiten gegenüber. lehn dich einfach zurück und mach dein ding. es gibt keinerlei regeln, was farbsättigung oder sonst was angeht. fotografie ist frei.

    mir scheinen solche „kritiken“ (denn wirkliche kritik ist das in meinen augen nicht) unangebracht und spiegeln lediglich die eigene persönliche wahrnehmung wieder.

    wenn mir ein foto gefällt, gibt es lob. wenn nicht, behalte ich meine „verbesserungsvorschläge“ für mich.

  40. Zur allgemeinen Verständlichkeit: (Klugscheißermodus an!)

    Schon Ansel Adams und seine Mitstreiter in der Group f/64 haben, obwohl sie die Pictorialisten, welche damals Ihre Landschafts- und Aktfotografien künstlich vor allem durch Weichzeichnung romantisierten, geradezu verachteten, versucht, ihre Bilder durch alle damals zu Verfügung stehenden Dunkelkammertechniken soweit zu bearbeiten, ihren Gefühlszustand (den des Fotografen) bei der Aufnahme dem späteren Betrachter zu vermitteln. (Kernaussage des Verfassers!) Dies findet auch eine Entsprechung in der Definition des „Vintage-Prints“ welcher unter musealer- bzw. Sammlerdefinition innerhalb weniger Wochen nach der eigentlichen Belichtung des Negatives angefertigt worden sein muß, damit die Eindrücke noch frisch waren und optimal in das „feine Bild“ transportiert werden konnten. Spätere Kopien oder Interpretationen (Ansel Adams „Moonrise over Hernandez“ zeigt in späteren Abzügen z.B. wesentlich weniger Wolken und einen helleren Vordergrund) sind demnach nicht mehr dem Vintage-Aspekt zuzuordnen, wenngleich nicht weniger wertvoll!
    Sprich: Kunst, gleich welcher Art ist immer im Kontext der momentanen Verfassung des Künstlers, des Betrachters und auch der Verfassung der Gesellschaft zu sehen. (Klugscheißermodus aus!)

    Also: Macht was euch gefällt, reflektiert es und entwickelt euch weiter!

    Viele Grüße
    Richard

  41. Blogartikel dazu: linkTime – März 2012 – #4 | linkTIME | bhoffmeier.de