08. April 2011 Lesezeit: ~5 Minuten

Stil.

Finde Deinen Stil.

Hört sich einfach an, oder? Ist es aber nicht. Denn „Stil“ kann man nicht kaufen, nicht einfach machen. Stil kann man höchstens versuchen, zu kopieren. Was nach einer gewissen Zeit langweilig wird.

Finde Deinen Stil.

Ich möchte meinen, dass wir heutzutage tendenziell eher damit beschäftigt sind:

  • Finde Deine Kamera.
  • Finde Dein Objektiv.
  • Finde Dein nächstes Objektiv.
  • Dein übernächstes. Kannst ja schon mal sparen.
  • Finde Dein Stativ.
  • Finde Dein Bearbeitungstool.

Und dann findest Du irgendwann Deinen Stil.

Nicht unwichtig. Aber in meinen Augen nur halb so wichtig wie Katzenpeeling.

Stil
Foto: Aileen | Model: Jan

Wie wäre es, wenn wir das Spiel mal rumdrehen würden?

Kaufe irgendeine Kamera, finde Deinen Stil und finde dann Dein Objektiv und den ganzen Rest? Wie wäre es denn, wenn wir die Ausrüstung davon abhängig machen würden, was wir fotografieren wollen und nicht versuchten, mittels toller Objektive und Stative bessere Fotos zu machen?

Vielleicht läuft es ja auch gar nicht so linear ab – erst a, dann b. Trotzdem: Technik ist ein Mittel zum Zweck und nicht um ihrer selbst Willen da.

Finde Deinen Stil.

Gutes Mantra, wie ich finde. Und ganz ehrlich: Wie man den eigenen Stil findet, kann ich gar nicht beantworten. Möchte ich auch nicht. Aber ich möchte das Mantra mal ins Zentrum einer technisierten Kunst, der Fotografie stellen.

Finde Deinen Stil.

Was ist denn Stil?

Nun, unser allseits beliebtes Nachschlagewerk, Wikipedia, sagt unter anderem Folgendes:

Die „charakteristische Ausprägung“ bezieht sich auf Ähnlichkeit bezüglich formaler Merkmale (nicht auf die Gleichheit der Form wie bei Standardisierungsprozessen), die als Gemeinsamkeit dem Gros der Manifestationen/Tätigkeiten jener Epoche, Region, Person, etc. zugeschrieben wird. Ein Stil bildet sich durch die – nicht immer bewusste, aber stets kohärente – Auswahl, Bewertung und Anwendung bestimmter Ausführungsmerkmale. Anhand solcher stilbildender Merkmale lassen sich beispielsweise in den bildenden Künsten Stilrichtungen feststellen. Mit anderen Worten ist ein Stil der Kanon einer Formensprache und Stilbruch das vorsätzliche oder versehentliche Verletzen dieses Kanons.

Man kann – nach mehrmaligem Lesen – diesen Text ganz gut nachvollziehen. Den einen oder anderen bringt das auch schon ein großes Stück weiter – so manchen eher nicht (das alte Wikipedia-Problem).

Ich weiß keine bessere Erklärung, habe aber eine eigene, wesentlich kürzere:

Stil ist meine fotografische Heimat.

Dort, wo ich mich zu Hause fühle. Ich persönlich – um nur ein Beispiel zu bringen – fühle mich in der Schwarzweissfotografie zu Hause. Im Genre der Stockfotografie hingegen fühle ich mich fremd und da wird es mir so ganz und gar nicht heimelig.

Weiter ist das Quadrat mein Wohnzimmer geworden – um die Metapher weiter auszuprägen. Ich finde es perfekt für meine Fotos. Da bin ich, wer ich bin – da werden meine Fotos zu dem, was sie sind. Ans Quadrat kann ich mich rankuscheln – um mal den Bogen der Metapher ganz krass zu überspannen.

Finde Deinen Stil.

Style haben ja meist die andern, nur man selbst nicht – was ein Fehler in der Beobachtung zu sein scheint, weil man an sich selbst zu nahe dran ist. Veränderungen nimmt man an der eigenen Person einfach nicht oder weniger wahr, als ein Außenstehender. Und weil man sich selbst in den meisten Fällen tiefstaplerischer Natur wegen nicht so einschätzt wie die anderen, sind die eh immer viel stylischer.

Finde Deinen Stil.

Wie oben schon besprochen, ist dieser Artikel keine Anleitung, sondern ein rhetorischer Aufruf, die Augen für ein Weilchen von Vollformat, Blendenlamellen oder der Wichtigkeit postprozessialer Prozesse (Photoshop & Kollegen) hinweg zu einer Sache zu lenken:

Was bewegt mein Herz? Wo fühle ich mich wohl? Warum halte ich mich an bestimmten Dingen länger auf, als an anderen?

Oder anders herum:

Was stört mich im tiefsten Innern? Wo fühle ich mich gänzlich unwohl? Und warum halte ich mich an bestimmten Dingen überhaupt nicht auf?

Was ich mit Stil nicht meine: Eine krampfhafte Festlegung, die uns selbst unnötig in unserer fotografischen Freiheit einklemmt. Das hält sowieso nicht lange. Wer sich nicht auf XY einschränken mag, soll es lassen.

Nein, mir geht es um die Spezifizierung persönlicher Vorlieben und die klare Abgrenzung ebenso persönlicher Abneigungen. Das ist ein natürlicher Prozess – der nicht wenig unter dem Einfluss der Intuition steht.

Doch diesem Prozess kann man meines Erachtens mehr Gewichtung geben, wenn man mal den ganzen Technikramsch zur Seite räumt und sich die oben genannten Fragen stellt. Wenn man sich von vorgegebenen Boxen und der Diktatur der Foto-Populärkultur trennt oder sich dem „das war schon immer so / so muss das und nicht anders“-Gesabbel entgegensetzt, ins Träumen kommt und Schritt für Schritt den roten Faden findet, der sich durchs eigene Leben schlängelt bis hinein in die Spitzen fotografischer Bildgestaltung.

Wenn man es zulässt, auf die eigene, vom Informationsüberfluss überdeckte Stimme zu lauschen, die so schwer verständlich ist, weil sie mit der Meinung und den Stilvorgaben anderer ständig zuschüttet wird.

Vielleicht können diese dünnen Silben Anregung oder gar Hilfestellung geben, eins zu tun:

Suche Deinen Stil.

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46 Kommentare

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  1. klasse artikel zu einem schwierigen Thema.
    grade die Ausrüstungsfrage rückt immer wieder in den Vordergrund,
    wovon man aber eigentlich immer absehen sollte find ich.
    Technische Perfektion kann ja aber z.B. auch ein Stilmittel sein… (!?)

  2. Ich habe damit Schwierigkeiten. Finde deinen Stil! So als würde ich in den Wald gehen, hinter ein paar Steinen suchen und – schwupp – da isser schon! Mich fängt das an, nervös zu machen, ich kann gar nicht mehr entspannt fotografieren, wenn ich lese, daß ich „meinen Stil“ finden muß, mein „Projekt“, meine „Serie“, daß ich ohne gar nicht erst erst genommen werde, daß es falsch ist, einfach loszurennen und zu fotografieren. Daß man tunlichst ein Konzept haben soll. Ich habe momentan eine totale Fotoblockade, eben weil ich viel zu verkopft, viel zu „suchend“ an die ganze Fotografiererei rangehe. Es macht so keinen Spaß.

    Ich schränke mich selbst ein, indem ich irgendetwas hinterherlaufe, irgendetwas suche, egal, was es ist.

    Ich weiß schon, daß das hier so ähnlich gemeint ist, nur mich blockiert eben allein schon die Aufforderung: Suche deinen Stil. Ich bleibe dann stehen und fange an zu denken und dann…geht nichts mehr.

    • Hey Susan, ich kann verstehen, dass Du mit den angebrachten Gedanken von mir Schwierigkeiten hast. Lass Dich von so einem Artikel nicht stressen.

      Ich finde es auch überhaupt nicht falsch, „einfach loszurennen und zu fotografieren“ – im Gegenteil. Schau Dir mal meine Fotos an, ich mach‘ das jeden Tag ;)

      Das ist schon Teil der Stilsuche. Und wenn es Dir hilft, einfach ohne Erwartungen und Druck dem nachzugehen: Go for it & vergess jede Theorie. Hau rein, Du machst das schon.

    • den „eigenen Stil“ findet man ja auch nicht mal so auf die schnelle…vielleicht ist innehalten und spüren statt denken der bessere weg…dem zu folgen, was mich begeistert, was mein herz bewegt, was mir auffällt, was ich gern fotografiere…und wie ich das dann ins bild setze…daraus entwickelt sich dann so etwas wie der eigene stil. oder einfach nur schöne/ interessante bilder, die etwas darüber aussagen was mir im leben wichtig ist…

  3. Mmmmh…das ist ein viel diskutiertes Thema…und auch nicht einfach zu realisieren. Denn für den persönlichen Stil gehört eine Menge Erfahrung. Ich persönlich habe auch ehrlich gesagt noch nicht mein Stil gefunden. Dafür experementiere ich noch zu viel. D.h. wenn man sich auf zu vielen Themengebietge bewegt (z.B. People, Panorama, Architektur) kann man auch nicht einen Stil haben. Denn jedes dieser Gebiete verlangt eine explizite und eigenen Vorgehensweise. Somit kann also ein Stil von der Peoplefotografie nicht auf die Panoramafotografie angewendet werden.

    Es wäre für mich persönlich mal sehr schön, wenn ich meine Richtung gefunden habe und dann auch einen Stil entwickele. Denn nur so kann man unter tausende anderen idendifiziert werden und jeder sieht gleich, aaah…dieses Bild ist von X und dieses nicht.

    Grüße Oliver

  4. Oh ja, das Thema beschäftigt mich auch grad sehr. Einen eigenen Stil finden ohne sich dabei einzuschränken.

    Bin mittlerweile ziemlich genervt von der ganzen bunten Flickrwelt, mit all den schönen, perfekten Fotos, die trotzdem alle irgendwie gleich aussehen.

    Ob ich meinen eigenen Stil jemals finde weiss ich nicht – ich lese erstmal Feininger, fotografiere bewusster und schau was passiert …

  5. Tach Susan!

    Wie Martin schon sagt, mach‘ einfach – ’seinen Stil finden‘ kann man nicht mit z.B. Karate Kid vergleichen, meine ich – trotzdem ein klasse Foto im Artikel. Man macht einfach seine Fotos – und das Wichtigste dabei ist nicht was man macht, sondern das ‚dass‘ – zumindest ist es das für mich. Mir hat letztes Jahr mal jemand gesagt, dass der Stil meiner Fotos in gewisser Weise zusagt – für meinen Teil hatte ich nur ein riesen Fragezeichen – ist immernoch so ;o)

    Locker bleiben, fotografieren gehen und ne gute Zeit dabei haben ist schonmal ein guter Anfang für alles – Stil kommt, keine Sorge.

  6. Stil braucht man einen oder ist man einer. Ich finde und empfinde das, als wichtig was man aus seiner Arbeit tut und macht und du hast die Stockfotografie angesprochen und sie als nicht deinen Stil empfunden andere hingegen haben genau diese Motive als Stil und ich denke jeder der die Fotografie mag und ich meine Fotografie und nicht geknipse in form von ach Watt auch immer …

    und die Technik ist denke ich eh so unwichtig wie der pim..l vom Papst um mal bei Metaphern zu bleiben. Ich erziele mehr spaß und Kreativität mit meinen alten analogen Kameras und den alten objektiven an den neuen Digis…und wenn man seinen Stil gefunden hat, ist es nach einer Zeit also für mich eh wieder langweilig denn ich finde man kann eine Richtung haben oder einen Wiedererkennungswert aber einen Wiedererkennungswert und immer nur den einen hm.. das will ich vielleicht nicht.

    Schweres Thema aber sehr aktuell und total interessant.

  7. Hallo Martin,
    lesenswerter Artikel. Leider läuft Dein Gedanke unserer Sozialisation und „Wirtschaftskultur“ zuwider. Wo wäre unsere Wirtschaft und das Wachstum, wenn wir von unserem – antrainierten? – „Wer hat den Größen/Längsten“-Denken abweichen würden?

    So, ich widme mich jetzt wieder meiner Stil-Suche.

    • Ja, das stimmt schon, Michael – viel Vergleichsdenken bekommen wir quasi „in die Wiege gelegt“ – spätestens in der Schule geht’s ja oft schon los. Ellenbogen raus und so… Ist ne große Kiste, glaub ich und oft gar nicht so einfach, da auszusteigen… Könnten wir hier auch mal wieder thematisieren…

  8. Die Diskussion über den Stil finde ich sehr schwierig. Ich fotografiere seit über 10 Jahre und habe immer noch keinen Stil gefunden. Ich bin aber auch der Meinung, dass man nicht immer einen festgefahrenen Stil haben muss, ich fotografiere nach Tagesform, nach Gefühl, abhängig von der Situation. Mal bin ich nah dran, mal weit weg, mal werden die Fotos kalt, ein anders Mal werden sie warm. Was ich aber sagen kann ist, dass die Qualität der Fotos nicht von der Kamera und der Technik abhängt, wobei hier Qualität für das Bild an sich (Gestaltung und Inhalt) und nicht fürdie Pixel-anzahl und die Schärfe steht.

  9. Wobei da m.E. noch hinzuzufügen ist, dass der eigene Stil sich dann (oft auch unbemerkt) über die Jahre hinweg verändert. Getönte Fotos, kontrastarme Fotos, kontraststarke Fotos, schräge Perspektiven, alles perfekt arrangiert und mit dem Millimetermaß ausgemessen. Und das ganze dann in Rotation.
    Inspiration gibt’s überall, und sie wirkt sich oft auf die eigenen Fotos aus. Und das ist gut so.

  10. Das Thema beschäftigt mich schon lange. Irgendwie scheine ich meinen Stil noch nicht gefunden zu haben. Mein Stream sieht immer irgendwie zusammen gewürfelt und in sich wenig stimmig aus. Da mögen die einzelnen Fotos ganz nett sein aber sie sind schwer als Gesamtheit zu betrachten.
    Und dann blätter ich mich durch meinen Stream und suche nach Merkmalen die wieder und wieder auf tauchen… suche.. und finde aber nichts Greifbares.
    Vielleicht ist mein „Stil“ die teilweise doch sehr starke Bearbeitung – und da diese bei jedem Foto anders ausfällt, wirkt das Ganze auch chaotisch?
    Es ist schwierig. Ich befinde mich noch in der Anfangsphase – seit einem Jahr! Ich habe das Gefühl ich komme gar nicht vorwärts… ich sehe schon wie ich mich technisch verbesser aber eine Orientierung finde ich nicht. Ich weiß noch nicht so genau was ich will. Mal ziehe ich los und mache Blümchenfotos, mal arrangiere ich irgendwas oder versuche mich an einem Selbstportrait, mal experimentiere ich z.B. mit Lightpainting usw usf und vor allem nehme ich auch an verschiedensten Projekten teil. So halte ich mich am laufenden – kreativ und produktiv, finde aber natürlich nicht die eine meine Richtung.
    Beispielsweise stehe ich aktuell vor einer Objektivfrage – genau wie du es im Artikel ansprichst. Makro oder Weitwinkel? Zwei ganz unterschiedliche Richtungen und beides reizt mich sehr! Was würde mich eher fesseln? Womit möchte ich mich erst mal länger beschäftigen?
    Ich wünschte sehr ich würde „meinen Stil“, wie du sagst, „finden“ – und dann auch gerne kontinuierlich weiter entwickeln, aber erst mal eine Basis haben. Das wäre schön. Wenn jemand ein Foto sieht und sagen kann „Japp, das passt zu dir, da sieht man sofort, das hast du gemacht“
    Einen Stapel Fotos als eine Einheit betrachten können statt als zusammengewürfelten Haufen. Nur wie geht das?

    Der Point.

  11. Richtig.
    Ein Fotograf, der am eigenen Stil erkannt wird, hat es geschafft. Oft zwar nur eine geringe Halbwertzeit – aber das dürfte nur Professionelle interessieren. Und die sollten auch adaptieren können. Sonst haben sie es nicht anders verdient.
    Außerdem: Der Weg dorthin ist doch das eigentlich interessante. Wie so oft.

  12. Interessante Gedanken und ein guter Artikel.

    Ich glaube man kann seinen eigenen Stil gar nicht „fassen“ oder „ganzheitlich erkennen“ geschweige denn planen oder ähnliches… denn ein wichtiger Teil des Stils sind Feinheiten die vielleicht nur Außenstehenden auffallen (können)… und Dinge die jede Persönlichkeit unbewusst mit in ihre Fotografie bringt.

    „Ein Stil bildet sich durch die – nicht immer bewusste, aber stets kohärente – Auswahl, Bewertung und Anwendung bestimmter Ausführungsmerkmale.“

    „…nicht immer bewusste,..“ ist ein wichtiger Teil dieses Satzes, finde ich.

    Im Flow treiben lassen und nicht bei der Stilsuche verkrampfen ;)

    LG

    • Schließe mich Deinem Gedankengang an. Ich glaube auch, dass ein außenstehender Betrachter den eigenen Stil viel eher erkennen kann als man selber. Es sei denn, man legt sich selber einen Standard auf – was aber nach obiger Definition kein Stil ist.

      LG
      M.

  13. Zu Sunsans Einwand: Ich denke, es kann Jahre dauern, bis man seinen eigenen Stil findet. Vielleicht nimmt man ihn selbst sogar nicht einmal wahr und sitzt im Schaukelstuhl mit 85 Jahren und jemand sagt: Ihr Stil ist ja das und das…

  14. Anregender Artikel. Möchte meinen, dass der Aspekt der Wahrnehmung (Bewertung) der eigenen Arbeit viel beschäftigt. man hört doch immer wieder Kommentare wie „…sieht ganz nach dir aus…“ oder „…darin erkenne ich dich wieder…“ ect. und kann nur schwer nachvollziehen, was von außen da als „typisch“ oder „charakteristisch“ bezeichnet wird.
    Ich finde auch, Vorsicht ist geboten, wenn es um die Festlegung eines Stils geht. Mit Frechheit hinter der eigenen Experimentierfreude stehen! und dass sich die Interessen und somit die Kompositionen verändern, würde ich als Entwicklung bezeichnen.
    Mut zur Autentizität :-) ich weiß, leicht gesagt, aber eigentlich auch nicht völlig unerreichbar, wenn Kopf und Ehrgeiz ein wenig Raum lassen…

  15. „Finde Deinen Stil ist mir zu zielgerichtet und auffordernd“. Ich würde sagen: „Fotografiere mit Spass an der Sache udn genieße Deine Ergebnisse. Alles andere (inkl. Stil) kommt von selbst.“

  16. Toller Artikel, doch bin ich mit etwas noch nicht ganz einverstanden:
    ich finde nämlich dass der stil teilweise von den Objektiven beeinflusst wird.
    Wenn ich meine Bilder vergleiche die ich mitn Standard-Kit gemacht hab, und dann die mitn 50er 1.8 dann merke ich einen extremen unterschied, und da meine ich nicht die schärfe! Klar ich habe mich weiterentwickelt in der fotografie, doch hat mir das 50er zb eine ganz andere Fotografie gelehrt und einen ganz anderen Blick auf die Dinge, wie man sie zu fotografieren hat… mittlerweile denke ich einfach schon an Sachen wie DOF beim fotografieren, damit die bildwirkung dem entspricht wie ich es empfinde!

  17. Hallo Martin,

    schön mal wieder einen Artikel von dir zu lesen. Ich finde es extrem schwierig den eigenen Stil zu finden… Es gibt meiner Meinung nach nicht das Patentrezept.

    Du schreibst:
    „Was bewegt mein Herz? Wo fühle ich mich wohl? Warum halte ich mich an bestimmten Dingen länger auf, als an anderen? […]
    Was stört mich im tiefsten Innern? Wo fühle ich mich gänzlich unwohl? Und warum halte ich mich an bestimmten Dingen überhaupt nicht auf?“

    Ich persönlich finde, so einfach ist es nicht…
    Klar kann ich auf das hören, was mir mein Herz sagt und klar fotographiere ich als Hobyphotograph das an dem ich interessiert bin und die Sachen welche mir Spaß machen, aber das bringt mich noch lange nicht zu meinem eigenen Stil.

    Ich befinde mich z.Z. in einer Phase, in der ich mich sehr mit meinen bisherigen Photos beschäftige (fotographiere seit 8 Jahren hobbymäßig). Daher habe ich in den letzten Tagen mal über meine FP geschaut und viele ältere Bilder nochmals angeschaut. Klar habe ich festgestellt, dass sich meine Fotos klar und deutlich verbessert haben, zum einen durch mein technisches Verständnis, welches sich mit den Jahren entwickelt hat, zum anderen auch durch meine technischen Vorraussetzungen.

    Jedoch würde ich von mir selbst nicht behaupten einen eigenen Stil zu haben, bzw. kann diesen nicht erkennen.
    Hoffe nicht, dass ich der einzige bin, dem das so geht, falls doch, bemitleidet mich bitte :-) !

    • Hallo Jens, nun ich denke, dass Du garantiert nicht der Einzige bist, dem das so geht. Ich denke, es fällt einem selber sowieso schwerer, den eigenen Stil zu erkennen bzw. zu definieren. Aber kein Stress… Wünsche jedenfalls Dir viel Erfolg weiterhin beim Fotografieren.

  18. Ich steh mit der Fotografie noch am Anfang, und deshalb suche ich auch noch gar nicht nach meinem Stil. Ich fotografiere weil es mir Spaß macht. In ein paar Jahren, wenn es vielleicht langweilig wird, denke ich über Stil nach. Aber momentan geh ich einfach raus und fotografiere, was ich schön, interessant, hässlich, bemerkenswert finde. :-)
    Rheinländische Grüße,

    Marcel

  19. Servus Martin,

    lese deine Artikel immer mit großem Überraschungsfaktor: „Wow, was kommt jetzt“. Und am Ende ist es immer so, als hätte mich einer angestupst: „So, jetzt Du, wo findest du dich da wieder“.

    Aber es stimmt schon, das die Gesellschaft und die Medien uns etwas verkehrtes Lehren. Fährst du einen M3 bist du ein Rennfahrer und läufst du mit einem 85 L 1.2 herum, dann machst du nur 1A Fotos. Dabei geht es nur um Aufmerksamkeit und wenn es auch nur für 1 Minute ist.

    Ein Beispiel: Ich sitze im Rollstuhl und bin stark Behindert. Ich wollte vor kurzem mal schöne Fotos von mir haben, so wie ich halt bin. Keine der Fotografen hat ein Foto von mir gemacht, mit mir und dem Rollstuhl. Auf allen Fotos war nur das Normale und Cleane zu sehen. Ich habe mich nicht auf den Fotos wiedererkannt, als Mensch und Persönlichkeit.

    Wieso nicht Menschen ohne Arme und Beine, geistig Behindert, Blind oder im Rollstuhl zu fotografieren, wie sie sind. Man sollte als Fußgänger die scheu davor verlieren. Wenn ein Behinderter nicht fotografiert werden möchte, sagt er das schon. Machen Fußgänger doch auch.

    Das geht mir schon lange im Kopf herum, und das wird vielleicht mein Stil und Projekt für die Zukunft.

    P.S. Martin, machst Du deine Fotos gleich in S/W. Oder erst in Farbe und wandelst sie dann in Monochrom um.

    Wünsche euch noch ein schönes Weekend

    LG Mark

    • Hey Mark – danke für Deinen ehrlichen & offenen Kommentar, das bringt mich sehr zum Nachdenken, was Du da schreibst.

      Zu Deiner Frage: Ich lasse mir standardmässig von der Kamera auf dem LCD Schwarzweiss anzeigen, fotografiere aber in RAW (und das ist immer Farbe). In Lightroom werden die RAWs dann wieder in Schwarzweiss umgewandelt und finalisiert.

      Das schöne Wochenende wünsche ich Dir auch!

  20. hallo martin

    danke für den erhellenden artikel. du sprichst damit eine sache an, die mir schon seit längerem durch den kopf geht und auch manchmal ziemliches kopfzerbrechen bereitet.

    das problem scheint mir, die ständige visuelle reizüberflutung so zu filtern, dass so etwas wie ein eigener stil ermöglicht wird. lange zeit versuchte ich die „perfekten“ bilder, die man in der stockfotografie sowie auf diversen vorzeigeforen, wie z.b. „500px“ sieht mehr oder weniger zu kopieren, was mir natürlich nicht gelungen ist, da mir weder die technische ausrüstung, noch ein entsprechendes bildbearbeitungsprogramm zur verfügung stehen. ganz zu schweigen von der benötigten zeit, die nötig wird, sich in photoshop und co so einzuarbeiten, dass man es beherrscht.

    somit konzentriere ich mich zur zeit ebenfalls auf die s/w-fotografie, bei der das motiv wieder in den vordergrund rückt, die bildaussage der kernpunkt wird. eine, wie ich finde, interessante gallerie ist die leica gallery. dabei fällt auf, dass selbst in den sog. master shots ausschliesslich „natürlich“ belassene fotos ihren platz finden, die allerdings in ihrer bildwirkung zum teil gewaltig sind. die leica-philosophie gefällt mir daher sehr gut, sich auf das wesentliche zu konzentrieren.

    wenn die cam’s nur nicht so unverschämt teuer wären…….. :-)

    gruss

    mycle

  21. Interessanter Artikel,

    Aber hier dann doch meine Frage, was ist wirklich Stil? Ist es Stil wenn man was Fotografiert was dann auch anderen gefällt? Stil hat meiner Meinung nach nichts mit Technik zu tun oder in welchem Fotografischen Umfeld man sich befindet. Sondern Stil ist meiner Meinung nach die Unterschrift des Fotografen in Form von Zusammenstellung und angewendeter Technik zur Darstellung eines Bildes. Stil ist es in meinen Augen dann wenn man auf ein Bild schaut und direkt daraus sehen kann wer es geschossen hat. Die Bilder müssen nichtmal besonders gut sein oder Technisch allen regeln entsprechen( Goldener Schnitt, Perfekte Belichtung, Blende etc. ) Sondern einzigartig sein.

    Das Ist schwierig das zu finden sich los zu machen von allen Betrachtern und das zu machen was man machen will und nicht auf die Kommentare zu hören die einem immer wieder sagen so Fotografiert man nicht das ist nicht Regelkonform. Wenn ich so etwas höre denke ich mir immer wieder. Wir sind Fotografen, Fotografen sind Künstler und in der Kunst gibt es keine regeln, zum mindestens keine die man nicht brechen darf.

    Ich finde jeder sollte seinen eigenen Stil finden und nicht den Stil anderer Menschen Adaptieren nur weil man die Fotos selber schön findet. Weil so entdeckt man nie seine eigene Persönliche Marke.

    Gruß Philipp

  22. Ich fotografiere seit Jahren und bin in meinen Augen „stillos“. Ich würde gerne einen Stil haben bzw. finden, einen Stil, bei dem andere sagen: das ist von Sabine! Einen Stil, der mit mir identifiziert wird.

    Ich fotografiere dies und das. Und ich denke, ich mache das nicht schlecht. Aber halt alles. Vielleicht ist das schon falsch? Ist Spezialisieren eine Art von Stil?

    Wenn mir bestimmte Stile von anderen gefallen, kopiere ich sie teils. Das kann es doch aber auch nicht sein? Ich frage mich immer, wieso haben diese Leute diesen Stil so und nicht anders und wieder erkennbar? Wieso klappt das nicht bei mir.

    Ich würde gerne mal die Frage an die Leute mit Stil stellen: wie habt Ihr Euren Stil gefunden? Und wodurch wurde Euch das klar?

    Danke.

    Sabine

  23. Was für ein sensationelles Thema!!! Darüber zerbreche ich mir schon seit einigen Monate den Kopf.
    Zu folgender Erkenntnis bin ich dabei bisher gekommen:

    Fotograf ist nicht gleich Fotograf! Es hängt davon ab, was Du mit Deinen Bildern machen möchtest!!! Willst Du sie in Gallerien ausstellen und als Kunst präsentieren oder willst Du damit auf dem harten aber lokrativen Markt der Werbefotografie etc. Geld verdienen?
    Kunst oder Kommerz?
    Ich denke seinen eigenen Stil unter dem Aspekt der „Kunst“ zu finden ist gar nicht so schwer. Da gibt es eben keine Regeln und Du kannst wirklich genaus DAS machen was DU willst. Und ich denke jeder hat Vorlieben oder einen Fetisch für bestimmte Dinge…
    Was jedoch hinzukommt ist, dass wir Anerkennung für unsere Bilder möchten und eben Motive nicht NUR für uns aufnehmen sondern veröffentlichen und zeigen. Und da fängt das Problem an! ! !

    Willst Du auf dem freien Markt im Haifischbecken überleben und damit Geld verdienen, musst Du Dich wohl oder übel an gewisse Spielregeln halten. Der Spielraum seinen eigenen Stil dabei zu finden ist stark eingeschränkt.
    Wenn ein großer deutscher Katzenfutterhersteller eine neue Kampagne startet, bucht er für das Shooting ein Spezialisierten Fotografen für Tiere. Am besten spezialisiert auf Katzen. Soviel zum Thema „warum muss ich mich spezialisieren-das schränkt mich nur ein!“

    Fazit: Wenn man nicht von dem Gedanken ablassen kann „auf Krampf“ seinen eigenen Stil zu finden, sollte man vielleicht wirklich für einen gewissen längeren Zeitraum einfach NUR und AUSSCHLIESSLICH für sich SELBST fotografieren ohne sich die Meinung anderer einzuholen. Ich denke so erfährt man selbst am meisten übersich und was sein eigener Stil ausmachen könnt.

  24. Hallo Martin,
    ein sehr interessanter Artikel zu einem Thema, welches mir selbst auch immer wieder Kopfschmerzen bereitet.

    Seinen Stil finden…
    Ich sehe mir Fotos von den verschiedensten Fotografen an… und mir fällt dabei auf, dass jeder Fotograf dabei immer wieder kehrende Elemente in seinen Bildern hat.
    Man kann diese also – sofern man auch andere Bilder des Fotografen kennt, immer wieder dieser Person zuordnen.
    Aber haben diese Fotografen dadurch wirklich einen „eigenen Stil“?
    Lege ich die Bilder von verschiedenen Fotografen nebeneinander, verschwimmt diese Abgrenzung.
    Die Bearbeitung der Bilder, die Motive fangen an sich anzugleichen – von 5 Fotografen sehen die Bilder auf einmal doch fast alle wieder „gleich“ aus.

    Wir werden in der heutigen Zeit mit so vielen Visuellen reizen konfrontiert – dass man schnell anfängt, den Stil eines anderen zu kopieren – weil es einem selber gefällt… kann man dann aber sagen, man hat „seinen Stil“ gefunden?

    Ist es wirklich das Kopieren von anderen, mit dem man sich versucht zu identifizieren?

    Ich ertappe mich selbst immer wieder dabei…
    Ich bin auch auf der Suche nach meinem eigenen Stil – kann mich aber irgendwie auch nicht festlegen…
    Je nach Stimmung, Finanziellen und Zeitlichen Aspekten zieht es mich mal nach draußen, einfach Fotografieren, was mir vor die Linse kommt und mir gefällt (Tiere, Pflanzen – gelegentlich Landschaften) – oder mal das ein oder andere Street…
    Dann wieder Studio – Personen, mal Akt, mal nicht – gerne mal etwas „flippiger“ – dann wieder melancholisch.

    Mir fällt dabei aber auf, dass ich bei den Bildern keinen „roten Faden“ erkennen kann.
    Nichts, was auf einen eigenen Stil hin schließen lässt…
    Bislang sind meine Bilder ein Sammelsurium verschiedenster Techniken und Aufnahmebereiche.

    Ich habe zwar schon festgestellt, welche Richtungen mich z.B. gar nicht reizen und interessieren – mehr aber auch nicht.

    Und ich stelle fest, dass ich – ähnlich wie manch anderer in den Kommentaren erwähnt hat – mich auf der Suche nach einem eigenen Stil selbst blockiere – ich stehe mir selbst im Weg, weil ich krampfhaft versuche, diesen in meinen Bildern zu finden und einfließen zu lassen…

    Es ist allerdings auch schwer, seinen Kopf frei zu bekommen von solchen Gedanken, wenn man mehr Zeit zum Nachdenken hat, wie zum Fotografieren :)