26. Januar 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

FREELENSING


Fotoeffekte mit minimalem Aufwand und sogenannten „Kamera Hacks“ zu erstellen finde ich superspannend. So manche Leser werden sich an meinen Post „Mit einem Trick extreme Makro-Fotos machen“ erinnern, in dem einfach ein Objektiv vor ein anderes gehalten wird.

Heute zeige ich Euch einen weiteren Trick, der in die gleiche Kategorie passt und auf den ich gestern in diesem Artikel aufmerksam wurde.Damit kann es uns gelingen, Tiltshift-ähnliche Effekte mit der Kamera zu erzielen, ohne ein echtes Tiltshiftobjektiv zu besitzen. Klingt gut, oder?

Das Ganze nennt sich Freelensing – und kommt daher, dass wir das Objektiv von seinem gewohnten Platz befreien. Es ist anzunehmen, dass dies ein uralter Trick ist, der nun einfach wiederentdeckt wurde und den die „alten Hasen“ unter den Lesern schon längst kennen. Ich kannte ihn bisher nicht.

Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Wir nehmen das Objektiv kurz ab, und setzen es an die Kamera, ohne es wieder draufzuschrauben. Dann winkeln wir das Objektiv nach links, rechts, oben oder unten an und dadurch verschiebt sich die Schärfe-Ebene.

Wem das zu kompliziert ist, hier mal eine Grafik von Luke Roberts, der den ursprünglichen Blogartikel geschrieben hat.

Als ich gestern diese Grafik sah (und die Ergebnisse auf der Webseite), hab ich mir sofort meine 30D und das 50mm 1.4 genommen und einwenig damit herumgespielt. Nach 20 Minuten Übung hatte ich den „Dreh“ raus – hier ein paar Beispielbilder von gestern:


{Tipp: Klick = Bilder größer, dann mit Pfeiltasten durchblättern}

Mir hat es jede Menge Spaß gemacht, mit diesem Trick die Schärfeebene zu verschieben und alltäglichen Foto einen schicken Look zu verpassen. Natürlich möchte ich darauf hinweisen, dass ich die Fotos in Lightroom farblich noch editiert habe.

Wem meine Beispielbilder noch nicht genug sind, der kann sich ja mal das, dieses, das oder jenes Foto anschauen. Oder einfach die Freelensing-Gruppe auf Flickr besuchen.


Anwendungstipps

Bei meiner Canon EOS 30D habe ich einfach das Objektiv abgeschraubt (+wieder angesetzt) und dann die Kamera eingeschaltet. Auf dem Display steht dann die Blende auf f/00 – das braucht mich aber nicht weiter irritieren. Auch bei Nikon-Kameras soll das im M-Modus funktionieren (liebe Nikon-Leute, hier noch ein wichtiger Hinweis von Frank) . Zu Sonykameras gibt es eine Information bei Luke Roberts.

Ich selbst habt das Freelensing mit dem 50mm und zwei Weitwinkel-Zoom-Objektiven ausgetestet. Dabei konnte ich nur mit dem 50mm 1.4* den Effekt erzielen, da dieses Objektiv eine große Glasfläche auf der Objektiv-Rückseite hat, die es mir erlaubt, trotz abgenommenem Objektiv zu fotografieren. Andere Objektive habe ich noch nicht getestet.

Klingt kompliziert? Einfach mit unterschiedlichen Objektiven ausprobieren – mit manchen wird es funktionieren, mit anderen nicht und hängt mit der Bauart des „Glases“ zusammen.

Um diesen schönen Tilt-Shift Effekt zu erzielen, reicht es völlig aus, das Objektiv nur ganz leicht hin-und-her zu bewegen. Das braucht einwenig Übung, aber nach einer gewissen Zeit bekommt man da ein Gefühl dafür.

Wenn Licht seitlich am Objektiv vorbei in die Kamera dringt, kann es zu witzigen Lichteffekten auf dem Foto kommen – ich habe das aber bisher noch nicht geschafft ;) Also keine Sorge, wenn es nicht sofort funktioniert.

Hinzukommt, dass jedes Objektiv mit dieser Technik einen kleinen Einsatzradius hat (betrifft den Objektabstand zur Kamera). Auch das werdet ihr selbst herausfinden, aber seid nicht überrascht, wenn ihr manche Dinge nur schwer oder gar nicht scharfstellen könnt.

Vorsicht

Wie sicher schon einige von Euch bemerkt haben, kann es sehr gut passieren, dass durch das Abnehmen der Linse Staub auf den Sensor gelangt.

Um das möglichst zu vermeiden, empfiehlt es sich, diesen Trick nur in einer windstillen und relativ staubfreien Umgebung einzusetzen. Meine Empfehlung: Bei längerem Einsatz nicht draussen in der Natur und (gar nicht) bei feuchten Wetterbedingungen. Ausserdem sollten wir darauf achten, das Objektiv nicht zu weit bzw. zulange von der Kamera zu entfernen.

Noch ein Tipp: Immer die Kamera mit dem Kameragurt umhängen. Falls die Kamera offen auf den Boden fällt, ist das nicht so angenehm (weder für die Kamera noch für den Besitzer).

Letzte Hinweise & Fazit

Freelensing ist eine super Idee, um mit einfachsten Mitteln interessante Bildeffekte zu erzielen. Mit ein bisschen Übung kann das ein zusätzliches Tool sein, um unsere Fotos spannender zu gestalten und u.U. das gewisse i-Tüpfelchen sein. Und eine Sache wird hier groß geschrieben: SPASS.

Aber: Freelensing ist meiner Meinung nach kein adäquater Ersatz für ein dementsprechendes Tilt-Shift-Objektiv*, weil wir bei dieser Technik das Objektiv von der Kamera abnehmen müssen. Die Kamera ist also offen – darüber müssen wir uns bewusst sein.

Trotzdem macht’s ne Menge Spaß – und deshalb habe ich ja auch diesen Artikel geschrieben ;)

So und jetzt wünsche ich Euch viel Spaß beim Freelensing! Wer Lust hat, kann seine Erfahrungen hier gerne kundtun bzw. Fotos mit der Technik dürfen gerne mit Link angegeben werden. Freue mich!

*Dies ist ein Affiliate Link. Wenn Ihr darüber bei Amazon etwas bestellt, bekomme ich eine kleine Providsion, ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.

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