30. September 2021 Lesezeit: ~5 Minuten
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kurz erklärt: Wie wird man Ambassador*in?
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kurz erklärt: Wie wird man Ambassador*in?

Der Wunsch, Ambassador*in für eine Firma zu werden, scheint groß, denn Fragen dazu haben uns schon öfter erreicht: Wie wird man das? Was bekommt man dafür? Warum gibt es überhaupt Ambassador*innen?

All diese Fragen habe ich an Harald Bauer weitergegeben. Er ist Produktmanager bei Sigma und hat schon vor 25 Jahren das erste Ambassadorprogramm für den Kamera- und Objektivhersteller ins Leben gerufen. Er hat entsprechend viel Erfahrung, betont jedoch auch, dass die Programme bei jeder Firma etwas anders aussehen können.

Tatsächlich heißen sie auch überall etwas anders: Manchmal nennt man sie auch Markenbotschafter*innen oder wie bei Sigma „Referenzfotografen“. Im Grunde handelt es sich aber immer um Menschen, die eng mit einer Marke verbunden sind und diese mit ihrer Arbeit repräsentieren.

Als das Ambassadorprogramm von Sigma ins Leben gerufen wurde, war Harald Bauer für den Customer Support bei Sigma zuständig. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, entsprechend gab es Youtube-Reviews oder ausführliche Onlinetests noch lange nicht.

Deshalb mussten sich die Leute über Mundpropaganda informieren oder die Testberichte in einem der wenigen Foto-Magazine des damaligen Marktes nutzen. Diese vergaben Sternchen für die einzelnen getesteten Produkte und erst, wenn ein Objektiv vier bis fünf Sterne bekam, hatten die Leute ein gutes Gefühl und kauften auch.

Herr Bauer beschloss damals, aus jedem Bereich der Fotografie verschiedene spezialisierte Personen zu suchen, die bereits mit Ausrüstung von Sigma arbeiteten. Er fand einen Fallschirmspringer, einen Taucher, einen Rennsportfotografen, einen Tier- und Makrofotografen und so weiter.

Sein Gedanke dahinter war, dass andere sich im damals noch neuen Internet an diesen Menschen orientieren könnten. Nach dem Motto: Wenn die Person aus 3.000 m Höhe mit der Kamera aus dem Flugzeug springt, eine andere Person damit 20 m tief taucht und die nächste wiederum mit der Technik in der afrikanischen Wüste arbeitet, dann kann das Objektiv für mein persönliches Einsatzgebiet ja nicht falsch sein.

Ambassador*innen sind also Vorbilder. Profis, die zeigen, dass man sich auf die Produkte auch unter extremen Bedingungen verlassen kann.

Die eigene Person als Aushängeschild einer großen Firma – das klingt natürlich nach Ruhm, Erfolg und Geld – entsprechend viele Anfragen bekommt Herr Bauer auch. Anfragen von Menschen, die sich kostenfreie Technik und regelmäßige Bezahlung erhoffen. Warum man mit solchen Absichten keine Chance hat, erklärte er mir auch.

Ihm ist wichtig, dass sich die Menschen mit der Marke identifizieren und ehrlich und authentisch berichten. Fließt Geld oder ein größerer Wert an Technik, ist die Meinung nicht mehr unabhängig. Und sobald eine andere Firma mehr Geld anbietet, sind all jene, die nur aus finanziellen Gründen mit dabei sind, auch sehr schnell wieder weg.

Gegenseitiges Vertrauen, aufrichtiges Interesse an der Marke und Loyalität kann man nicht kaufen. Davon ist man bei Sigma überzeugt. Deshalb gibt es keine finanziellen Vorteile für die Ambassador*innen.

Allerdings werden sie für Zeitschriftenartikel empfohlen, für Workshops, Tutorials und Vorträge gebucht. Diese Arbeit wird dann selbstverständlich auch bezahlt. Zudem bekommt man in der Ambassadorposition auch mal einen Prototypen in die Hände und darf diesen vor allen anderen testen. Für Techniknerds also durchaus ein Gewinn.

Wie wird man nun Ambassador*in?

Die Referenzfotograf*innen für Sigma kamen häufig über Zufälle ins Programm. Eine Empfehlung, ein Magazinfeature oder einfach ein Treffen auf einer Messe. Wichtig ist, dass man die Marke bereits aus Überzeugung nutzt und das Zwischenmenschliche stimmt. Schließlich möchte die Firma ja dauerhaft mit den Ambassador*innen zusammenarbeiten. Zudem sollten die fotografischen Werke überzeugend sein, Betrachtende animieren und die Eigenschaften der Produkte unterstreichen.

Zum Schluss habe ich auch noch kurz mit meinem Redaktionskollegen Christian Ahrens gesprochen. Er ist selbst Ambassador für Fujifilm und kann dadurch die eigentliche Frage aus persönlicher Erfahrung heraus beantworten: Wie wird man Ambassador*in?

Christian ist damals proaktiv auf Fujifilm zugegangen, weil er von der Marke überzeugt war und seine Erzählung deckt sich mit dem, was auch Harald Bauer von Sigma schon berichtete:

Wenn man Ambassador werden möchte, sollte man nicht auf Vorteile hoffen, auf tolle Unterstützung oder womöglich auch Geld, sondern man sollte es aus dem Herzen heraus tun. Also etwas für eine Marke tun wollen, weil man sie klasse findet, weil man sie cool findet, weil man sie unterstützen möchte. Das war mein Ansatz und das finde ich ist das Wichtigste.

Ich hoffe, ich konnte Euch wieder eine Antwort auf Eure Fragen geben. Hat sie Euch überrascht oder habt Ihr vielleicht nach dem Hören weitere Fragen zum Thema? Dann schreibt sie mir doch gern an kk@kwerfeldein.de. In diesem Sinne: Nächste Frage, bitte!

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11 Kommentare

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  1. Schöner Artikel,

    nur bei allen Genderbemühungen Ambassador ist das engl. Wort für Botschafter/in. Jetzt das Englische Vokabular, zu gendern ist ein bissel übertrieben, da es hier keine weibl. Form gibt.
    Sprecht doch einfach von Markenbotschafter/in.

  2. Viel mehr interessiert es mich was jemand bewegt so etwas werden zu wollen.

    Möchte man Geld?
    Möchte man Geräte umsonst bekommen?
    Möchte man eine Plattform für seine Bilder bekommen?
    Imageprothese?

    Fragen über Fragen auf die gerne eine Antwort hätte. Leider bleibt der Text sie mir schuldig.

    Um eine Verknüpfung mit den Landschaftsfotos aus der Bretagne herzustellen frage ich mich weiter welche Art von Fotos die Industrie von ihren Botschaftern sehen möchte. Auf jeden Fall keine die in der Lage sind anzuecken. Eher solche Langweiler wie wir sie gerade hier, in Prospekten, auf Messen etc. sehen. Also Landschaften ohne Inhalt, in knalligen Farben, die immer gleichen Sehweisen usw., Tierbilder, Portraits wie Modefotos und all der andere Kitsch der völlig austauschbar ist.

    Übrigens: wenn ich Berichte von sog. Botschaftern sehe blättere ich sie ungelesen weg. So auch von einem gewissen Herrn der von Fuji überzeugt ist. Glaubt denn irgend jemand ernsthaft daß man von einem sog. Botschafter eine ausgewogene oder gar kritische Bewertung bekommen könnte? Wahrscheinlich können sie gar nicht so schnell Fuji aussprechen wie sie EX-Botschafter sind wenn sie sich kritisch zu ihrer Marke äußern.

    • Liebe Beate,

      schön dich hier wieder zu sehen! Ich verstehe aber schon wieder nicht:

      Warum, und du scheinst ja schon fast Alles gesehen zu haben, schaust du dir die “ knalligen Farben, die immer gleichen Sehweisen usw., Tierbilder, Portraits wie Modefotos und all der andere Kitsch der völlig austauschbar ist.“ denn immer noch an, wo du sie doch lieber „ungelesen weg“ blättern willst? Bist du da nicht ganz ehrlich zu dir selbst?

      Deine Fragen sind ja vielleicht sogar berechtigt: Ich lasse die Leute trotzdem lieber das machen, wozu sie in der Lage sind, auch wenn ich mit den modernen Zeiten nicht mehr mitkomme, so weiss ich doch, bitte im übertragenen Sinne verstehen: „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf…“ , übrigens egal ob man nun Markenbotschafter oder Influencer (so wie ich) ist…

      Es scheint sich hier vielleicht eher schon um einen Generationenkonflikt zu handeln…

      Mit lieben Grüßen enden meine Eseleien, in der Hoffnung, nichts schuldig geblieben zu sein…

      Armin

    • „Landschaften ohne Inhalt, in knalligen Farben, die immer gleichen Sehweisen usw., Tierbilder, Portraits wie Modefotos und all der andere Kitsch der völlig austauschbar ist“

      Es gibt ja sicher in deinen Augen gute, sehr gute, exzellente Fotografie, die nicht so ist.

      Hast du da mal ein paar Namen, ein paar Links, eine Position statt reiner Negation?

      Vielleicht lassen dich die kwerfeldein-Macher einmal einen ganzen Artikel darüber veröffentlichen.

      Mich würde das sehr interessieren.

      Ich hatte schon vorgestern auf diese Artikel verwiesen: so stelle ich mir Landschaftsfotografie vor.

      >> https://kwerfeldein.de/2018/02/02/stefanie-kaspari/

      >> https://kwerfeldein.de/2017/01/21/henrik-emtkjaer-hansen/

      >> https://kwerfeldein.de/2014/11/07/subjektive-landschaften/

      Könnten solche Fotografen Markenbotschafter werden? Oder braucht man wirklich vollkommen überzogene Farben und Kontraste, um Kameras und Objektive zu verkaufen?

  3. Mir fehlt ein wenig die Phantasie dazu, dass Profis, die davon leben, Zeit, Energie samt Leidenschaft zu Kohle zu machen, sich an eine Marke binden, nur, „weil das cool ist“. Irgendwelche Abhängigkeiten, „Leistungen“, oder win-win-Dinge, die nicht nur rein ideell sind, wird es doch auch geben, oder? Ist die Vermittlung zu Zeitschriften, Tutorials etc der Reiz, der das abdeckt? Durchaus vorstellen kann ich mir, wie das ist, Markenbotschafter zu sein. Wenn ich allerdings sehe, wie umfänglich z.B. FUJI Ambassadore auf Youtube arbeiten, was das an Aufwand bedeutet, muss da scheinbar noch irgendwas sein, wovon nicht unbedingt veröffentlicht geredet wird.
    Aus dem, was ich hier im Artikel lese, kann ich nur schließen, dass der jeweilige Hersteller der eigentliche Nutzniesser ist. Überspitzt gesagt, wirft er dem Ambassador mal paar Bonbons hin, un der betreibt nahezu kostenfreie Werbung. Weil´s so cool ist…!? Also bitte … ;-))

  4. „Also etwas für eine Marke tun wollen, weil man sie klasse findet, weil man sie cool findet, weil man sie unterstützen möchte. Das war mein Ansatz und das finde ich ist das Wichtigste.“
    Also wenn er das ernst meint und das auch noch unreflektiert und unkritisch hier zitiert wird, hat die Gehirnwäsche durch die kapitalistische Dauerwerbung ihren Sinn erfüllt. Konsumlämmer, die denken sie wären Rebell*innen, nur weil sie Gendersternchen verwenden. Aber als wandelnde Litfaßsäulen durch die Gegend laufen.

    • @Georg Schuh

      „…die denken sie wären Rebell*innen, nur weil sie Gendersternchen verwenden.“

      Das Phänomen der unreflektierten Markenbindung ist doch schon seit langem (so 20 Jahre?) bekannt. Wie auch die Angst vor der Zukunft (fff)…

      Ich verstehe das ja auch nicht, aber ich denke, dass man / frau / sternchen halt auch schauen muss wo das Geld (oder geldwerte Vorteile) herkommt. Pecunia non olet“ – wie der Lateiner sagt…

      Lasst sie einfach mal machen! Es ist nicht mehr zu ändern…

    • Hi,

      darauf möchte ich mal kurz antworten: als ich angefangen habe, mit Fujifilm digital zu fotografieren, kam der Hersteller in gewisser Weise ganz neu auf den Markt. Sie bauten die X100, ein Produkt, auf das ich jahrelang gewartet habe und was kein anderer Herstellern auch nur ansatzweise im Programm hatte. Sie rekultivierten die klassischen Bedienelemente der analogen Kameras mit Blendenring, haptischen Einstellrädern usw. Das alles hat mich spontan begeistert und ich habe schon damals Artikel darüber geschrieben, als ich noch kein X-Photgrapher war.

      Und als dann mit der X-Pro2 eine Kamera auf dem Markt erschien, die mir performant und professionell genug erschien, um sie in meiner beruflichen Tätigkeit als Industriefotograf einzusetzen, habe ich Fujfilm vorgeschlagen, genau das zu tun: die Kamera auf Herz und Nieren in der Praxis zu testen und darüber zu berichten. Fujifilm hat sich darauf ohne Wenn und Aber und ohne jegliche Bedingungen eingelassen, und dann habe ich genau das getan und in ungefähr 20 Blogbeiträgen darüber berichtet – nicht nur hymnisch, sondern auch kritisch: https://beruf-fotograf.de/category/fujifilm-x-pro2-projekt/

      Seitdem bin ich Fujifilm-X-Photographer, und ich bin das sehr gerne. Denn ich arbeite bis zum heutigen Tag mit den Produkten dieses Herstellers und solange die so cool und gut bleiben, wie sie sind, wird sich das auch in Zukunft nicht ändern.

      Nein, es gibt nicht nur den seelenlosen Kapitalismus, der sich positive Stimmen „einkauft“, es gibt durchaus echte, emotionale Beziehungen zu Produkten und Unternehmen, und ich wiederhole gerne meine Aussage, dass ich „meinen“ Hersteller unterstützen möchte, dass ich ihm technischen Input gebe, Verbesserungsvorschläge mache, auch schon mal ein Produkt in der Vorserie teste und über meine Arbeit mit diesen Kameras und Objektiven berichte. Ich mag auch sehr die wertschätzende Beziehung zu den Verantwortlichen dort, zu den Technikern und Managern. Und ich mag das Gefühl, dass im Spitzenmanagement von Fujifilm Leute zu sitzen scheinen, die ein Herz für die Fotografie und für Fotografen haben.

      VG
      Christian

      • Lieber Christian,

        das ist mal eine Antwort mit Format, ganz herzlichen Dank dafür. Von meiner Warte aus kann ich das sogar bestens nachempfinden, gerade bei FUJI, für die mein Foto-Herz eben auch schlägt. Aber auch z.B. in der Oldtimer-Szene, in der ich seit langem tätig bin, ist das durchaus ein Thema. Nicht zwingend als offizieller Markenbotschafter, aber inoffiziell ist es da mit den jeweiligen Markenleidenschaften doch fast jeder.

        Letztlich wird es auch so sein, dass alle Nicht-Markenbotschafter über dieses Phänomen reden, wie Blinde über Farben, man kennt die Details der Umstände einfach nicht. Mir hat´s echt weitergeholfen, die älteren Beiträge schaue ich mir in jedem Fall gerne noch an. Dass auch mal jemand unter den Kommentaren so antwortet, ist leider längst nicht die Regel, finde ich wirklich schön.

        Herzliche Grüße,

        Dirk Trampedach

      • @christian Danke für die ausführliche, persönliche Stellungnahme. In meinem Zitat sprichst Du von der Marke, jetzt von den Produkten, das klingt schon anders. Ich kenne viele Fanboys, (unter den girls viel weniger, dafür sind sie meist die besseren Fotografen,) die an jedem noch so schwachsinnigen Produkt ihrer Marke nur Gutes finden, eben weil sie als Opfer der Werbung die Marke gut finden. Mir ist schon klar, dass in dieser Welt und bei diesen Konsumenten keine Firma mehr ohne gutes Marketing überleben würde und wären die Produkte noch so gut. Da ich als relativ erfolgreicher Amateur bei zwei Firmen etwas hinter die Oberfläche blicken konnte, weiß ich, dass es gewaltige Unterschiede in der Kundenwahrnehmung gibt, die Bandbreite geht vom Konsumschaf bis zur Wertschätzung.
        Herzliche Grüße
        Georg