05. März 2021 Lesezeit: ~12 Minuten

Mythos Vollformat

In den letzten Jahren hat sich ein Begriff im Fotografie- respektive Fototechnik-Diskurs etabliert, der da heißt: „Vollformat“ – und mich von Beginn an geärgert hat. Dieser Ausdruck ist in meiner Wahrnehmung fast so grässlich wie „Freistellung“ oder „Look“.

Doch ehe wir über meine Befindlichkeiten im Detail sprechen, folgt erst einmal der Versuch einer Klarstellung: Mit „Vollformat“ (und, nein, ich werde nicht müde werden, diesen Begriff in Anführungszeichen zu setzen!) wird gemeinhin das Aufnahmeformat eines digitalen Bildsensors bezeichnet, wenn er die physische Größe von annähernd oder genau 24 x 36 mm aufweist.

Zu analogen Zeiten hieß dieses Filmformat noch bescheiden „Kleinbild“ – und manche Foto-Historiker*innen nennen es bis heute das „Leica-Format“. Aber darauf kommen wir noch zurück.

Okay, könnte man jetzt achselzucken und sich fragen, inwieweit diese Bezeichnungsänderung denn relevant sei. Technisch und inhaltlich ist sie es nicht, an 24 und auch an 36 Millimetern ist einfach nicht zu rütteln und das Ding ist nun einmal so groß wie es eben ist. Früher hieß es „Kleinbild“ und jetzt halt „Vollformat“. So what?

Was mich total auf die Palme bringt, ist die Wertung, die in dem Begriff mitschwingt und der – ich gebe es gern zu – ein marketing-getriebener, genialer Schachzug ist. Das „volle“ Format gilt – seitdem es sich in der digitalen Fotografie durchgesetzt hat – als das große, das professionelle, das „gültige“ Format. Das Format, mit dem technisch überlegene, professionell vermarktbare und überhaupt einfach „richtige“ Fotografie hergestellt werden kann. Erst mit dem „Vollformat“ kann man in die höheren Weihen der Fotografie überhaupt erst einsteigen!

Wie habe ich es neulich in einem ansonsten durchaus ernstzunehmenden Buch über Unternehmensfotografie gelesen:

Zur Grundausstattung eines Businessfotografen gehört daher am besten gleich eine Spiegelreflex- oder Systemkamera mit einem Vollformatsensor.

Ah ja. Soso. So etwas muss man also einfach haben, wenn man Profi ist und ernst genommen werden will.

Oder?

Nun wissen Leser*innen dieses Magazins spätestens seit meinem Artikel Fujifilm X-Pro3 – eine Liebeserklärung, dass ich seit geraumer Zeit nicht mehr mit „Vollformat“-Kameras fotografiere, sondern zu 98,73 % mit Erzeugnissen des japanischen Konzerns Fujifilm. Und die bieten in der von mir bevorzugten X-Serie nun einmal nur APS-C, also – noch so ein schöner Ausdruck – „Halbformat“.

Damit ist die Sache klar: Der Autor dieses Artikels ist schlicht beleidigt, dass er nicht für voll genommen wird, sondern nur mit „Halbformat“ fotografieren kann/darf/will oder wie auch immer. Doch so einfach ist die Sache nicht. Betrachten wir das Thema erst einmal historisch.

Die erste Kleinbildkamera der Welt, die Ur-Leica, aus dem Jahr 1914

Die Erfindung des Kleinbilds

Hierzu müssen wir uns ins frühe 20. Jahrhundert zurückbegeben. Die Idee, Filmrollen aus der Kinoproduktion zur Belichtung von Einzelbildern zu verwenden, hat zuerst Leica in ein erfolgreiches Produkt umgewandelt. Das war 1925; die sogenannte „Ur-Leica“ wurde aber bereits von Oskar Barnack 1914 konzipiert. Leica begründete mit dieser genialen Konstruktion den Siegeszug der Kleinbild-Fotografie, der bis in unsere Tage anhält.

Was war damals eigentlich geschehen? Das heute als hehres „Vollformat“ bezeichnete stellte damals eine radikale Verkleinerung des Aufnahmeformats dar. Im Vergleich zu den damals üblichen Plattenkameras, die Formate wie 13 x 18 cm oder 9 x 12 cm verwendeten, war das ein Verhältnis von sage und schreibe circa 1:27! Im Klartext: Die Leica-Kameras boten nur 1/27 der Aufnahmefläche der in dieser Zeit üblicherweise eingesetzten Konkurrenzprodukte. Eine radikale Miniaturisierung, anders kann man es nicht bezeichnen.

Ich kann mir übrigens sehr gut vorstellen, wie dieser Umstand damals diskutiert wurde und wie die Hüter der Qualität und des Bewährten über den frechen und völlig indiskutablen Newcomer hergezogen sein dürften.

Der technische Fortschritt in der Filmherstellung und die Anforderungen einer schnelleren Fotografie in der professionellen und privaten Fotografie gaben der innovativen Firma aus Wetzlar aber Recht: Die kleinen, handlichen und viel flexibleren Kameras setzten sich auf breiter Front durch, passten perfekt in die erste Phase der einsetzenden Hochzeit des Fotojournalismus und begeisterten Fotoamateur*innen und Profis gleichermaßen.

Der Grund dafür war aber nicht eine wie auch immer geartete technische Überlegenheit des Kleinbildformats, sondern die Handlichkeit der damit verbundenen Kameras. Ihre geringen Abmessungen und ihre Flexibilität im Einsatz ermöglichten eine völlig neue Art des Fotografierens: spontaner, schneller, dynamischer, näher am Leben dran.

Dafür nahm man die durchs Prinzip bedingten Nachteile (geringere Auflösung, mehr Korn bei großen Vergrößerungen usw.) in Kauf. Das Kleinbildformat war der freche Underdog, der die etablierten Technologien herausforderte und Formen von Fotografie ermöglichte, die bis dato nicht umsetzbar gewesen waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg existierten sie nebeneinander: das Kleinbildformat, das Mittelformat und natürlich auch das ehrwürdige Großformat. In der schnellen, dynamischen (und preiswerteren) Fotografie dominierte das Kleinbild. Für hochwertige und höher auflösende Bilder wurde häufig das Mittelformat eingesetzt und natürlich existierte auch immer noch die Fachkamera mit ihrer unerreichten Detailabbildung im Großformat.

Fotograf*innen dieser Ära nutzen eines oder auch mehrere Systeme mit den jeweiligen Aufnahmeformaten – je nachdem, wie sie inhaltlich und beruflich aufgestellt waren und welche Anforderungen sie erfüllen mussten oder wollten. Dabei war immer unstrittig: Jedes dieser Formate hatte Vor- und Nachteile.

Die Flexibilität der Kleinbildkameras war von den anderen Formaten nicht erreichbar; umgekehrt war die technische Qualität eines Mittelformats mit dem Kleinbild nicht darstellbar, von der aberwitzigen Auflösung (plus den Einstellmöglichkeiten) einer Fachkamera ganz zu schweigen.

Profis und pragmatische Menschen haben in dieser Zeit zu dem Medium gegriffen, das für die jeweilige Aufgabe am besten geeignet war – natürlich immer auch entsprechend ihrer jeweiligen finanziellen Möglichkeiten und persönlichen Vorlieben.

Chips und Formate

Jetzt machen wir mal einen Sprung ins digitale Zeitalter: Die ersten ernstzunehmenden Kameras (die ganzen Kompaktmodelle lasse ich jetzt mal aus) hatten alle keinen Kleinbildsensor, sondern einen, der nur halb so groß war. Das lag einfach in der Technologie begründet, man war damals offensichtlich nicht in der Lage, einen Aufnahmesensor mit den Maßen 24 x 36 mm des Kleinbildformats zu darstellbaren Preisen zu realisieren.

Also wurden all die Canon- und Nikon-Kameras dieser Ära mit einem APS-C-Sensor ausgeliefert und auf einmal durften die Fotograf*innen dieser Zeit rechnen. Begrifflichkeiten wie „Crop-Faktor“ oder „Verlängerungsfaktor“ etablierten sich. Welche Bildwirkung hat ein 50-mm-Objektiv an einer Canon 10D?

Ui, auf einmal war das altbewährte Normalobjektiv eine veritable Portraitbrennweite von etwa 75 mm! Was manche Portrait- und Naturfotograf*innen gefreut hat (lange Brennweiten waren auf einmal scheinbar erstaunlich preiswert zu haben), begeisterte die Architektur- und Weitwinkel-Fotograf*innen eher weniger: Angemessen weitwinkelige Weitwinkel waren erst einmal rar.

Aber man konnte endlich hochwertig digital fotografieren – und zwar mit dem altbewährten Werkzeug, einer Spiegelreflexkamera. Jetzt eben digital, aber mit dem gleichen Objektivpark wie zuvor auch. Nur war da eben dieser „Verlängerungsfaktor“, den man geistig und praktisch irgendwie zu bewältigen hatte.

Mit anderen Worten: Diese Kameras nutzten nicht den „vollen“ Bildkreis der ursprünglich ja für das Kleinbildformat ausgelegten Objektive, sondern nur einen kleineren Ausschnitt davon. Lange Zeit war das einfach der Standard. Es gab die APS-C-Kameras, es gab den Verlängerungsfaktor und es gab Exoten wie etwa das APS-H-Format von Canon, das in der professionellen Kameratechnik Einzug erhielt.

Und dann gab es irgendwann diesen Zeitpunkt, zu dem die großen Firmen eben doch „Kleinbild“ liefern konnten – und sie nannten es „Vollformat“. Canon war dabei der Vorreiter, andere zogen nach. Nikon rückte von seiner APS-C-Politik ab, selbst Leica lieferte nach dem ersten Versuch mit der M8 (mit APS-H) auch eine M9 mit „Vollformat“ – äh, sorry, mit Kleinbildformat, respektive „Leica-Format“ aus.

Und, wie wunderbar, endlich stimmten auch wieder die erlernten Zusammenhänge. Ein 50-mm-Objektiv war endlich wieder ein Normalobjektiv und 35 mm Brennweite bedeutete ein Reportage-Objektiv. So weit, so gut.

Digital heute

Aber wir arbeiten in einer völlig anderen Zeit, mit einer anderen Technik. Die Aufnahmechips und die dazugehörigen Optiken haben heute eine Qualität erreicht, die die frühere Trennung in Kleinbild, Mittel- und Großformat zumindest unter der Auflösungsprämisse praktisch obsolet gemacht hat:

Ein APS-C-Sensor moderner Bauart – mit 26 Megapixeln und gut belichteten Fotos – schlägt heute das Mittelformat von damals locker, nicht nur in Sachen Auflösung, sondern auch in Sachen Grenzerfahrung: Aufnahmen mit ISO 6.400 in fast völliger Dunkelheit sind heute nicht nur machbar, sie können auch gedruckt und in hochwertigen Kontexten eingesetzt werden.

Das gilt nicht nur für das Kleinbild, sondern weitestgehend auch für APS-C, MFT oder das Mittelformat. Natürlich haben all diese Systeme ihre spezifischen Eigenschaften: Kleinere Sensoren liefern bei äquivalenten Brennweiten und Blenden „tiefenschärfere“ Aufnahmen (was ja nicht nur ein Nachteil ist, wie es oft dargestellt wird, sondern auch ein Vorteil sein kann). Sie neigen aus technischen Gründen auch zu etwas mehr Rauschen. Dafür bieten sie enorme Vorteile bei der Konstruktion von Kameras und Objektiven und ermöglichen entsprechend zierlichere und leichtere Produkte.

Umgekehrt bietet auch das Mittelformat von heute – das in der Chipgröße allerdings meist noch sehr weit vom klassischen Format 6 x 6 (Zentimeter!) entfernt ist – Vor- und Nachteile gleichermaßen: größere Pixel, noch höhere Auflösungen, aber eben auch voluminösere Bodies und Objektive und ein meist immer noch langsameres Arbeiten.

Mit anderen Worten: Auch heute gibt es nicht das volltaugliche Format, das Profisystem für alle denkbaren Anwendungen, die super-duper-mega „Vollformat“-Kamera, sondern es gibt immer nur eine Annäherung an den besten Kompromiss, an die eigenen Wünsche, Vorstellungen, Vorlieben, Einsatzzwecke und so weiter.

Die entscheidende Fragen bei der Wahl einer Chipgröße (und damit oft auch eines Kamerasystems) lauten: Welche Eigenschaften sind mir am wichtigsten und welche Kompromisse akzeptiere ich am ehesten? Wir sollten von unserem Ausdruckswillen, von unseren Bildern und von unseren fotografischen Ideen ausgehen – von nichts anderem.

Und dann können wir uns für ein professionelles MFT-System entscheiden oder für ein ebensolches, das auf APS-C setzt. Und natürlich geht auch das klassische Kleinbildformat 24 x 36 mm oder das digitale Mittelformat, welcher Größe oder Provenienz auch immer. Jedes dieser Formate kann bestimmte Sachen besonders gut und besser – aber natürlich auch schlechter – als ein anderes. Und das gilt ausnahmslos für Groß und Klein und schließt sogar die winzigen Sensoren von Smartphones ausdrücklich mit ein.

Fazit und Halleluja

Um noch einmal an den Anfang zurückzukehren: Das „Voll-“ – sorry! – „Kleinbild“-Format hat selbstverständlich seine Berechtigung – wie jede vernünftige, technische Lösung. Aber es ist kein Freifahrtschein in die wahre Fotografie und hat keineswegs nur Vorteile. Der Begriff ist mitunter durch viele irreale Erwartungen aufgeladen. Tatsache ist aber, dass jede technische Ausprägung ein Kompromiss in eine bestimmte Richtung ist.

Heute leben wir in einer Zeit, in der wir als Fotograf*innen unglaubliche Möglichkeiten haben und praktisch überall wird eine herausragende Qualität geboten. Weiter oben habe ich geschrieben, dass man von der Anwendung und von den eigenen Bildern her argumentieren und auswählen sollte. Hier mache ich mal einen Versuch, ganz subjektiv natürlich:

Wenn ich …

… Street fotografieren möchte – nehme ich ein Smartphone oder eine Kompaktknipse. Fujifilm X-100 geht auch super.
… Architektur im Kleinbildformat fotografieren möchte – dann würde ich das Kleinbild-Format mit Shift-Objektiven von Nikon oder Canon verwenden.
… Werbefotograf wäre – würde ich vermutlich öfter ein Mittelformat-System nutzen müssen oder wollen.
… Reisefotograf wäre – würde ich Four Thirds ausprobieren und herausfinden, ob das etwas für mich ist.
… Sport fotografiere – würde ich gern mit APS-H fotografieren wollen, was aber leider von keinem in Frage kommenden Anbieter mehr angeboten wird.
… Hochzeiten fotografieren müsste (Bewahre, das ist nichts für mich!) – würde ich Fujifilm nehmen.
… Business, Industrie, Events, Reportage oder Portraits fotografiere – nehme ich ganz persönlich APS-C und Fujifilm.

Nicht das Maximum ist entscheidend – sondern die Summe der guten Eigenschaften und der bestmögliche Kompromiss.

Ach, übrigens: Da die Objektive all dieser Herstellfirmen den Bildkreis des jeweiligen Chips voll-ständig bedienen, sind sie streng genommen auch alle Vollformat. Dann stimmen sogar die höheren Weihen wieder! Halleluja.

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32 Kommentare

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  1. Wie ich immer sage, das richtige Werkzeug für die jeweilige Aufgabe. VF kann durchaus sinnvoll sein. Oft ist es aber eher so eine Mischung aus Prestige und G.A.S. (Gear Acquisition Syndrome). Man glaubt mit vermeidlich besserer Technik automatisch bessere Bilder zu produzieren.

    Ich persönlich setze auch auf APS-C, da es bei meiner Art zu fotografieren einfach mehr Vorteile bietet, als VF.

  2. Wie wahr, mich regt das Vollformat Marketing Gequatsche auch schon lange auf… ja ich habe eine Nikon Kleinbildformat Kamera und die verstaubt im Schrank, weil auf Reisen eine Olympus handlicher, leichter und unauffälliger ist…

  3. Zugegeben. Ich bin auch auf dem Fuji-System (X-Pro2, X100 F, X100 V) und daher nicht objektiv. Ich brauche kein Kleinbildformat und Fuji gibt mir das was ich brauche. Prima Objektive und vor allem ein Bedienkonzept, das mir das gibt, was ich brauche. Und richtig: Die Ausrüstung alleine macht keine guten Bilder. Das macht eher der, der hinter der Kamera steht.

  4. recht has su, wat du nich sehen tus kans su au nich photographieren – egal welchen kamerakörper su has ne, so is dat !
    ( fuji war auch mal super mit eigenem sensor im kb-format siehe S5…..)
    ( ah… so mit objektive von nikon natürlich )
    binma jespannt wann die lieben japaner sich selber auflösen – sind ja bestens dabei…….

  5. Sorry…
    Unnötiger Beitrag.
    Es gibt Situationen da ist apsc unter Umständen überlegen.
    Gerade bei Sport und Tele Einsatz.
    Dafür ist VF viel besser und technisch sinnvoller wenn es um WW geht.

    Darüber hinaus ist auch die Pixel Anzahl je nachdem ein Thema.

    Fakt bleibt das obwohl man es mathematisch nur schwer bis garnicht beweusrechnen kann…
    es gibt nur nach dem was und wie man fotografiert einen speziellen Look bei verschiedenen Sensor Größen.

    Aber all das ist unnötig zu diskutieren.
    Weil es den Betrachter Null interessiert.

    Das sind Themen für die 8K diCaprios bei Youtube die meist so wenig Fotografen sind wie der Tatort spannend ist.

  6. Danke für die klaren, interessanten Ausführungen, Christian. Rückblickend lässt sich doch Folgendes feststellen: In der Analogfotografie haben sich die Filmformate verkleinert und das „Kleinbildformat“ als Standard etabliert; in der Digitalfotografie sind die Sensorformate (und Auflösungen) mit der Zeit immer grösser geworden und bilden heute – wieder – das „Kleinbild oder Vollformat“ als Quasistandard ab. Deshalb ist das eben jetzt ein Standard – das mag auch ärgerlich, weil so omnipräsent und prominent positioniert sein – aber im Wesentlichen ist es doch so, dass sich auf diese Sensorgrösse die bildwinkeläquivalenten Objektivbrennweiten beziehen und z.B. „50 mm FF äquivalent“ genannt wird.
    Ich denke, Fotograf*innen verstehen das und nutzen auf der anderen Seite die Flexibilität unterschiedlicher Sensorgrössen und deren Vorzüge. Fuji bietet aktuell APS-C und Mittelformat-Sensoren an; bei anderen Herstellern gibt es die spannende Option APS-C- und Vollformatsensoren mit dem gleichen Objektivbajonett zu nutzen und eine tolle Flexibilität hinsichtlich der jeweiligen Bildwinkel mit derselben Linse zu haben. Die Fotografie heute ist bunt und vielfältig … und „full frame“ ist ein Teil davon.

  7. Ich finde die Gedanken des Autors deshalb gut weil hier Zeichen einer neuen Zeit sichtbar werden. Wer den Mythos leben will, der nimmt Kleinbild, das nur aus Marketinggründen Vollformat genannt wird. Aber die fotografische Realität ist heute weiter und bietet vielfach Optimierteres in anderen Sensorformaten. Weil Marketing den Mythos braucht wird es weiter mythisch bleiben obwohl Bilder im Volllformat nicht besser sind. Das ist wie bei dem Leica-Look, der letztlich als Filter im Huawei Handy landete und der dennoch immer wieder in Foren auftaucht. So hat halt jeder sein Spielzeug für soziale und fotografische Situationen.

    • Was soll denn daran Werbung sein? Höchstens Werbetext im positiven Sinn auch noch: Mit dem APS-C und einem Adapter für die Tilt-Einstellung kann, wegen des grösseren Abbildungskreises der KB-Linse nicht nur Shift genutzt werden, sondern auch der Scheimpflug (der zudem die Grundlage des Kamerawissens ist).

  8. Tja, was soll ich denn sagen.

    Nikon Kleinbild Kameras für Film und digital. Zwei APS-C. Und da kommt auch die Fuji her. Weil ein 16mm für Nikon DX gibt es nicht für Geld und gute Worte von Nikon. Ich hab das 16/2.8 von Nikon. Ein Fisheye. Und ein Fujinon 16/1,4.
    Reise geht mit Nikon oder Fuji. Die wiegt die Hälfte.
    Und Leica? Hab ich auch. M. Sowohl als auch. Und?

    Im Prinzip meine ich ist eine Kamera / ein System vor allem ein Werkzeug. das richtige für den richtigen Zweck.

    Und Tilt/shift gibt es momentan für Nikon oder (mehr Auswahl) Canon. Woanders nicht für Geld oder gute Worte.

    Was man am Markt heute kaufen kann ist effektiv das beste, egal welche Marke. Optikmöglichkeiten sind auch einzubeziehen.

    Ist jedem seine Entscheidung welches System er nutzen will.

  9. Früher hieß es Kleingeist, heute heißt es Vollpfosten… Die Kamera- und Technikmoden sind und waren doch immer gleichgültig für die Qualität von Fotografie, die zeitlos und berührend ist, oder nicht?

  10. Ich habe auch zwei Fujis … aber Instax ;-)

    Werbung kann ich hier kaum erkennen, aber alles in allem ist das ein eher belangloser Artikel. Da gab’s vom selben Autor schon bessere, zum Thema Corporate Photography.

    Es wird oft das Argument verwendet, dass Kleinbild/Vollformat nicht so kompakt und preiswert ist, aber eine Sony A7 / A7II mit Samyang oder Zeiss 35mm f/2.8 ist eine kleine und bezahlbare Street Photography Kamera. Eine Olympus oder Lumix mit vergleichbarem 17mm f/1.4 ist auch nicht wirklich kompakter oder preiswerter. Und eine Fujifilm mit 23mm f/2 auch nicht.

  11. Danke Christian Ahrens für diesen Beitrag. Wer die vielen Hochglanz-Fachzeitschriften zur Fotografie liest, erkennt schnell, dass ein Beitrag zur Formatfrage und der damit verbundenen Problematik der Kleinbildfotografie überfällig war.

    Aber was passiert nun? Wagt jemand wieder über Kleinbildfotografie zu sprechen, melden sich sofort jene Kleingeister zu Wort, die echokammergestählt, ihre wortgewaltigen Schmutzkübel über den Autor schütten.

    Die Diskussion, die statt dessen geführt werden sollte, ist die nach der Frage, welche Chancen bietet uns die neue Technik in Hinblick auf eine neue Bildästhetik? Ein weites Feld, gerne auch für alle technikaffinen Groß- und Kleingeister.

  12. super artikel dem ich nur beipflichten kann!!!
    habe vor ein paar tagen meine alte x-pro 1 mit 16MP im einsatz gehabt und die portaits anschließend in a3+ mit einem canon fineart printer auf hahnemühle matt ausgedruckt. farbe, details, bokeh…einfach nur zum niederknien. und die alte lady ist jetzt 9 jahre geworden – für mich eine der besten kamera und sensor die je gebaut wurden! magie pur :)

  13. tja, ich bin fujifilm x-photographer, also ambassador und kann dazu nur schreiben: dafür bekomme ich keine kameras/objektive für umme. christian ahrens ebenso wenig. das mal nur so als myth-buster.

  14. Dieser Artikel ist keine Werbung sondern eine Kolumne – Meinungsbeitrag.
    Davon darf kwerfeldein – meiner Meinung nach – zwischen den ganzen „braven“ Artikeln gerne ein paar mehr einstreuen.
    Und lasst euch nicht abschrecken liebe Redaktion, Kolumnen locken schon immer Trolle aus ihren Höhlen hervor ;-).
    Um das letzte MaiLab Video „Versöhnung“ zu zitieren: „Wir sollten nicht weniger streiten – sondern besser, konstruktiver, lösungsorientierter“.

  15. Also ich halte schon nichts von größer, schneller, weiter. Ein Foto entsteht durch den der durchschaut, egal welches Format, welches Objektiv oder welche Kamera. Die Technik kann eigentlich nichts, außer unterstützen. Übrigens, klasse Artikel.

  16. Ein wunderbarer Artikel! Man könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen und fragen, wie sich die Geschichte entwickelt hätte, wenn Oskar Barnack damals den Film nicht quer belichtet hätte, sondern so wie es bei 35-mm-Kinofilmen damals und heute üblich war… Aus optisch/physikalischer Sicht hat ein Bildformat 24×36 mm jedenfalls keine besonderen Eigenschaften.

    • Hi Roland, interessanterweise schreibt sogar Leica auf seiner Website sinngemäß: Wenn Oskar Barnack heute fotografieren würde, würde er mit APS-C fotografieren…. (Leica hat ja auch solche Kameras). Aber damals – 1914 bzw. 1925 – war das „Halbformat“ wohl wirklich noch nicht zu gebrauchen.
      Viele Grüße, Christian

  17. Blogartikel dazu: Umleitung: Klimaschutz im HSK, Friedrich Merz, Orwell, Police und der Mythos Vollformat | zoom

  18. Der Begriff Vollformat wirkt ja nur verstörend, wenn man den mit „vollwertig“ assoziiert, was wie richtig beschrieben ja eine unzulässige Bewertung darstellen würde. Von der Geschichte her ist der Begriff dagegen lediglich eine Beschreibung von einem Sensor Format der „vollen“ Kleinbildgrösse. Also in der Entwicklung der Digitalfotografie eine Erweiterung der Größe von den ursprünglich kleineren Sensoren zum vollen Kleinbildformat. Nicht mehr und nicht weniger. Deshalb Vollformat. Verstörend finde ich ehr, wenn man sich am Naming stört.

  19. Sehr guter Artikel, allerdings habe ich einen kleinen Einwand: Habe sehr lange mit APS-C fotografiert, bin dann aber auf VF umgestiegen. GRUND: Erstelle gern A3 Fotobücher und benutze viele Ausschnitte, ausserdem erstelle ich oft 50×70 cm Wandbilder, was ich mit APC-S nicht in der Qualität machen konnte, wie ich es mir wünschte. Insofern ist VF für mich eine überaus positive Erfahrung.

  20. Ich habe das bisher nicht so wahrgenommen, dass mit dem Begriff „Vollformat“ gegenüber anderen Sensor-/Filmgrößen ein professionellerer Anspruch verbunden ist. Ich sehe aber jetzt auch keine Notwendigkeit, mich hinsichtlich meiner Ausrüstung zu rechtfertigen.

  21. Viel Text mit leider etwas dünnem Fazit. Egal, viel mehr Nervpotential als der ach so „falsch“ gewählte Vollformat Begriff hat dieser scheinbar unvermeidbar Gender Sprachgebrauch. Verunstaltung von Sprache trägt nichts zum Thema bei und hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun, die sollte in unserer Zeit auch unverkrampft selbstverständlich sein.

  22. Blogartikel dazu: Die Summe der guten Eigenschaften | 12lensesin7groups