30. März 2020 Lesezeit: ~4 Minuten

52 Wochen – Thema 13: gewohnter Anblick

Jetzt, da die meisten viel Zeit zu Hause verbringen, können wir unsere gewohnte Umgebung doch einmal genauer ansehen. Vielleicht entdecken wir dabei etwas ganz neu. Etwas, das die ganze Zeit schon da war und wir deshalb als so selbstverständlich ansehen, dass uns die Schönheit darin entgeht.

Schlüpft mit Eurer Kamera in die Rolle eines Fremden und lauft durch Eure Zimmer. Habt Ihr schon einmal wahrgenommen, welch schöne Schatten das Licht an die Wand wirft? Oder die zufälligen Stillleben entdeckt, die der Alltag kreiert? Vielleicht gibt es da ganz hinten auf der Fensterbank ein Reiseandenken oder einen Kaktus, der fast vergessen war und eine Neuinszenierung verdient? Oder ist es der Blick aus dem Fenster, den Ihr zu wenig genießt?

Licht und Schatten auf einer Lampe

© Michael Möller

Inspiration

Heute geht es darum, die gewohnte Umgebung neu zu sehen. Inspiration dafür ist der gleichnamige Artikel von Christian Illing, der das Haus seiner Eltern, in dem er aufgewachsen ist, plötzlich mit der Kamera vor den Augen anders betrachtet.

Altbekannte Dinge anders zu betrachten, ist unglaublich schwierig. Vor allem, wenn man sie seit Jahren als selbstverständlich hinnimmt. Fotoserien, die sich mit dem eigenen Zuhause auseinandersetzen, gibt es daher selten. Vielleicht auch, weil man damit etwas sehr Persönliches von sich preisgibt.

Das zeigt auch Ninette Niemeyer, die eine fast 100-jährige Dame besuchte und nur anhand der alltägliche Stillleben ihr Leben erzählt. Nichts wird inszeniert für den Einblick in das Zuhause.

Seife in einem Seifenhalter

© Ninette Niemeyer

Auch Andreas Hering fotografierte nicht sein eigenes Haus, aber das verstorbener Eltern eines Freundes für seine Serie „what will still remain“. Die Fotos zeigen die materiellen Relikte eines langen Lebens. Antike Möbel, Bücher, Jahrzehnte alter Zeitschriften, Geschirr, Kleidung, Papiere, Haushaltsgegenstände. Und erzählen dabei viel über die Menschen, die dort lebten.

Spannend für diese Herausforderung sind für uns dieses Mal nicht nur die entstandenen Fotos, sondern auch Eure Gedanken dazu. Warum habt Ihr diese Ecke Eures Zimmers plötzlich anders betrachtet? Was bedeutet Euch dieser Gegenstand, der bisher vergessen war? Schreibt gern zu Euren Bildern der Woche ein paar Worte. Ich weiß, dass das Thema sehr persönlich ist – sollte es Euch zu persönlich sein, freue ich mich natürlich auch über Fotos allein.

Schlafzimmer

© Christian Illing

Ablauf

Ihr habt wieder eine Woche Zeit, um dieses Thema umzusetzen. Verlinkt Euer Bild in den Kommentaren oder schickt es uns bis zum Dienstag, den 7. April 2020 per E-Mail. Jeden Montag gibt es im Magazin ein neues Thema für Euch. Ihr könnt jederzeit mit einsteigen oder die Themen als Inspiration für Euch nutzen – wie und wann es Euch eben passt.

Dabei soll es nicht um einen Wettbewerb gehen, sondern um eine Herausforderung für jede*n von Euch ganz persönlich. Als Hashtag hat sich #kwerfeldein52 ergeben, wenn Ihr Eure Werke online zeigen möchtet. Einen Einblick in die Ergebnisse des letzten Themas findet Ihr jeweils am Samstag im Magazin!

© Andreas Hering

Themensuche

Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis zu den aktuellen Themen: Mich erreichten einige Nachrichten, dass es ja nicht verboten ist, draußen spazieren zu gehen und wir auch Themen für draußen nehmen könnten. Ja, zum Glück ist es in den meisten Teilen Deutschlands noch nicht verboten, das schöne Wetter zu nutzen, aber ich halte es für falsch, mit einer Aufgabe jetzt dazu aufzurufen.

Es gibt viele Menschen, die auf Grund von Vorerkrankungen ihr Leben riskieren würden, wenn sie nun einen Fuß vor die Tür setzen. Und andere, denen die Quarantäne verordnet wurde und die es daher tatsächlich nicht dürfen. In den Innenstädten wiederum ist nicht so viel Platz wie etwa auf dem Dorf. Daher wählen wir weiterhin gezielt Themen, die sich gut drinnen umsetzen lassen.

Ich möchte niemanden davon ausschließen, weiter beim Projekt mitzumachen. Die Aufgaben werden dennoch vielfältig bleiben, versprochen! Und alle Themen lassen sich sowohl drinnen als auch draußen umsetzen. Ich nehme sehr gern auch Themenvorschläge an, denn schließlich soll das Projekt ein gemeinsames sein. Wir haben hier aktuell eine Liste mit 27 weiteren Themen, die wir gern ergänzen, denn das Jahr ist noch lang.

Das Titelbild stammt von Eduard Militaru. Vielen Dank!

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23 Kommentare

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  1. Hallo,

    ich finde es völlig ok, in dieser Zeit mit Beschränkungen inspirierende Indoor-Aufgaben zu stellen. auch wenn ich täglich eine Runde spazieren gehe – mit oder ohne Kamera. Aber bei uns auf dem Dorf ist es wirklich nicht schwer, sich aus dem Weg zu gehen. Und rundum gibt es genügend Wald …

    An dieser Stelle möchte ich auch mal ein großes Lob loswerden:
    Ich finde die Aufgabenstellungen insgesamt sehr spannend und abwechslungsreich.
    Auch wenn ich nicht jedes Thema direkt umsetze …

    Man/frau merkt, dass die Fotografie wirklich Eure Leidenschaft ist.
    Und das könnt Ihr auf der Homepage super mit Aufgaben, Ergebnissen, Blogs … rüberbringen.

    Dafür ein ganz herzliches Dankeschön – ich werde Euch auch weiterhin folgen …

    Liebe Grüße Elke

  2. Aus diesen beiden Kappa 6.1 von INFINITY klingt Musik so, wie ich sie zu hören wünsche, und ich versinke vollständig darin. Und dann wird jedesmal aus einem gewohnten Anblick ein außergewöhnlicher Moment.
    https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=1920×400:format=jpg/path/sda4a5dcfa0fb98b4/image/i05d61618a0098ad0/version/1585766950/image.jpg

    Den vollständigen Beitrag findet ihr im FOTO-BLOG.
    https://www.dt-classics.de/2020/04/01/52-wochen-thema-13-gewohnter-anblick/

    Herzliche Grüße, bleibt tapfer, Dirk

  3. https://flic.kr/p/2iLymHw

    am späten Morgen sieht es zu Hause an manchen Stellen ganz ungewöhnlich und geheimnisvoll aus, ganz anders als zu den Zeiten, zu denen man sonst so daheim ist.
    Auch das war wieder eine schöne Aufgabe,
    vielen Dank dafür und viele Grüße,
    Monika

  4. Manchmal fällt einem der gewohnte Anblick erst auf, wenn er durch eine Kleinigkeit gestört wird. So erging es mir mit meinem Stapel derzeit lesender Bücher. Meist lese ich mehrere Bücher parallel und stapel diese auf das Fensterbrett. Aus Gründen (sic!) blieb mir Zeit zum Fenster putzen (wodurch übrigens der gewohnte Anblick einer leicht mit Staub belegten Fensterscheibe plötzlich viel klarer wurde) und ich räumte das Fensterbrett von Pflanzen und Büchern frei. Erst als ich wieder ein Buch hervor nahm fiel mir auf, dass die Buchrücken zum Fenster zeigen. Nach dem Foto musste natürlich der gewohnte Anblick schnell wieder hergestellt werden.

    http://www.sternchenbilder.de/52/13_GewohnterAnblick_Buecherstapel.jpg
    https://www.instagram.com/p/B-kjIzZq8vB/

  5. mein Beitrag findet ihr hier
    http://www.fotolabyrinth.de

    Mehrmals auf dem Weg zur Küche geht der Blick auf Alltagsgegenstände. Meist unbewusst. Wobei solche Küchenmöbel, welche 100 Jahre alt sind bestimmt viel gesehen haben. Aber es sind ja „nur“ Gegenstände und können uns nichts erzählen, oder doch?
    Bleibt gesund !

  6. Wirklich spannendes thema. ich hab die Woche viel probiert, aber alles war einfach „zu gewohnt“.

    Am ende hab ich mich dann doch für dieses Foto entschieden. Es ist vielleicht nicht die spannendste Perspektive oder das aufregendste Licht, aber für mich drückt es zumindest das Gefühl in der Situation gut aus: Der Tag ist geschafft, nun verkrieche ich mich mit meiner besseren Hälfte im Bett, fühle mich sicher und alles andere ist gerade egal.

    Ein Moment der gerade in dieser Situation noch viel viel wichtiger geworden ist.

    https://www.instagram.com/p/B-neRqEnRry/

  7. ´refugium´ .. heißt mein gewohnt/ungewohnter anblick. in zeiten wie diesen, ist es für mich besonders wichtig, einen ort zu haben, an dem ich gern verweile und der mich nach all den jahren immer noch inspiriert. er wird gefüllt von blumen, pflanzen und speziellen gegenständen, so daß er immer einer änderung unterliegt. ich nenne es mein ´refugium´, da ich hier auch manchmal photografiere. so entstehen immer wieder neue sichtweisen und anblicke, die mein herz erfreuen.
    -> https://www.facebook.com/marcantoniophotografien/photos/a.551239351569342/3393302164029699/?type=3&theater

  8. Blogartikel dazu: Projekt 52: Gewohnter Anblick | sammelsurien