22. November 2018 Lesezeit: ~2 Minuten

Ausstellungstipp: #womenphotographer Vol. I

Das Titelbild stammt von Ruth Orkin.

Frauen eroberten sich im 19. Jahrhundert das neue Medium Fotografie. Als Pionierinnen trugen sie Wesentliches zu seiner Entwicklung und zur Herausbildung neuer fotografischer Sehweisen bei. Die Zyanotypie-Fotogramme von Anna Atkins zählen zu den ersten Fotografien, die als wissenschaftliche Illustrationen veröffentlicht wurden.

Anders als die traditionellen Disziplinen der Bildenden Kunst wie Bildhauerei und Malerei war Fotografie von Beginn an als Medium gleichberechtigter. Sie ermöglichte den Frauen, ihre Vorstellung eines selbstbestimmten, kreativen Lebens umzusetzen, zu reisen und ihr eigenes Geld zu verdienen. Bertha Wehnert-Beckmann gilt als erste Berufsfotografin. Ab 1843 bestritt sie ihren Lebensunterhalt mit Hilfe der Daguerreotypie, einem frühen fotografischen Verfahren. Sie eröffnete ein Fotoatelier auf dem Broadway, in dem sie Persönlichkeiten aus Politik und Zeitgeschichte portraitierte. Zahlreiche weitere Fotografinnen folgten ihrem Beispiel.

StraßenszeneLama schaut aus einem Autofenster

Foto links von Berenice Abbott, Foto rechts von Inge Morath

Sie experimentierten mit angewandter Fotografie, mit Fotografie als Kunstform, als Mittel zur Dokumentation und zur Selbstdarstellung. Ab den 1920er Jahren brillierten Fotografinnen auch im Fotojournalismus: Gerda Taro, Margaret Bourke-White und Dorothea Lange brachten es, neben zahlreichen anderen, zur Meisterschaft in diesem Genre.

Oft thematisieren Fotografinnen die Lebensumstände von Frauen und Kindern, dokumentieren soziale Randgruppen, konzentrieren sich auf das Alltägliche und untersuchen den weiblichen Körper schonungslos mit der Kamera. Wählen sie diese Themen abseits der großen Weltpolitik, da sie ihnen seit jeher von der Gesellschaft zugeschrieben wurden?

Eine nackte Frau auf einem Bett

© Nan Goldin

Oder nicht viel mehr deshalb, weil sie sich einen intimen Zugang zu ihren Sujets erarbeiten können, der ihren männlichen Kollegen meist verwehrt bleibt? Oder gibt es sie doch, die spezifisch weibliche Sichtweise, den female gaze?

Die Ausstellung #womenphotographer Vol. I erhebt nicht den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Fotografie von Frauen zu geben. Sie möchte Einblicke in das diverse Schaffen von Fotografinnen eröffnen und Anstoß dazu sein, sich vertiefend mit ihrem Blick auf die Welt zu beschäftigen.

#womenphotographer Vol. I
Zeit: 6. Dezember 2018 – 10. Februar 2019
Eröffnung: Mittwoch, 5. Dezember 2018 um 19 Uhr
Ort: f³ – freiraum für fotografie, Waldemarstraße 17, 10179 Berlin


1 Kommentar

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  1. „Oder nicht viel mehr deshalb, weil sie sich einen intimen Zugang zu ihren Sujets erarbeiten können, der ihren männlichen Kollegen meist verwehrt bleibt? Oder gibt es sie doch, die spezifisch weibliche Sichtweise, den female gaze?“

    Ich denke: beides.

    Den Zugang zu Bildern, die (zumindest den meisten) Männern verborgen bleiben, nutzen meiner Meinung nach viel zu wenige Frauen.