27. Februar 2018 Lesezeit: ~7 Minuten

Testbericht: Loupedeck

Vor einiger Zeit haben wir Euch auf kwerfeldein die Möglichkeit, Lightroom über einen MIDI-Controller zu steuern, sowie ein dafür passendes Gerät von Behringer, vorgestellt. MIDI-Controller kommen eigentlich aus der Musik und sind dafür gedacht, mit ihren Knöpfen sowie Dreh- und Schiebereglern digitale Instrumente zu steuern. Dieses Prinzip lässt sich allerdings auch wunderbar auf die Oberfläche von Lightroom anwenden, um einzelne Regler innerhalb der Software haptisch auf Eurem Schreibtisch zu haben. Heute möchte ich etwas auf das Loupedeck eingehen.

Sicherlich ist einigen von Euch schon einmal der Begriff Loupedeck untergekommen. Das Gerät wurde im Dezember 2016 erfolgreich auf Indiegogo finanziert und hat fast 500 % der Summe eingenommen, die zur Realisierung nötig waren. Entsprechend groß war die Vorfreude und auch ich habe lange mit einem Loupedeck geliebäugelt, mich aber damals aufgrund des Preises dagegen entschieden.

Loupedeck

Für diesen Test wurde uns von der Firma Loupedeck freundlicherweise ein Gerät zur Verfügung gestellt, sodass ich Euch heute eingehend davon berichten kann. Der größte Unterschied zwischen einem Loupedeck und jedem anderen MIDI-Gerät ist, dass das Loupedeck tatsächlich speziell für die Oberfläche von Lightroom entwickelt wurde und die einzelnen Regler und Knöpfe genau so benannt sind wie die Funktionen in Lightroom. Die Oberfläche des Loupedeck ist zwar komplett auf Englisch gehalten, aber selbst rudimentäre Englischkenntnisse sollten ausreichen, um die jeweiligen Knöpfe trotzdem korrekt zuordnen zu können.

Das Loupedeck ist etwa 39 x 15 cm groß und besitzt 12 Drehknöpfe, 8 Scrollräder für die HSL-Funktionen und 36 Knöpfe für unterschiedliche Funktionen. Dazu kommt ein großer, runder Knopf, mit dessen Hilfe das Drehen des Bildes möglich ist und ein Druck auf eben diesen Knopf wechselt in den Zuschneiden-Modus von Lightroom. Die Drehregler des Loupedeck bedienen alle Basisregler in Lightroom vom Weißabgleich bis zur Sättigung.

Drehknopf

Diese sind außerdem so angeordnet, dass eine angenehme Zweihandbedienung möglich ist. Normalerweise liegt meine linke Hand auf den Belichtungsregler und kann bei Bedarf mit einer geringen Bewegung auch den Kontrast anpassen. Meine rechte Hand kümmert sich um Weißabgleich und Farbton und kann schnell auch den Regler für die Sättigung erreichen.

Das deckt für mich genau die Einstellungen ab, die ich vor allem bei längeren Reportagen benötige. Die Regler für Schatten, Lichter, Weiß und Schwarz lassen sich durch eine kleine Bewegung der linken Hand ebenfalls gut erreichen.

Was mir besonders gut gefällt: Das Loupedeck bringt eine sehr komfortable Lösung für die HSL-Regler in Lightroom mit. Jede Farbe besitzt ein eigenes Scrollrad und die Funktion dieses Rades kann über drei Knöpfe von Farbton auf Sättigung oder Luminanz verändert werden. Seit ich mit dem Loupedeck arbeite, nutze ich die HSL-Funktionen in Lightroom viel öfter, weil ich früher bei vielen Fotos schlicht und ergreifend etwas zu faul war, mich durch die Regler zu klicken. Das tut dem Endresultat meiner Bilder sichtlich gut.

Loupdeck auf einem Schreibtisch

Über diesen HSL-Rädern liegen außerdem acht Knöpfe, die dafür verwendet werden, Presets auf das Bild zu legen. Welches Presets beim Betätigen eines Knopfes verwendet wird, kann über die Loupedeck-Software eingestellt werden. Zwei extra Druckknöpfe und ein extra Drehregler können übrigens ganz nach Eurem Belieben mit eigenen Funktionen belegt werden. Der Drehregler ist bei mir zum Beispiel für die Vignette zuständig, wohingegen ein Druckknopf ein Bild zur Schnellauswahl hinzufügt und der andere Druckknopf das Bild um 90° dreht.

Das Loupedeck besitzt noch einige weitere Knöpfe, die den Tasten einer Tastatur sehr ähnlich sind. Damit lassen sich unterschiedlichste Sachen machen: Es gibt Knöpfe für Farb- und Sternebewertungen, Kopieren und Einfügen, die Vorher-Nachher-Ansicht und Pfeilknöpfe, um in Lightroom zu navigieren. Genau diese Tasten sind aber leider der größte Schwachpunkt an der Konsole: Man könnte meinen, dass gerade diese Standard-Tasten keine Probleme machen sollten, aber leider ist hier der Druckpunkt etwas seltsam ausgefallen. Trifft man nicht exakt die Mitte der Taste, werden Eingaben oft einfach nicht registriert.

Ich habe mit dem Loupedeck die Auswahl der Bilder einer Hochzeit vorgenommen und alle Bilder, die ich bearbeiten möchte, mit fünf Sternen markiert. Allerdings wurde der Druck auf die Fünf-Sterne-Taste so oft nicht von der Software wahrgenommen, dass ich am Ende ein zweites Mal über die Bilder gehen musste, weil ich mich unsicher war, ob meine Auswahl korrekt ist. Benutzt man zwei Finger, um die Tasten zu betätigen, hat man keine Probleme mehr, allerdings ist das natürlich nur ein schwacher Trost bei einem Gerät, das stolze 249 € kostet.

Tasten des Loupedeck

Die grundsätzliche Verarbeitung ist auf jeden Fall zufriedenstellend und das Gerät funktioniert absolut fehlerfrei, wenn man vom Druckpunkt der Tasten absieht. Es ist irgendwie schon sehr schade, dass Loupedeck hier so geschlampt hat und den Gesamteindruck damit etwas schmälert.

Ein zweiter Kritikpunkt ist für mich das USB-Kabel. Es ist fest verbaut und lässt sich nicht einfach austauschen. Das mag jetzt wie Erbsenzählerei klingen, ist aber für mich eine unnötige Schwäche. Geht das USB-Kabel mal kaputt (und USB-Kabel gehen bei mir am laufenden Band kaputt), dann muss eigentlich das gesamte Gerät ausgetauscht werden.

Absolut vorbildlich ist dagegen die Software. Sie wird einfach von der Webseite heruntergeladen, installiert und alles funktioniert. Es müssen keine Einstellungen mehr getroffen oder zusätzliche Treiber installiert werden. Die Verbindung mit Lightroom funktionierte bei mir jedes Mal und hat in einem Zeitraum über mehrere Wochen nicht einen einzigen Aussetzer gehabt oder sich mal komisch verhalten. Die Software ist einfach gehalten und bietet bei Bedarf an, die Funktionen der benutzerdefinierten Knöpfe zu verändern oder das Raster der Drehregler einzustellen.

Eine Aufnahme der Software des Loupedeck.

Der Preis von 249 € bleibt weiterhin sehr stolz. Nachdem meine Testphase beendet war und ich das Gerät zurückschickte, wechselte ich wieder auf meinen alten MIDI-Controller, mit dem ich vorher gut zurechtgekommen bin. Dieser Rückschritt war für mich allerdings so groß und die Bedienung plötzlich so unnötig kompliziert und eingeschränkt, dass ich mir einen Tag später selbst ein Loupedeck bestellte und jetzt sehr zufrieden damit bin.

Ich war anfangs etwas skeptisch, ob so ein Gerät meinen Arbeitsablauf wirklich beschleunigen oder vereinfachen kann, war dann aber doch sehr erstaunt darüber, was für einen massiven Schnelligkeitsgewinn ich bei der Bearbeitung einer großen Menge Bilder habe. Das ewigen Klicken und Scrollen mit der Maus in Lightroom fällt komplett weg und die Arbeit fühlt sich am Ende einfach wesentlich angenehmer und präziser an.

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9 Kommentare

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    • Und Ihnen purzeln die Bilder natürlich fix und fertig aus der Kamera raus? Fotografiert man digital muss man halt digital nachbearbeiten. Am Computer. Mit Software. Und die kann man halt mit einer Maus bedienen oder mit so einem Spezialcontroller. Gehört halt heutzutage zur Fotografie dazu. Und fotografieren Sie analog entwickelt man das Bild in der Dunkelkammer. Da wählt mand dann den bevorzugten Entwickler aus , und bearbetet den Abzug durch Abwedeln, Nachbelichten, unscharf maskieren usw. Und das macht man mit unterschiedlichsten mehr oder weniger praktischen Gerätschaften. Das hat aber auch nix mit Ihrer Fotografie zu tun. Sie machen ja Fotos mit der Kamera und nicht mit dem Vergrößerer oder so.

      • „Das unperfekte Bild ist interessanter“ Mit der Ausrede hab ich es früher auch mal probiert ;-)
        Unabhängig davon müssen ihre Bilder aus der Kamera nun mal aufs Papier kommen. Und wenn man darauf dann noch alles erkennnen soll, müssen sie halt bearbeitet werden. Ob Analog oder digital. Unabhängig vom Grad der Perfektion. Und dazu benutzt man halt ein paar mehr Geräte als nur eine Kamera. Und um ein solches Gerät geht es in dem Artikel. Und somit gehört das eindeutig zu Fotografie.
        Auch wenn Sie nur eine Kamera brauchen.

    • Einfach mal so zur Info.
      Wenn die Digitale Kamera auf JPG eingestellt ist, passiert die Bearbeitung schon in der Kamera.
      Sprich, kontrast, entrauschen, Farbsättigung, schärfen usw.
      Also nicht denken ich mach mal Digital auf JPG und da ist nichts bearbeitet ;-)
      In RAW musst du das halt am PC machen. Entweder mit vordefinierten Einstellungen wie in der Kamera direkt oder jedes Bild einzeln.
      Denk mal darüber nach.

  1. Ich warte wenn überhaupt mal auf Loupedeck 2.0
    Das man die Gradiationskurve nicht nutzen kann ist schade, aber verständlich. Ausserdem bin ich mit Wacom u.Tastatur so eingespielt u.schnell, dass mich ein drittes Gerät auf dem Tisch nerven würde.