21. April 2016 Lesezeit: ~6 Minuten

Fotos für Buchcover

Seit ich meine ersten Fotos für Buchcover verkauft habe, häufen sich die Anfragen, wie ich dazu gekommen bin. Oft mit dem Wunsch verbunden, selbst auch mal ein Foto auf ein Cover zu bringen. Da ich jedoch noch sehr wenig Erfahrung in diesem Markt habe, kenne ich keine allgemeingültigen Tipps. Deshalb habe ich für diesen Artikel verschiedene Fotografen gebeten, einen Einblick dazu zu geben, wie sie zu ihren Buchcovern gekommen sind.

Ihr werdet nach dem Lesen eventuell mehr Fragen haben als vorher. Das ist durchaus in Ordnung, denn ich möchte dem Thema gern noch einen umfassenderen Artikel widmen. Dafür möchte ich Eure Fragen in den Kommentaren sammeln und sie anschließend ausführlich mit Fotografen, Agenturen und Verlagen zu beantworten.

BuchcoverBuchcover

Andrea Hübner

Meine Bilder haben in den letzten Jahren das eine oder andere Buchcover geschmückt, da ich gern atmosphärische Bilder mache und auch meine Detailaufnahmen sehr gern für Buchcover genutzt werden. Dabei wurde ich jedes Mal kontaktiert, entweder vom Verlag selbst oder einer Grafikagentur, die das Cover für den Verlag erstellt. Ich selbst habe nie aktiv bei Verlangen angefragt und werde auch von keiner Bildagentur vertreten.

Es ist auch nach Jahren immer noch spannend, wie meine Fotografien auf Büchern wirken und ich freue mich, wenn sie durch die Buchcover die Welt bereisen. Inzwischen sind meine Fotos auf Buchcovern in Deutschland, Spanien, Italien, den USA, Norwegen, Großbritannien, China, den Niederlanden und Frankreich zu sehen.

 

BuchcoverBuchcover

Katja Kemnitz

Die Agentur Arcangel Images hatte mich Ende 2014 angeschrieben, ob ich meine Bilder nicht über sie verkaufen möchte. Nach ein wenig Recherche meldete ich mich an und lud einige meiner Fotos in ihren Katalog. Ich fand den Gedanken an ein Buchcover sehr verlockend, nicht wegen des Geldes, sondern weil meine Fotos so einen weiteren Nutzen bekommen und nicht nur sinnlos im Archiv verstauben. Gleichzeitig wollte ich sie aber auch nicht einfach verschleudern, weshalb ich mich für die Lizenz „Rights Managed“ entschied.

Nachdem ich ein Jahr lang kein Bild verkauft hatte, war ich schon kurz davor, den Vertrag zu kündigen. Ich hatte immerhin mittlerweile 150 Fotos im Katalog. Im Frühjahr 2016 kam dann endlich die ersehnte Nachricht von der Agentur: Ein Buchcover! Mittlerweile habe ich drei in kürzester Zeit verkauft. Geduld und regelmäßiger Upload, um das eigene Portfolio bei der Agentur zu erweitern, sind wichtig, um Erfolg zu haben. Für meine Bilder habe ich zwischen 120 und 220 € bekommen.

 

© Sarah Ann Loreth© Sarah Ann Loreth

Sarah Ann Loreth

Ich arbeite aktuell mit verschiedenen Agenturen, um meine Arbeiten zu lizensieren: Arcangel Images, Trevillion Images und Image Brief. Das größte Glück hatte ich mit Arcangel, über die über 30 Buchcover entstanden sind, aber dort habe ich auch die meisten meiner Bilder im Katalog.

Der größte Trick bei Stockagenturen ist, den Markt gut zu kennen und die Bilder gut zu verschlagworten, damit die Kunden sie auch finden können. Und je größer die Bibliothek, desto größer sind auch die Chancen. Über meine Erfahrungen habe ich bereits einen ausführlichen Beitrag geschrieben.

 

Bild eines Mannes mit zweigBuchcover

Hady

Ein Agent vom Verlag Suhrkamp in Berlin fand im Netz eines meiner Bilder so interessant, dass mir der Verlag für die Nutzung als Buchcover eines seiner Romane ein Angebot unterbreitete. Da es mein erstes Angebot war und ich mich sehr darüber freute, sagte ich voller Stolz zu.

Es ging um ein Portrait von Carlos, der Architekt ist und seine Wurzel im Libanon hat. Ich erzählte ihm von dem Angebot, er sagte erfreut zu und wir waren beide gespannt auf das Buch. Wir erhielten 500 € und sollten zwei Exemplare vor der Veröffentlichung bekommen, aber leider kam es anders.

Carlos rief mich eines Tages an, denn seine Schwester hatte das Buch in einer Buchhandlung entdeckt: Wir wussten, dass es sich um einen Liebesroman handelte, aber nicht, dass es um die Geschichte eines türkischen, homosexuellen Männerpaars geht. Mir war es peinlich, dass ich den Verlag nicht nach Details gefragt hatte.

Carlos wollte erst einmal nirgends verlinkt oder erwähnt werden, aber er erzählte es trotzdem in seinem Freundeskreis und sie waren stolz auf ihn und mittlerweile ist er es auch. In diesem Fall habe ich mein Lehrgeld bezahlt und freue mich nun auf die nächsten Angebote. Fazit für mich: Immer ganz genau nachfragen.

 

BuchcoverBuchcover

Andrea Peipe

Ich biete meine Fotos bei drei verschiedenen Agenturen an: Der Standard-Bildagentur Getty Images, der etwas kleineren deutschen Agentur Novarc Images und der englischen Agentur Arcangel Images. Ich habe bei allen drei Agenturen schon Bilder verkauft, für Buchcover finde ich aber Arcangel Images am besten und auch am geeignetsten.

Ich habe das Gefühl, dass dort meine künstlerischen Fotos am besten ankommen, gerade auch manchmal etwas düstere oder experimentellere. Manchmal experimentiert man ja auch nur bei einer Fotosession und möchte diese Fotos zwar verwenden, jedoch nicht in seinem regulären Portfolio haben. Gerade solche Bilder schicke ich gern dorthin.

In den letzten Jahren bekam ich insgesamt acht Buchcover, davon sieben mit Arcangel. Wenn man Fotos hat, bei denen man sich gut vorstellen könnte, dass diese auf dem Markt für Buchcover gut ankommen, lohnt es sich, diese einmal bei Arcangel Images vorzuschlagen – vielleicht findet man sein Bild ja schon ein paar Monate später im Buchladen wieder!

 

Habt Ihr auch bereits Fotos zur Verwendung als Buchcover verkauft und könnt diese Erfahrungen ergänzen? Ist das Thema überhaupt interessant für Euch und welche Fragen habt Ihr nach dem Lesen? Ich freue mich über Eure Kommentare!

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6 Kommentare

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  1. Generell meide ich ja Bücher die Bilder auf dem Cover haben, weil dementspreched meist der Inhalt nicht so viel hergibt. Aber ich finde das Bild von Hady echt gut und auch den Standpunkt der Geschichte sehr interessant. Nachfragen ist natürlich gut, sonst würde am Ende noch jemand dein Model mit Homosexualität in Verbindung bringen und das wäre ja schrecklich.

  2. Toll! Das ist ja gerade genau mein Thema! Allerdings nicht nur Buchcovergestaltung mit Fotografien, auch eigene Skizzen, Textgestaltung usw. Bin am Überlegen, ob ich den Bereich nicht weiter ausbauen kann. Werde mir den Artikel heute Abend in Ruhe durchlesen und vielleicht wird die eine oder andere Frage aufkommen. Danke!

  3. Schade, dass Menschen heute noch (zugeschriebene) homosexualität peinlich sein muss.

    Klasse Artikel. Ich hab mir über die Bilder auf Büchern noch nie Gedanken gemacht. Jetz möchte ich auch eins meiner Bilder auf einem Buch sehen…

  4. Interessanter Artikel, der mich gleich mal auf die Seite von Arcangel Images geführt hat.

    Dennoch, ein paar Fragen sind für mich offen geblieben: ist die Agentur nur auf die Buchcovergestaltung beschränkt oder schliesst das auch Kunden aus dem Bereich der CD/LP-Produktion ein?

    Was heißt, „regelmäßig“ in sein Portfolio abliefern? Täglich, wöchentlich? Wieviele Bilder? Konnte auf der Webseite keine konkreten Zahlen finden.

    @Katja: wird da seitens der Agentur „Druck“ gemacht, wenn man mal eine kreative Pause macht? Gerade als Amateur/Semi-Profi kann und will man sich ja nicht ständig einem „Ablieferdruck“ aussetzen.

    Wie wichtig ist eine eigene Webseite als Referenz, um da einzusteigen? Zumindest wird bei der Erstregistrierung nach einem Link gefragt.

    Freue mich jedenfalls auf eine Fortsetzung zum Thema.