08. Juni 2014 Lesezeit: ~7 Minuten

Fenster: Ausstellungstipps, Ausgabe 4

So langsam macht sich die Sommerpause bemerkbar: Es gibt weniger intessante Ausstellungen und unsere eigenen Köpfe schweben auch mehr in den Wolken der Sommerurlaubsplanung. Trotzdem können wir Euch heute vier Ausstellungen in Berlin, Wien und Köln ans Herz legen.

Ein Mann steht auf einem Felsvorsprung und schaut in die Weite.

Berlin

Tipp von Marit Beer

Wer unser Magazin aufmerksam verfolgt, dem müssen wir Bastian Kalous eigentlich nicht mehr vorstellen. Und wer noch einen weiteren Hinweis braucht, dem sei das Wort Polaroid zugeworfen.

Noch bis zum 14. Juli zeigt der Sofortbildshop „Istantland“ in seinen neuen Räumlichkeiten in der Mulackstrasse 22 in Berlin einige seiner Arbeiten. Und da man Nützliches mit Schönem gern verbindet, bin ich diese Woche direkt mal vorbei gegangen. Und diese neuen Räumen sind schön! Auf zwei Etagen zeigen weiß getünchte Wände bayrische Bergseen und Gebirgsketten in himmlischen Farben.

Und wer vom Beine-in-den-Bauch-Stehen schon ganz fertig ist, der kann sich in olivfarbene und bequeme Sessel sinken lassen. Am besten im unteren Geschoss, da, wo der Raum so klein ist, dass nur ein Sessel reinpasst und sonst nichts. Dort kann man verweilen und die Bilder an der Wand aus anbetungswürdiger Pose bewundern.

Wer Bastian Kalous auch persönlich treffen möchte, der sollte sich zum Ausstellungende nach Berlin begeben. Das genaue Datum, zu dem er aus dem bayrischen Exil in die Hauptstadt kommt, steht allerdings noch nicht fest und wird beizeiten auf der Facebookseite der Ausstellung bekannt gegeben.

Nebenbei kannst Du Dich übrigens nett mit dem Besitzer unterhalten, Dich über die neuesten Entwicklungen bei Impossible erkundigen und vielleicht auch einen dieser unglaublich teuren Filme kaufen.

 

Frauen auf einer Bank.

Eine Frau tanzt auf einer Party zwischen Männern.

Wien

Tipp von Katja Kemnitz

Ich weiß nicht, ob man die Galerie WestLicht in Wien überhaupt noch jemandem empfehlen muss, denn ich finde fast jede Ausstellung so interessant, dass ich es jedes Mal bedaure, etwa 900 km weit weg zu wohnen.

Seit dem 6. Juni läuft zum Beispiel die Ausstellung „Women are beautiful“ mit Arbeiten von Garry Winogrand, die 85 Straßen-Fotografien aus den 1960er und 70er Jahren zeigt. Und wie der Name schon sagt, hat Garry Winogrand in seiner Serie Frauen dokumentiert.

Ein Portrait einer Zeit des Aufbruchs: Die Ausübung neu gewonnener – und neu erkämpfter – innerer und äußerer Freiheiten brachte in den Nachkriegsjahrzehnten einen Wandel im Selbstbild der Frau. Winogrands Serie dokumentiert, wie die gesellschaftliche Veränderung im öffentlichen Leben Form annimmt.

Seine Kamera folgt den Frauen durch die Straßen von Manhattan, durch die Parkanlagen und auf High-Society-Partys und beobachtet, wie sie mit selbstbewusster Eleganz den öffentlichen Raum für sich beanspruchen und sich soziale Transformation in Körpersprache, Auftreten und Habitus manifestiert.

Garry Winogrand gilt als manischer Fotograf, der keine Straße entlang gehen konnte, ohne einen Film zu füllen. Als er 1984 starb, hinterließ er etwa 2500 unentwickelte Filme. Die Serie „Women are beautiful“ hat Garry jedoch noch selbst editiert und auch als Buch herausgebracht*. Der Band ist jedoch eine absolute Rarität und daher kaum zu bezahlen.

 

Eine Reihe indischer Gummibäume, auf deren großen Wurzeln zwei Männer sitzen.

Skeen & Co: Indische Gummibäume. 1031, ca. 1870er Jahre, Albuminabzug, 221 x 280 mm,
Museum für Ostasiatische Kunst Köln, P 388

Ein historischer Tempel, in dem eine Säule schief über einem Durchgang lehnt.

Antonio Beato: Hipostyle Halle, großer Tempel und schiefe Säule, Karnak,
ca. 1870er Jahre, Albuminabzug, 283 x 226 mm, Museum für Ostasiatische Kunst Köln, P 564

Kolorierte Aufnahme einer asiatischen Frau, die mit Bällen jongliert.

Anonym: Mit Temari-Bällen jonglierende Frau, ca. 1890er Jahre, Albuminabzug, handkolo-riert, 266 x 206 mm, Museum für Ostasiatische Kunst Köln, P 132

Köln

Tipp von Aileen Wessely

Das Museum für ostasiatische Kunst zeigt noch bis zum 7. September seine Ausstellung „Von Istanbul bis Yokohama: Die Reise der Kamera nach Asien 1839-1900“. Sie feiert das 100-jährige Bestehen des Museums und zeigt 350 historische Fotografien der Sammlung, aufgenommen von europäischen und einheimischen Fotografen.

Diese Fotografien wurden von den Gründern des Museums, Adolf Fischer (1856-1914) und seiner Frau Frieda (1874-1945), auf gemeinsamen Ankaufreisen gesammelt, die sie nicht nur nach Ägypten, Indien, Ceylon, Birma und Singapur, sondern auch nach Japan, China und Korea führten.

Sie stammen zumeist aus kommerziellen Fotostudios, die sich nach der Öffnung des Suez-Kanals gern in der Nähe der großen Häfen ansiedelten, die den Globetrottern die Bilder als fertige Souvenirs anboten. Die populären Dampferrouten werden in der Ausstellung rekonstruiert, mit den Fotografien illustriert und auch zu anderen Objekten der Sammlung in Beziehung gesetzt.

Die Fotografien bezeugen nicht nur das hohe künstlerische Niveau der frühen Fotopioniere, sie machen aus heutiger Sicht auch die romantische Verklärung und den unwiederbringlichen Verlust alter, gewachsener Kulturen im vorderen Orient sowie in Ost- und Südostasien deutlich.

Zur Ausstellung erscheint auch ein Katalog in deutscher und englischer Sprache, der für 34 € im Museum erhältlich ist.

Adresse: Universitätsstraße 100, 50674 Köln
Öffnungszeiten: Di – So 11 – 17 Uhr, Mo geschlossen, 1. Do im Monat 11 – 22 Uhr
Eintritt: 9 € / ermäßigt 5 €

 

Kennedy auf seiner Triumphfahrt durch Berlin, 1963.

Ulrich Mack: Kennedys Triumphfahrt, Berlin 1963

Köln

Tipp von Aileen Wessely

Auch das Forum für Fotografie feiert: Nicht sich selbst, sondern das Doppeljubiläum von 100 bzw. 90 Jahren von Leica. Vor 100 Jahren entwickelte Oskar Barnack das Ur-Modell der Leica, das erstmals eine handliche Kleinbildkamera, ganz aus Metall gefertigt, mit Schlitzverschluss und neuem Bildformat von 24 x 36 mm war.

Vor 90 Jahren beschloss Ernst Leitz die Serienfertigung der Leica mit dem von Max Berek entwickelten Objektiv mit den nun historischen Worten „Es wird riskiert!“ Damit wurde die Leica zum Meilenstein der Geschichte der Fotografie; sie trieb ihre Entwicklung wie nur wenige andere voran und gilt als Basis des modernen Fotojournalismus.

Die Ausstellung „Meisterwerke berühmter Leica-Fotografen“ wurde von Knut Kühn-Leitz, dem Enkel von Ernst Leitz, zusammengetragen. Zu sehen sind ikonische Aufnahmen von Meistern wie unter anderem Henri Cartier-Bresson, Elliot Erwitt, Thomas Hoepker, Sebastiao Salgado und Aufnahmen der Ur-Leica von Oskar Barnack.

Es erscheint zusätzlich eine Biografie über Ernst Leitz, die als Bildband mit Texten verschiedener Autoren konzipiert ist, die die unternehmerischen Risiken und technischen Herausforderungen beleuchten, denen er sich erfolgreich gestellt hat. So wird gleichzeitig auch die Erfolgsgeschichte der Leica nachgezeichnet.

Ausstellungsdauer: 7. Juni – 13. Juli 2014
Adresse: Schönhauser Str. 8, 50968 Köln
Öffnungszeiten: Mi – Fr 14 – 18 Uhr, Sa 12 – 18 Uhr, So 12 – 16 Uhr
Eintritt: Erwachsene 2 €, ermäßigt 1 €

 

Habt Ihr weitere Empfehlungen für andere Leser? Welche Fotoausstellung hat Euch kürzlich begeistert, die noch geöffnet ist? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

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