16. April 2014 Lesezeit: ~7 Minuten

Fenster: Ausstellungstipps, Ausgabe 2

Eigentlich wollten wir erst in der nächsten Woche die neue Ausgabe unserer Ausstellungstipps veröffentlichen. Aber da wir jetzt schon so viele neue Empfehlungen für Euch haben, verkürzen wir den Abstand ganz einfach und hoffen, dass ein paar für Euch spannende Veranstaltungen dabei sind!

Familie Ostkreuz © 2014 Birthe Templin

Berlin

Tipp von Robert Herrmann

Für die meisten von Euch ist es sicherlich nichts Neues, dass auch wir Redakteure fotografieren. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um also einmal eine Empfehlung in eigener Sache abzugeben.

Wer zu Ostern in Berlin ist und die eiergesättigten Festtage mit einer Prise Kultur würzen möchte, sei eingeladen, sich die Gruppenausstellung „~Familie“ im Kunsthaus Bethanien anzuschauen.

Wir sind elf Fotografen, die sich ein Jahr lang unter der Leitung von Thomas Meyer an der Ostkreuzschule für Fotografie mit dem Thema Familie auseinandergesetzt haben. Was bedeutet heutzutage Familie? Wie bestimmt sie unser Leben? Wo findet sie im öffentlichen Raum statt? Herausgekommen sind ganz unterschiedliche Arbeiten, von ganz privat bis ironisch distanziert. Von sehr nah bis völlig abseitig.

Die Vernissage findet am Donnerstag den 17. April ab 19:00 Uhr statt.
Ort: Kunstquartier Bethanien, Projektraum, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin-Kreuzberg
Dauer der Ausstellung: 18. – 20. April 2014, täglich von 14 bis 20 Uhr
Der Eintritt ist frei.

 

Hilao Moyizo Village, 2011 © Jimmy Nelson

Hilao Moyizo Village, 2011 © Jimmy Nelson

Tipp von Aileen Wessely

Der Fotograf Jimmy Nelson hat unter dem Titel „Before They Pass Away“ ein epochales Werk über die letzten indigenen Völker dieser Erde geschaffen. Und der Titel ist Programm, denn es geht darum, den Rest der Welt aufzurütteln, denn diese Kulturen werden höchstwahrscheinlich aussterben, wenn alles so weitergeht.

Besonders gefällt mir diese große Serie, da sie sehr, sehr viele Völker umfasst, die Nelson überall auf dem Globus aufgesucht und fotografiert hat, ohne dabei einen dokumentarischen Ansatz mit einem Schema X anzusetzen, um ja alle Kulturen irgendwie gleich darzustellen. Jimmy Nelson ist nicht objektiv, sondern ganz und gar subjektiv. Und leidenschaftlich.

Er wählt immer wieder unterschiedliche Darstellungs-, Portrait- und Inszenierungsformen. Einzelportraits vor schwarzem Hintergrund, Gruppenaufnahmen in der weiten Landschaft oder im überbordenden Wald. Gruppensitzungen in den typischen Behausungen ebenso wie aus dem Alltag heraus festgehaltene Szenen und Portraits.

Die Farbigkeit ist es, die mich bei seinen Arbeiten positiv erschlägt, über sie transportiert sich für mich ganz klar die Faszination. Noch bis zum 21. Juni 2014 ist die Ausstellung in den Berliner Galerien Camera Work und CWC Gallery gleichzeitig zu sehen, die gemeinsam den erforderlichen Platz für die vielen Bilder zur Verfügung stellen.

 

Francesca Woodman, Untitled , New York, 1979/2001 Schwarz-Weiß-Silbergelatineabzug auf Barytpapier / Black-and-white gelatin silver print on barite paper 14,7 × 14,8 cm / 25,3 × 20,2 cm © Courtesy George and Betty Woodman, New York / SAMMLUNG VERBUND, WienFrancesca Woodman, Untitled , Providence, Rhode Island, 1976/1999 Schwarz-Weiß-Silbergelatineabzug auf Barytpapier / Black-and-white gelatin silver print on barite paper 14 × 14,4 cm / 25,2 × 20,2 cm © Courtesy George and Betty Woodman, New York / SAMMLUNG VERBUND, Wien

Wien

Tipp von Marit Beer

Anfang des Jahres brachte die Sammlung Verbund die erste deutschsprachige Monografie von Francesca Woodman heraus, die einen neuen Blick auf ihre Arbeiten eröffnet und demnächst auch hier auf kwerfeldein in Form einer Rezension vorgestellt wird.

Die Vertikale Galerie in der Verbund-Zentrale in Wien zeigt noch bis zum 21. Mai 2014 ihr zu Ehren eine Ausstellung, mit 80 Fotografien aus den Beständen der Sammlung Verbund. Die Ausstellung ist jeden Mittwoch um 18 Uhr und jeden Freitag um 16 Uhr im Rahmen einer kostenlosen Führung zu besichtigen. Es wird darum gebeten, sich telefonisch oder per E-Mail vorher anzumelden.

Francesca Woodman, Self deceit #1 , Rome, Italy, 1978/1979 Schwarz-Weiß-Silbergelatineabzug auf Barytpapier / Black-and- white gelatin silver print on barite paper 9 × 9 cm / 24,7 × 20,2 cm © Courtesy George and Betty Woodman, New York / SAMMLUNG VERBUND, WienFrancesca Woodman, Untitled , Rome, Italy, 1977–1978/2006 Schwarz-Weiß-Silbergelatineabzug auf Barytpapier / Black-and-white gelatin silver print on barite paper 15,1 × 14,9 cm / 25,1 × 20,2 cm © Courtesy George and Betty Woodman, New York / SAMMLUNG VERBUND, Wien

Leider habe ich bisher selbst noch nicht den Weg von Berlin nach Wien geschafft, wünsche mir dies aber um so mehr, weil ich die Arbeiten Francesca Woodmans sehr schätze. In meinem Bücherregal türmen sich die Publikationen, die ihren Namen tragen. Ich habe hier schon einmal ihre Arbeiten besprochen und weiß, dass sie viel Einfluss auf Fotografen unserer Zeit hat.

Wer also in Wien oder der näheren Umgebung ist, dem empfehle ich unbedingt, diese Ausstellung zu besuchen, vor allem, weil Ausstellungen dieser Künstlerin relativ rar gesät sind.

 

Sonnenstraße © Frank Gaudlitz

Provisional Installations © Sebastian Keitel

Köln

Tipp von Aileen Wessely

Fünf Räume, vier Fotografen und drei Kontintente. Das ist das Konzept der aktuellen Gruppenausstellung in den Kunsträumen der Michael-Horbach-Stiftung, die am 10. April eröffnet wurde und noch bis zum 10. Juni 2014 zu sehen ist.

Frank Gaudlitz zeigt Arbeiten aus seiner Arbeit „Sonnenstraße“, für die er 2500 km quer durch Südamerika zurücklegte und den wichtigsten Orten von Alexander von Humboldts Forschungsreise von 1802 folgte. In wirklich beeindruckenden, großformatigen Schwarzweiß-Arbeiten erlebt man die südamerikanische Landschaft und farbige Portraits zeigen die Einwohner in ihren Häusern.

Um das Wie und Wo des Wohnens geht es auch in der Arbeit „Provisional Installations“ von Sebastian Keitel, der in sehr großformatigen, bunten und eindringlichen Bildern die Interieurs von Slumhütten aus Dhaka zeigt. Für die Arbeit „Water Gypsies“ besuchte die Fotografin Maria M. Litwa zwei Siedlungen von muslimischen Flussnomaden, ebenfalls in Dhaka.

Water Gypsies © Maria M. Litwa

© Bill Perlmutter, Galerie Hilaneh von Kories© Bill Perlmutter, Galerie Hilaneh von Kories

Nach so viel für unsere Augen Exotisches von fernen Kontintenten ist es dann besonders spannend, im Kontrast Bill Permutters Arbeiten im zuhinterst gelegenen Raum zu betrachten. Als amerikanischer Soldat reiste er in den 50er Jahren durch das Nachkriegseuropa und brachte vielseitige Beobachtungen von den Straßen der Stadte mit – wiederum in schwarzweiß.

Die Vernissage musste ich leider ohne die zwei Bilder und vier Bücher, die ich zu gern gehabt hätte, verlassen, weil ich gerade keine Summe im mittleren vierstelligen Bereich bei mir hatte, aber viele der ausgestellten Arbeiten gibt es auch zu erschwinglichen Preisen in regulären Buchausgaben zu erstehen und das Anschauen allein lohnt sich auch allemal.

Die Kunsträume sind mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

 

Fischer. Weligama, Südküste, Sri Lanka, 1995, © Steve McCurry / Magnum Photos

Fischer. Weligama, Südküste, Sri Lanka, 1995, © Steve McCurry / Magnum Photos

Bettlerin, Bombay, Indien, 1993.  © Steve McCurry / Magnum Photos

Bettlerin, Bombay, Indien, 1993. © Steve McCurry / Magnum Photos

Erfurt

Tipp von Katja Kemnitz

Selbst, wem der Name Steve McCurry nichts sagt – mindestens eines seiner Bilder hat wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen. Das Foto „Afghan Girl“ ist eines der beeindruckendsten Portraits des Magnum Fotografen und wird zurecht oft afghanische Mona Lisa genannt.

Dieses und viele weitere farbgewaltige Bilder kann man noch bis zum 22. April 2014 in der Kunsthalle Erfurt sehen. McCurry dokumentierte zahlreiche Kriege und Konflikte, vor allem in Asien und im mittleren Osten. Die Ausstellung verspricht einen umfassenden Überblick über sein Werk.

Nachdem seine Bilder bereits Station in Wolfsburg und Hamburg gemacht haben, hoffe ich sehr, dass sie nach Erfurt auch bald in meine Gegend kommen werden. Wer die Chance hat, sie zu sehen, sollte sie unbedingt nutzen.

 

Welche Ausstellungen haben Euch kürzlich begeistert? Lasst es uns und alle anderen Leser in den Kommentaren wissen!

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2 Kommentare

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    • LANDSHOFF nur noch bis inkl. Ostermontag! Deshalb bei örtlicher Nähe unbedingt hin; sehr lohnenswert!
      „Der letzte unentdeckte Fotograf des 20. Jahrhunderts“ klingt zwar etwas abgedroschen, trifft’s aber schon ziemlich gut. Unglaublich gut vernetzt unter seinen zeitgenössischen Kollegen und nicht zuletzt Mentor von keinem Geringeren als Richard Avedon …

      Danke für den Tipp bezüglich der Versicherungskammer!