20. Februar 2012 Lesezeit: ~ 8 Minuten

Die Fotos der anderen

Meine Runde durch’s Internet beginnt und ich sehe mit heruntergeklappter Kinnlade ein grandioses Landschafsfoto auf der Startseite der Fotocommunity. Einige Minuten später entdecke ich ein bis auf’s kleinste Detail und bis zur Perfektion bearbeitetes Fashion-Foto auf Flickr, dann weckt auf 500px ein HDR-Bild meine Aufmerksamkeit und erntet meine Bewunderung.

Und ja – da war gestern auch noch das gestochen scharfe Makro, das mich mehrere Minuten lang fasziniert hat, das unglaubliche Levitationsbild, das mit viel Kreativität, gehobenen Photoshop-Kenntnissen und außergewöhnlichen Requisiten umgesetzt wurde. Nicht zu vergessen das Architekturfoto, das mich so begeistert hat, dass es sofort in meinem Favoritenordner gelandet ist.

Und was habe ich zu bieten? Meine Fotos kommen mir angesichts dieser riesengroßen Flut an kreativen, technisch perfekt umgesetzten, penibel bearbeiteten, wunderbar gefühlvollen, interessanten und in meinen Augen einfach perfekten Fotos banal vor. Langweilig. Technisch mangelhaft, unkreativ. Alles andere als abwechslungsreich. Einfach nur mittelmäßig. Wie kann ich bloß meine Arbeiten verbessern und vorantreiben?

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Sollte ich mir ein Makro-Objektiv zulegen? Jedes Mal, wenn ich gestochen scharfe Bilder von Schmetterlingen im Morgentau sehe, wünsche ich mir, das auch zu können. Die Ausrüstung zu haben; die Stellen zu kennen, an denen man solch faszinierende Bilder machen kann.

Vielleicht wäre es aber auch hilfreicher, sich erst einmal um ein passendes Weitwinkel-Objektiv zu kümmern oder gleich ein Tilt-Shift-Objektiv zu kaufen, um endlich einen Schritt in der Architektur-Fotografie weiter zu kommen. Mit meinen alten Fotos, die ich vor langer Zeit mal mehr schlecht als recht gemacht und bearbeitet habe, kann ich doch einpacken!

Seit einer gefühlten Ewigkeit möchte ich mich auch gern einmal an einem HDR-Bild versuchen. Eine geeignete Software wäre wohl auch eine Anschaffung wert. Wie lange es wohl dauern würde, das Programm zu beherrschen und zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen? Nein, vielleicht lasse ich das doch lieber bleiben; an das, was ich da in diversen Communities sehe, komme ich doch sowieso niemals heran.

Und meine Portraits? Die müssen besser werden, außergewöhnlicher. Ich sollte mir mehr Photoshop-Kenntnisse aneignen, um besser bearbeiten zu können! Und vor allem: Bei Shootings sollte ich kreativer sein und nicht immer nur dasselbe machen, immer und immer wieder. Vielleicht wäre ein Workshop die Lösung! Alleine und ohne Hilfe komme ich wohl niemals auf das Niveau der Fotos, die ich tagtäglich im Internet so bewundere.

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Das Betrachten toller, außergewöhnlicher Bilder fasziniert mich, es inspiriert mich und spornt mich an. Es fordert mich heraus, gibt mir neue Impulse und lässt mich oft eine halbe Ewigkeit am Computer verweilen. Ich lasse mich davon aber auch manchmal unter Druck setzen. Möchte schneller lernen, besser retuschieren können, mehr ausprobieren. Vor allem, weil mich so viele Bereiche und Themen ansprechen und anziehen. Weil mir so viele Stile gefallen.

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Im Gespräch mit anderen Fotografen habe ich erfahren, dass es nicht nur mir so geht und dass nicht nur in meinem Kopf die oben (überspitzt) beschriebenen Gedanken kreisen. Wenn das Herz an etwas hängt und wenn man dazu das, was man tut, mit Perfektion umsetzen möchte, gerät man wohl immer wieder in Phasen, in denen man unzufrieden ist mit dem, was man erschafft. Phasen, in denen man keinerlei Fortschritt sieht und vielleicht sogar glaubt, einen Rückschritt zu machen.

In genau diesen Phasen wird man dann als Fotograf oder noch allgemeiner gesagt als Künstler von den oben genannten Gedanken überfallen, man dreht sich im Kreis. Man glaubt vielleicht auch einige Zeit, dass man sich für immer und ewig in diesem kreativen Loch befindet und so heftig strampeln kann, wie man möchte, am Ende trotz aller Anstrengungen aber doch nicht heraus kommt.

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Die Zeit hat mich jedoch gelehrt, dass jede Phase, in der man am liebsten alles hinschmeißen möchte, endet. Ein Patentrezept gibt es zwar nicht und es fällt schwer, den Druck, den man sich manchmal macht, abzulegen.

Ein Schlüssel zur Lösung des Problems besteht aber sicher darin, Geduld zu haben. Geduld mit sich selbst. Eine große Portion. Sich Zeit und Raum zum Experimentieren zu lassen und weniger erfolgreiche Tage und Shootings zu akzeptieren, denn – auch das habe ich von anderen Künstlern gelernt – diese schlechten Tage hat jeder. Ebenso aber auch ausgedehnte Phasen, in denen man viel länger auf der Stelle tritt als einem selbst lieb ist. Und sich stattdessen doch so gerne weiter entwickeln möchte!

Besonders hilfreich in diesen ‘schlechten’ Phasen waren für mich Shootings, Fototouren und auch Photoshop-Sessions mit anderen Fotografen, weil sich hierbei ganz neue Herangehensweisen und Blickwinkel auftun können. Weil man eingetretene Pfade verlässt und angeregt wird, eigene und fremde Methoden zu vermischen und zu neuen Ergebissen zu kommen. Das motiviert auf’s Neue.

Die Kamera in eine Ecke zu schmeißen und vor lauter Frust ewig nicht anzurühren erhöht, zumindest in meinem Fall, den Druck vor dem nächsten Shooting und die Angst, wieder ‘zu scheitern’. Sicher tut eine Pause ab und an gut, in der man seine Gedanken auf völlig andere Dinge lenkt und vielleicht auf eine Art und Weise kreativ wird, die mit Fotografie nichts zu tun hat. Weiter entwickeln kann man sich jedoch nicht, ohne zu üben.

Es gehört Mut dazu, in diesen Phasen die Kamera eben doch wieder in die Hand zu nehmen. Projekte anzugehen, von denen man denkt, dass sie eine Nummer zu groß sind, besonders wenn man gerade an sich zweifelt. Aber man kann nur wachsen, kann sich nur weiter entwickeln und von der Stelle kommen, wenn man die Herausforderung annimmt. Neugierig, experimentierend, auch das temporäre ‘Scheitern’ akzeptierend.

Denn selbst wenn man das gewünschte Ergebnis nicht erzielt – mit jedem Shooting lernt man! Mit jeder Stunde Retusche in Photoshop geht man einen Schritt weiter. Auch wenn man das im Augenblick der vermeintlichen Scheiterns, des auf der Stelle Tretens nicht realisiert.

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Und der folgende Punkt ist vielleicht der wichtigste, um mit sich und seinem eigenen fotografischen Werdegang wieder ins Reine zu kommen: Man sollte nie vergessen, dass die Weiten des Internets mit ihren unzähligen Communities für Fotografie wohl wie das Schaufenster einer übergroßen Pralinenmanufaktur sind. Man steht vor der Scheibe, betrachtet die feinen Kreationen, die einem das Wasser im Munde zusammen laufen lassen.

Bewundert. Schaut hier und da. Entdeckt immer wieder Neues, Faszinierendes. Und möchte natürlich probieren und am liebsten das Rezept erfahren. Damit man das, was man da sieht, auch kreieren kann. Möchte sich neue Zutaten in Form einer besseren Kamera oder eines neuen Objektivs kaufen.

Dabei sind diese Pralinen, die man nach und nach in einer Pralinenschachtel namens ‘Favoritenordner’ sammelt, das Beste vom Besten. Und sie stammen nicht von einer einzigen Person, sondern sind eine Sammlung der besten Arbeiten verschiedenster Fotografen.

Alle Rezepte zu kennen und dann auch noch umsetzen zu können, würde dem Beherrschen von einem Dutzend Sprachen gleich kommen. Und ein Dutzend Sprachen zu beherrschen ist ein bisschen zu viel verlangt, nicht wahr?

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Ich selbst vergesse das oft genug. Drehe mich im Kreis. Möchte viel Gutes auf einmal produzieren, eine ganze Pralinenpackung voll. Und muss mich daran erinnern, dass es auch ausreicht, eine einzige feine Kreation zu erschaffen, bevor ich irgendwann die nächste in Angriff nehme. Rom wurde schließlich auch nicht an einem einzigen Tag erbaut.

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69 Kommentare

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  1. Wie wahr!!!!!!! Das sind ja auch nur einzelne tolle Ergebnisse aus dem ganzen Werk eines anderen Fotografen. Wichtig ist, gewissermaßen seinen eigenen Stil zu finden und den weiterzuentwickeln und die Freude dran nicht zu verlieren.

    Ich finde man merkt den Fortschritt oft daran, wenn man Monate später wieder Bilder von anderen Fotografen ansieht, die einen ein Jahr zuvor wahnsinnig fasziniert haben. Viele der Bilder erscheinen einem dann ‘normaler’, weil man selbst soviel dazugelernt hat ohne es richtig zu merken.

  2. Ich glaube so geht es jedem zwischendurch oder an einem gewissen Punkt.

    Aber zu DEM perfekten Foto was dann in den Favoriten landet gehört ja noch viel mehr als der Fotograf. Das Landschaftsfoto braucht genau das passende Licht, am passende Ort und dann noch das richtige Gefühl des fotografierenden.
    Können ist das eine, das Glück zu haben den genau richtigen Moment zu erwischen das andere.

    Das Internet zeigt auch immer wie viele sehr gute Fotografen es auch einfach gibt auf der Welt. Würde man die mit Stecknadeln auf einer Weltkarte anstecken würde es sich vermutlich wieder relativieren.

    Grad ein Einsteiger verliert sich schnell in den Unmengen an tollen Fotos in den diversen Communitys.
    Aber man muss auch seine eigene Leidenschaft finden und lieben lernen – denn wenn man dann mal auf die Portfolios der verschiedenen Fotografen schaut, stellt man doch schnell fest das diese seit Jahren fast nur Fotos aus eben diesem Bereich (Macro, Landschaft, Städte, Street, Portrait oder Fashion) machen.
    Es sind in den verschiedenen Bereichen ganz verschiedene Fähigkeiten gefragt.

    Aber es ist ja auch das faszinierende an der Fotografie… für mich.

  3. mich befaellt ein merkwuerdiges gefuehl beim lesen dieser zeilen. du bist anhand der bilder der anderen unzufrieden mit den eigenen und ueberlegst dir als loesung, welches technische gadget dich aus der krise reisst?
    das halte ich fuer einen trugschluss. auch wenn es uns von den werbebannern in den communities so gepredigt wird.

    ich haette da einen 2-punkte-plan:

    1. reduzieren. mit einer absoluten basic-kamera losgehen, die gar nicht viel kann. damit du dich auf die bilder zurueckbesinnst und nicht auf effekte. damit du fuehlst, dass du es in der hand hast. nicht die austruestung.

    2. internet ausmachen. wenn dich andere bilder demotivieren, statt zu inspirieren, ist das nicht gut. es geht um dich und nicht um die anderen (sorry, ihr anderen).

    lg ruedi

    • hey ruedi,

      die anschaffung neuen equipments war mal einer der gedanken, die kamen, um die eigene entwicklung voranzutreiben-mittlerweile steht eher das ausprobieren und das mit-sich-geduld-haben im vordergrund. der tip mit einer basic-cam loszuziehen ist defintiv gut. wenn ich z.b. mit der holga fotografiere, achte ich viel mehr auf das motiv etc., anstatt einfach drauf los zu knipsen.

      lg, patty

  4. Das war wirklich schön zu lesen. Sich in dem Text wieder zuerkennen, in der Frustration, der Erkenntnis und der Beschwichtigung. Die meisten von uns stehen wohl irgendwo in der Mitte der Kette, nach oben die Bilder anderer bewundern, von unten von anderen bewundert werden. Das muss man sich nur immer wieder bewusst machen.

  5. Hallo Patricia, ein sehr schöner Artikel, der mich sehr an mich selbst erinnert hat … jedenfalls habe ich viele solcher Dinge auch immer gedacht. Wenn ich nach einem Jahr meine Fotos angucke und denke, dass mir die Fotos die ich jetzt mache besser gefallen, dann geht es mir gut.

  6. Ein sehr wahrer Artikel…ich muss mich auch immer wieder daran erinnern, dass man sich nicht zu sehr an anderen Fotografen messen sollte, weil die Freude dann in der Tat schnell verschwindet. Danke für das Teilen dieser Gedanken!

  7. ein wirklich guter Artikel. Man sollte sich wirklich von den Fotos der Anderen nur inspirieren lassen, Anregungen holen und seinen Weg gehen.
    Und oft erkennt man erst im Rückblick, welche Entwicklung man gemacht hat.
    Liebe Grüße
    Beatrix

  8. Sehr schöner Artikel, viele dieser Gedanken kenne ich nur zu gut. Ich muss aber auch an einen Artikel von Cole Thompson denken, den Link habe ich grad nicht parat. Es geht um folgendes: Wenn man immer nur die Arbeiten und Stile von anderen Künstlern nachahmt, so wird man keine eigenen Arbeiten erschaffen. Es werden immer nur Kopien von Anderen sein. Cole Thompson schaut sich mittlerweile keine Werke von anderen Fotografen an.

  9. Da sprichst du mir aus der Seele … mir geht – ging – es nicht anders. Seither mache ich bewusst “un-perfekte” Bilder und man glaubt gar nicht, was man auf diese Weise für eine eigene Handschrift, Stil entwickelt. Und dann kommen ganz emotionale wunderschöne Bearbeitungen raus.

  10. Ich sehe mir gerne Fotos anderer an, aber ich weiß auch das es nicht immer gut ist.

    Es ist wie mit einer Großstadt:
    Ich weiß das die Luft da draußen nicht so gut ist, ich weiß das wir Ozon haben, usw. – aber trotzdem ist es besser raus zu gehen als zu Hause zu bleiben.

    Sprich – wenn mich die Arbeit anderer demotiviert, dann muss ich aufhören mir deren Bilder anzusehen. Es gibt einige bekannte Fotografen die sich die Bilder anderer Fotografen gar nicht ansehen, bzw. nur die der wirklich sehr bekannten, oft nur die aus der Geschichte.

    Aber das Thema ist so lang … ich könnte gleich nen eigenen Artikel dazu schreiben, nur würde ich dann lieber die Tastatur in die Ecke legen und fotografieren gehen. Aber ich bin hinter dem Schreibtisch gefangen und eine ordentliche Anzahl an Servern wollen umsorgt werden :)

  11. Erst vorgestern Abend habe ich genau dieses Loch von sehr weit innen gesehen. Ich mag diese Löcher echt nicht und finde es echt schwer da raus zu kommen. Aber bei dem was das Internet einem jeden Tag vor Augen hält, muss man ja fallen.
    Mit der Zeit werden wir alle gute Kletterer.

    (Es ist so, so gut zu wissen, dass auch andere Löcher haben.)

  12. Also immer wenn ich in der Bilderflut des Netzes mit meinem Besten untergegangen bin muss ich mich mal schütteln um den Frust aus dem Fell zu bekommen.

    Meine Empfehlung: Die Konkurrenz verkleinern. Für mich ist das ein lokaler Fotoklub. Dort ist man noch Mensch und nicht eine Armada Übermenschen wie im Netz. Wenn man sich dort seinen Platz erarbeitet hat, und dazu gibt es Anlässe, Anregungen und Unterstützung dort, auf zu weiteren Kreisen.

    Es wird immer Bessere geben, in jeder Sparte und Nische der Fotographie. Das ist toll, dem kann man Nacheifern. Aber für die eigene Wertschätzung sollte man die Radien kleiner, und bevorzugt auch persönlicher halten.

    Ich selbst rette mich auch immer in die “Ausrede” dass ich das Bild nicht 700% planen will sondern das Leben dokumentieren. Da ist un-Pefektionismus geduldet. Und mein Leben dokumentiert, im ganzen Internet!, keiner Besser als ich ;-)

  13. Wow!

    Jedes gelesene Wort spricht mir aus der Seele, es tut gut, zu wissen, dass da noch andere sind, die genau so ungläubig auf den Bildschirm schauen können, bei gewissen Bildern…

    Danke für diesen sehr aufbauenden Artikel!

  14. Was ich noch sagen wollte … die meisten Leser hier werden eben nicht Fotografen vom Beruf sein sondern einer anderen Tätigkeit nachgehen. Es hängt also auch sehr viel davon ab wie viel Zeit wir mit der Fotografie verbringen können. Bei mir ist es so, das ich nur Fr. Nachmittag bis Sonntag Zeit habe und die Familie auch noch vorhanden ist. Somit reduziert sich die Zeit, die ich fürs Fotografieren habe auf ein Minimum. Gerade im Winter ist es ganz schlimm.

    Wenn ich mehr Zeit damit verbringen könnte und täglich in einem Ort verhaaren kann bis der perfekte Moment kommt, dann würden meine Ergebnisse definitiv besser ausfallen, ich hätte mehr Geduld.

    Daher ist es wichtig, sich in einem Maße zu bewegen wo man sagen kann: Ich habe für meine Verhältnisse das Maximum herausgeholt.

    Beruflich sieht die Sache schon etwas anders aus, hier kann ich also von Konkurrenzen Druck sprechen. Ich habe aber mal in einer Doku oder Video-Training gehört das in Deutschland auf 1000 Einwohner ein Fotograf kommt. Es wird nicht so schwer sein die obere hälfte zu erreichen um an mehr Kunden zu kommen. Nur wer wirklich groß Rauskommen will, der hat viel Arbeit vor sich … aber ich bin überzeugt, es lohnt sich.

  15. Ja, mir geht es gerade genauso und da ich immer recht rigoros bin, denke ich daran alles an Fotozeug zu verkaufen und mich mit dem Betrachten zufrieden zu geben, “alle anderen machen es ja eh besser”. Ganz soweit ist es bisher zwar noch nicht gekommen, aber der Schritt ist kein großer. Derzeit fotografiere ich gelegentlich mit einer Praktika MTL, das macht Spaß weil es anders ist, die Einstellungsmöglichkeiten sind extrem reduziert, der PC entfällt und bis zur Entwicklung habe ich vergessen was drauf war -> Überraschung. Dann war ich kürzlich bei einer Freundin welche mit Kunst machen ihr Geld verdient und dort gibt es eine Ecke mit vielen Bildern welche ich von den Kindern und der Familie gemacht habe, das ist toll! Auch die Bilder in einem anderen Kontext, als auf dem eigenen Rechner zu sehen ist ein schönes Gefühl. Insofern – erstmal nichts verkaufen oder i.d. Ecke werfen, bestimmt kommt wieder die Gelegenheit sich zu beweisen.

  16. Ich stöbere sehr gerne durch das Internet und schau mir auch gerne Bilder anderer Fotografen an.
    Bin ich auf der Suche nach Lösungsansätzen, dann hol ich mir sicher den einen oder anderen Eindruck wie es andere Fotografen gemacht haben.

    Häufig erreiche ich nicht die Perfektion wie ich es schon auf anderen Bildern gesehen habe, doch es ist MEIN Foto das ICH selbst gemacht habe und das freut mich.

    Zudem, wenn ich so meine Fotos anschaue, die Bilder die ich vor 2 – 3 Jahren gemacht habe, würde ich heute nicht mehr so machen und schon da ist eine gewisse Entwicklung sichtbar. Bei den meisten Fotos die man sich als “Vorlage” holt, sieht man nicht, was der Fotograf da schon alles an Zeit, Erfahrung hinein gesteckt hat. Was es das erste Foto oder das 1000senste.

  17. Wunderbar geschrieben! Danke! :)

    Gerade bei Flickr finde ich es immer spannend, dann in den Daten zu stöbern und zu sehen, dass die meisten auch nur mit Wasser kochen und nicht mit High-End-Equipment. Manchmal sollte man sich selber einfach mehr trauen. In den meisten Fällen findet sich immer jemand dem es dann so geht wie einem selber und der dann staunend vor genau dem Bild sitzt

  18. Ich bezeichne das auch gern als “medialen Masochismus”

    Täglich stöbere ich in Blogs und Sites von Amateur- und Berufsfotografen oder finde neue Gadgets, die einem suggerieren demnächst in höhere fotografische Sphären zu gelangen. Es gibt Tage, da bin ich nach den Streifzügen geneigt eher frustriert, als motiviert. Ich will da ehrlich sein, es gibt verdammt viele schlechte Fotografen, aber es gibt genug saugute. Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Kreativität und Dynamik vor allen Dingen Amateure und Semiprofis am Markt sind. Warum tut man sich das also an?

    Ich hatte letztens ein interessantes Gespräch zu diesem Thema mit einer angestellten Fotografin. Diese erwähnte, dass es quasi zur täglichen Pflicht von ihr und ihren Kollegen gehört genau das zu tun: informieren, recherchieren und inspirieren. Ansonsten ist man einfach zu weit weg von aktuellen Trends und Techniken .. und dann einfach aus dem Markt.

    Ich muss Ihr da schon recht geben.
    Es ist zwar durch die Öffnung des Fotografenhandwerks ein verdammt heiß umkämpfter Markt, (in welchem nicht zwangsläufig einem die fetten gebratenen Tauben wie umsonst in den Mund fliegen), aber überwiegend hat dies einen frischen Wind hinein gebracht. Das merke ich auch bei Stadtspaziergängen.
    Es gehört zu meinem Ritual vor jedem Fotostudio auf meiner Route anzuhalten. Oft bin ich hier eher motiviert: es gibt viele, die ihr Meisterzertifikat quasi in das Schaufenster in XXL aushängen, ihren Bildern merkt man dies aber nicht an. Da wird weichgezeichnet, teilcolorisiert und das_seitenprofil_nochmal_transparent_in_
    portraits_montiert, wie vor 20 Jahren! Die Kollegen haben sich nicht verändert …

    Ich hoffe inzwischen, dass dieser Masochismus mir immer eigen bleibt. Und wenn es dazu gehört für sich anzuerkennen, das es immer wahnsinnig gute Fotografen gibt, von deren Ideen und Techniken man beeindruckt ist, ist es ok für mich. So bleibe ich dran, entwickle mich weiter und hoffe, dass nicht jemand vor meinem virtuellen Schaufenster im Web steht und einfach nur den Kopf schüttelt.

  19. Dieser Artikel ist fantastisch. Er spricht genau das an, was mich beschäftigt, runterzieht und zugleich nach vorne pusht, meiner Kreativität freien lauf zu lassen. Vorallem als Schüler und noch dazu Neuling in der Fotografie fällt es einem schwer neue Sachen zu kaufen, vorallem bei den Preisen des Foto Equipments, die einem die Tür öffnen würde, die man gerne in seiner Kreativität beim Betrachten anderer Werke offen halten wolle. Persönlich befinde ich mich in der Phase, wo ich sooft wie möglich Fotos mache um Erfahrung zu sammeln und besser zu werden. Zugleich treibe ich Geld auf, um meine seit langem ersehnte Canon DSLR Kamera zu bekommen, mit der, ich rede is mir zumindest ein, ich glaube mehr Spaß und bessere Bilder machen zu können.
    Danke für diesen Artikel.

  20. Toller Artikel! Geht mir auch oft so.

    Bei mir trifft nach anfänglicher Frustration dann oft das ein: “die Fotos der Anderen” spornen mich an, bringen mich auf den Boden zurück oder helfen mir die Qualität meiner eigenen Arbeiten objektiv zu bewerten und einzuordnen.

    So denke ich niemals meine Fotos sind gut genug und ich bin immer motiviert, mich weiter zu verbessern.

  21. Ganz genau die gleichen Gedanken und Empfindungen kommen bei mir auch immer wieder hoch, wenn ich mir diese tollen Bilder im Netz ansehe. Du hast es echt auf den Punkt gebracht.

    Mir hilft es in diesen entmutigenden Momenten, mir bewusst zu machen, dass das die Sammlung der Allerbesten ist (was du ja auch sagst), dass diese einzelnen Fotografen a) zum Teil schon viel länger im Geschäft sind und b) auch tausende anderer Bilder auf dem Rechner rumliegen haben, die nicht so perfekt sind, aber eben nicht an die Öffentlichkeit kommen. Dann schau ich mir meine eigenen Fotos an, aber nur die, die mit einem Favoriten-Fähnchen und fünf Sternen markiert sind.

    Bessere wird es immer geben, aber auch viele, die eben nicht besser sind und ihrerseits unsere Fotos bewundern. :-)
    Und solange man hinterher ein bisschen was an Ideen oder Techniken für sich mit nimmt, kommt man weiter.

  22. So oder so ähnlich geht es wahrscheinlich jedem von uns ab und an. Das an sich finde ich auch nicht so schlimm. Ein wenig Zweifeln und In-Frage-Stellen kann ja auch durchaus förderlich sein.
    Ein kleiner Hinweis am Rande: am Mittwoch beginnt die Fastenzeit. Es gibt eine interessante Aktion, die da heißt “7 Wochen ohne”
    Dieses Jahr steht unter dem Motto: “7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz” und ruft dazu auf, mal nicht alles optimieren und schneller, höher, besser, toller, schicker und und und zu machen.
    Gut genug – lautet die Botschaft, sich etwas besinnen auf das, was man schon kann und hat, den Blick wieder schärfen. In diesem Sinne…

  23. Danke für diesen Artikel. Gerade gestern – nach einer Stunde auf 500pix – war ich drauf und dran, meine komplette Fotoausrüstung bei eBay reinzustellen und mir ein anderes Hobby zu suchen.

  24. Ich denke, es geht Jedem so, selbst wenn man ganz weit oben steht sind diese Zweifel ganz normal. Ich besinne mich in diesem Momenten immer auf das “Warum” ich fotografiere. Wenn man es nicht deshalb tut, um sich zu beweisen oder an die Weltspitze zu gelangen, gibt es keinen Grund Frust zu schieben oder aufzuhören. Tut es doch um Spass zu haben, nur darum geht es.

  25. Es gibt Menschen, die sind unerreichbar, weil sie in dem, was sie tun oder schaffen, einzigartig sind. Gerhard Richter z.B. ist ein bedeutender Maler, sagt aber von sich selbst, dass er nie so gut malen wird wie Botticelli. Ich selbst finde Saul Leiters Bilder ganz famos, werde aber nie solche Bilder machen können, weil ich nicht in den 40er Jahren in New York gelebt habe und mit einer Leica durch die Straßen gelaufen bin. Ich bin deshalb nicht frustriert. Ich freue mich an Leiters Bildern und gehe anschließend hinaus und gebe mein Bestes. Und was dann dabei raus kommt, das bin ich. Und das ist doch auch schon mal was. :-)
    Henry

  26. oh ja, ebenfalls ein bekanntes “problem”, mit dem wohl jeder ambitionierte fotograf (ich benutze diesen begriff, da jeder, der den auslöser herunterdrückt und damit ein foto macht, ist nun mal ein fotograf im eigentlichen sinn des wortes) hin und wieder konfrontiert wird.

    wenn ich so ein “meisterwerk” eines anderen fotografen sehe, stelle ich mir einfach die frage, ob ich unter identischen bedingungen (also gleicher standort, gleiches licht, gleiche zeit) dieses foto auch hätte machen können. und oftmals kann ich diese frage mit “ja” beantworten, von aussergewöhnlichen photoshop-orgien einmal abgesehen.

    was die diversen foto-communities angeht, so beschränke ich mich freiwillig nur auf ein einziges (1x.com). 500px ist mir zu glattgebügelt. 1x.com benutze ich weniger zum staunen, als mehr zur inspiration. das klappt erstaunlich gut.

    was man auch bedenken sollte: zu sämtlichen technisch perfekten fotos im netz hat man normalerweise keinen direkten bezug – anders ist es bei den eigenen gemachten bildern: häufig verbindet man doch ein spezielles erlebnis damit.

    schlusswort: allen “perfekten” fotos im netz geht eine intensive vorbereitung und nachbearbeitung voraus. je intensiver ich mich mit dieser materie beschäftige, desto professioneller werden die ergebnisse. der faktor zeit (und auch geld, bsw. für reisen an besonders attraktive, fotogene destinationen oder für ein gutes model) setzen somit grenzen.

    macht nix.

  27. Danke für das mitfühlende Gedankenlesen!
    Und ich dachte, dass ich alleine voller Ehrfurcht und Bewunderung vor dem “Schaufenster der Pralinenmanufaktur” stehe!!!
    Frank

  28. Interessanter Text!
    Anfangs habe ich auch in einer solchen Phase gesteckt, bis ich gemerkt habe, daß sehr oft Fotos in meine Kamera “finden”, die ich während der Aufnahme nicht großartig wahrgenommen habe. Am Bildschirm dann der “Wow-Effekt”.

    Und so habe ich festgestellt, daß ich einfach raus gehe und fotgrafiere – die Bilder werden mich schon finden – und wenn nicht…nun, es gibt auch noch andere Tage!
    Ich muss damit nicht mein Geld verdienen und daher mache ich mir auch keinen Druck…

  29. Blogartikel dazu: Interessanter Artikel | -= [ www.thefry.de ]=-

  30. Blogartikel dazu: linkTime – Februar 2012 – #3 | linkTIME | bhoffmeier.de

  31. Oh mann, wie gut das tut das zu lesen, was man eigentlich weiß: die Messlatte ist einfach zu hoch, gerade wenn man noch “anfangender Fortgeschrittener” ist.
    Besonders dann, wenn man sein Lieblingshobby Fotografie aufgrund von Zeitmangel eigentlich viel zu selten betrieben kann. Kein Wunder dass echte Erfolge dann nur sehr langsam kommen.
    Auf jeden Fall freue ich mich auf meine nächste Fototour, denn eins stelle ich auch immer wieder fest: wenn man mit Menschen unterwegs sind, die Dein Hobby nicht so sehr teilen, steht man auch noch immer unter dem Druck, endlich schnell fertig zu werden und nicht bei jedem Motiv drei Stunden zu überlegen……

    Erleichterte Grüße aus Berlin,
    Ambitious

    P.S. Wer in Friedrichshain/Kreuzberg/Prenzlberg eine entspannte Gruppe von ambitionierten aber bislang wenig mit sich überzeugten “Semiprofi-Fotografen” kennt oder eine solche zwecks regelmäßiger Treffs mit aufbauen möchte, meldet Euch doch bitte bei mir (ambitious@gmx.eu).

  32. Bin jetzt erst auf deinen Artikel aufmerksam gemacht worden. Ja, so ist die globalisierte Welt nun einmal. Es gibt eben sehr sehr viele Fotografen und einigen sind einfach nur gut.
    Was mich beruhigt, sind aber auch die abertausende “schlechtere” Fotos, die nun einmal zeigen, dass wir alle nur Menschen sind.
    Ich habe mein “Seelenheil” vor vielen Jahren dadurch gefunden, das ich beschlossen habe, nur für mich selbst und nicht für andere zu fotografieren. Dieser künstliche Zwang immer etwas neue, besseres und überragendes fotografisches zu leisten und zu präsentieren, macht uns nur kaputt.
    In Abwandlung des alten Spruches “Ist der gute Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert …”, mache ich seit dem mein Ding, freue mich schon über Zuspruch, bin aber eben auch “Kritikresistent” geworden. Die meiste “Kritik” ist in Wirklichkeit nur das Ziel seinen eigenen Geschmack (Ansichten) durchzusetzen. Eigentlich gibt es in der Fotografie kaum etwas objektiv zu “kritisieren”, da die meisten “Regeln” eigentlich gar keinen sind, sondern maximal Möglichkeiten oder Ausprägungen etwas zu tun (oder eben auch nicht).
    Wozu brauchen wir dann eigentlich noch Communities? Vielleicht nur ums uns an schönen Bildern zu erfreuen und Kontakt zu netten Menschen zu halten…

  33. TJA, und ab und zu, stolpert man über so einen tollen Blogeintrag, der einem genau das “du bist nicht allein” vor Augen hält und wieder anspornt .

    Toll geschrieben und zu 100% richtig :-)

  34. Benchmarking – vom Besseren lernen – oder auch – “das Bessere ist Feind des Guten”

    Sicherlich ist es sinnvoll gute Bilder anderer Fotografen zu analysieren.
    ein gutes Auge für Details, Standort und Perspektive und die nötige Ruhe “sein” Bild zu machen.
    Eine gute Technik als Werkzeug ist eine Basis für “gute” Bilder – aber technisch perfekte Arbeit macht ein gutes Bild nicht wirklich aus. Nach der Tour kommt die “Bearbeitung”, hier lässt sich noch einiges korrigieren oder die Details entsprechend hervorheben. Nun kommt der persönliche Geschmack und Vorliebe in den Vordergrund. Bei der anschl. Präsentation erhofft man sich entsprechenden Zuspruch – und gute Kommentare sind wie der Applaus das Brot des Künstlers.

    Aber Mainstream will nicht jeder machen, also von der Masse absetzen und seinen eigenen Stil umsetzen und sich entsprechend entwickeln. Da ist der “Druck” von aussen sowieso fehl am Platz.

    also – jeder macht sein Ding – und das ist auch gut so

    ;-) Rainer

  35. Sehr guter Artikel…damit hast du quasi den Nagel auf den Kopf getroffen!
    Bin auch öfters neidisch wenn ich dir von dir beschriebenen Bilder in den Communities sehe.
    Auf der anderen Seite sport es natürlich an und mach versucht sich zu verbessern und diese Qualität mit den vorhandenen Mitteln zu erreichen.
    Ich komme gut voran, aber manchmal kommt eben auch das große schwarze Loch wo ich mich Frage: UND JETZT?

  36. Wie Recht Du hast!

    Und was mir persönlich auffällt: Schaut man sich die herausragenden Landschaftsfotos in deutschen Communities mal an, stellt man fest, dass die Meisten in Afrika, am Nordpol, in Nordamerika oder auf dem Mond geschossen wurden…. aber nicht in Deutschland. Schade.

    Muss man jetzt deshalb auswandern, oder sollte man (gerade als Fotograf) mit offenem Auge durch die Heimat ziehen und lernen, diese wieder gebührend wahrzunehmen!? Ich denke, dass viele “Fotografen” gar keinen Blick mehr für die Schönheiten haben, die tagtäglich vor der eigenen Haustüre zu finden sind. Doppelt schade!

  37. Wunderbarer Text, indem sich wohl fast jeder wiedererkennt. Das “A und O” ist meiner Meinung nach der Austausch mit anderen Fotografen…… neue Impulse und Herangehensweisen, wie du im Text auch schon geschrieben hast. Super!!

    lg Josef

  38. Tja, was soll ich dazu sagen, außer: trifft den Nagel auf den Kopf!

    Toller Artikel und wunderbar lesbar verfasst! Ich steh grad am Anfang was das Know-how des Fotografierens angeht und lese begeistert die Artikel und nehme aus jedem ein wenig mit. Natürlich frustriert es auch, wenn die Tipps sich in der Umsetzung nicht sofort perfekt anwenden lassen. Aber gut Ding will Weile haben und Geduld ist ja bekanntlich eine Tugend ;) schön zu sehen das ich damit nicht allein bin, danke! Ich freu mich auf den nächsten Artikel!
    Viele Grüße
    Fräulein Linse