08. Juli 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Die Geburtsstunde der Fotografie

Die Fotografie hat laut Lehrbüchern am 19. August Geburtstag. An diesem Tag 1839 wurde das Verfahren der Daguerreotypie der Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem gilt der 19.08.1839 als Geburtsstunde der Fotografie.

Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Der Franzose Louis-Jacques-Mandé Daguerre, nach dem das Verfahren benannt ist, stand nicht an diesem Morgen auf, bildete seine Frau mit seiner Camera obscura ab und fixierte bis zum Abend das erste Foto der Welt.

Der Louvre, Ansicht vom rechten Seine-Ufer aus von Louis-Jacques-Mandé Daguerre (1839)
Musée national des Techniques, C.N.A.M. Paris

Große Erfindungen sind meist das Ergebnis vieler Versuche (und Fehlschläge) verschiedener Personen. Daguerre forschte zusammen mit Niecéphore Niépce, der 1833 verstarb, wie man die von der Camera obscura erzeugten Bilder am besten auf chemischem Wege auf Metallplatten festhalten könnte.

Die beiden korrespondierten über Briefe. Während Niépce der Meinung war Asphalt wäre die beste lichtempfindliche Substanz, erkannte Daguerre 1831 die hohe Empfindlichkeit von Jod in Verbindung mit poliertem Silber. Er erzielte dadurch Negative in bereits drei Minuten, die er zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht fixieren konnte.

Selbstportrait von Robert Cornelius (1843)
I.M.P. George Eastman House, Rochester.

Im August 1835 gelang ihm die Umkehrung der Tonwerte sowie die Fixierung des Bildes mit Hilfe von Quecksilberdampf. Die Prozedur war umständlich und teuer. Dennoch kamen nach der öffentlichen Vorstellung des Verfahrens 1839 Broschüren in mehreren Sprachen heraus, die das neue Verfahren darstellten.

Die ersten Bilder waren auf Grund der langen Belichtungszeiten Stillleben oder Ansichten von Paris. Von Daquerre sind heute aus dem Jahr 1839 noch 15 Daguerreotypien bekannt. Sie besaßen eine bestechende Schärfe.

„Mit Hilfe einer starken Lupe von fünfzigfacher Vergrößerung wurde jeder Buchstabe klar und deutlich lesbar, und ebenso die winzigsten Risse und Sprünge in den Mauern der Häuser […].“ S.F.B. Morse

Das Verfahren hielt schnell Einzug in den Portraitateliers. Die Bilder konnten sich jedoch nur wenige leisten. Zudem hatten sie weitere Nachteile. So waren sie seitenverkehrt, die Oberfläche glänzte stark und kippte vom Positiv ins Negativ, je nachdem wie man sie hielt. Auch dass die Abbildungen nur schwarzweiß waren, störte zu der damaligen Zeit sehr, nahm man doch immer zum direkten Vergleich die Malerei.

Edgar Allan Poe von Harry N. und Edwad H. (1848)
American Antiquarian Society, Worcester.

Auch die Belichtungszeiten waren noch sehr lang. So wirkten Bilder von Straßenzügen, die in Meyer´s Konversationslexikon als „Haupttummelplatz des eigentlichen Pariser Volkslebens“ galten, wie ausgestorben.

Das ein oder andere Problem lösten findige Fotografen. Sie bastelten eigene Kameras mit Spiegeln um das Bild nicht mehr seitenverkehrt zu zeigen, oder entwickelten lichstärkere Optiken.

Der Mont-Blanc von Frederic Crawley (1854)
Sammlung Ruskin, Ruskin Galleries, Insel Wight.

Den größten Nachteil konnten sie jedoch nicht umgehen: Die Bilder waren Unikate. Dieses Problem sollte den Niedergang der Daguerreotypien bedeuten und die Zukunft der eigentlichen Fotografie einläuten. Denn die Methode der Vervielfältigung sollte schließlich die Oberhand gewinnen. Aber davon ein anderes Mal.

Literaturangaben:
• Frizot, Michael: 1839 – 1840. Fotografische Entdeckungen. In: Michael Frizot (Hg.): Neue Geschichte der Fotografie. Köln 1998.
• Koetzle, Hans-Michael: Photo-Icons. Die Geschichte hinter den Bildern. 1827 – 1926. Köln 2002.
• Starl, Timm: Das Aufkommen einer neuen Bildwelt. Gebrauch und Verbreitung der Daguerreotypie. In: Michael Frizot (Hg.): Neue Geschichte der Fotografie. Köln 1998.
• Von Brauchitisch, Boris: Kleine Geschichte der Fotografie. Stuttgart 2002.

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