12. Mai 2021 Lesezeit: ~5 Minuten
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Für wen ist eine Galerie der richtige Partner?
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Für wen ist eine Galerie der richtige Partner?

In einer vergangenen Folge von kurz erklärt hatten wir den Galeristen Robert Morat dazu befragt, wie eine Galerie eigentlich auf neue Künstler*innen aufmerksam wird. Diese Folge hat für reges Interesse gesorgt und so erreichten uns auch ein paar weitere Fragen zum Themenfeld Galerievertretung. Eine davon haben wir an den Galeristen Burkhard Arnold weitergeleitet.

Für wen ist eine Galerie der richtige Partner – und für wen nicht?

Burkhard Arnold gehört die in focus Galerie in Köln. Sie wurde 1990 gegründet und zeigt Fotografien in ihrer ganzen Breite von der klassischen Reportage-, Portrait-, Akt- und Architekturfotografie bis hin zu konzeptioneller, experimenteller, inszenierter und abstrakter Fotografie seit etwa 1945. Die in focus Galerie ist eine der ältesten Galerien in Deutschland, die sich ausschließlich dem Medium Fotografie gewidmet hat.

Herr Burkhard ist deshalb ein idealer Ansprechpartner für diese Frage. Er hat uns per E-Mail geantwortet und auch wenn er angemerkt hat, dass sich die Frage kaum abschließend und allumfassend beantwortet lässt, freundlicherweise einige Gedanken zum Thema mit uns geteilt.

Gelesen wird sein Beitrag von Redakteurin Nora Hase:

Zu dieser Frage können viele Statements abgegeben werden, aber sie wird kaum abschließend beantwortet werden können. Ich versuche also, aus Sicht des Galeristen hierzu einige Anmerkungen zu geben.

Eine Galerie versucht, ihre Künstler auf dem Markt für Fotografie und Kunst zu etablieren und deren Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu verkaufen. Hierzu muss man wissen, dass der Markt für das Kaufen und Sammeln von Fotografie in Deutschland sehr überschaubar und recht klein ist.

Dem gegenüber steht eine große Zahl von hervorragenden und auch gut ausgebildeten Fotografen bzw. Fotokünstlern. Der Markt für Fotografie ist sehr klein, aber das Angebot inzwischen beinahe überbordend: Nicht nur Galerien, sondern auch diverse Onlineplattformen, Editionsgalerien, Verlage und auch viele sich selbst vermarktende Künstler versuchen, auf diesem kleinen Markt ihre Arbeiten zu verkaufen.

Entsprechend wird es für professionelle Galerien auch immer schwerer, neue Positionen auf dem Markt zu etablieren. Es dauert in der Regel mehrere Jahre und benötigt einige Ausstellungen und Publikationen, bis neu ins Galerieprogramm aufgenommene Künstler vom Publikum so beachtet werden, dass entsprechende Verkäufe realisiert werden können. Dies bedeutet also für die Galerie zunächst eine hohe Investition.

Mit welchen Fotokünstlern würde ich nun als Galerist eventuell eine Partnerschaft eingehen?

Ich arbeite mit kreativen Persönlichkeiten zusammen, die seit vielen Jahren einen kontinuierlichen künstlerischen Weg gehen und von denen ich überzeugt bin, dass sie ihre künstlerische Arbeit auch über lange Durststrecken hinweg weiter beschreiten werden. Ein Galerist betreut und berät seine Künstler, oft entstehen auch enge Freundschaften. Insofern ist es sehr wichtig, dass eine gute persönliche Beziehung entsteht, die auf Ehrlichkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit beruht.

Zudem muss die künstlerische Arbeit eines möglichen Neuzugangs das bestehende Programm der Galerie ergänzen oder erweitern. Hierfür ist es unumgänglich, dass ein Interessent sich mit dem Programm der Galerie intensiv auseinandersetzt.

Künstler, die sich schon selbst sehr aktiv vermarkten, über eine eigene Webseite mit angeschlossenem Shop verfügen oder bereits andere enge Kooperationen, zum Beispiel mit Editionsgalerien, eingegangen sind, haben eher keine Chance.

Es ist in einer Partnerschaft immer wichtig, dass beide Seiten sich gegenseitig Respekt entgegenbringen und sich in die Situation des Gegenübers hineinversetzen können. Dies sind einige Gedanken, die hilfreich sein können, wenn es zu einer Partnerschaft zwischen Fotograf und Galerist kommen sollte.

Was nehmen wir aus den Ausführungen von Burkhard Arnold mit? Am überraschendsten mag für viele vielleicht sein, dass überwiegend wirtschaftliche und marktstrategische Abwägungen im Vordergrund stehen und der Schwerpunkt weniger stark darauf liegt, etwa ausführlich künstlerische Details des Werkes zu beurteilen.

Bei einer Galerie handelt es sich eben auch um ein Unternehmen, das wirtschaftlich arbeiten muss, um langfristig bestehen zu können. Deshalb ist es wichtig, dass sie mit Personen zusammenarbeitet, die das ähnlich sehen. Man muss gemeinsam an einem Strang ziehen können.

Eine Galerie sucht Menschen, die das Potenzial haben, sich noch weiterzuentwickeln und lange Zeit auf dem Kunstmarkt Bestand haben zu können. Dieser Markt ist sehr, sehr hart umkämpft – entsprechend bietet er wenig Raum für romantische Träumereien zum Beispiel davon, als künstlerisches Genie entdeckt und hofiert zu werden.

Es gibt viele Fotograf*innen, die sich für eine Zusammenarbeit mit Galerien interessieren. Das zeigen auch die vielen Fragen zum Thema. Ihnen gegenüber finden sich leider nur sehr wenige Sammler*innen, an denen man sich entsprechend im eigenen Auftreten als Künstler*in orientieren muss, um erfolgreich sein zu können. Ob mit oder auch ohne Galerie an der Seite.

Ihr habt nach dem Hören noch mehr Fragen zum Thema oder auch etwas ganz anderem? Zögert nicht und schickt sie uns an kk@kwerfeldein.de – in diesem Sinne: Nächste Frage, bitte!

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