27. April 2021 Lesezeit: ~5 Minuten
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Wer sind die bekanntesten Fotograf*innen der Welt?
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Wer sind die bekanntesten Fotograf*innen der Welt?

Die heutige Frage kommt einmal nicht aus der Community, sondern aus unserer Redaktion. In einem unserer Teamtelefonate kam die Überlegung auf, wer wohl der*die berühmteste Fotograf*in überhaupt ist. Welchen Namen aus der Fotoszene kennen die meisten Menschen auf der Welt?

Weil mich so eine offene Frage, so wenig ernst sie am Anfang auch gemeint war, dann doch nicht mehr los lässt, versuche ich heute also, meine eigene Frage zu beantworten. Und nein, am Ende werde ich wohl nicht die eine Antwort geben können. Denn dafür müsste ich einen guten Querschnitt der ganzen Menschheit befragen. Diese Arbeit kann ich nicht leisten, aber ich möchte versuchen, mich der Antwort zumindest anzunähern.

Zuerst gab es in der Redaktion eine kleine Raterunde und alle haben einen Tipp abgegeben. Bevor ich jetzt die ersten Namen nenne, geht doch auch einmal in Euch und überlegt, welche Person Euch bei der Frage in den Sinn kommt.

In der Redaktion wurden folgende Namen genannt: Annie Leibovitz, Peter Lindbergh, Ansel Adams, Steve McCurry und Henry Cartier-Bresson.

Nun bildet unsere Redaktion definitiv nicht den Querschnitt der Gesellschaft ab und wir haben auch selbst schnell gemerkt, dass wir allein schon durch unsere Affinität zur Fotografie eine ganz eigene Sicht auf die Frage haben. Sie ist zudem sehr eurozentrisch und wir gehören alle zu einer ähnlichen Altersgruppe.

Würden jüngere Menschen vielleicht eher Fotograf*innen nennen, die aktuell in den sozialen Medien aktiv sind? Vielleicht Fotograf*innen, die in Sendungen wie Germany’s Next Topmodel auftreten?

Mit dem Gedanken im Kopf habe ich meine Tochter im Teenageralter angestiftet, mir bei meiner kleinen Recherche zu helfen. Sie schrieb eine Nachricht an ihren Freundeskreis und das Ergebnis war: drei Stimmen für Annie Leibovitz sowie ein Dutzend verwundeter Teenager, die keinen Namen kannten.

Aber natürlich war auch das eine Sackgasse. Kleine Befragungen in der eigenen Blase führen nicht weiter. Mein nächster Ansatz war ganz einfach Google.

Hey Google! Wer ist der berühmteste Fotograf der Welt?
– Folgende Fotografen werden häufig im Web genannt: Cindy Sherman, Henri Cartier-Bresson, Annie Leibovitz und weitere.

Laut Google ist also, wer häufiger im Internet genannt wird, ist auch berühmter. Cindy Sherman kommt auf 13.700.000 Treffer in der Google-Suche. Henri Cartier-Bresson auf 6.130.000 und Annie Leibovitz auf 5.930.000. Das Spiel habe ich dann noch mit einigen Namen ausprobiert und der Gewinner war am Ende Man Ray mit 1.870.000.000 Treffern.

Richtig zufrieden bin ich mit dieser Antwort aber auch nicht, denn auch ein Held im Universum der Teenage Mutant Ninja Turtles heißt Man Ray sowie ein Antagonist in der Comicsendung Spongebob. Am Ende führen ein paar Millionen der Treffer also vielleicht einfach zu vermenschlichten Mantarochen und stehen gar nicht im Bezug zum Fotografen.

Und ja, Ihr merkt, ich bin sehr tief in die Suchmaschine eingetaucht und so auch auf die Seite eines Foto-Fachlabors gestoßen, das jedes Jahr eine Liste mit dem Namen „Top 100 Fotografen im Web“ herausgibt. Dort stand im Jahr 2020 ein Name auf Platz 1, der vielleicht überraschend für einige ist: Brandon Stanton.

Der amerikanische Fotograf hat 2010 für sein Projekt „Humans of New York“ angefangen, Portraits von Menschen auf den Straßen New Yorks aufzunehmen und zu jedem auch eine kleine, meist sehr persönliche Geschichte veröffentlicht. Damit hatte er großen Erfolg.

Mittlerweile hat er auf Facebook 17 Millionen Fans gesammelt. Auf allen sozialen Medien zusammen über 30 Millionen. Und genau diese Zahlen sammelt das Unternehmen und berechnet daraus diese Statistik. Von den übrigen Top 10 kenne ich kaum jemanden, aber auf Platz 13 fällt mir wieder Annie Leibovitz ins Auge. Steve McCurry schafft es sogar auf Platz 11.

Aber auch diese Antwort macht mich nicht glücklich. Brandon Stanton kennt man vielleicht, wenn man im Internet unterwegs ist und Englisch spricht. Aber das trifft wieder nur auf eine beschränkte Anzahl aller Menschen zu.

Mir war vor der Recherche bewusst, dass ich am Ende hier nicht den einen Namen nennen kann. Nun muss ich mir aber eingestehen, dass ich der Antwort kaum näher gekommen bin. Würde man mir die metaphorische Pistole auf die Brust setzen und mich zwingen, doch einen Namen zu nennen – nun, dann würde ich vielleicht Annie Leibovitz sagen, denn ihr Name tauchte doch erstaunlich häufig auf.

Allerdings mit einem großen Aaaaaber, denn alle meine Ansätze haben einen Großteil der Menschen ausgeschlossen.

Ich hoffe, Ihr seid nicht zu enttäuscht von der offenen Antwort und vielleicht konntet Ihr ja ein paar Gedanken mitnehmen. Oder habt Ihr andere Ideen, wie wir uns der Frage besser nähern könnten? Dann schreibt uns! Per E-Mail an kk@kwerfeldein.de, dorthin könnt Ihr uns auch gern neue Fragen schicken.

Zum Schluss noch eine kleine Entschuldigung an alle Verwandten und Bekannten, die ich in den letzten Tagen angerufen habe. Aber danke für die Erkenntnis, dass ICH in Eurer Blase die bekannteste Fotografin bin. Ich fühle mich sehr geehrt. So und damit: Nächste Frage, bitte!

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6 Kommentare

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  1. Brandon Stanton….Humans of New York, na klar!
    Der macht das wirklich ausgezeichnet, obwohl ich ja finde, dass es hier nicht in erster Linie um das Foto, sondern um die Story geht – das Foto verleiht dem ganzen nur ein Gesicht.
    Die Idee dahinter ist aber wirklich gut, wie man sieht hat er dadurch Millionen Followers gefunden.
    Ob man die Frage an und für sich so „einfach“ beantworten kann, sei dahingestellt – ich denke es wird schwierig, weil es ja eine kulturelle Frage ist – in westlichen Ländern werden vermutlich andere Ergebnisse auftauchen wie etwa in China oder Indien.
    Ich hätte auch auf Robert Capa getippt…aber der dürfte dann anscheinend doch nicht so oft auftauchen in den Ergebnissen.

    Gute Idee allemal!

  2. Ich finde die Herangehensweise in dem Artikel gut. Auch wie dann herausgearbeitet wird wie interessengebunden Antworten sind gefällt mir sehr gut. Und es kommt ja auch auf den Zeitgeist an. Was ist denn ein Fotograf? Eine Person, die damit Geld verdient? Welche Kriterien gelten wann? Jede Antwort wirft neue Fragen auf. Nach Rezeption in der Fotoliteratur wäre es u.a. Cartier-Bresson, aber den kennt im Zeitalter sozialer Medien fast niemand mehr. FotografenInnen in sozialen Medien sind ja oft Eintagsfliegen. Im Ergebnis hat Frau Kemnitz gut problematisiert, wie schwierig Antworten sind.

  3. Ich glaube nunmal wirklich, dass das komplett auf das Land und den Kulturkreis zugeschnitten ist. In Japan dürfte Araki der bekannteste sein, in Indien Raghu Rai. In der Pinakothek der Moderne war mal eine Ausstellung von Arakibildern, weiss nicht, ob der Fotograf im europäischen Kulturkreis so berühmt geworden wäre. Es gibt nach wie vor Millionen von Menschen, die haben nur beschränkten Zugang zum Internet und unserer Bilderflut. Und Andere, die konzentrieren sich bewusst auf eine fotografische Richtung und interessieren sich für wenig Anderes. Wer in der Strassenfotografie unterwegs ist, dem sind im deutschen Bereich Thomas Leuthardt, Andreas Herzau und Martin Ullrich Waltz ein Begriff. Oder als Kollektiv die Agentur Ostkreuz, was für ein Highlight. Das Ganze ist nur schwer zu verallgemeinern.

  4. Gut, dass nicht die Frage nach der besten Fotografin, bestem Fotografen gestellt wurde. Bekanntheit ist sehr vielschichtig und neben der Durchsetzungsfähigkeit, Präsenz, Zufällen und Können der Protagonisten auch von der Perzeption innerhalb des Kulturkreises abhängig. So dürfte die Nennung in Asien, Afrika oder dem russischen Einflussbereich usw. vermutlich anders ausfallen als in der „westlich“ geprägten Welt mit deren Verbreitungsmedien.
    Ein schwieriges kaum objektivierbares Thema.

    • Richtig. Welchen Erkenntnisgewinn bringt die Antwort auf eine solch unsinnige Frage.
      Allerdings lernen wir, worüber die Redaktion sich den Kopf zerbricht.
      Nun ja …

  5. Bei der Suche nach Man Ray sollte nicht vergessen werden, vor Man und nach Ray Hochkommas zu setzen. Also „Man Ray“ als Suchbegriff verwenden. Dann reduziert sich die Anzahl der Treffer (bei Google) gleich von mehr als 2 Milliarden auf viereinhalb Millionen.

    Das gleiche trifft übrigens auch auf Cindy Sherman zu (ohne Hochkommas knapp 20 Millionen, mit Hochkommas nur gut 2 Millionen Treffer).

    Ansonsten ist die Beantwortung einer solchen Frage für mich persönlich von wenig Interesse.