27. Januar 2021 Lesezeit: ~4 Minuten
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kurz erklärt: Ist analoge Fotografie zeitgemäß?
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kurz erklärt: Ist analoge Fotografie zeitgemäß?

Klimawandel, Müllreduzierung, Nachhaltigkeit – alles Begriffe, die unser Leben und Handeln prägen. Wir konsumieren bewusster und achten stärker auf die Hintergründe der Dinge, die unseren Alltag begleiten. Die Zahnbürste ist aus Bambus, die Biogurke ohne Plastikfolie und der Büroalltag möglichst papierlos. Passt die analoge Fotografie in diesen bewussten Lebensstil?

Anke hat uns diese spannende Frage gestellt. Sie schrieb:

Ist es noch zeitgemäß, analog zu fotografieren, auch im Hinblick auf die Umwelt? Das ist eine Frage, die mich beschäftigt, wenn ich mir die Chemie und den Müll ansehe.

Fakt ist: Die analoge Fotografie produziert Müll. Selbst, wenn ich mit der Kamera meines Opas fotografiere – mir also keine Kamera extra anschaffe – brauche ich für 36 Bilder einen Film. Dieser liegt in einer Filmpatrone, die sich wiederum in einer lichtdichten Kunststoffdose befindet. Drum herum oft noch ein kleiner Karton mit Aufdruck. All das ist Müll. Und da sind wir noch nicht einmal bei der Entwicklung des Films. Denn dabei kommen dann Chemikalien zum Einsatz.

Um herauszufinden, wie gefährlich diese Chemie nun tatsächlich für unsere Umwelt ist, haben wir uns umgehört. Beim Entwickeln von fotografischen Filmen sammeln sich einige Chemikalien, die nicht einfach ins Abwasser gelangen dürfen. Besonders kritisch sind dabei Silberhalogenid, Eisenkomplexe, Chrom und Cyanide. Gebt Ihr Eure Filme in einem Labor zur Entwicklung, kümmert man sich vor Ort um die fachgerechte Entsorgung.

Cewe zum Beispiel gibt auf seiner Webseite an, dass sie die aus fotografischen Bädern anfallende Altchemie zu mehr als 90 % einer Verwertung zuführen. Außerdem werde durch die konsequente elektrolytische Entsilberung seit mehreren Jahren durchschnittlich mehr als 95 % des Silbers zurückgewonnen. Im Jahr 2019 waren das ganze 4.253 kg Silber.

Auch kleinere Unternehmen achten natürlich auf die Umwelt und arbeiten mit spezialisierten Entsorgern zusammen, die sich um eine korrekte Verwertung der Altchemie kümmern, wie uns Mein Film Lab auf Nachfrage versicherte. Des Weiteren schreiben sie:

Wir haben XTOL, eine auf Vitamin C basierende Chemie, verbessert und nutzen für Abzüge den Entwickler ECO4812 von Mörsch, ebenfalls ein ökologischer Entwickler.

Mein Film Lab wies uns zudem darauf hin, dass über die vergangenen Jahre viele giftige Stoffe verboten wurden und zum Beispiel in Stabilisatoren kein Formaldehyd mehr enthalten ist. Die Zeiten ändern sich also und wir arbeiten längst nicht mehr mit denselben Chemikalien wie unsere Großeltern.

Solltet Ihr nach wie vor selbst entwickeln, seid Ihr verpflichtet, Eure Chemikalien bei einem Recyclinghof zu entsorgen. Wichtig ist dabei, dass Ihr Fixierer und Entwickler getrennt abgebt. Die Abgabe ist in Kleinstmengen für Privatpersonen meist kostenfrei. Auf dem Wertstoffhof in Eurem Ort wird die Altchemie dann gesammelt und an ein größeres Zwischenlager weitergeschickt, das sich um die ordnungsgemäße Neutralisierung bzw. Wiederverwertung kümmert.

Nach unserer Recherche können wir sagen: Komplett nachhaltig ist die analoge Fotografie nicht, aber die Fotochemie ist heute erstaunlich wenig umweltschädlich, sofern sie anständig entsorgt wird. Bei der Wiederaufbereitung fällt natürlich Wasser und Energie an, aber kein grün leuchtender Sondermüllcontainer.

Ist es also noch zeitgemäß, analog zu fotografieren, im Hinblick auf die Umwelt? Wir sagen: Ja, wenn man richtig entsorgt. Und um die Frage ganz abschließend beantworten zu können, recherchieren wir bereits für eine weitere Folge, wie nachhaltig denn eigentlich die digitale Fotografie ist. Nächste Frage, bitte!

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