30. Oktober 2020 Lesezeit: ~7 Minuten

Test: CAPTURE X – Fine-Art-Papiere im Vergleich

Am Montag durften wir Euch die neuen Fine-Art-Papiere von CAPTURE X vorstellen. Natürlich waren wir auch selbst sehr neugierig und wollten sie testen. Ich habe mich mit Redakteur Sebastian getroffen, um die Papiere gegen die Konkurrenz antreten zu lassen.

Wir haben uns drei Papiere aus der CAPTURE X Kollektion ausgesucht und sie mit den beliebtesten Papieren auf dem Markt verglichen. Es traten an:

Unsere Testmotive

Ein dunkles Portrait einer FrauSchwarzweiß-Aufnahme von Hochhäusern und einer Rauchwolke
Landschaftsaufnahme mit Bergsee

© Sebastian H. Schroeder

Etwas Wichtiges vorweg: Es gibt nicht das eine, perfekte Papier. Je nach Motiv wählt man das beste Papier aus. Braucht man zum Beispiel ein tiefes, makelloses Schwarz, wird man ein anderes Papier nutzen, als für ein Foto, das feine Grauabstufungen besitzt. Matte, strukturierte Papiere wirken anders als leicht glänzende Oberflächen.

Die berühmte eierlegende Wollmilchsau gibt es auch in der Papierwelt nicht. Es ist also nicht möglich, ein bestimmtes Papier auf ein Siegerpodest zu stellen und zu sagen: Druckt damit.

Wir können nur Vor- und Nachteile für unsere Motive abbilden und haben ganz gezielt möglichst verschiedene Aufnahmen für den Test ausgewählt: Eine bunte Landschaftsaufnahme, für die wir eine hohe Brillanz und starke Sättigung suchen, ein schwarzweißes Straßenfoto aus New York, bei dem wir Strukturen und Schärfe betrachten und ein sehr dunkles Portrait, bei dem wir gern ein sattes Schwarz mit feinsten Abstufungen sehen möchten.

Sebastian erklärt noch ein wenig genauer, wie unsere Auswahl zustande kam und wie die Motive sich auf den jeweiligen Papieren verhalten:

Wie wir getestet haben

Neben einfach nachprüfbaren Fakten wie dem Preis, haben wir für jedes Papier ein Testchart gedruckt, an dem sich schon viele Vor- und Nachteile der einzelnen Papiere ablesen lassen. Farbdarstellung, Hautfarbtöne, Schwarzweißwiedergabe, Tiefendifferenzierung, Kontrast, Klarheit und Schärfe waren unsere wichtigsten Kriterien im Test.

Zusätzlich haben wir jedes der drei oben gezeigten Motive auf allen Papieren gedruckt und diese miteinander verglichen.

Testcharts

Unsere Testergebnisse

CAPTURE X Rag Fine Textured 310 g/m² gegen Hahnemühle Photo Rag 308 g/m²

Die schön strukturierten Rag-Papiere zeigen die Vor- und Nachteile am besten bei unserem dunklen Portrait und in der Schwarzweiß-Aufnahme. Das CAPTURE-X-Papier hat eine außerordentlich gute Schwarzwiedergabe, weit besser als das Hahnemühle-Papier. Dafür ist das CAPTURE-X-Papier in der Differenzierung der dunklen Farbtöne sichtbar schwächer als das Vergleichspapier. Die feine Linie zwischen dem Rücken der abgebildeten Frau und dem dunklen Hintergrund ist kaum sichtbar. Das Hahnemühle-Papier hat an dieser Stelle die Tiefen besser im Griff.

Im Testchart zeigte das CAPTURE-X-Papier zudem im Grünbereich einen kleine Farbabriss, wodurch das Portrait insgesamt ein klein wenig röter wirkt als auf dem Hahnemühle-Papier. Abgesehen von diesen zwei Punkten liefert das CAPTURE X Rag Fine Textured allerdings super Ergebnisse: Wie schon im ersten Vergleich starke Farbbrillanz, sehr hohe Schärfedarstellung und eine sehr schön anzusehende Papierstruktur.

Wenn Ihr nicht gerade ein Papier sucht, dass verschiedene tiefe Schwarztöne trennen muss, dann erhält das CAPTURE-X-Papier eine klare Kaufempfehlung. Außerdem ist es 40 % günstiger als das Vergleichspapier von Hahnemühle.

Papiere im Vergleich

Links: Hahnemühle, rechts: CAPTURE X

CAPTURE X Natural Matt 200 g/m² gegen Hahnemühle Photo Rag 188 g/m²

Auch in diesem Test gewinnt CAPTURE X den Preisvergleich mit 60 % Ersparnis. In diesem Vergleich hat sich gezeigt, dass man mit Testcharts allein nicht alles beurteilen kann: Denn auch wenn das Hahnemühle-Papier auf dem Chart in der Schärfe gewinnt, ist die subjektive Schärfe auf dem CAPTURE-X-Papier höher. Das liegt erneut an der tiefen Schwarzwiedergabe. Es macht also immer Sinn, den Gesamteindruck zu bewerten.

Papiere im Vergleich

Links: Hahnemühle, rechts: CAPTURE X

Detailvergleich von zwei Bildern

Die feinen Linien im hinteren Bereich des Busses sind auf dem unteren Papier von CAPTURE X klarer erkennbar.

CAPTURE X Photo Lustre 300 g/m² gegen Epson Premium Luster Photo 260 g/m²

Im direkten Vergleich der Lustre-Papiere war die Farbbrillanz von CAPTURE X auf den ersten Blick intensiver. Es gibt die Farben wesentlich satter wieder, was sich insbesondere bei der Landschaftsaufnahme positiv auswirkt. Im Vergleich der anderen beiden Motive hat es jedoch Schwächen bei der Tiefendifferenzierung. Die Schärfe ist bei beiden Papieren gut.

Zudem ist es – wenn auch nur wenige Cent – teurer als das Lustre-Papier von Epson. Für Letzteres muss man jedoch beim Format A4 direkt tief in die Tasche greifen und ein Paket mit 100 Blatt kaufen, während CAPTURE X auch im Paket zu 25 Blatt zu haben ist. Zudem ist die Grammatur mit 300g deutlich stärker, wodurch sich vielleicht auch der etwa 13 Cent teurere Preis pro Blatt erklärt.

Papiere im Vergleich

Links: Hahnemühle, rechts: CAPTURE X

Der Vergleich im Video

Wie Ihr sicher gemerkt habt, sind die Unterschiede oft nur minimal und in Fotos nur schwer wiederzugeben. Im Video könnt Ihr den Vergleich der Papiere noch genauer und mit mehr Details ansehen:

ICC-Profile

Für Druckprofis ist sicher ein kleiner Blick auf die ICC-Profile spannend. CAPTURE X bietet diese auf der Webseite zum Herunterladen für die gängigsten Drucker von Canon und Epson an. Sebastians Erfahrung zeigt, dass gutes Papier mit den normalen Druckereinstellungen gute Ergebnisse erzielen kann. Mit den Profilen der Herstellerfirmen, kann man die Ergebnisse aber noch einmal verbessern, denn diese sind auf den Farbton des jeweiligen Papiers optimiert.

Die Königsdisziplin ist es eigene ICC-Profile zu erstellen, durch die sich dann wirklich ganz genau das Papier auf den eigenen Drucker und die Druckbedingungen abstimmen lässt. Wer davon zum ersten Mal hört und mehr wissen möchte, erfährt darüber mehr im Video:

Fazit

Die Papiere von CAPTURE X liefern sehr gute Qualität, die es durchaus mit den Größen der Branche aufnehmen kann. Überzeugt haben uns vor allem die beiden matten Papiere, die mit den Pendants von Hahnemühle absolut mithalten konnten und auch noch günstiger waren.

Eine kleine Nachbesserung wünschen wir uns allerdings noch bei der Tiefendifferenzierung. Ohne diese Schwäche hätten sich alle Papiere gegen die Wettbewerber durchgesetzt.

CAPTURE X tritt mit dem Versprechen an, ihre Papiere mit Hilfe der Nutzer*innen weiterzuentwickeln und zu verändern. Sie bitten gezielt um Meinungen der Kreativen in Umfragen und den sozialen Medien. Wir können also weiterhin gespannt sein und vielleicht trägt unser kleiner Test ja ebenso zu Anpassungen bei, die die Papiere weiter perfektionieren.

Solltet Ihr jetzt selbst gespannt auf eines der geteseten Papiere sein: Hier geht es zur Webseite von CAPTURE X, hier findet Ihr mehr Informationen zu Hahnemühle und hier zu den Epson-Papieren.

Dieser Test wurde unabhängig von weiteren Werbemaßnahmen durchgeführt und über die Bereitstellung der CAPTURE-X-Papiere hinaus nicht gesponsert.


8 Kommentare

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  1. Vielen lieben Dank für diesen großartigen und detaillierten Test! Ich liebe matte Fine Art Papiere und wie Sebastian auch schon im Video sagt, sind die Unterschiede manchmal nur sehr gering. Das Capture X Rag werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen, das kannte ich noch gar nicht…

  2. Man sollte nicht immer alles beim „Kraken“ Amazon kaufen und sich dann wundern, wenn die Innenstädte sterben oder sich ärgern, dass solche Konzerne kaum Steuern zahlen und bestehende Sozialstandards unterwandern.

    Sicher kann man das Papier auch im Einzelhandel beziehen, oder?

  3. Mich wundern die Druckergebnisse mir den CaprureX-Papieren. Der Sinn einer (hier auch durchgeführten) Individualprofilierung besteht darin, Farbabweichung von Referenzdateien zu korrigieren. Dabei spielt es keine Rolle, an welcher Stelle des Verarbeitungsprozesses diese enstehen. Dies könnte entstehen:
    # Verwendete Software zum Drucken
    # Druckertreiber
    # Drucker
    # Aktuell verwendete Tinten
    # Papier

    Bei der individuellen Profilerzeugung wird das Endergebnis einer solchen Strecke ausgemessen und im ICC Profil so korrigiert, daß die Anfangswerte der Referenzdateien mit den Endwerten der ausgedruckten und ausgemessenen Farbfelder in Einklang gebracht werden.

    Wieso sind nun in allen Ausdrucken stark magentafarbene Abweichungen auf den CaptureX Papieren zu sehen? Nach meinem Verständnis von individueller ICC Profilierung hätte dies nicht geschehen dürfen.