27. April 2020 Lesezeit: ~3 Minuten

52 Wochen – Thema 17: Unschärfe

Liest man Kamera- und Objektivtests, kommt recht schnell die Schärfe zur Sprache. Eine perfekte Schärfe durchgängig bis in die Bildecken wird gepriesen und viele sortieren leicht unscharfe Aufnahmen schnell bei der Sichtung von Bildergebnissen aus. Aber muss ein Motiv immer scharf sein, um gut zu sein? Kann ein absichtlich unscharfes Bild nicht auch ein wunderbares Stilmittel sein? Das finden wir in dieser Woche mit unserem neuen Thema heraus.

Wir möchten von Euch unscharfe Bilder sehen. Wie Ihr das macht, bleibt ganz Euch überlassen. Vielleicht arbeitet Ihr mit Filtern, Bewegung oder einer sehr langen Belichtungszeit? Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber als Fotograf*innen sind wir normalerweise eher auf das Gegenteil bedacht und tun alles dafür, die Unschärfe zu vermeiden.

Ihr könnt nur einen Teil des Bildes in Unschärfe tauchen, um den Fokus auf ein kleines Detail zu lenken. Oder Ihr zeigt eine Traumsequenz, in der das komplette Foto unscharf und dadurch unwirklich wirkt. Egal wie: Erstellt diese Woche ein Bild, in dem das Hauptmotiv unscharf ist und das dennoch oder gerade durch die Unschärfe an Bedeutung gewinnt.

Eine Tänzerin im Schnee.

© Marina Jerkovic

Inspiration

Ausführliche Gedanken zu diesem Thema hat sich bereits Anne Henning in einem Artikel gemacht, der gespickt ist mit ganz wunderbaren Bildbeispielen. Zugegeben sind viele davon analog. Es hat fast den Anschein, als wäre die Suche nach perfekter Schärfe eine digitale Eigenheit.

Auch Marit Beer ist ein Fan von Unschärfe und beschreibt in ihrem Artikel, welche Stimmungen man mit Unschärfe erzielen kann. Dabei zeigt sie sowohl Beispiele für absichtliche als auch zufällige Unschärfe.

Triptychon aus verschwommenen Landschaften

© Marc Leppin

Marc Leppin hat mit seinem Projekt „360Grad Ringbahn Berlin“ eine Art Panoramaaufnahme einmal um die ganze Hauptstadt angefertigt. Kein einziges Bild ist scharf und gibt dennoch genau den Blick wieder, den man bei einer Fahrt mit der Ringbahn hat.

Nasos Karabelas experimentiert mit Schwarzweißfotografie und zeigt die Möglichkeiten der Deformierung des menschlichen Körpers durch die Kamera. Durch die Bewegung in den Fotos wirken die Menschen wie in eine neue Realität eingebettet.

© Marit Beer

Ablauf

Wer hat nun noch Angst vor Unschärfe? Ich hoffe, ich konnte Euch mit den Beispielen überzeigen, dass ein Foto nicht immer scharf sein muss, um zu funktionieren. Und jetzt seid Ihr dran. Erstellt ein eigenes Bild, in dem die Unschärfe im Mittelpunkt steht.

Verlinkt Euer Bild in den Kommentaren, nutzt den Hashtag #kwerfeldein52 in den sozialen Medien oder schickt uns Euer Foto direkt bis zum Dienstag, den 5. Mai 2020 per E-Mail. Jeden Montag gibt es im Magazin ein neues Thema für Euch und jeweils samstags eine Auswahl der Ergebnisse. Ihr könnt jederzeit mit einsteigen oder die Themen als Inspiration für Euch nutzen – wie und wann es Euch eben am besten passt.

Das Titelbild stammt von Ludwig West.

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24 Kommentare

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    • Unschärfe ist eine Abstraktion, eine Reduktion, so wie s/w-Fotografie.

      Unschärfe bewusst und gekonnt eingesetzt ist als Qualitätsmerkmal durchaus gern gesehen.

  1. Danke für den Beitrag!

    Unschärfe wird von der Handyfoto Fraktion heute viel zu unbedacht eingesetzt, aber richtig genutzt kann man Bildern damit eine ganz eigene, besondere Atmosphäre verschaffen. Gerade auch im Spiel mit bewegten Objekten kann man damit spielen und die Dynamik der Bewegung auf dem einzelnen Bild besser unterstreichen.

  2. Gut erinnern kann ich mich noch, als damals zu analogen Zeiten die ersten Zoom-Objektive auf den Markt kamen. Und genauso gut erinnern kann ich mich an die rasanten Fotoeffekte, die damit erzeugt wurden. Über den Zoomvorgang wurde mit längerer Belichtungszeit ausgelöst. Hier mein Ergebnis zum Thema Unschärfe:
    https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=910×10000:format=jpg/path/sda4a5dcfa0fb98b4/image/ic1f34ad00030bc28/version/1588351798/image.jpg

    Etwas mehr in Sachen Unschärfe findet sich wie gewohnt im FOTO-BLOG.
    https://www.dt-classics.de/2020/05/01/52-wochen-thema-17-unsch%C3%A4rfe/

    Ich danke euch für euer interesse!

    Herzlich, Dirk

  3. Hallo, guten Abend,

    ich habe für das Thema „Unschärfe“ eine Landschaft fotografiert (mit Raps im Vordergrund), dabei habe ich die Kamera bei langer Belichtungszeit bewegt, bis überhaupt nichts mehr scharf war. Wie immer war es ein spannendes Thema, das mich die ganze Woche begleitet hat. Ich habe viele Polaroids gemacht, aber jetzt ist es doch dieses geworden:

    https://flic.kr/p/2iWNvPV

  4. Die beiden Beispiele im Text sind spannenden anregend, mit den deformierten Körpern habe ich auch schon experimentiert. Schaut einfach aus, ist aber schwierig hinzubekommen. Mal schauen ob mir was aktuelles dazu einfällt.

  5. 17/52 Unschärfe – Relation
    Obwohl Ortsraum definiert und Auslöseimpuls getätigt ist Ergebnis unscharf. Faszinierend!
    P.S. Auf die Idee kam ich, als mir bei der Lektüre eines Buches von Brian Greene der Kopf rauchte und ich erst einmal meine Brille absetzen musste. Auf die Tafel schrieb ich dann Heisenbergs ursprüngliche Formulierung.

    https://www.instagram.com/p/B_vIQFWKGKq/
    In groß und werbefrei:
    http://www.sternchenbilder.de/52/17_Unschaerfe_Relation.jpg