11. April 2020

52 Wochen – Ergebnisse: gewohnter Anblick

Wenn ich nach Orten für meine Fotos suche, dann vergesse ich häufig meine eigenen vier Wände. Zu vertraut, zu langweilig erscheint mir alles hier. Andere Fotograf*innen sehen aber sicher kleine Details in meiner Wohnung, die sich für Bilder anbieten. Wie gern würde ich deshalb meine Zimmer mit neuen Augen sehen. Dieser Gedanke führte zu unserer 13. Wochenherausforderung.

Ich habe Euch gebeten, einmal nach Momenten und Dingen zu suchen, die Euch bisher verborgen waren. Gewohnte Anblicke, die eine Schönheit oder Besonderheit in sich tragen, die man viel zu oft nicht sieht. Entstanden sind viele tolle Bilder, die auch mir vertraut vorkommen. Und einige schöne Geschichten, die einen spannenden Einblick auch in die aktuelle Zeit geben. Vielen Dank, dass Ihr diese intimen Einblicke mit uns teilt!

Schatten einer Pflanze hinter einem Vorhang

© Walter Griese

Die Sonne schien in mein Wohnzimmerfenster und zauberte in Verbindung mit der Pflanze auf der Fensterbank und der zugezogenen Gardine diesen „gewohnten Anblick“, an dem ich doch in der Vergangenheit so oft achtlos vorbeigegangen war.

Dieses Klavier ist ein altes Erbstück und steht bei uns im Wohnzimmer. Ich bin mit Musik aufgewachsen und ich und meine Schwester haben uns oft ans Klavier gesetzt, um kleine Stücke zu spielen. Später habe ich dann Oboe studiert und bereut, nie richtig Klavier gelernt zu haben, da man im Studium auch Klavier spielen muss.

Als ich meiner Mutter davon erzählte, meinte sie nur, dass sie uns zu nichts zwingen wollte. Und wenn ich so darüber nachdenke stimmt es, dass ich und meine Schwester bis heute die Freude am Klavier spielen beibehalten haben und uns immer wieder gern an dieses alte, verstimmte, aber auch wunderschöne Klavier setzen.

Badewanne

© Sven Bah

Das Thema diese Woche hat mich am Ende doch viel mehr zum Nachdenken gebracht, als anfangs vermutet. Was ist ein gewohnter Anblick und vor allem für wen? Das Bild zeigt das Bad der Eltern meines Stiefvaters, die in den letzten Jahren beide im hohen Alter von 97 und 96 Jahren verstorben sind. Sie starteten dort Morgen für Morgen ihren Tag – 60 Jahre lang.

Für mich ist dieses Bild einfach nur ein Bild, bei dem mir der Kontrast und das Licht gefallen. Für die ehemaligen Bewohner*innen war es aber garantiert ein gewohnter Anblick. Gleichzeitig weiß ich, dass dieses Bild eine Menge Erinnerungen und Gefühle in diesen Personen auslösen würde, wären sie noch hier.

Am Ende fühlt es sich so an, als würden Alltagsgegenstände ohne ihre eigentlichen Besitzer*innen irgendwie unvollständig und leblos zurück bleiben. Mir zeigt dieses Thema, dass Bilder immer mit Erinnerungen verbunden sind, auch wenn es nicht unsere eigenen sind.

Nähzeug

© Andrea Epstein

Zur Zeit nähe ich täglich Masken und mein verstorbener Freund streckt mir dabei im Nähkästchen die Zunge heraus.

Ventilator

© Ramona Richter

Der Ventilator hängt so ganz und gar selbstverständlich im Schlafzimmer an der Decke. Im Sommer spendet er mit seinen großen Flügeln Kühle. Zuerst wollte ich ihn nicht, er erschien mir doch gar zu monströs. Aber nun hängt er halt da und ich nehme ihn kaum wahr. In dieser Woche hat er seinen großen Auftritt!

Blick aus dem Fenster auf ein Haus

© Andreas Schröder

Esstisch mit Tulpen

© Mathias Hanke

Wandlampe wirft einen Schatten

© Elmar Stegen

Vielleicht geht Ihr jetzt mit einem neuen Blick durch Eure Wohnung und entdeckt noch weitere schöne Momente. Das würde mich sehr freuen. Das nächste Wochenthema geben wir wie gewohnt am Montag bekannt. Aktuell läuft noch das Thema „abstrakt“, zu dem Ihr bis Dienstag ein Bild einreichen könnt.

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6 Kommentare

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  1. Hallo zusammen,

    immer wieder spannend, was für andere der „Gewohnte Anblick“ ist.

    Besonders gefällt mir das Foto von monochromtone, tolle Stimmung.
    Und das Foto von Mathias Hanke, schönes Stillleben in SW.

    Leider wurde mein Name nicht korrekt geschrieben:
    Ich heiße Elke Erben und komme aus Engelskirchen.

    Liebe Grüße und allen Frohe Ostern, auch wenn wir diesmal allein feiern müssen.

    Elke Erben