Schriftzug auf grauem Grund der besagt: Mal gut, mehr schlecht.
03. August 2017 Lesezeit: ~ 2 Minuten

Rezension: Mal gut, mehr schlecht.

„Mal gut, mehr schlecht.“ – so lautet der Titel eines 2016 im Verlag Hatje Cantz erschienen Buches, das kein klassischer Bildband ist, sondern sich mit einer weitläufig eher ungern thematisierten Krankheit fotografisch und visuell auseinandersetzt. Nora Klein, die eigentlich aus dem klassischen Fotojournalismus kommt, hat einen sensiblen Umgang mit Menschen gefunden, die bereit waren, ihre persönlichen Erfahrungen mit ihrer Depression zugänglicher zu machen.

Buch mit lebenden und toten Ästen auf dem Cover.

Eingefasst in einen passend gewählten, transparenten Umschlag – ganz so, als würde der Schleier gelüftet, der für viele über dem Begriff „Depression“ schwebt – ist das Hardcoverbuch mit einer Vielzahl großformatiger, teils ganzseitiger Fotografien gefüllt, die zwischendurch von kurzen Zitaten unterbrochen werden. Die Zitate stammen von den fotografierten Personen im Buch, sind Ausschnitte von beschreibenden Texten, die am Ende des Buches Einblicke in die Wahrnehmung der betroffenen Personen ermöglichen.

Du sitzt in Deiner Wohnung, siehst die Dinge um Dich herum, dann wird das Licht immer weiter heruntergedimmt, Du siehst immer weniger, bis nichts mehr da ist: So ist die Depression. Sie ist die absolute Dunkelheit. Das ganze Leben wird ausgeblendet.

Aufgeschlagenes Buch mit zwei Fotografien. Linkerhand ein Rapsfeld und rechterhand Nahaufnahme eines lachenden Mundes.

Die überwiegend eher düsteren Bildwelten sind zwischendurch gespickt mit kleinen, eingeschobenen Faltblättern mit visuellen Notizen und Bildern der Protagonist*innen – als Leser*innen des Buches sind wir so zu einer Handlung aufgefordert, um uns mehr auf diese sehr persönlichen Eindrücke einzulassen und damit auseinanderzusetzen. Nicht jede Person ist hier erkennbar – es bleibt offener Raum für offenere Eindrücke zum Thema Depression, wie sie für jede*n sein könnte oder ist.

Aufgeschlagenes Buch mit fast formatfüllendem, dunklem Bild, auf dem schemenhaft ein geschlossenes Auge erkennbar ist.

Aufgeschlagenes Buch mit einem fotografierten Portrait.Aufgeschlagen Buch mit einem fotografierten Portrait.

In einem Interview zwischen der Autorin Sonja Hartwig und der Fotografin Nora Klein wird am Ende beleuchtet, wie es zum Buch im Allgemeinen und zu den Bildern im Besonderen kam. Welche Motivation hinter dem Buchprojekt steckte und welche Hoffnungen damit verbunden sind.

Mit seinen 134 Seiten ist das Buch relativ mächtig, hierbei wird der größte Teil der Seiten für Fotos genutzt. Es geht im Buch nicht um Medizin oder Wissenschaft, sondern die Möglichkeit für Betroffene und Außenstehende, eine kreativ verarbeitete Umsetzung von Depression als Krankheitsbild zur Auseinandersetzung und Entstigmatisierung wahrnehmen und weitergeben zu können.

Der Preis von 40 € ist bei einer so bedachten Gestaltungsart und dem aufwendigeren Hardcover nicht günstig, aber gerechtfertigt – für eine breitere Öffentlichkeit und Akzeptanz der Thematik aus meiner persönlichen Sicht trifft dies so oder so zu.

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4 Kommentare

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  1. Der Aussage, dass dieser Band “nicht günstig” ist mit 40 € möchte ich vehement widersprechen. In der Größe und mit dieser aufwändigen Gestaltung ist der Preis nicht nur angemessen, sondern durchaus günstig.
    Die meisten Fotobände in der Größenklasse starten bei 40 € und gehen bis 100 €.
    Klar kann sich das trotzdem nicht jeder leisten, aber für einen guten Fotoband ist das durchaus ein günstiger Preis.
    Ist halt kein Taschenbuch.

    • Hallo Philipp – persönlich teile ich deine Meinung da ganz und gar! Schließlich mache ich selbst Fotobücher :) Dies bezog sich eher auf die “Wertschätzungskette” (falls man es so nennen mag) gegenüber Fotobüchern im allgemeinen. Da ist 10-20 Euro günstig und danach wird leider bereits von “teurer” gesprochen.