Lomo LC-A Minitar-1 Art an Sony A7II
30. September 2015 Lesezeit: ~5 Minuten

Testbericht: Lomo LC-A Minitar-1 Art

Ich bin überrascht, als ich das Päckchen auspacke, zumindest die Objektivverpackung sorgt schon einmal für einen Aha-Effekt. So etwas Schickes hatte ich dann doch nicht erwartet. In silberglänzender Prägeschrift lese ich „LOMOGRAPHY ART LENS“. Scheint ja etwas ganz Besonderes zu sein, was die hübsche kleine Schatulle beherbergt.

Nachdem ich das kleine Verschlussbändchen geöffnet habe, finde ich neben dem Objektiv einen kleinen Lederbeutel, ein Mikrofasertuch, eine Anleitung und ein 100-seitiges Lomografie-Booklet. Da können sich andere Firmen schon einmal ein Beispiel dran nehmen, wenn ich an die lieblosen Wellpappkartons meiner Sony-Linsen denke. Der erste Eindruck ist also schon einmal sehr gelungen.

Lomo LC-A Minitar-1 Art Objektiv in Verpackung

Lomo LC-A Minitar-1 Art

Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich mit der Idee der „Lomografie“ erst einmal anfreunden muss. Bislang habe ich dann doch zumeist Wert auf technisch einwandfreie Fotos gelegt. Wenn es mal in die kreative Ecke gehen sollte, dann via iPhone und Hipstamatic App. Nun also eine Lomo-Optik an meiner Sony A7RII.

Kurz zum technischen Hintergrund: Das Lomo LC-A MINITAR-1 Art Lens 2.8/32 M, wie es offiziell heißt, ist das Objektiv, das in der ursprünglichen LOMO LC-A Kamera verbaut ist, die in den 90ern den Grundstein für die Lomografie gelegt hat. Laut Lomografie-Webseite „das Vermächtnis der legendären LOMO LC-A“, die 1984 in die Massenproduktion ging.

Das aktuelle Minitar, gefertigt wie ihr Urahn in Russland, aber mittlerweile montiert in China, kommt als Pancake mit Leica M-Mount daher. Die Scharfstellung erfolgt in vier Stufen (0,8 m; 1,5 m; 3,0 m und unendlich) über einen kleinen Hebel am Objektiv. Lomo beschreibt das vollmundig als „fantastischen Zonenfokus“.

Eine person spiegelt sich in einer ScheibeZwei Personen laufen vor einer bemalten Wand

Die kürzestmögliche Entfernung zum Fokussieren liegt somit bei 0,8 m. Glücklich, wer sein Minitar per Adapter anflanschen muss, so kam ich durch den eingebauten Schneckengang meines Sony-E-Adapters noch in den Genuss einer waschechten Makrofunktion.

Generell kann man feststellen, dass die Marketingabteilung hier ganze Arbeit geleistet hat, wenn man sich ein bisschen auf der Microsite zum Minitar umschaut. Da ist die Rede von einer Premium-Optik, berühmter Vignettierung, außergewöhnlicher Konstruktion, reichen und zutiefst gesättigten Farben.

Man muss schon schmunzeln, wenn man eine Billig-Optik vor sich hat, die beschrieben wird wie das neueste Hochleistungsobjektiv von Zeiss, aber eigentlich doch bewusst unscharfe Bilder mit heftigem Randabfall liefern soll.

Äste im Wald

Äste im Wald

Das ist es ja eigentlich, was den Reiz der Lomografie ausmacht: Dieser spezielle Look, die scheinbar schlechte (technische) Bildqualität, Unschärfen, Vignettierungen und sonstige Bildfehler, die man ja im allgemeinen eher vermeiden möchte.

Das Ganze wird umso interessanter, wenn man dann noch analog fotografiert, unter Umständen mit alten, körnigen, abgelaufenen Filmen. Aber was mache ich jetzt mit dieser Linse an meiner modernen Digitalkamera? Da prallen doch zwei Welten aufeinander und ich bin zunächst unsicher, ohne weitere Objektive loszuziehen.

Schwarzweiß StraßenaufnahmeEin abgedecktes Auto vor einem Haus

Was, wenn ich nun das Knallermotiv vor Augen habe, aber nur mein Minitar vor dem Sensor? Ich denke, man muss sich einfach darauf einlassen und unbeschwert losziehen. So lautet nämlich auch die Quintessenz der zehn goldenen Lomografie-Regeln: „Don’t think, just shoot!“, die da wären:

  1. Nimm Deine Kamera überall hin mit.
  2. Verwende sie zu jeder Tages- und Nachtzeit!
  3. Die Lomografie ist nicht Unterbrechung Deines Alltags, sondern ein integraler Bestandteil desselben.
  4. Übe den Schuss aus der Hüfte!
  5. Nähere Dich den Objekten Deiner lomografischen Begierde so weit wie möglich!
  6. Don’t think. (William Firebrace).
  7. Sei schnell.
  8. Du musst nicht im Vorhinein wissen, was dabei heraus kommt.
  9. Im Nachhinein auch nicht!
  10. Vergiss die Regeln!

Bäume und Äste im Wald

Alles Regeln, die ich mir bislang nicht gerade groß auf die Fahne geschrieben hatte. Also dann mal los. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten war ich dann doch schnell im Lomo-Modus. Das Scharfstellen über den kleinen Hebel, den fantastischen Zonenfokus, funktioniert völlig unkompliziert.

Bei der Ur-Lomo war es ja wirklich ein Schätzen der Entfernungseinstellung, beim adaptierten Minitar kann man natürlich auch die Schärfe im Sucher bzw. auf dem Display einstellen. Wenn man das möchte. Ansonsten eben vermutete Entfernung voreinstellen, Blende 8 und draufhalten. Wobei das Objektiv abgeblendet eigentlich zu scharf wird und die interessanten Bildfehler verschwinden.

Straßenmarkierung neben einem ZaunEin Waldweg

Richtig spannend ist es eigentlich nur bei Offenblende. Um den speziellen Lomo-Look zu verstärken, habe ich teilweise noch in meiner Kamera einen „Spielzeugkamera-Effekt“ oder „Hochkontrast-SW“ eingestellt. Ähnliche Digitaleffekte bieten ja mittlerweile fast alle aktuellen Kameras.

Resümierend kann ich sagen, dass mir der kleine Ausflug in die lomografische Bildwelt Spaß gemacht hat, weil es wirklich ein etwas anderes unbeschwertes Fotografieren ist. Wobei mir das „Nichtdenken“ beim Fotografieren doch sehr schwer fällt. Ich war immer geneigt, die Bilder doch bewusst zu komponieren. Don’t think, just shoot!

Ein kleiner Knackpunkt wird für viele sicher auch der Preis von 349 € sein, wovon sicher ein nicht unerheblicher Teil in Verpackung und Marketing fließen.

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