08. Januar 2018 Lesezeit: ~ 9 Minuten

Die wichtigsten Fotos der Redaktion 2017

Noch bis heute Abend läuft unsere Aktion „Zeig Dein wichtigstes Foto 2017“, in der wir Euch dazu aufgerufen haben, Eure Lieblingsfotos des vergangenen Jahres zu zeigen und die Geschichten dazu zu teilen. Auch die Redaktion hat natürlich ihre Archive durchgesehen. Hier findet Ihr unsere wichtigsten Bilder 2017.

Eishöhle

Patrick Pfaff

Mein wichtigstes Bild 2017 ist für mich so wichtig, da ich sehr lange darauf warten musste. Um genau zu sein fast vier Jahre. Es kam bei diesem Foto immer wieder etwas dazwischen, ob es die Zeit war oder auch das Wetter. Knapp vier Jahre lang hatte sich die Gelegenheit für dieses Foto einfach nicht ergeben. Doch Anfang Oktober 2017 konnte ich endlich zusammen mit Nadine Schmidt zu einer kurzen Reise ins Berchtesgadener Land aufbrechen.

Der Wecker klingelte natürlich früh, damit wir das erste Boot nach St. Bartholomä nehmen konnten, um vor all den anderen Wander*innen an der Eiskapelle zu sein. Nach einem kurzen Fußmarsch von 6 km war ich meinem Foto dann endlich so nah wie noch nie. Nachdem die erste Begeisterung über diesen magischen Ort vorbei war, ging es für mich auch sofort in die Eiskapelle hinein und ich fing an, genau die Fotos zu machen, die ich schon seit so langer Zeit im Kopf hatte.

Genau das ist der Grund, warum mir dieses Foto so sehr am Herzen liegt: Weil es mir einfach gezeigt hat, dass man manchmal auch lange Zeit auf den richtigen Moment warten muss, um das Foto zu schießen, das einem durch den Kopf geht.

Ein gerahmtes Foto

Tabea Borchardt

Diese Reproaufnahme eines gerahmten Barythandabzuges ist Teil der Serie „Asche“, die bereits vor längerer Zeit fotografiert worden ist, jedoch erst im gerade vergangenen Jahr in Form von Abzügen das Licht der Welt erblickte. Also erst wirklich Bild wurde. Die Arbeit an diesen sehr emotional geprägten Bildern war zwiegespalten: Einerseits liebe ich das Erstellen traditioneller Barythandabzüge mit den Gerüchen, der Entschleunigung, der Detailgenauigkeit und Präzision in der Dunkelkammer; andererseits banne ich auch nur mir wirkliche wichtige Bilder auf Papier.

Somit schließe ich dann auch immer eine Art Prozess ab. Zwar notiere ich alle Werte in einer Tabelle, doch da diese Bilder auf altem, abgelaufenen Fotopapier entstanden sind, von dem ich noch Reste fand, werden sie so, in dieser Form, nicht wieder erstellt werden können und die gesamte Serie gehört somit zu den wichtigsten Bildern des gesamten Jahres.

Ein Bett mit Ikonenbild an der Wand

Chris Hieronimus

Ein Bild, das mich 2017 bewegt hat, ist diese simple Aufnahme aus meinem Arbeitsalltag. Es zeigt das Bett eines 16-jährigen Jungen, der aus der Diktatur in Eritrea nach Deutschland geflohen ist. Ich sehe hier täglich, in welche psychischen Ausnahmezustände Menschen durch Flucht gebracht werden. Es braucht einiges, um darin einen aufrechten Gang und Blick nach vorn zu behalten. Die Ikone über seinem Bett gehörte zu den ersten Dingen, die einen Platz in seinem Zimmer fanden. Ein Zeichen für: Endlich angekommen sein.

Flugzeugwrack am Strand

Christopher Kreymborg

Das gezeigte Bild ist mein wichtigstes Foto aus dem letzten Jahr, weil es mich desillusioniert hat und ein Sinnbild für die Realität hinter vielen vermeintlich perfekten Instagramfotos ist. Diesen Ort kennen vermutlich viele – und viele haben, genau wie ich, davon geträumt, einmal nach Island zu reisen und das berühmte Flugzeugwrack zu besuchen.

Ich stellte mir vor, wie meine Frau und ich allein über Vulkanfelder wandern, Karten studieren und uns die Füße wund laufen, bis wir es endlich einsam und verlassen an einem Strand finden würden. Wir haben diese Reise extra so geplant, dass wir vor Sonnenaufgang mit Taschenlampen loslaufen, um das Wrack möglichst für uns allein zu haben.

Als wir an einem extra dafür eingerichteten Parkplatz angekommen waren, standen dort schon etwa zehn Autos und wir sahen einige Leute auf einem gut markierten Weg, die Richtung Meer liefen. Nach einem 45-minütigen Spaziergang bot sich uns dann das gezeigte Bild und ich war in diesem Moment gleichermaßen geschockt, angewidert und etwas enttäuscht von mir selbst.

Natürlich richtete ich genau wie alle anderen meine Kamera von allen Perspektiven auf dieses surreale und deplatzierte Objekt und fühlte mich in diesem Moment so austauschbar und unbedeutend, dass ich gern im Boden versunken wäre. Ein Geschmack, den Island leider mehr als nur einmal in mir hinterließ.

Obwohl mir das Land mit seiner Schönheit und Gewaltigkeit ständig den Atem raubte und ich jederzeit wieder hierher kommen würde, um noch mehr davon zu sehen, fühlte ich mich oft wie ein kleines Sandkorn weit weg von jeglicher Individualität, wenn ich neben den vielen Touristikbussen parkte, auf denen in Großbuchstaben „THE ICELAND ADVENTURE“ stand und in denen die Menschen ihr Pauschalabenteuer erleben können. Das gleiche Abenteuer wie ich.

Ein Mann mit einer Plastikfolie über dem Gesicht

Lisa-Marie Kaspar

Dieses Bild repräsentiert für mich eine neue Phase in meiner fotografischen Reise. Durch einen Wettbewerb für Nachwuchsfotograf*innen bekam ich die Möglichkeit, mit finanzieller Unterstützung eine Serie umzusetzen, die sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Meer beschäftigen sollte. Dafür bin ich nach Lissabon gereist, meine erst zweite Flugreise überhaupt, habe zum ersten Mal eine Modellagentur angefragt und habe dadurch mit zwei wunderbaren Modellen zusammenarbeiten dürfen.

Der Schritt ins Unbekannte und die Überwindung von Zweifeln und Ängsten haben sich am Ende für mich gelohnt. Nicht nur, weil die Serie zusammen mit denen aller anderen Teilnehmer*innen ausgestellt wurde, sondern auch, weil die Erfahrung mich weitergebracht hat. Seitdem ist Nachhaltigkeit ein großes Thema für mich und ich widme ihr jetzt sogar mein Masterstudium.

Ein Arm umarmt einen Sitz im Kino

Katja Kemnitz

Mir war bewusst, dass ich dieses Jahr weniger fotografiert habe, aber wie wenig, wurde mir erst klar, als ich mein wichtigstes Bild ausgesucht habe. Die Auswahl war natürlich dadurch einfach, denn die wenigen Fotos sind schnell durchgesehen. Dabei stach dieses für mich heraus. Nicht nur, weil ich das Bild auch nach Monaten noch gut finde (was recht selten bei meinen eigenen Arbeiten ist), sondern weil es auch eine schöne Erinnerung birgt.

Ich hatte einen tollen Tag mit meinem Freund in Köln verbracht und abends zeigte er mir spontan einen kleinen Kinosaal. Ich war auf Anhieb begeistert von den alten Sitzen und wollte sie schnell in einem Foto festhalten. Nach ein paar Versuchen, in die Fluchten der Sitze zu fotografieren, fehlte mir aber irgendetwas und ich kam auf die Idee mit dem Arm. Der surreale und etwas lustige Effekt begeistert mich auch heute noch.

Wiese im Gegenlicht, Schwarzweißpolaroid mit Bildfehlern.

Aileen Wessely

Dieses Bild ist Teil einer Serie von Polaroids, die ich an einem Ort aufgenommen habe, an dem ich mich in den letzten Jahren arbeitsbedingt immer wieder herumgetrieben habe. Um zwischendurch den Kopf frei zu bekommen, bin ich dort in all der Zeit schon mit den verschiedensten alten Schätzchen durch Wald und Wiesen getigert.

Bei jedem Ausflug habe ich neue Wege und Ecken entdeckt sowie altbekannte und geliebte von neuem aufgesucht. Veränderungen bemerkt, den Ort mit Wetter und Tagesform auf mich wirken lassen, ihn aus anderen Perspektiven betrachtet. Leider werde ich nie wieder dort sein, außer ich nehme die mehrstündige Fahrt auf mich, nur um mal wieder dort zu sein – unwahrscheinlich.

Wie der Zufall so spielt, hatte ich beim letzten Mal eine von saftig grünem Moos nur so überwucherte Oase entdeckt – aber nur zwei, drei überlagerte Schwarzweiß-Polaroidfilme dabei, die mir unsere Kollegin Laura Su beim letzten Redaktionstreffen geschenkt hatte. Ich sog also die grüne Farbenpracht in mich auf und versuchte gleichzeitig, nach Bildern Ausschau zu halten, die zur Reduktion auf Graustufen geeignet wären.

Von den Bildern wählte ich 13 für meinen alljährlichen Kalender aus. Ein paar mussten also draußen bleiben. Dieses hätte es fast nicht geschafft, kam dann aber doch knapp mit in die Auswahl. Interessanterweise haben mich speziell auf dieses die meisten Betrachter*innen fasziniert angesprochen, daher habe ich es hier ausgewählt.

Marit Beer

Hände ineinander verschlungen vor Blättern

Nur ein Detail, Hände ineinander geschlungen. Eine intime Geste, eine junge Liebe im hohen Alter. Lebensbejahend, positiv, ehrlich sind die Worte, die mir einfallen, wenn ich sie sehe. Eine Geschichte über meinen Vater, der mir ein Vorbild ist. Seine Stärke gibt mir Sicherheit, die Balance zu halten.

Seine Offenheit und seine Wachheit sind nicht selbstverständlich in dieser Welt und in dieser Zeit. Er hat als Kind den Zweiten Weltkrieg erlebt, er hat Menschen kommen und gehen sehen, er hat seine größte Liebe zu Grabe ertragen und er ist unermüdlich in seinem Lebenswillen. Dieses Bild ist mein Bild des letzten Jahres.

 

Wir hoffen, Euch hat unsere Auswahl inspiriert. Bald zeigen wir einige Eurer wichtigsten Fotos von 2017. Noch bis heute Abend um 21 Uhr könnt Ihr an der Aktion teilnehmen. Wir freuen uns auf Eure Geschichten und Bilder.

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2 Kommentare

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  1. Was Christopher Kreymborg schreibt, habe ich vor vielen Jahren ebenfalls erlebt: was man als wunderbaren, geradezu magischen Ort assoziiert hat, entpuppt sich als maßlose Enttäuschung, wenn man endlich dort ist.
    Seitdem gehe ich immer dorthin, wo andere ausdrücklich NICHT hinwollen, je “uncooler”, desto besser. Das hat sich am Ende immer gelohnt.
    Ob Island, Kuba, Namibia, die Toskana oder Taj Mahal, Eiffelturm, Freiheitsstatue: all das habe ich von der Liste der “sehenswerten” Orte gestrichen.
    (Ich war viermal in New York, habe die Freiheitsstatue noch nie gesehen.)

    Interessante Fotos und Texte. Weiter so :-)