Ein Stapel Foto-Bücher und Bände sitzen auf einem älteren Sessel.
01. Februar 2015 Lesezeit: ~6 Minuten

Die 5 Fotobücher des Monats

Wenn ich etwas liebe, dann ist es die Fotografie. Doch die Liebe wäre nur halb so stark, gäbe es keine Fotobücher. Diese klobigen, sperrigen und oft schweren Teile, die in der immer papierloseren Welt oft nur im Weg stehen, geben mir so viel.

Ich halte sie gern in der Hand, schließe die Augen und rieche daran. Lausche dem leisen Zupfen der Blätter, wenn ich sie unter meinem Daumen durchfallen lasse. Vor diesen Werken habe ich Respekt, denn ich weiß, dass darin vor allem eines steckt: Harte Arbeit.

Mein Blick über die Neuerscheinungen des Fotobuchmarktes hatte es in den letzten vier Wochen leicht, denn viele an der Zahl waren es nicht. Und trotzdem fand ich fünf Bände, die mein Fotografenherz höher schlagen lassen (mein Gott klingt das kitschig).

 

Ein altes Ehepaar liegt sich in den Armen.

The Lovers*

Liebe hält meistens nicht sehr lange – ein Großteil aller (Ehe-)Paare geht nach kurzer oder langer Zeit wieder getrennte Wege. Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir die Menschen so beneiden, die es geschafft haben, gemeinsam alt zu werden – und sich immer noch lieben.

Als die in England lebende Fotografin Lauren Fleishman alte Liebesbriefe ihres Großvaters an die Großmutter fand, die er während des Zweiten Weltkriegs verschickt hatte, war sie betroffen. Für Fleishman war dies eine Begegnung mit ihrem Großvater, mit der sie nicht gerechnet hatte. Sie beschloss, das Thema anzugehen und verbrachte die nächsten sechs Jahre damit, glückliche alte Paare zu fotografieren.

Im Nachrichten-Magazin The Telegraph verriet die Fotografin, worauf sie beim Fotografieren achtete: Fleishman war es nicht wichtig, die Paare gemäß ihres Alters, sondern gemäß ihrer Liebe zu fotografieren. Und zwar so, wie Mann und Frau sich selbst rezipierten.

Der Bildband „The Lovers“ ist mit seinen 176 Seiten demnach nicht nur ein Manifest der Liebe, sondern auch der Treue.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: Januar 2015
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Schilt Publishing
Größe: 22,9 x 17,8 cm
Preis: 35,62 €

 

Vier Kinder stehen auf einem Feld.

Lindsay Morris: You are YOU*

Ein Ausdruck der Liebe und Annahme ist auch „You are YOU“ der Fotografin Lindsay Morris, die in Zusammenarbeit mit Kehrer eine Kickstarter-Initiative initiierte, um die Produktion eines Bildbandes zu ermöglichen, der sich mit geschlechtsvarianten Kindern beschäftigt.

Morris besuchte die Kinder auf einem Sommercamp, das dem Thema der geschlechtlichen Freiheit gewidmet war. Dort blühten die Kinder in der von Akzeptanz geprägten Umgebung auf, ohne Angst vor Mobbing haben zu müssen.

Der Bildband enthält 82 Farbabbildungen eines liebevollen Projekts, mit dem die Fotografin ein bis heute in vielen Teilen der Welt als Tabu behandeltes Thema besprechen und zur Auseinandersetzung damit einladen möchte.

Was an „You are YOU“ so spannend ist, hat mit dem Alter der jungen Menschen zu tun, womit sich das Projekt deutlich von anderen abhebt. Über Transgender-Erwachsene wird heute oft berichtet, aber bereits Kinder erleben sich häufig anders, als es von ihnen stillschweigend erwartet wird.

So wirbt die Fotografin mit dem erfolgreich gecrowdfundeten Band vor allem für eines: Verständnis für geschlechtsvariante Kinder als Teil unserer Gesellschaft.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: Januar 2015
Gebundene Ausgabe: 122 Seiten
Verlag: KEHRER Heidelberg
Größe: 28,6 x 1,7 x 28,7 cm
Preis: 39,90 €

 

Cover des Buchtitels

Small Things in Silence*

Für die Freunde des Minimalistischen wird dieser Blickfang eine wahre Freude sein: Masao Yamamoto, einer der bedeutendsten Fotografen Japans veröffentlicht mit „Small Thinks in Silence“ ein zusammenfassendes Werk seiner bisherigen Arbeit.

Die Bildsprache Yamamotos erstreckt sich im Rahmen des monochromem Sepias vom Aktportraits über Landschaften bis hin zur Tierfotografie. Jedoch bedient sich der Künstler nie gängiger Kompositionen, Ausdrucksmöglichkeiten oder Techniken.

Yamamoto ist bekannt dafür, Malerei und Fotografie miteinander zu vermischen, indem er selbst entwickelte Drucktechniken (er färbt seine Bilder unter anderem mit Tee) einsetzt. Das Ergebnis ist eine höchst delikate Angelegenheit, die, wie Yamanoto sagt, Erinnerungen hervorrufen soll.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 28. Februar 2015 (schon lieferbar)
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Editorial RM
Größe: 25,1 x 2,2 x 31 cm
Preis: 38,95 €

 

Eine Frau sitzt mit einem Jungen am Tisch und isst.

Bruce Davidson: In Color*

Wenn es einen Straßenfotografen gibt, der mich 2013 mit seinem eigenwilligen Stil erreicht hat, dann ist es Bruce Davidson. Selten hat mich ein Buch so „geplättet“ wie sein unerreichtes Werk „Subway“.

Davidson, Magnum-Fotograf und 81 Jahre alt ist kein bisschen müde geworden. Nun publizierte er mit Gerhard Steidl eine Art Retrospektive seiner Arbeiten in Farbe. Das 29 x 29 cm große Prachtstück enthält unbekanntere Farbfotografien aus 65 Jahren fotografischer Arbeit, die jedoch für den Werdegang von Davidson prägend und entscheidend waren – und immer noch sind.

„Schwarzweiß ist meine Frau, Farbe sind meine Kinder“, sagte Davidson 2014 in einem Interview zu dieser Publiaktion – und machte seine komplexe Beziehung zu beiden Ausdrucksformen deutlich.

Die 263 Seiten und die Größe des Buches sprechen eine deutliche Sprache: Nein, „Bruce Davidson: In Color“ ist kein Heftchen, das einmal durchgeblättert im Schrank verstauben wird. Es wird schwer sein und alle beeindrucken, die den Davidsonschen Stil mögen. Dringende Empfehlung.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 31. Januar 2015
Gebundene Ausgabe: 263 Seiten
Verlag: Steidl Verlag
Größe: 2,5 x 30,5 x 29,8 cm
Preis: 67,46 €

 

Zwei Hände fassen ein Buch mit einem Auge darauf.

Ed Templeton: Wayward Cognitions*

Schon vor Monaten wurde ich von meinem Bürokollegen Mitch auf den professionellen Skater, „der auch ein richtig guter Fotograf ist“, aufmerksam gemacht: Ed Templeton. Mit „Wayward Cognitions“ präsentiert dieser nicht seine erste Publikation.

Der Band enthält wichtige Aufnahmen aus einer Zeitspanne von über 20 Jahren, die Templeton selbst entwickelt hat. Und nicht nur das: Auch das Gesamtkonzept und Design hat der ’72 in Kalifornien geborene Skater übernommen. Wie sagt man dazu? Ein Styler durch und durch.

Auf 160 Seiten präsentiert Templeton nun sein fotografisches Werk, das von der Spontaneität und der Achtsamkeit des Fotografen im Alltag lebt. „Wayward Cognition“ kommt dabei ganz ohne erklärende Bildunterschriften aus und appeliert so an die Fantasie der Betrachter.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 31. Dezember 2014
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Um Yeah Press
Größe: 2,5 x 21 x 27,9 cm
Preis: 33,17 €

 

Habe ich einen Band vergessen? Welcher der fünf hat es Euch angetan? Oder wollt Ihr etwa gleich alle haben? Erzählt es mir.

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5 Kommentare

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  1. Ich fotografiere mittlerweile seit über 5 Jahren, doch muss ich gestehen – abseits von Bedienungsanleitungen in Bücherdicke – nie ein Fotobuch gelesen zu haben. Irgenwie komme ich wohl auch ohne bzw. mit nur dem Internet als Informationsquelle gut klar… Vielleicht ändert sich das ja mal.

  2. Ein Fotobuch ist wie eine kleine Ausstellung, daheim in deinem Schrank. Du kannst sie dir immer anschauen und vor allem auch anfassen. Die bewusste Auswahl von Papier und Drucktechniken, wird nie ein Monitor leisten können. Darum habe ich viele Fotobücher in meinem Schrank stehen und bin immer dankbar für Tipps.

  3. Ich finde Ed Templetons Arbeiten, die er als Jugendlicher gemacht hat, legendär. Hab das vor drei oder vier Jahren auch jedem erzählt und war stolz wie Oskar, dass ich mal was herausgefunden hab, was bis dato noch so gut wie keiner kannte. Alles, was ich allerdings danach von ihm gesehen habe, finde ich ehrlich gesagt recht schwach, konstruiert und teilweise seelenlos. Werd mir das Buch aber dennoch im Laden ansehen.

    Davidson werd ich mir genauer anschauen. An die anderen erinnere ich mich hoffentlich im Laden ;)