24. September 2021 Lesezeit: ~8 Minuten

Fotos der Hoffnung

Anfang August hatten wir dazu aufgerufen, Eure Bilder zum Thema Hoffnung einzureichen. Hoffnung zu finden fällt aktuell nicht leicht, aber beim Durchsehen Eurer Fotos und vor allem dem Lesen Eurer Gedanken dazu ging es mir direkt etwas besser. Ich hoffe, es geht Euch ähnlich.

Caroline Schreer

Dieses Bild entstand im ersten Lockdown.
Alles stand still… auch ich.
Und plötzlich war da dieses Licht…

Martin Langer

Ein Foto vom Hamburger DOM, unserem Volksfest auf dem Heiliggeistfeld. Es wurde gerade, nach zweijähriger Pause, wieder gestartet. Mit einigen Auflagen, aber den Leuten wird wieder die Gelegenheit gegeben, sich ein bisschen auszutoben, zu amüsieren. Ich mag mein Bild, weil es einen schönen Kontrast gibt zwischen dem grauen Bunker und dem bunten Karussell.

Reni

arme umarmen einen Baum

© Reni

Das Bild entstand im August 2020. Es war seit Tagen furchtbar heiß. Ich fuhr an einen meiner Lieblingsorte in Berlin. Man kann dort zu bestimmten Uhrzeiten noch relativ allein sein. Ich hatte auf einmal das Bedürfnis, dieses Geschenk Natur huldigen zu wollen. So entstand dieses Bild. Für mich in dem Moment tiefe Zuneigung und Dankbarkeit für die Natur.

Der Titel lautet: „Let the beauty we love be what we do. There are hundreds of ways to kneel and kiss the ground.“ – Rumi

Es ist ein sehr friedlicher und wichtiger Ort für das Klima mitten in der Stadt. Doch auch hier ist der politische Plan, diesen touristisch zu „erschließen“. Unverständlich. Traurig.

Klaus

Im August 2020 wurde in unserer Siedlung ein Katzenbaby gefunden. Er wurde anscheinend von jemandem ausgesetzt, ein ungewollter Wurf. Kurzerhand entschlossen wir uns: Er darf mal eine Nacht bei uns bleiben, dann sehen wir weiter. Ein Jahr zuvor war unser Kater verstorben und der zweite Kater war ein Jahr lang alleine. Er hatte sich ziemlich verändert, man merkte manchmal seine Traurigkeit und wie allein er sich manchmal fühlte.

Aus einer Nacht wurden zwei, dann eine Woche. Magnus ist jetzt ein Jahr alt und immer noch bei uns. Als er zu uns kam, war er 12 cm groß und wog gerade einmal 250 g.

Dazu kam, dass ein paar Wochen davor ein sehr guter Freund von uns verstarb und der kleine Mann uns sehr über die Trauer hinweggeholfen hat. Diese kleine Katze hat uns letztes Jahr, mitten in der Pandemie, sehr geholfen und neue Hoffnung gegeben.

Volkhard Sobota

Vor meiner Impfung ging ich nur selten raus – aber wir haben ja einen großen Garten. Als begeisterter Fotograf habe ich schnell erkannt, dass man keine „exotischen“ Motive braucht, um gute Fotos zu machen. Also habe ich mich auf die Pflanzen in unserem Garten konzentriert – obwohl ich alles andere als ein „Blümchen-Knipser“ bin.

Mein Fokus war: schwarz-weiß und abstrakt. So ist dieses Foto einer Yucca entstanden: Von den Blättern haben sich an den Rändern dünne weiße Fäden gelöst, die sich im Wind bewegt haben – „Dancing Yucca“. Für mich war das der Aufbruch in eine neue Phase.

Jürgen Sobkowiak

Ich bin freischaffender Fotokünstler und eigentlich handeln meine Arbeiten eher vom düsteren und absurden Aspekt des menschlichen Daseins. Umso mehr schätze ich die Augenblicke, in denen ich nach Licht statt nach Schatten suche. Daher nehme ich mit der Arbeit „Zuckerwürfel im Regen“ an der Aktion teil. Der Song „Sugar mice“ (1987) von der Gruppe Marillion inspirierte mich dazu und handelt von einer gescheiterten Existenz.

Ein sehr melancholischer Song, der mich auch heute noch sehr bewegt. Ich fühlte mich in diesen Song ein und habe ihn kurze Zeit später visuell umgesetzt (zusammen mit meinem alten Teddy als Symbol für die verlorene sowie unwiederbringliche Kindheit). Für mich drückt diese Arbeit Hoffnung aus, da nach jeder dunklen Nacht ein heller Tag folgt. Das Bild hängt bei mir als Barytdruck im Schlafzimmer. 2019 diagnostizierte man bei mir eine schwere Depression – in dieser Phase entstand das Bild.

RENSEN

In diesen Tagen fällt es mir schwer, positive Gedanken zu finden. Zu groß die Veränderungen, Ungewissheit, Sorgen. Wie geht es weiter mit meinen Kindern in der Schule, bzgl. Pandemie? Warum muss Politik so versagen? Warum wird die kommende Generation so missachtet in Bezug auf den Klimawandel? Warum machen wir so viel falsch, obwohl wir wissen, wie es geht? Warum versagen wir humanitär so dermaßen in Afghanistan? Warum so wenig Wahrheit? Diese Themen lassen mich nicht los und beschäftigen mich andauernd und ausdauernd.

Dieses Foto entstand spontan, neulich an einem See. Ich wurde kurzerhand überwältigt von meinem Sohn und spielerisch herausgerissen aus meinem Gedankenkarussell. Sein Lachen und seine Freude nahm kein Ende, ich wurde mitgerissen. Totales Kontrastprogramm zu meiner Verfassung. Das war ein wunderschöner, hoffnungsvoller Moment für mich.

Karina Schlee

Ich führe ein Buch der guten Erinnerungen und der sehnlichsten. In diesem kleben Bilder, Eintrittskarten usw. mit den jeweiligen schönen Momenten. Manche auch ohne Fotos. Das Bild entstand in einem Moment, als ich gerade das Datum hinter einen Wunsch schrieb, der sich erfüllt hatte und ich in dem Buch eine neue Erinnerung eintragen wollte. Es erinnert mich persönlich mit jeder Seite, auch neuen Seite daran, dass wir selbst entscheiden, welchen Erinnerungen wir in unserem Leben Platz geben.

Achim Brandt

Das ausgewählte Bild ist für mich ein Inbegriff von Hoffnung darauf, dass die Natur, das Wachsen und Grünwerden sich auch in einer immer versiegelteren Welt eine Ritze, ein Schlupfloch, eine Durchbruchsmöglichkeit sucht und so den vorbeischlendernden Passanten vielleicht daran erinnert, dass das Leben vor Beton und Stahl auf der Liste zu schützender Dinge einen oberen Platz einnimmt… Aufgenommen im Rheinauhafen Köln, wo ich gern zum Architekturfotografieren unterwegs bin, der aber auch deutlich zu wenig wachsendes Grün beherbergt.

Fabian Glasow

Gerade für Künstler ist es eine harte Zeit. Eine Gruppe in unserer Gesellschaft, an die in der Politik sehr spät gedacht wurde. Zuerst gab es keine Möglichkeiten, in Aktion zu treten, dann unter großen Einschränkungen. Immer mit der Sorge, ob das heute Erlaubte morgen noch möglich ist.

Doch gerade in der Kunst sind viele Kreative, die aus den Gegebenheiten Neues, Frohes und Schönes erschaffen. Ein „Stilles Fahrradkonzert“ mit Abstand an der frischen Luft. Das gibt mir Hoffnung, dass auch ich mich an die Situation längerfristig anpassen kann und trotzdem glücklich werde.

Katharina Heuck

Es gibt genügend Themen, die einem momentan Sorgen bereiten können (und müssen), wenn man sich weltpolitische und klimabedingte Veränderungen und Bewegungen auf unserem Planeten anschaut, im Großen wie im Kleinen. Und es gibt so viele wunderbare Dinge auf unserem Planeten, die es zu schützen gilt!

Bei einem morgendlichen Spaziergang in Berlin sah ich mich Auge in Auge mit diesem Turmfalken, in dieser riesengroßen Stadt voller Menschen, Lärm und Autos. Und doch gibt es Inseln, wo die Natur Einzug hält, wie das Tempelhofer Feld. Das gibt mir Hoffnung.

Christopher Horne

Mein Hoffnungsfoto unterstreicht für mich den Erfindungsgeist von Menschen und dass selbst eine mit Tape zusammengehaltene Säule ihre Aufgabe erfüllt. Das Foto steht neben der Komik für mich sinnbildlich für Hoffnung, weil es nur einer Reparatur bedarf, um etwas zu erhalten.

 

Da ich es falsch gefunden hätte, solche intimen Fotos zu bewerten, verlief die Auswahl zufällig. Aber fast alle Einreichungen könnt Ihr in den Kommentaren zum Aufruf finden. Vielen Dank an alle, die sich geöffnet und ein Bild geteilt haben.

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7 Kommentare

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  1. DANKE an alle Bild- und Textautor:innen für die hoffnungsspendenden Beiträge und dir, Katja, für die wieder einmal mehr einfühlsam-gelungene Auswahl!
    Bilder wirken immer als Deutungen der Betrachter:innen und die Texte verweisen auf Hinter-Gründe, die mir manches Bild in ’neuem Licht‘ erscheinen lassen.

    „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,
    sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“
    Václav Hável