01. Februar 2021

Family Portraits

Die Bildschirme der von uns verwendeten digitalen Geräte sind die einzige Möglichkeit, auf dieses parallele künstliche Universum, das Internet, zuzugreifen. Unser Leben hat sich verändert, von der einfachsten Aufgabe bis zur Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Diese Geräte führen uns durch die reale Welt, sie beantworten unsere Fragen, sie beraten uns und halten uns Tag und Nacht in Gesellschaft. Wir schauen sie an, berühren sie und sprechen fast schon intim mit ihnen.

Als mir das bewusst wurde, begann ich, diese Geräte aus einer anderen Perspektive zu betrachten. In meiner Serie erstellte ich Familienportraits von ihnen und kehrte die Subjekt-Objekt-Beziehung um. In dieser ungezwungenen Kulisse unseres Alltags verspricht eine Vielzahl von leuchtenden virtuellen Toren, wie das Gegenteil zu schwarzen Löchern, unbegrenzte Möglichkeiten. Informationen, Unterhaltung, menschlicher Kontakt und vieles mehr sind überall und jederzeit verfügbar und lösen die physische Bindung an die Realität, die uns umgibt.

Niemals zuvor war Kommunikation so einfach. Soziale Netzwerke und unzählige Anwendungen wurden entwickelt, um unserem ständigen Bedürfnis nach menschlichem Kontakt gerecht zu werden, aber kann es sein, dass wir stattdessen das Gegenteil erreicht haben?

Sind wir durch den einfachen und direkten Zugang zu so einer riesigen Menge Informationen, die auch immer größer wird, weiser geworden? Oder schufen wir nur einen detaillierten und mehrdimensionalen Spiegel unserer selbst, in dem wir ständig nach unserer Reflexion als Bestätigung unserer Existenz suchen? Oder hat diese Erweiterung tatsächlich unsere Freundschaften, Familien und sogar unsere Liebe ersetzt?

Dunkles Wohnzimmer mit sehr hellen Monitoren

Gedeckter Tisch voller Monitore

Tablet und Handy leuchten hell auf einem Laken

Zwei Schreibtische mit hellleuchtenden Monitoren

Dunkles Wohnzimmer mit sehr hellen Monitoren

Bett mit hellen Monitoren

Obwohl die Arbeit als Fotoserie begann, entwickelte sie sich bald auch zu einer Virtual-Reality-Tour. Die Hauptidee dieser VR-Tour war, ein Hausinterieur zu erschaffen, das für uns alltäglich erscheint, aber uns als Betrachtenden das Gefühl gibt, als Eindringlinge in einem anderen Hauses zu sein. Dadurch nimmt man die eher übliche Umgebung als außergewöhnlich wahr und lässt die Situation, in der man sich befindet, mit einer neuen Perspektive bewerten.

In dieser virtuellen Installation ist die Fotografie der Baustein des Erlebnisses. Von einem Foto umgeben zu sein, das fast so echt aussieht wie die Realität, wirft noch mehr Fragen darüber auf, was Fotografie ist und wohin sie uns führt.

Wunder Raum mit einem Stuhl

Installation

Darüber hinaus sind die Bildschirme innerhalb der virtuellen Tour navigierbar. Durch einfaches Betrachten wird man in sie hineinversetzt und erlebt Umgebungen, die nur digital existieren. Eingebettet in Videos und umgeben von Geräuschen kommen sich das Reale und das Virtuelle näher, was es schwierig macht, sich auf die eignen Sinne zu verlassen.

Dieser Artikel wurde für Euch von Katja Kemnitz aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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3 Kommentare

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  1. Toll,
    es ist schon erstaunlich, welche Dominanz diese medialen Helferlein haben.
    Mir gefällt die Serie sehr, zumal das eigentlich Bunte der Displays ja auch noch auf Weiß reduziert ist.
    Auch weil/wenn keine Menschen zu sehen sind.

    Vielen Dank fürs Zeigen.

    Schöne Grüße und einen guten Start in die Woche …
    Elke

  2. Gefällt mir. Auch die Titel der Fotos (sie fehlen hier im Bericht) sind interessant. Die weiteren Projekte, die auf Marias Webseite vorgestellt werden, sind gleichfalls sehr sehenswert und heben sich positiv von vielem, was heutzutage zum Thema „Zeitgenössische Fotografie“ im Internet veröffentlicht wird, ab. Vielen Dank für die Präsentation hier bei kwerfeldein.

  3. Blogartikel dazu: Kleinigkeiten