15. Januar 2021

Klimawandel: Migration in Bangladesch

Extreme Temperaturen, Zyklone, Bodendegradation, Wasserknappheit, Wüstenbildung und Erosion. All diese Klimakatastrophen lassen eine immer größere Anzahl von Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Nach der optimistischsten Prognose der Vereinten Nationen werden bis Mitte dieses Jahrhunderts fast 250 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels vertrieben.

Meine Fotoserie dokumentiert dieses globale Problem in Bangladesch, wo die Menschen entschlossen sind, in ihrem Land zu überleben und um jeden Preis an ihren Wurzeln hängen. Diejenigen, die sich nicht an die sich verschlechternde Umgebung anpassen können, haben keine andere Wahl, als in die Städte zu migrieren.

Zwei Personen stehen an einem Wasser und schauen ans andere Ufer

Gruppenportrait

Slum in Khulna. Safina und ihre Familie mussten 2009 nach dem Zyklon Aila ihr Dorf verlassen. Zehn Jahre später haben sie sich immer noch nicht erholt. Doch wie die meisten Menschen in den Slums haben sie nur einen Traum: in ihr Dorf zurückzukehren.

Fischerboot unter einer Palme

Fischer aus dem erodierten Dorf Kaliburi im Südwesten Bangladeschs. Das langsame Abtragen von Land durch die Flüsse ist ein nicht spektakuläres Drama, das die Menschen ihres Landes und ihres Lebensraums beraubt. Die steigenden Gezeiten und die Verschärfung der Stürme aufgrund der globalen Erwärmung beschleunigen dieses Phänomen der Erosion.

Zwei Frauen vor Hütten

Der Zyklon Aila verwüstete 2009 den gesamten Süden und wurde zu einer der Hauptursachen für Migration innerhalb des Landes. Labibas Familie wollte das Land nicht verlassen, also zogen sie ein paar hundert Meter von ihrem ursprünglichen Zuhause entfernt um und wurden während des Sturms weggespült. Ihre Lebensbedingungen haben sich erheblich verschlechtert, sie haben fast alles im Sturm verloren und ihr ehemaliges Ackerland, das vom Zyklon versalzen wurde, ist nicht mehr fruchtbar. Zehn Jahre später haben sich viele noch nicht von der Katastrophe erholt und leben in Glückshütten am Straßenrand.

Ein Outdoorportrait

Eines Nachts im Juli verschlang die Erosion das Haus von Ninas Halder. Heute hat er ein Häuschen auf dem Deich wieder aufgebaut, in der Hoffnung, dass es noch einige Jahre vor der Erosion bewahrt wird. Ninas ist es gewohnt, in der Regenzeit alles zu verlieren. Letztes Jahr überflutete das Wasser des Flusses sein Haus, sodass Krokodile eindrangen und mehr als die Hälfte seiner Ziegen verschlangen.

Altes Fischerboot auf vertrocknetem Boden

Mann sitzt auf einem Bett

Moksad Gazi war einst Fischer im Dorf Kaliburi im Süden des Landes. Der Klimawandel hat seinen Beruf so stark beeinträchtigt, dass er nicht mehr anständig von seiner Fischerei leben konnte. Er ließ sich in der Stadt Khulna nieder und lebt von der Tagesarbeit in der Hoffnung, dass eines Tages der Rest seiner Familie zu ihm in die Stadt kommen wird.

Erodierter Boden

Die Indische Grenze. Indien ist das erste ausländische Ziel für Klimamigrant*innen aus Bangladesch, die nach einem Ort suchen, an dem sie sich niederlassen können.

Menschen auf einem Boot

Der Slum Korail liegt direkt gegenüber einer der reichsten Gegenden von Dhaka. Die Hauptstadt Bangladeschs zählt jetzt offiziell mehr als 18 Millionen Einwohner*innen. Es wird prognostiziert, dass sie bis 2050 auf 36 Millionen anwachsen wird. Viele werden aufgrund des Klimawandels dorthin fliehen. Bei der Serie handelt es sich um ein fortlaufendes Projekt, das die Folgen des Klimawandels dokumentiert. Die bisherigen Aufnahmen findet Ihr auf meiner Webseite.

15 Kommentare

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    • Es ist ein unterschied, ob ich z.B. nach Malle oder auf die Malediven fliege, um mich all inclusive eine Woche lang in der Sonne braten zu lassen, oder ob ich mit gutem Grund wie in diesem Fall nach Bangladesch fliege, um in einer Dokumentation auf die realen Folgen unseres Verhaltens hinweisen zu können. Das hat nichts mit „Zeigefinger“ zu tun, sondern ist wichtig, weil es offensichtlich noch genug Menschen in unserem reichen „Westen“ gibt, denen nicht bewusst ist, dass wir uns bereits mitten in der Klimakrise befinden und die Veränderungen auf unserem Planeten längst keine vage Bedrohung in der Zukunft mehr sind. Die wichtige Arbeit von Journalisten, Fotografen usw. sollte man nicht so einfach mit solch verkürzten Argumenten diskreditieren. Im Übrigen finde ich die Fotos sehr eindrücklich und interessant.

    • Ich stimme loosbude zu.

      Dummerweise zeigen die Bilder gar nichts vom Klimawandel. Denn man kennt ja nicht die Situation ohne diesen Einfluss. Leider sind es nur ein paar Frontal-Environmental-Portraits.

      So wie es auf dem vorletzten Foto, die indische Grenze, aussieht, sieht es auch in Brasilien oder Kolumbien oder Mexiko aus. Oder auf Mauritius, Hawaii, Fidji und Jamaica. „Was will uns dieses Bild sagen?“

      Natacha de Mahieu macht ganz nette Travel- und Weddingfotos, aber dieser Bericht überzeugt mich fotografisch nicht.

      • Einen schönen guten Tag Herr Himmelfarth,
        wunderbar, dass Ihnen Ihr Repertoire an Anglizismen nicht ausgeht. Dennoch wäre es für eine Beschreibung der oben gezeigten Portraits besser gewesen, Sie hätten ein deutsches Wörterbuch zurate gezogen. So zeigen die Bilder Menschen in ihrer Umgebung, in ihrem Umfeld oder soll man lieber sagen, in ihrer Umwelt.
        Denn dann wäre auch sicher Ihnen aufgefallen, dass diese Art von Portraits zu guten Fotoreportagen gehören wie der Klimawandel zur menschlichen Verursachung.
        Und da der zuletzt genannte Vergleich noch immer von viel zu wenig Menschen anerkannt wird, gibt es so großartige Fotojournalistinnen und Fotojournalisten wie Frau Mahieu, die mit Reise- und Hochzeitsfotografie ( das meinten Sie doch wahrscheinlich als Sie von „Travel“ und „Wedding“ schrieben?) ihr Geld verdienen, um dann jedoch mit aufwendigen Reportagen wie diese hier uns allen zeigen wollen, wohin die Zeitreise der Menschheit in Zeiten vom Klimawandel geht.
        Wer Bilder lesen kann, erkennt den Wert dieser großartigen Reportage!
        Mit freundlichen Grüßen
        Bernd Kockerols

      • Ihnen, Herr Kockerols, gehen die Fremdwörter ja ebenfalls nicht aus, nur bedienen Sie sich mehr bei Alexander dem Großen oder Napoleon.

        Wie wär’s mit Lichtbild statt Fotografie, Berichterstattung statt Reportage, Bildnis / Selbstbildnis statt Portrait, Zeitungsmann / -frau statt Journalist, Wetterlage statt Klima?

        Viele alte und fast alle neuen Wörter in der deutschen Sprache stammen aus dem Englischen, ist Ihnen das noch gar nicht aufgefallen?

        Zoom, Designer, Trend, Party, Fast Food, Autoscooter, Boxershorts, Clown, Baby, Action … Computer, Smartphone, E-Bike, Whistleblower, Social Media, Hashtag, Black Friday, Cyber Monday, Halloween … und speziell für Sie: „Hate Speech ohne Content“, und für mich natürlich: „Brexit“.

  1. Liebe FotoFreunde,

    im ersten Moment dachte ich loosbude hat irgendwie recht.
    Später dachte ich Klaus sieht das aber differentierter. Sollte ich besser auch mal drüber nachdenken und nicht so hopp la hopp urtelen.
    Ob es aber sinnvoll ist, sich jetzt im weiteren Verlauf so anzugehen? Hier habe ich einen eindeutige Haltung: Muß nicht sein!

    Angenehmes Wochenende
    Eric

    • „Muß nicht sein!“
      Doch, muß sein!!! Wir brauchen endlich wieder richtige Debatten und konstruktive Streitgespräche in dieser weichgespülten, mainstream-Medien-gläubigen-Gesellschaft. Wer heute widerspricht spricht oder sich selbst Gedanken macht, der wird doch schon schräg angeschaut, z.B. sehen Sie sich einmal Filme (oder auch Musik!) aus den 70/80 Jahren an, dort wurden viele Themen wesentlich kontroverser behandelt als heute – ohne jetzt in Nostalgiegefühle à la früher-war-alles-besser zu verfallen. Der großartige und leider verstorbene Journalist Roger Willemsen sagte treffend einem seiner letzten Interviews: „Merkel chlorofomiert das Land“ (Tagesspiegel). Jetzt sehen wir das Ergebnis; eine sehr ideologische Mainstreammeinungsmache und wer sich dem offen widersetzt, der wird nicht gehört oder gleich zensiert – Stichwort cancle culture.
      Jetzt zum Thema: Ich halte die vorgestellte Arbeit für nicht überzeugend und fotografisch austauschbar, schließe mich also der Kritik von @loosbude an.
      P.s. Sebastain Schroeder liefert in dem Video Bildbetrachtungen auf dieser Website ein gutes Beispiel, wie man fair mit unterschiedlichen Meinungen umgeht und sie handelt.

      • Bin dabei, was das Weichspülen angeht.

        Mir geht es hierbei um:
        – wie man/frau es in den Wald schreit… &
        – der Ton macht die Musik

      • Cancel Culture? Mainstreammeinungsmache? Warum lassen Sie sich so schnell triggern? So einen Unsinn liest man normalerweise nur von überempfindlichen rechten Schneeflöckchen…
        Schade, dass man nicht über die Fotos sprechen kann. Schalten Sie bitte mal einen Gang zurück!

      • Treffend formuliert, ich spar mir das inzwischen, bei Menschen wie Gutmensch kommt das nicht an. Bei solchen Menschen bestimmt die Haltung das Denken und sie sind sich dessen nicht einmal bewußt.

  2. Ich denke, die Katastrophe vollzieht sich in kleinen Schritten, die nicht sofort sichtbar sind. Sicher ist es nicht einfach, einen laufenden Prozess einmalig im Bild festzuhalten. Eine Möglichkeit, die Veränderung zu dokumentieren, ist, den jeweiligen Jetzt-Zustand immer wieder zu dokumentieren und mit Texten zu ergänzen. Damit kann man sichtbar machen, was zu verlieren ist und was bereits verloren ist. Und genau das macht Natacha ja mit ihrer Arbeit.

  3. Guten Tag zusammen,

    in 2009 und 2011 war ich in Bangladesch im Rahmen eines Projekts zur Gründung einer Schule für Waisenkinder. Wir waren in Dhaka und Umgebung unterwegs. Bangladesch ist extrem dicht besiedelt und daher bekommen dort viele Menschen den Klimawandel direkt zu spüren. Das Wasser steigt immer weiter ins Land und überschwemmt dort zunehmend landwirtschaftliche Flächen. Wir haben damals mit Architekten gesprochen, die schwimmende Häuser und Gärten entwickelt haben. Das ist ein Jahrzehnt her! Die Bilder sind fast noch zu harmlos, ich habe viel drastischere Bilder im Kopf und auch selbst fotografiert. Bangladesch ist eines der ärmsten Länder und die Situation ist für Millionen von Menschen erbärmlich. Dhaka wächst in rasantem Tempo, die wirkliche Einwohnerzahl ist wohl nicht zu erfassen. In den Slums wohnen Millionen.
    Ich halte es für wichtig, dass wir mehr über das Leben dort erfahren.

    Viele Grüße
    Stephan

  4. Wenn man mal den Text des Beitrags ausblendet, und auch die Kommentare, und schaut nur die Fotos an, kommt man der Aussage vielleicht nochmal anders näher. Ich sehe dort jedenfalls auf keinem einzigen der Fotos eine Situation, gegen die ich meine tauschen möchte. Ich sehe nicht einen einzigen der Menschen freundlich, entspannt, lächelnd. Alle wirken zutiefst bedrückt. Und alleine die Fotos, auf denen ein einzelner Kahn im vertrocknenten See liegt, wirkt apokalyptisch.
    Für die Leute dort ist der Besuch der Fotografin und diese Foto-Serie ein Strohhalm. Keiner, der sich um die halbe Welt begibt, um mit belichteten Fotos auf die Lage dort hinzuweisen, wird von den Menschen dort für die Flugmeilen kritisiert werden. Aber vielleicht liegt es ja daran, WER die Fotos macht. Sebastião Salgado ist wahrscheinlich Millionen Kilometer in seinem Leben um die Welt geflogen, mit solcher sozialdokumentarischer Arbeit berühmt und reich geworden. Und dennoch war der Einsatz richtig.