02. November 2020 Lesezeit: ~4 Minuten

52 Wochen – Thema 44: Kunstlicht

Wenn es ums Licht beim Fotografieren geht, hat wohl jeder von uns seine ganz persönliche Präferenz, die auch von den bevorzugten Genres und bisheriger Erfahrung abhängt. Da ich ungefähr nie mit Kunstlicht arbeite, hat mich das Thema also interessiert.

Ich habe mit natürlichem bzw. verfügbarem Licht angefangen, mich schnell auf offenblendige Linsen verlegt – eigentlich, weil ich schmale Schärfebereiche und sahniges Bokeh liebte – und so die nötige Lichtstärke für fast alle denkbaren Situationen schon immer in der Ausrüstung gehabt.

© Maximilian Kamps

Umso mehr reizt mich nun, zu sehen, was mit Kunstlicht alles möglich ist. Statt also in einer gegebenen Lichtsituation herauszufinden, wie man sie ideal für sich nutzen kann, steht man mit Kunstlicht, das man frei einsetzen kann, eher vor der Aufgabe, zu wissen, was man möchte und das Licht entsprechend einzusetzen.

Dabei muss es nicht gleich eine Studioausrüstung sein und wer von Euch bisher nicht über eine verfügt, wird für unsere kleine Wochenaufgabe natürlich auch keine anschaffen. Glücklicherweise gibt es vielfältige, kreative Möglichkeiten, wie wir sehen werden.

Stadtlichter in Schwarzweiß.

© Oliver Raschka

Stadtlichter in Schwarzweiß.

Inspiration

Theoretisch ist der Einsatz von Kunstlicht in fast jedem Genre denkbar. Dennoch stellte ich beim Blick ins Archiv fest, dass zwei Situationen überwiegen, in denen es meistens genutzt wird: Im Studio – klar – und auf nächtlichen Streifzügen durch unsere Städte.

Asien bzw. Shanghai scheint dabei so etwas wie ein Hotspot der Neonlichter zu sein, gleich mehrere Artikel zeigen uns ähnliche Eindrücke, zum Beispiel die von Karel Chladek sowie Nicolas Jandrain.

Silhouetten von Büschen vor rot beleuchtetem Nebel.

© Lukas Furlan

Auch hierzulande lässt sich die Tatsache, dass die Dunkelheit durch viele verschiedene Arten von Kunstlicht nachts zurückgedrängt wird, nutzen, wie uns Lukas Furlan und Karsten Kettermann zeigen, letzterer geht darauf ein, wie man die Lichtspuren von Autos und Co. festhält.

Projekte mit genau umrissenen Konzepten, aber auch dokumentarischem Charakter haben Oliver Raschka in schwarzweiß, Stefan Fürtbauer an den Wiener Imbissbuden und Jorge Schramm auf der Kirmes umgesetzt.

© Tobias Mochel

Auch im #instakwer #11 gab es viel (aber nicht nur) künstliches Licht zu sehen. Konzeptuell wurde es bei Philipp Arnold, der für unsere Leseraktion mit Wacom Licht im Wald installierte sowie bei Thomas Bölke, der auch gern Bäume anleuchtet, um besondere Stimmungen zu schaffen.

Wenn Ihr in dieser Woche doch lieber in Innenräumen arbeiten möchtet, werft mal einen Blick auf die „Environmental Portraits“ von David Weimann, lasst Euch von Maximilian Kamps zu bunten Portraits mit weiteren Effekten inspirieren oder lest nach, welche Tipps Christina Key zu verschiedenen Lichtquellen in den Auszügen aus ihrem Buch „Style, Light, Shoot!“ im Magazin geteilt hat.

beleuchtete Bäume

© Thomas Bölke

Je nach Euren Zeitkapazitäten habt Ihr also die Wahl, auf eine nächtliche Entdeckungstour durch Eure Stadt zu gehen und sozusagen mit dem verfügbaren Kunstlicht zu arbeiten, mit alltäglichen Lichtquellen aus dem Haushalt kreativ zu werden oder gleich ein surreales Installationsprojekt umzusetzen. – Es ist wieder für alle etwas dabei.

Wer danach Blut geleckt hat, könnte Interesse an einer 3D-Software für Studioarbeit haben: Stefan Kohler hat Set.a.Light 3D ausführlich vorgestellt. Übrigens soll es in dieser Woche explizit nicht um Light-Painting gehen, dem wir uns bald noch gesondert widmen werden.

Portrait einer jungen Frau bei Nacht

© Paul Weber

Ablauf

Ihr habt wieder eine Woche Zeit, um ein Foto zum Thema zu erstellen. Ihr könnt diese kleine Hausaufgabe ganz für Euch selbst machen, sie aber auch sehr gern mit uns teilen. Verlinkt Euer Bild in den Kommentaren, nutzt den Hashtag #kwerfeldein52 oder schickt uns Euer Foto ganz einfach bis zum Dienstag, den 10. November 2020 per E-Mail. Wir zeigen jeden Samstag eine Auswahl der Einreichungen.

Auch wenn das Projekt „52 Wochen“ heißt, könnt Ihr jederzeit mit einsteigen, nur jede zweite Woche mitmachen oder wann es Euch zeitlich oder thematisch am besten passt. Aber bitte reicht keine Archivbilder ein, auch wenn sie perfekt zum Thema passen. Das Projekt soll eine Herausforderung sein, Neues zu kreieren!

Das Titelbild stammt von Philipp Arnold.

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8 Kommentare

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  1. Mir fiel gerade auf, dass die Zeitvorgabe von vornherein das Fotografieren auf Film praktisch ausschließt. Wenn man seine Filme bei einem Labor entwickeln lässt, dauert es vom Einsenden einer Filmrolle bis zum digitalisierten Bild ca. zwei Wochen, in der Regel aber länger.

    Im Begleittext des Projekts ist zu lesen: Das Projekt soll eine Herausforderung sein, Neues zu kreieren.

    Ich für meinen Teil mache gern Aufnahmen bei Kunstlicht, wenn ich dafür in Stimmung bin und es die Gelegenheit erlaubt, auch ohne Herausforderung. Mein Eindruck ist, dass bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn man einer eigenen Motivation folgt und nicht so sehr einer Vorgabe nebst engem Zeitplan, wie es bei einem Projekt wie 52 Wochen der Fall ist.

    Freilich ist Inspiration stets ein guter Begleiter. Ich finde da bspw. die Gruppe Night Photography on Film genz gut: https://www.flickr.com/groups/611956@N23/

    Und auch der Fotostream von Patrick Clelland ist m.E. recht empfehlenswert: https://www.flickr.com/photos/patc7/