Insel in blauem Meer
17. Juli 2020 Lesezeit: ~7 Minuten

Über den richtigen Einsatz von Polfiltern

Den heutigen Artikel möchte ich dem für mich wichtigsten Filter in der Fotografie widmen: dem Polfilter. Unter allen Filtern, die ich nutze – Graufilter, Grau-Verlaufsfilter, Polfilter – ist er der einzige, der sich nicht durch geschickte Bildbearbeitung ersetzten lässt.

Natürlich haben auch die anderen Filter ihre Berechtigung und ich möchte keinen von ihnen missen, weil ich mit ihnen schneller zum gewünschten Ergebnis komme. Wer keinen Graufilter hat, kann mehrere Aufnahmen einer Szene mitteln und so den Effekt einer Langzeitbelichtung imitieren. Wer keinen Grau-Verlaufsfilter hat, kann mit Belichtungsreihen arbeiten. Der Polfilter aber hat eine Eigenschaft, die ihn unentbehrlich macht: Er reduziert Reflexionen.

Im Folgenden zeige ich einige Beispiele, bei denen sich der Einsatz eines Polfilters lohnt und auch Beispiele, bei denen man besser auf ihn verzichten sollte. Denn der Polfilter ist kein Immerdrauf-Filter.

Unter die Oberfläche blicken

Wie bereits angesprochen, reduziert ein Polfilter, je nach Drehung, Reflexionen. Das ist besonders hilfreich, wenn man am Meer oder an einem See unter die Wasseroberfläche blicken möchte. Beim Foto vom Anse Source D’Argent entstand so zum Beispiel ein interessanterer Vordergrund. Erst im Mittelgrund ist eine leichte Spiegelung des Himmels zu sehen, während man im vorderen Bereich des Fotos auf den Grund und das Seegras blicken kann.

Große Steine im Wasser, auf dem Grund des Wassers sieht man Seegras

Beim Foto der Insel auf dem Eibsee lässt der Polfilter ebenfalls tief blicken. Man kann wunderschön erkennen, wie die Sandbänke um die Insel verlaufen. Der Farbkontrast zwischen der Insel und dem tiefen Blau des Sees machen das Foto zudem ansprechender.

Im Vergleichsfoto kann man sehen, wie sich das Foto ohne Polfilter (links) vom Foto mit Polfilter (rechts) unterscheidet. Die Bildwirkung ist eine komplett andere. Beide Fotos haben ihre Berechtigung und jeder sollte selbst entscheiden, wann der Polfilter zum Einsatz kommt. Für mich jedoch war es der Polfilter, der mich hier zum gewünschten Ergebnis gebracht hat.

Zwei Bilder im Vergleich nebeneinander. Jeweils eine Insel in blau aussehendem Wasser und einmal im weiß wirkenden Wasser

Farben verstärken

Wer schon einmal während oder nach einem Regenguss durch den Wald gelaufen ist, wird bemerkt haben, dass die Farben stärker wirken. Das nasse Laub strahlt in intensivem Grün. Der Kamerasensor vermag das aber nicht einzufangen. Die Reflexionen auf dem nassen Grün schwächen die Farben ab. Auch in dieser Aufnahmesituation hilft der Polfilter. Mit der richtigen Drehung bleibt ein saftiges Grün sichtbar. Für Fans farbenfroher Fotos genau das Richtige – viel Nachbearbeitung bedarf es bei den Farben meist nicht mehr.

Kleiner Bachlauf in einem grünen Wald

Nasser Wald, Flüsse und Wasserfälle bieten zahlreiche Gelegenheiten, mit dem Polfilter zu experimentieren. Und experimentieren ist hier das Stichwort. Nicht immer erzeugt die maximale Polarisation die beste Bildwirkung. Leichte Reflexionen können dem Bild auch das gewisse Etwas verleihen. Besonders, wer Realismus in seinen Fotos anstrebt, sollte den Polfilter eher dezent einsetzen.

Auch lohnt es sich, mehrere Fotos mit unterschiedlicher Polarisation aufzunehmen und später bequem am PC (oder Mac) das beste auszuwählen. Wer jedoch ganz auf den Polfilter verzichtet, wird die Reflexionen im Foto später nicht mehr los. Das schränkt die kreativen Möglichkeiten stark ein.

kleiner Wasserfall in einem grünen Wald

Strukturen zeigen

Im Foto des Los-Angeles-Strand in Kolumbien verstärkt der Polfilter sowohl die Strukturen im Himmel als auch die Details im Vordergrund. Die Reflexionen auf den nassen Steinen werden abgeschwächt und gleichzeitig die Farben verstärkt. Der Himmel erhält durch den Kontrast zwischen den hellen Wolken und dem tief blauen Hintergrund mehr Tiefe.

Immer, wenn nasse Felsen und Steine im Foto auftauchen, lohnt es sich, die Wirkung des Polfilters zu prüfen. Besonders bei dunklen Felsen können dramatische Kontraste entstehen, wenn die Reflexionen herausgenommen werden.

Steinstrand

Dunst

Ein weiterer Effekt des Polfilters wird besonders bei der Fotografie mit dem Teleobjektiv deutlich. In den Bergen versperrt tagsüber und nachmittags oft Dunst den Blick in die Ferne. Die Kontraste können sehr schwach sein. Mit dem Polfilter lässt sich dieser Effekt reduzieren und man erhält mehr Kontrast zwischen den Bergketten.

Jedoch sollte man auch in dieser Situation unterschiedliche Einstellungen ausprobieren. Dunst reduziert zwar den Kontrast in der Ferne, aber genau das ist es auch, was einem Foto Tiefe verleiht, wenn die Berge nach und nach immer mehr im Dunst verschwinden.

Dunst über Berghängen im Sonnenaufgang

Blauer Himmel

Während die bisher gezeigten Beispiele eher zum Experimentieren einladen und ich der Meinung bin, dass sowohl der Einsatz als auch das Weglassen des Polfilters seinen Reiz haben können, gibt es für mich auch ein großes No-Go für den Polfilter.

Als ich vor über zehn Jahren mit meiner Fotografie noch am Anfang stand und mir meinen ersten Polfilter gekauft habe, dachte ich, ein Polfilter wäre besonders dafür geeignet, einen blauen Himmel noch blauer zu machen. Dieser Effekt ist am stärksten, wenn man im rechten Winkel zur Sonne fotografiert.

Und da liegt auch das Problem. Ein Weitwinkel-Objektiv fängt einen sehr breiten Blickwinkel ein, über den die Polarisation nicht gleichmäßig ist. Das Resultat sieht man im Foto des St. Michael’s Mount in Cornwall. Ein dunkler Fleck säumt den rechten oberen Bereich des Himmels, während der linke Bereich kaum polarisiert ist. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern beansprucht auch viel Zeit in der Nachbearbeitung.

Moos über Steinen im Wasser, dahinter ein strahlendblauer Himmel und am Horizont eine Burg.

Seit einigen Jahren verzichte ich in solchen Fällen deshalb konsequent auf Polfilter. Es ist viel einfacher, den Kontrast in der Bildbearbeitung zu verstärken, weil man so die volle Kontrolle hat.

Stein am Meer mit türkisfarbenen Wasser und blauem Himmel

Magnetfilter

Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass beim Polfilter, wie auch bei anderen Filtern, das Experimentieren wichtig ist. Idealerweise macht man mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Polarisation und lässt den Polfilter auch mal komplett weg.

Das größte Hindernis für mich war dabei für mich immer das Auf- und Abschrauben des Polfilters. Besonders, wenn es schnell gehen musste, hat das oft zu falschem Einsatz geführt. Erst, seit ich vor zwei Jahren angefangen habe, mit dem Kase K8-Kit zu fotografieren, fühlte ich mich im Filtereinsatz komplett befreit.

Das K8-Kit war das erste Filter-Kit mit magnetischem Polfilter und dieser Trend hat sich seitdem mit dem K9-Kit und der Einführung von diversen magnetischen Rundfiltern fortgesetzt. Das lästige Schrauben währen einer Fotosession gehört damit der Vergangenheit an.

Zum Abschluss habe ich nun noch ein kleines Video (auf Englisch) für Euch, in dem ich Tipps zur Fotografie von Flüssen gebe. Auch in diesem Video kommt am Ende der Polfilter zum Einsatz und ich zeige den Effekt, der bei unterschiedlicher Polarisation entsteht.

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6 Kommentare

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  1. Wenn man genau so fotografieren will, ist das alles ganz prima. Vor allem mag ich die Warnung vor dem Circular Polarizer als „Immerdrauf“.

    Wenn man ANDERS und INDIVIDUELL fotografieren will, ist das jedoch alles vollkommen unsinnig.

    Im Video kommt schon bei 0.49mins, was ich befürchtet habe: „Looking for foreground interest like rocks …“

    Das alles haben wir schon hundertmal gehört und gelesen. Jedes der unzähligen britischen Fotomags und jeder YouTuber sagt aber auch genau dasselbe.

    Auch die sehr guten. Es gibt ein Buch „Developing Vision & Style: A Landscape Photography Masterclass“ von den drei zugegeben exzellenten Fotografen Charlie Waite, David Ward und Joe Cornish. Ich hab’s gekauft, und alle drei predigen exakt dies, und die Kursteilnehmer, deren BIlder sie in dem Buch zeigen, sehen alle gleich aus, eben so wie die Bilder von Cornish, Waite und Ward. Ganze Firmen wie „Light and Land“ oder „Transient Light“ lehren alle genau dasselbe.

    Die Bilder hier sehen auch genauso aus. Wieso nicht etwas Mut zu einer anderen Sicht der DInge? Andere Perspektiven ohne „foreground interest“ und „dramatic sky“ und „rocks in the water“?

    Man kann das auch auf andere Bereiche übertragen. Ich hatte mal eine Freundin, die immer nach Rezept kochte, nie kreativ wurde. Und es musste IMMER eine „Sättigungsbeilage“ dabei sein, und zwar IMMER Kartoffeln (auch Maggi- oder Knorr-Kartoffelpüree), Nudeln oder Reis (auch aus dem Kochbeutel). Ich streute, wenn ich kochte, oft Pistazien oder Kürbis- und Sonnenblumenkerne ins Essen, da rastete sie jedesmal aus, hahahaha, denn sowas isst man NUR als Zwischenmahlzeit beim Fernsehen als gesunde Alternative zu Chips und Flips.

    Sorry für die Abschweifungen, aber ich muss sagen, ich bin fast ein wenig neidisch auf Michael Breitungs technische Exzellenz, aber gleichzeitig auch immer wieder total verwirrt, wenn jemand so gedanken- und ideenlos die Anwendung simpler und ewiggleicher Standards predigt, als sei das etwas, an dem man sich orientieren sollte. Sozusagen ein intellektuelles „Immerdrauf“ bei gleichzeitigem Verzicht auf das optische „Immerdrauf“.

    Dass Kwerfeldein sowas bringt, finde ich klasse, aber das sollte dann bei Bedarf eben auch kritisch betrachtet werden.

    Schönen Tag an alle.

    • „… und die Kursteilnehmer, deren BIlder sie in dem Buch zeigen, sehen alle gleich aus …“

      Sorry, das ist natürlich Bullshit. Nicht alle Teilnehmer der Workshops sehen gleich aus, sondern deren Fotos.

    • Nun ja, man kann halt nur über ein Rezept schreiben. Über die andere Sicht der DInge kann man keinen Artikel verfassen. Dazu muss man sich erst einmal die entsprechenden Bilder erarbeiten. Dann kann man darüber reflektieren und irgendwann kommt der Artikel, der dann wieder letztlich ein Rezept ist.
      Kreative Methoden kann man zwar in Kursen vermitteln, aber einfach anlesen kann man sie sich nicht. Dazu gehört auch ein Dialog mit einem Künstler.

      • Hallo Herr Reiff; ich kann mich AV nur anschließen. Es fehlen nur noch ein paar „Gesetze“ wie die „Drittelregel“ , dieses „goldene Dingsbums“ und die „Spirale von dem Italiener“ …
        Zudem würde ich gerne von ihnen hören, warum man „halt nur über ein Rezept“ und nicht über die andere Sicht der Dinge einen Artikel schreiben können soll? Man kann über alles schreiben, nur nicht über 100 Zeilen. Erstes „Gesetz“ für den Tageszeitungs-Voli. Spaß beiseite – Wie will ich denn in einem Kurs (heißt das nicht Workshop?) Kreativität vermitteln, wenn ich mir nicht vorher die dazu erforderlichen Techniken angelesen und sie mit meinen eigenen Fähigkeiten ausprobiert habe? Es geht hier wohl mehr um Methodenkompetenz. Das bedeutet Informationen zu beschaffen, zu strukturieren, auszuwerten, darzustellen, Ergebnisse richtig zu interpretieren und sie dem entsprechenden Publikum geeignet zu präsentieren. Selbstverständlich kann man über die Definition von Kreativität auch prächtig streiten. Herzlichen Gruß