Polaroid Portrait Frau auf einem Sofa
28. Mai 2020

#instakwer #85

Das Portrait in der Fotografie. So einfach und doch so schwer. Man könnte ganze Bücher darüber schreiben und andere Menschen haben das auch schon getan; daher gibt es zu Euren Portraits in diesem #instakwer nur ein paar lose Gedanken zum Genre von mir, die wohl mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten.

Je nachdem, wie man zur Fotografie gekommen ist und welche Genres man dabei bisher so bedient hat, scheint es mir, dass die Portraitfotografie für die einen so etwas wie die schwierigste Disziplin ist und für andere wiederum auf eine Art furchtbar langweilig, einfach weil es derart viele Portraitfotos gibt, die man überall sieht – oder ist das nur meine eigene Blase?

Ich gehöre eher zu letzterer Gruppe und kann einerseits den Drang verstehen, ein schönes Gesicht oder einfach eines, das einer ganz besonderen Person gehört, dringend in einem Bild festhalten zu wollen – andererseits wurde gefühlt schon jede Art von Portrait tausendfach gemacht, nur eben mit einem anderen Gesicht in der Hauptrolle. Was kann man dem noch hinzufügen? Aber gilt das nicht auch für alle anderen fotografischen Genres?

Andere Menschen sehen es als große Herausforderung an, ein Portrait oder Selbstportrait aufzunehmen. Ein Mensch ist einfach nicht so geduldig wie etwa eine Blume oder Architektur. Und verwandelt sich vor der Kamera oft unbewusst in eine andere Version von sich selbst, die die Person hinter der Kamera gar nicht festhalten möchte. Das authentisch Echte herauskitzeln und dann auch noch Komposition, Licht und alles andere gleichzeitig im Griff haben müssen – puh.

Ich weiß nicht, was die Fotograf*innen der von mir hier ausgewählten Portraitfotos zu diesen Überlegungen sagen oder zu welcher Gruppe sie sich zählen würden. Jedenfalls sind sie mir aufgefallen, sozusagen unter dem Oberthema „das besondere Portrait“, wobei auch diese Bezeichnung wieder so eine Sache ist: Was ist besonders und was nicht? Was sagt das über meine fotografischen Sehgewohnheiten aus, diesen das Prädikat „besonders“ zu verleihen? Und wie seht Ihr das?

Polaroid Mehrfachbelichtung Frau hält Gitarre im Arm

© @juliabeyer; ebenso Titelbild

Ihr möchtet selbst ein Bild einreichen? Dann nutzt auf Instagram den Hashtag #instakwer und vielleicht seid Ihr schon beim nächsten Mal mit dabei. Wir stellen alle zwei Wochen eine kleine Auswahl Eurer Bilder zu einem Artikel zusammen. Die Thema dafür wählen wir spontan aus und lassen uns dabei auch von Euren Einreichungen inspirieren.

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4 Kommentare

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  1. Ja, Portraits gibt es Millionenfach und eines ist wie das andere. Fast.
    Denn eines gelibt den wenigsten: Die Persönlichkeit des/der Portraitieren zu zeigen.

    In der Regel werden Menschen gezeigt, wie man sie sehen möchte, nicht wie sie sind. Da helfen hohe Hacken, greller Lippenstift, ein leicht geöffneter Mund, nahc vorne gebeugte Haltung oder ein gestreckter Oberkörper.

    Ehrlich gesagt, mich langweilen diese Bilder.
    Aber dann gibt es jene, und da kommen viele aus der alten Schule, die zeigen einen Menschen so, dass das Bild etwas ausstrahlt. Durchaus auch arrangiert, ohne aber dabei mit den eigenen Vorstellungen den MENSCHEN vor der Kamera zu einem Objekt zu degradieren.

    Eliot Erwitt, Jim Rakete, Astrid Kirchherr, Peter Lindbergh – sie gehören für mich dazu.
    Solange man den Menschen vor der Kamera auch als Menschen sieht und ihn achtet, erkennt man auch dessen Schönheit und verfällt nicht in gegenseitige Prostutition. Und hat gute Chancen, dass der Betrachter die Bilder auch mit dem Herzen statt mit Langweile oder irgendwelchen Trieben sieht.

    Und vielleicht hilft es, ein Motiv wieder einzufangen anstatt darauf zu schießen. Ich würde beim Fotografieren nie von einem Shooting sprechen, für mich ist und bleibt es eine Session. Ich würde auch nie auf die Idee kommen, ein Kind zu dirigieren und zu dekorieren. Nein, ich beobachte es und kommuniziere mit ihm. Dann nehme ich zwischendurch die Kamera und mache ein Bild.
    Und wenn mir ein Kind sagt, dass es nicht will, wird nicht fotografiert. Auf diese Art wurde ich mit den Bildern bereits zu einer Ausstellung eingeladen.

  2. Wenn ich die Bilder ohne den Titel gesehen hätte, wäre ich nie auf das Thema „Portrait“ gekommen. Das sind für mich zum größten Teil fotografische Spielereien, auf denen der Mensch oft kaum erkennbar ist.

    Vor vielen Jahren bin ich mit Portraits angefangen, da ich aus gesundheitlichen Gründen sehr eingeschränkt war. So kamen die Motive sozusagen zu mir.

    In fast jedem Tutorial über Portraitfotografie werden junge Frauen gezeigt!? Mich interessieren eher ältere Menschen, in deren Gesichtern das gelebte Leben seine Spuren hinterlassen hat. Durch die digitale Fotografie kann ich sofort die Bilder zeigen und die Menschen fassen sehr schnell Vertrauen und werden entspannter. Die schönste Anerkennung ist oft, wenn mir danach gesagt wurde, dass diese Person noch nie so gute Bilder von sich bekommen habe. Ob die hier gezeigten Menschen das auch von sich sagen?

  3. Wow! Das ist eine großartige Auswahl von sehr inspirierenden Fotos.

    Meine acht Favoriten: @juliabeyer (beide), @lady_charleston, @anoukflesch, @alicia.atria, @raven.graphy (beide) und @saschaniethammer.

    Portraits müssen keineswegs langweilig sein. Mir haben immer Serie gefallen wie

    … Richard Avedon: In the American West

    … John Kenny: Portraits of People from Sub-Sahara Africa
    (wird inzwischen sehr oft kopiert)

    … Roger Ballen: Dorps

    … Lee Jeffries: Portraits of Homeless People in the USA

    … Bruce Gilden: Street Portraits

    Und auch die Fotos des renommierten und gut dotierten Taylor Wessing Portrait Prize, die gelegentlich auch eine Menge Anstoß erregten, was ja nicht schlecht ist, wenn man mit seinen Fotos ankommen will, beispielsweise Panayiotis Lamprou, Portrait of my British Wife, 2010
    https://lh3.googleusercontent.com/proxy/5Dn534h9r4x_FgVWTrLcI1gIkJDSmsbpFuLsfhfTqn3ob7BFoBwG2GZxZig7p67ydePdefA4l9r5SDlls380pDpOhu13rkP0oA

  4. liebe aileen,

    genauso wie ich immer wieder und wieder menschen angucken kann und es mir nie langweilig ist (und ich definitiv als alter herr auf dem kissen am offenen fenster den menschen nachgucken werde), so wenig langweilt es mich, portraits anzusehen oder welche zu fotografieren. vielleicht sind es irgendwann mal landschaften. aber ich glaube nicht…

    der witz an portraits ist nicht das fotografieren, also der technische aspekt, sondern die miteinander verbrachte zeit. ob es dazu kommt, dass derjenige oder diejenige etwas von sich zeigen mag. das lässt sich nicht erzwingen und wenn man es nicht erzwingen will, sondern darauf wartet wie auf ein geschenk, dann ist es genau richtig.

    und auch ich fotografiere und shoote nicht. da zucke ich jedesmal zusammen, wenn ich das lese. und ich habe einige ältere und auch männliche menschen fotografiert. aber die kommen nicht so an. im wahrsten sinne des wortes. und dieses furchtbare geschmacksverderbene instagram tut sein übriges… mindestens bei mir. wenn ich mich auch noch so wehre.

    danke für die auswahl. das war das kennenlernentreffen mit lydia. und ich hoffe, wir fotografieren noch ein paar mal zusammen.