kaputtes Schild
30. April 2020

#instakwer #83

Unser treuer Leser Wilhelm Heim wünschte sich im letzten Herbst einmal das Thema „Worte im öffentlichen Raum“ – so würde ich es zusammenfassen. Es fiel mir wieder ein, als mir in Euren #instakwer-Bildern Schilder auffielen, die zum Freihalten von wahlweise Ein- oder Ausfahrten aufforderten.

Nachdem ich etwas darüber sinniert hatte, dass eine Einfahrt doch eigentlich auch immer eine Ausfahrt ist … machte ich mich auf die Suche nach noch mehr Worten, Beschriftungen, Kritzeleien, Schilder, Namen. Und ich wurde fündig: Die Welt um uns herum möchte uns sehr viel mitteilen – was alles erlaubt ist, was alles verboten ist, was hier und was dort ist.

Und dazwischen immer mal wieder Worte, Äußerungen uns unbekannter Menschen, festgehalten für alle anderen auf den Häuserwänden und von eher informellem Charakter. Ohne das dazugehörige Gesicht oder den dahinterstehenden Menschen sehen oder kennen zu können, lesen wir etwa: Weg mit den Grenzen! Evakuiert die überfüllten Flüchtlingslager!

Ein Kommunikationskanal, der parallel zu etwa Radio und Zeitungen verläuft, die bis auf die Leserbriefspalte und ein zugeschaltetes Telefongespräch nur in eine Richtung verlaufen: Da wird nur gesendet und was da gesendet wird, ist meist genau kuratiert und intern kontrolliert.

Schilder und Graffiti senden auch nur, die Interaktionsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt, anders als wir es etwa vom Grundrauschen der überall stattfindenden Diskussionen in den sozialen Medien inzwischen kennen. Abreißen oder übersprühen lassen sich die Äußerungen dennoch. Und manchmal findet sich doch so etwas wie ein „Thread“ an einer Hauswand.

altes Paar biegt um eine Straßenecke

© @ddviki72; ebenso Titelbild

Ihr möchtet selbst ein Bild einreichen? Dann nutzt auf Instagram den Hashtag #instakwer und vielleicht seid Ihr schon beim nächsten Mal mit dabei. Wir stellen alle zwei Wochen eine kleine Auswahl Eurer Bilder zu einem Artikel zusammen. Die Thema dafür wählen wir spontan aus und lassen uns dabei auch von Euren Einreichungen inspirieren.

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2 Kommentare

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  1. There is another way to live … das ist für mich die Avantgarde der „Worte im öffentlichen Raum“, für deren Auswahl ich mich ganz dolle bedanke. Man sieht förmlich, wie laut Worte sein können, ohne dass sie gesprochen werden müssen. Das Exitfoto formuliert sich als ein leises wohltuendes Statement dar, in welchen alles, was mir in den letzten Wochen durch den Kopf gegangen ist, beinhaltet ist.