24. April 2020 Lesezeit: ~7 Minuten

Aktuelle Fotografie-Podcasts – Teil 1

Der Plan für diesen Artikel war simpel: Eine Umfrage in den sozialen Medien starten und fragen, welche Podcasts Ihr am liebsten hört. Die acht bis zehn genannten Podcasts kurz vorstellen und vielleicht nach Anzahl der Nennung eine kleine Top-Liste daraus machen. Doch ich war sehr naiv und es kam völlig anders.

Die Umfrage startete ich auf Facebook und Instagram und nach kurzer Zeit wurden bereits 30 verschiedene Podcasts empfohlen. Schon zwei Tage später waren es über 60! So viele verschiedene Podcasts, die sich mit dem Thema Fotografie auseinandersetzen! Ein wenig überrumpelt von der hohen Zahl, musste ich also meinen Plan etwas umwerfen.

In den nächsten Wochen werde ich mich nach und nach durch die Welt der (zumindest deutschsprachigen) Fotografie-Podcasts hören und Euch in mehreren Teilen jeweils acht Podcasts vorstellen. Dieser erste Teil macht heute mit den meistgenannten Podcasts den Anfang, viel Spaß damit!

PicDrop Podcast

Der Podcast von Andreas Chudowski ist mit Abstand am meisten genannt wurden. Was den Podcast so besonders macht, ist, dass Andreas selbst ein großartiger Fotograf ist und auf Augenhöhe mit bekannten Fotogrößen spricht, kluge Fragen stellt und durch sein Vorwissen sehr tief auf Themengebiete eingeht. Zuletzt durfte er sogar Martin Schoeller als Gast begrüßen.

Am beliebtesten in meiner Umfrage war jedoch die Folge mit „dem Paparazzo“, der aus beruflichen Gründen lieber anonym bleiben möchte. Andreas selbst empfiehlt besonders die Folge mit Urban Zintel, die er als sehr stellvertretend für die Art des Podcasts empfindet.

Die Photologen

Die Photologen sind Thomas Jones und Falk Frassa, die sich jeden Freitag zusammensetzen, um über Fotografie zu reden. Sie nennen das selbst humorvoll Sprechstunde und finden dabei immer genau die Themen, die auch andere Fotograf*innen aktuell umtreiben. Dadurch sind sie ein wichtiger Bestandteil der Woche für viele Menschen aus der Fotoszene geworden.

Die persönliche Lieblingsfolge der beiden Podcaster, zu der sie auch noch nach zwei Jahren Feedback bekommen, ist Folge 13: „Mit der Kamera am Grab“. Wenn Euch das Thema zu schwer ist, schlagen die beiden Folge 122: „Kompetenz, Talent und wie man eine eigenwillige Vision entwickelt“ für Ersthörer*innen vor.

Uncle Bobcast

Die beiden Hochzeitsfotografen Nils Hasenau und Manuel Gutjahr sprechen im „Uncle Bobcast“ miteinander über ihre Erlebnisse bei der Arbeit und aktuelle Fotothemen. Sie schweifen aber gern auch mal ab – insgesamt ist der Podcast sowohl unterhaltsam als auch informativ. Natürlich ist der Podcast besonders für den Bereich der Hochzeitsfotografie interessant, aber hier und da wird auch über Stockfotografie, Technik oder ganz allgemein über Fotografie gesprochen.

Zurzeit veröffentlichen die beiden täglich die „Homeoffice Updates“, um die aktuelle Krise zu dokumentieren und den Hörer*innen zu zeigen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Nach eigener Aussage funktioniert der Podcast am besten, wenn man die Folgen regelmäßig hört, denn vieles baut aufeinander auf. Deshalb ist es auch schwierig, eine einzige Folge als „Leuchtturm“ herauszustellen. Ein kleiner Funfact zum Schluss: Folge 100 ist ausschließlich auf Vinyl erschienen.

OpenTable Podcast

Den OpenTable Podcast gibt es seit diesem Jahr und bisher sind erst zwei Folgen erschienen. Das Besondere am Konzept ist, dass Sebastian H. Schroeder nicht mit anderen Fotograf*innen spricht, sondern mit Menschen aus anderen Berufsgruppen, die auf unterschiedliche Weise mit der Fotografie verbunden sind.

So sprach er in der ersten Folge mit Lars Lindemann, dem Bildchef der GEO und in Folge zwei mit Coach & Consultant Silke Güldner. In Planung sind monatlich erscheinend weitere spannende Gespräche mit Galerist*innen, Kurator*innen, Techniker*innen und vielen mehr, die rings um die Fotografie zu finden sind.

Bam Bam Tapes

Ben Bernschneider merkt man seine Liebe für die analoge Fotografie nicht nur in seinen Bildern, sondern auch bei seinem Podcast an, denn das Thema taucht immer wieder auf. Für die Bam Bam Tapes lädt er sich verschiedene Menschen ein, um locker über Fotografie zu sprechen.

Am beliebtesten in meiner kleinen Umfrage ist die Folge 22 mit dem Kameramann Nik Summerer, in der er über das richtige Framing und die Arbeit am Set spricht. Für Ben selbst ist immer die aktuellste Folge die beste, also hört mal in den Podcast mit Sebastian Kortmann rein, in der es um die analoge Liebe zu 16 mm und die therapeutische Wirkung des Filmentwickelns geht.

Unterbelichtet

Im ebenfalls relativ neuen Podcast von Christopher Klaus und Pablo Heimplatz dreht sich alles um die Welt der analogen Fotografie. Abwechselnd laden sie sich entweder einen Gast zum Interview ein oder besprechen einfach zu zweit Themen, die sie umtreiben.

Als Einstieg in den Podcast empfehlen sie die Folge 5 mit Portraitfotograf Erik Gross. Insgesamt gibt es jedoch erst neun Folgen, so dass die Auswahl noch recht leicht fällt.

Fotografie tut gut

Falk Frassa von den Photologen ist sehr umtriebig und betreibt einen weiteren beliebten Podcast. In „Fotografie tut gut“ geht um alles, was die Fotografie mit uns ganz persönlich macht. Selbstfindung, Trauerbewältigung, Achtsamkeit – Fotografieren dient nicht nur dem Geldverdienen, sondern kann so viel mehr.

Bisher gab es den Podcast sehr unregelmäßig. Ab sofort erscheint er wöchentlich, verrät mir Falk und empfiehlt allen für den Beginn die Folge „Gute Fotos brauchen mehr als tausend Worte“.

On photography

André spricht in unregelmäßigen Abständen mit verschiedenen Fotograf*innen und nimmt sich dabei selbst nicht zu ernst. Er schreibt über seinen Podcast:

Die Folgen erscheinen unregelmäßig und es hat lange gedauert, bis die Tonqualität hinreichend gut geworden ist. Die Gäste sind manchmal namenhaft, manchmal kennt sie keiner und ich rede viel zu viel.

In meiner kleinen Umfrage wurde die Folge mit Analog-Enthusiast und Mitbegründer des Analog:Kollektiv Basem Soliman am häufigsten als Tipp genannt.

 

Am Ende ist es Geschmackssache, wie der beste Podcast für Euch ganz persönlich aussieht. In der Liste sind auch sehr nischige Podcasts. Solche Podcast können großartig sein, haben aber auch eine kleinere Zielgruppe. Ich hoffe, Ihr entdeckt etwas für Euch. Wenn nicht, stelle ich bald in Teil 2 acht neue Podcasts vor. Jetzt erst einmal viel Spaß mit diesen hier und vielleicht helfen sie Euch ja dabei, die Langeweile zu besiegen.

Das Titelbild stammt von Juja Han. Vielen Dank dafür!

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14 Kommentare

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  1. Vielen Dank für die interessante Zusammenstellung.
    Für mich ist es aber anachronistisch genau den Sinn auszuklammern, der für die Fotografie entscheidend ist.
    Aber vielleicht macht Ihr ja auch eine Umfrage über die beliebtesten Youtube-Kanäle, oder gibt es die schon? Der von „opentable“ würde für mich dazu gehören.
    Weiter so

    • Danke Katja für die Recherche und Zusammenstellung.

      Aber ebenso wie Dieter war auch ich jetzt überrascht, wie groß das Interesse an Podcasts in Zeiten von YouTube ist.

      Und ja, eine Aufstellung der beliebtesten YouTubeer zum Thema Fotografie fände ich auch spannend. Die müsste dann aber unbedingt um englischsprachige Kanäle erweitert werden, damit bspw. ein Thomas Heaton, Matt Day oder ein Ted Forbes von The Art of Photography aufgelistet werden.

  2. Schöne Sammlung! Ich habe schon in fast alle reingehört und kann die Empfehlung total gut nachvollziehen. Ganz neu habe ich einen Favoriten: LXS von Björn Lexius! Es gibt erst drei Folgen, die auf englisch sind, aber die Inhalte sind einfach super und man kann ziemlich viel lernen.

  3. Ich bin überrascht, dass es Fotografen gibt, die (noch) keine Fotopodcasts hören.
    Mein erster Podcast war 2009 der happyshooting- Podcast von Chris Marquardt und Boris Nienke, der da schon 2 Jahre existierte und der bis heute jede Woche (!) zuverlässig eine neue Folge herausbringt. Zur Frage vieler Kommentatoren zu Fotografie in einem Hörformat: das geht ganz gut durch die Shownotes zu jeder Sendung . Ich höre Podcasts – überwiegend diverse Fotopodcasts – hauptsächlich in der Bahn beim Berufspendeln von Köln nach Bonn. Auf Youtube schaue ich hauptsächlich Tutorials, die Podcasts sind da breiter gefächert, siehe insbesondere „Fotografie tut gut“

  4. Ich habe einmal in einen Streetfotografie-Podcast hineingelauscht … beide heißen Thomas, und die haben mir den Appetit auf Podcasts verdorben.

    „Hallo Thomas.“
    „Ja, hallo Thomas!“
    „Du, Thomas, was denkst du denn so, wenn du Streetfotografie machst?“
    „Du, Thomas, ich glaube, ich denke dann gar nichts.“
    „Wie, gar nichts?“
    „Richtig, Thomas, ich glaube, ich denke dann gar nichts.“

    Sesamstraße ohne Bild.

  5. Wie bei allen Podcasts sind auch hier ein paar – sorry – Laberformate (*) dabei.
    Aber vielen dank für die Zusammenstellung, die Liste ist top und ich bin gespannt auf Teil zwei.

    (*) labern: sich wortreich über oft belanglose Dinge auslassen, viele überflüssige Worte machen

  6. Vielen Dank für die interessante Liste, ich bin gespannt. Im Foto-Bereich habe ich viele Youtube-Kanäle abonniert, bei Podcasts gab es bisher nur zwei. (Schade, daß sich auch hier „Mauler“ finden – so, als ginge es immer nur genau um sie und es wäre total wichtig, daß alle wissen, warum **sie** was **doof** finden. Nee, ist es nicht.)

  7. Blogartikel dazu: Die unperfekte Welle – aufzehengehen – Jonas Hafner Fotografie