19. März 2020

#instakwer #80

Dank der digitalen Fotografie können wir uns entscheiden, ob unsere Aufnahme farbig oder schwarzweiß sein soll, noch nachdem wir sie aufgenommen haben. Ein Luxus, den es lange nicht gab. Wie oft habe ich schon meine alte Praktica mit einem Farbfilm bestückt und mich dann geärgert, weil diese oder jene Situation in schwarzweiß vielleicht besser gewesen wäre. Oder anders herum.

Ob es den frühen Fotograf*innen auch so ging? Was würden Ansel Adams oder Dorothea Lange heute machen? Wie wären sie mit unseren Wahlmöglichkeiten umgegangen? Würden wir die berühmte „Migrant Mother“ vielleicht nur farbig kennen? Oder würden wir viel mehr blaue Himmel und grüne Wiesen in den atemberaubenden Landschaftsaufnahmen von Adams sehen? Ob sie sich manchmal auch über die Wahl ihres Films im Nachhinein geärgert haben?

Schwarzweiß oder Farbe? Diese Frage stellen häufig auch Fotograf*innen in den sozialen Medien. Teilweise vielleicht nur, um Reaktionen zu bekommen, teilweise aber auch, weil die Frage nicht immer so einfach ist. Manchmal entsteht ein komplett neues Bild, nimmt man ihm die Farben. Der Blick wird anders gelenkt, die Aufmerksamkeit wendet sich anderen Punkten im Bild zu. Strukturen treten hervor und manche Bilder wirken zeitloser.

Im Fall meiner kleinen Auswahl Eurer Fotos wirken die Bilder in schwarzweiß auch um einiges melancholischer. Ein mit Tau bedecktes Blatt, eine von der Sonne beschienene Wasserstelle, das Portrait einer jungen Frau. Klingt alles im ersten Moment nicht nach einfachen Entscheidungen für eine Entsättigung. Zum Glück haben sich die Fotograf*innen in den Fällen dennoch dafür entschieden, aber seht selbst.

Ihr möchtet selbst ein Bild einreichen? Dann nutzt auf Instagram den Hashtag #instakwer und vielleicht seid Ihr schon beim nächsten Mal mit dabei. Wir stellen alle zwei Wochen eine kleine Auswahl Eurer Bilder zu einem Artikel zusammen. Die Thema dafür wählen wir spontan aus und lassen uns dabei auch von Euren Einreichungen inspirieren.

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9 Kommentare

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  1. Heute ist Fotografie in vielen Teilen beliebig geworden. Ich glaube, man hat sich früher bewusst für eine Richtung entschieden, heute hält man sich alle Türen offen. Nicht nur in der Fotografie.
    Ich schätze an der Analogfotografie, dass man sich bewusst entscheiden darf, welcher Film am besten den Charakter einer Szene wieder spiegelt. Und so setzt man sich vielleicht intensiver mit der gewünschten Bildaussage auseinander. In meinen Augen haben Bilder, für deren Stil man sich vor der Aufnahme bewusst entscheidet, mehr Strahlkraft.

  2. Ich stelle Digitalkameras oft auf s/w, und dann auf „JPEG only“, so dass ich die Farben auf keinen Fall bekomme.

    Und zwar dann, wenn ich s/w-Fotos machen will. Mir egal, ob dann der Himmel blau ist. Vor allem bei Regen mache ich das gern so.

  3. eine sehr schöne Auswahl, Katja!
    Mir gefallen die ersten 3 Bilder besonders.
    S/W oder Farbe? Für Sabastiao Salgado ist das keine Frage, er veröffentlich nur Bilder in S/W.
    Auch für mich ist S/W die „richtige“ Fotografie, lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Ich besitze jetzt die 2. Version der Leica M Monochrom mit einem rein S/W sehenden Sensor. Da kommen dann wieder die typischen S/W Filter wie rot oder orange zum Einsatz.

    Die Kamera auf S/W JPG einzustellen, ist glaube ich der schlechteste Weg. Man verschenkt allein durch JPG sehr viel, es sei denn, man hat keine Möglichkdeit, die Bilder digital in S/W (z.B. mit Nik Silver Efex) zu bearbeiten. Man ist dann abhängig von der Firmware der Kamera und der Einsatz von Soft-Filtern geht dann auch nachträglich nicht mehr.

    Analog nutze ich auch fast ausschließlich S/W. Es gibt immer noch/wieder eine tolle Auswahl an Filmen! An der Hasselblad habe ich dennoch die Möglichkeit, in einem weiteren Magazin auf Farbe umzuschalten :-)

    • „Auch für mich ist S/W die „richtige“ Fotografie, lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Ich besitze jetzt die 2. Version der Leica M Monochrom mit einem rein S/W sehenden Sensor. Da kommen dann wieder die typischen S/W Filter wie rot oder orange zum Einsatz.

      Die Kamera auf S/W JPG einzustellen, ist glaube ich der schlechteste Weg. Man verschenkt allein durch JPG sehr viel, es sei denn, man hat keine Möglichkdeit, die Bilder digital in S/W (z.B. mit Nik Silver Efex) zu bearbeiten. Man ist dann abhängig von der Firmware der Kamera und der Einsatz von Soft-Filtern geht dann auch nachträglich nicht mehr.“

      Ist der Text im zweiten Abschnitt nicht genau das Gegenteil vom Text im ersten Absatz?

      Wenn du mit der M Monochrome in s/w fotografierst, kannst du dann mit Nik Silver Efex im nachhinein Filter setzen? Wieso nicht im voraus?

      Vorher kann ich das auch an jeder anderen Kamera, z.B. setze ich die White Balance auf Daylight und dazu einen Orangefilter.

      • da gibt es offensichtlich Missverständnisse, vielleicht habe ich mich nicht genau genug ausgedrückt.

        (es ist sehr irreführend, dass man hier keine Zitate setzen kann, so sieht alles aus wie dein Text und ein Leser kann das schwer auseinander halten)

        In dem ersten Absatz, den du zitierst, schreibe ich ja genau, dass ich richtige rot oder orange Filter einsetze, also vor das Objektiv schraube.

        In dem zweiten Absatz beschreibe ich das vorgehen, wie du es machst. An einer digitalen Kamera kann man in RAW keine Filter einstellen. Das mag gehen, wenn man in JPG fotografiert, was ich nie mache.

        Wenn du auf meinen Namen klickst, kommst du zu meinen S/W Bildern in flickr.

  4. schwarz weiß verfremdet. das ist für mich der schlichtestes grund. man sieht anders. aufmerksamer. beim analogen trifft man die Wahl eh vorher (es gibt aber auch Fotografen, die auf farbfilm fotografieren, um geplant nachher in sw zu konvertieren). noch schlichter: die umwandlung in farbe auf digitalen Wege von analogen Filmen ist für mich oft ein frustrierender prozess. bei sw bleibe ich beim foto. ohne mich in technik und bearbeitungsprogrammen zu verlieren.

    das korn bei sw! es macht aus fotos gemälde. ich liebe alte überlagerte filme. filme mit hoher iso zahl.

    bei digital springt mich sw bei der raw entwicklung an. ich kann es nicht anders sagen. manchmal geht auch beides. ich habe keinen plan.

    ich kann die social media frage „was denkt Ihr, schwarz weiß oder farbe?“ auf den tod nicht ausstehen. das ist von allen texten, die man macht, um das eigene Bild zu teasern, der blödeste.

  5. Herzlichen Dank für das wunderbare Feature! Ich habe mich nicht zuletzt wegen einer Farbsehschwäche der Schwarz-Weiß-Fotografie verschrieben und dadurch kennengelernt, warum manche Fotografen sie als die „Schule des Sehens“ bezeichnen…