29. Oktober 2019 Lesezeit: ~8 Minuten

Berlin Photo Week und tPIC – Ein Rückblick

Mitte Oktober war es soweit. Die zweite Berlin Photo Week und die erste tPIC fanden zeitgleich im Kraftwerk Berlin statt. Ein Fest für alle, die die Fotografie lieben. Das Programm klang bereits im Vorfeld so vielversprechend, das ich es im Magazin angekündigt habe und nach Berlin gereist bin, um mir ein eigenes Bild zu machen. Nach dem Besuch folgt nun mein Rückblick.

Fangen wir mit der tPIC an, denn es handelte sich tatsächlich um zwei verschiedene Veranstaltungen, die sich zwar einen Veranstaltungsort teilten, die man aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtung auch getrennt bewerten muss.

Publikum mit Kopfhörern

tPIC

Die tPIC ist eine Konferenz und richtet sich an Profifotograf*innen. Mit Ticketpreisen von 179 € bis 359 € verirrt sich sicherlich auch kaum jemand in die Konferenz, der die Fotografie nur als Hobby betreibt. Wenn man aber mit der Fotografie den eigenen Lebensunterhalt bestreitet, dann hatte sie einem einiges zu bieten.

An zwei Tagen liefen in diesem Rahmen von morgens um 10 Uhr bis abends um 18 Uhr Vorträge auf drei Bühnen. Und diese waren so vielfältig, dass ich wirklich zu jeder Stunde ein Thema für mich finden konnte. Im Mittelpunkt standen neben Tipps und Inspirationen für das Fotobusiness vor allem Foto- und Urheberrecht sowie Marketing.

Die zwei kleineren Bühnen waren mit Kopfhörern ausgestattet, über die man die Vorträge hören konnte. Ein wenig ungewohnt, aber eine gute Lösung, denn das Kraftwerk hat auf drei Etagen eine sehr offene Architektur. Man hört noch ganz oben den Lärm von unten und hätte sich ohne die Kopfhörer nicht so lange auf die Vorträge konzentrieren können.

Wirklich bequem waren sie aber zugegebenermaßen nicht und ich war ganz froh, dass ich mir zwischendurch immer wieder auch Vorträge auf der dritten großen Bühne angesehen habe. Dort war der Geräuschpegel von unten etwas dezenter und die Vorträge wurden klassisch über Lautsprecher übertragen.

Damit man den Tag übersteht, wurde auf der tPIC rund um die Uhr für das leibliche Wohl gesorgt. Morgens um 9 Uhr war immer Frühstück angekündigt, an dem ich allerdings nie teilgenommen habe, da ich lieber ein wenig länger schlafe und die Abende sehr lang waren. Das Mittagsangebot (nach Wahl auch vegetarisch) habe ich aber mitgenommen und die Schupfnudeln waren super lecker! Den ganzen Tag über gab es Kaffee, abends auch Bier. Alles im Ticketpreis enthalten.

Die Anzahl der Besucher*innen war ideal. Man konnte bei jedem Vortrag einen Platz finden und musste nirgends anstehen, außer am Kaffeeautomaten. Die Konferenz war meiner Meinung nach sehr gelungen und ich kann sie nur weiterempfehlen.

Damit es am Ende nicht nur bei den Vorträgen bleibt, gab es am ersten Abend eine kleine Party zum Vernetzen. Das hat für mich genauso geklappt wie erhofft. Irgendwann saß ich mit tollen Leuten zusammen an einem Tisch, wir redeten über alles Mögliche – nicht nur über Fotografie – und tauschten am Ende Visitenkarten aus. Um 10 Uhr wurden wir dann jedoch schon rausgeschmissen. Nächstes Mal gern länger!

Berlin Photo Week

Die Berlin Photo Week von EyeEm ist ein dreitägiges kostenfreies Festival und fand zeitgleich im Erdgeschoss des Kraftwerks statt. Begrüßt wurde man von einer beeindruckenden Menge bunter Luftballons, die von der Decke hingen. Wenn man es denn hineingeschafft hatte, denn ab mittags bis in den Abend hinein war der Andrang so groß, dass sich eine Schlange vor dem Gebäude bildete. Teilweise warteten die Leute bis zu einer Stunde lang an!

Zu sehen gab es dann eine Mischung aus Messeständen und fotogenen Installationen, an denen man die Technik der jeweiligen Stände ausprobieren konnte. Ideal für schicke Instagrambilder. Hier und da gab es kleine Vorträge und Vorführungen. Die Firmen haben sich dabei viel Mühe gegeben, dass ihre Stände keine langweiligen Verkaufsplattformen werden.

Die Stimmung war dadurch toll und im Vergleich zur Photokina und anderen eher technischen Messen wunderbar bunt. Familien mit Kindern, Studierende und aber auch ältere Menschen nutzten die vielen verschiedenen Möglichkeiten.

Halle mit bunten BallonsAusstellung in einer Halle

Von dieser Halle aus ging es dann auch zur Ausstellungshalle weiter. Doch wer diese besuchen wollte, musste sich wieder auf eine lange Wartezeit einstellen. Ich selbst habe sie aufgrund eines wichtigen Termins nur am ersten Tag sehr kurz ansehen können. Da konnte ich noch nicht ahnen, dass man hier später mehr als 30 Minuten lang würde anstehen müssen, wofür ich einfach keine Zeit fand. Deshalb kann ich Euch zur Ausstellung leider keine qualifizierte Meinung bieten.

In der Halle hingen aber die Arbeiten großartiger Fotograf*innen wie Thomas Hoepker, Sven Marquardt, Evelyn Bencicova, Olaf Heine, Justine Läufer und vielen mehr. Im Nachhinein bereue ich sehr, dass ich mir die Zeit nicht genommen habe.

Generell habe ich aber das Gefühl, dass die Organisation der Berlin Photo Week nicht mit dem Andrang gerechnet hat. Werbung gab es nach außen kaum, was mir meine Berliner Bekannten bestätigten, die durch mich überhaupt erst von dieser Veranstaltung erfahren hatten. Am Ende kamen viel zu viele Menschen für den Veranstaltungsort – vielleicht auch weil das Festival kostenfrei war.

Schlange in einer Halle

Das Kraftwerk Berlin besticht sehr durch seinen Charme. Es wurde 1961 als Heizkraftwerk in Berlin Mitte erbaut und man sieht überall noch Hinweise auf die Geschichte des Gebäudes. Leider ist die von außen so groß erscheinende Halle von innen doch nicht mehr ganz so groß. Sollte die Berlin Photo Week nächstes Jahr erneut stattfinden, hoffe ich, man findet einen ähnlich schönen, aber größeren Veranstaltungsort oder findet eine bessere Lösung, denn in diesem Jahr stieß die Veranstaltung an ihre Grenzen.

Das hat man auch sehr deutlich an der abschließenden Awardverleihung des EyeEm-Fotowettbewerbs gesehen. Dort standen dann sogar die Nominierten in einer schier endlosen Schlange und die Security ließ Pressevertreter*innen nicht mehr hinein. Auf der Bühne, die man von hinten sowieso nicht mehr sah, wurden kurz die nominierten Bilder der verschiedenen Kategorien in einer Slideshow gezeigt und die Gewinner*innen genannt. Alles wirkte sehr husch husch und wenig transparent.

Das war sehr schade, denn wie der Andrang zeigte, war das Interesse ja groß. Da hätte es sich angeboten, mehr über die Bilder zu sprechen und die Jury vorzustellen.

Bunter Raum it vielen Menschen

Fazit

Die tPIC war großartig und man hat der Veranstaltung nicht angemerkt, dass sie zum ersten Mal stattfand. Der Preis ist für das, was sie bietet, absolut im Rahmen. Die Berlin Photo Week richtet sich eher an Hobbyfotograf*innen und hatte definitiv ein paar Schwächen. Aber die Verbindung der beiden an sich sehr verschiedenen Veranstaltungen ist eine tolle Idee. Sie unterstützen sich gegenseitig und machen erst zusammen Dinge wie die Ausstellungshalle möglich.

Wie man es jedoch schafft, eine Veranstaltung weiter so charmant und familiär zu halten und gleichzeitig wachsen zu lassen, ist jetzt die Aufgabe der beiden Veranstalter. Ich hoffe, sie finden eine Lösung, ohne die Grundidee zu verändern. Denn die ist super und könnte zur Entwicklung eines der bedeutendsten Fotofestivals Deutschlands führen.

Disclaimer: Ich habe das Ticket für die tPIC-Konferenz geschenkt bekommen. Ohne Bedingungen. Der Artikel wurde nicht bezahlt und basiert auf meiner Meinung.

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1 Kommentar

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  1. Danke für diesen schönen Bericht über die Berlin Photo Week.
    Ich habe sie mir auch mal angesehen und kann den Bericht in weiten Bereichen teilen.
    Es war eine, auf den ersten Blick wunderschöne Veranstaltung in einem wirklich erstklassigem Ambiente. Die Installationen, die Photoausstellung kamen in diesem Lost Place „Kraftwerk“ sehr gut zur Geltung. Es hat Spaß gemacht die verschiedenen Angebote zu durchforsten.
    Leider wurde die BPW völlig überrannt von Besuchern. So das sich auch draußen an der Straße sehr lange Schlangen bildeten. War man erstmal im Gebäude hat man davon allerdings nichts mehr gemerkt.
    Teilweise fand ich die Organisation auch etwas holperig und teilweise sehr reglementiert. Es gab am Eingang keine Liste mit den Namen der Nominierten, so das immer wieder telefoniert werden musste ob man jetzt Eintritt zahlen musste oder nicht. Fototaschen mussten an der Garderobe abgegeben werden was richtig weh tut wenn man später sieht, das Aussteller einen kostenlosen Reinigungsservice für die Kamera anbieten. Doof wenn die dann in der Garderobe liegt.
    Die Preisverleihung des EyeEm Awards, für mich aus Gründen das Highlight, fand ich auch etwas lieblos. Ich habe nicht mal mitbekommen was die Gewinner für Preise erhalten haben.
    Insgesamt also eine wundervolle Veranstaltung, bei der die Veranstalter überrannt worden sind und hier und da noch etwas Feintuning machen müssen.
    Am Ende finde ich das diese Form der BPW zeitgemäßer ist als die Photokina und viel Potenzial hat um das Thema Fotografie einem jungen Publikum nahezubringen, sowie EyeEm mehr Aussenwerbungen zu verschaffen.